Kultur des Volleyballs: Ein Spiel vor dem Wüstensturm

In der St. Jakobshalle wird zwischen Weihnachten und Neujahr am Topvolley traditionellerweise Spitzenvolleyball bei Gratiseintritt geboten. In diesem Jahr widmet sich eine Ausstellung der Kultur des Volleyballs, aus der wir eine Auswahl präsentieren.

US Marines play volleyball in the Saudi desert, November 9, 1990, during a celebration of the 215th birthday of the Marine Corps as a Marine CH-53 helicopter takes off in the background. (KEYSTONE/AFP PARIS/Pascal Guyot) (Bild: Keystone/Pascal Guyot)

In der St. Jakobshalle wird zwischen Weihnachten und Neujahr am Topvolley traditionellerweise Spitzenvolleyball bei Gratiseintritt geboten. In diesem Jahr widmet sich eine Ausstellung der Kultur des Volleyballs, aus der wir eine Auswahl präsentieren.



US Marines spielem am 9. November 1990 in der saudi-arabischen Wüste Volleyball.

US Marines spielem am 9. November 1990 in der saudi-arabischen Wüste Volleyball. (Bild: Keystone/Pascal Guyot)

Noch feiern die Marine-Soldaten mit Bud-Bier, Grilladen und einer Partie Volleyball den 215. Geburtstag ihres Marinecorps. Doch im November 1990 ist der Krieg nicht mehr weit. Die Soldaten sind Teil der Operation «Desert Shield», zur Verteidigung Saudi Arabiens vor einem Angriff aus dem Irak.

Zwei Monate später ist aus dem «Shield» ein «Storm» geworden, die Verteidigung wird zum Angriff. 237 Tote und 776 Verletzte fordert der zweite Golfkrieg zwischen Januar und April 1991 aufseiten der Alliierten. Auf der Seite der Gegner werden die Opfer weniger genau gezählt: Geschätzte 25’000 bis 75’000 Irakis werden durch Boden-Luft-Raketen und die Volleyball spielenden Marine-Soldaten getötet.

Eingebettete Journalisten liefern die Bilder

Das Bild der amerikanischen Soldaten, das auf so kraftvolle Weise das Dröhnen des Krieges mit der Leichtigkeit des Spiels verbindet, ist kein Zufall. Der erste Irakkrieg war auch der erste moderne Medienkrieg. Nach den Erfahrungen in Vietnam, wo kritische Presse in Saigon einen Meinungsumschwung in Washington auslöste, ist der Umgang mit den Medien im Irak nun Teil der Kriegsstrategie.

Nur ausgewählte Journalisten dürfen vor Ort berichten, die ersten «Embedded Journalists» ziehen mit den Soldaten in die Schlacht. Die Folge davon sind Bilder wie jenes mit den Volleyball spielenden Soldaten. Die Scheusslichkeit des Krieges, sie wird durch ein Netz verdeckt.

Volleyball auf dem Feld – Kultur daneben

Volleyball ist mehr als ein Wettkampf um jeden Punkt. Volleyball ist Kultur. Seit über hundert Jahren wird es gespielt: in der irakischen Wüste, auf dem russischen Kriegsschiff, im Dschungel von Myanmar und vor katholischen Klöstern. In der Ausstellung Volley Culture. Weltkultur des Volleyballspiels gewährt das Sportmuseum in der St. Jakobshalle vom 27. – 29. Dezember anlässlich der Women’s Top Volley International 2014 Einblicke in die Kulturgeschichte des Volleyballs.

Benedikt Wyss ist Ausstellungsleiter im Sportmuseum Schweiz und Kurator der Ausstellung «Volley Culture».

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