Léo Lacroix soll der neue FCB-Verteidiger sein – nur nicht um jeden Preis

Der FC Basel will eigentlich noch einen Innenverteidiger holen. Nach Informationen der TagesWoche wird dies der Romand Léo Lacroix (25) werden, der in Frankreich bei St-Etienne unter Vertrag steht. Aber beim Meister sieht man sich auch in gewissen Zwängen.

Sitzprobe im Joggeli: Léo Lacroix im November beim WM-Qualifikationsspiel der Schweiz gegen Nordirland.

Am Mittwoch um Mitternacht schliesst das internationale Transferfenster. Dann ist es fürs Erste mit dem ganz grossen Hype wieder für ein halbes Jahr vorbei. Für die Vereine der Schweizer Super League gilt eine längere Frist: Bis zum 15. Februar hätte der FC Basel zum Beispiel noch Zeit, um die Lücke auf der Innenverteidigerposition zu schliessen, die der Wechsel von Manuel Akanji verursacht hat.

In den zurückliegenden zwei Wochen liess man beim FCB keinen Zweifel daran, Ersatz holen zu wollen. «Alles andere ist fahrlässig», verlieh Trainer Raphael Wicky zum Ende des Trainingslagers diesem Wunsch Nachdruck und erläuterte gegenüber der «Basler Zeitung» weiter: «Jetzt einen 17-jährigen Spieler einzubauen, der keine Erfahrung in der Super League hat, das ist nicht das, was ich will. Und es ist auch nicht das, was Sportchef Marco Streller will.»

Wie eng es auf dieser Position werden könnte, verdeutlichte wenige Tage später die Verletzung von Eder Balanta. Der Kolumbianer hat sich am Mittwoch voriger Woche einen Mittelhandbruch zugezogen. Er wird zwar mit einer Bandage schnell wieder einsatzfähig sein, aber die Personaldecke in diesem Mannschaftsbereich ist dünn.

Der Plan ist eine «Zwischenlösung», wie es Roland Heri, der Sportkoordinator beim FCB, nennt. Man denkt an eine Ausleihe, einen Spieler also, der der mittelfristigen Kaderplanung nicht im Wege steht. Zum Beispiel Eray Cümart, derzeit vom FCB in Sion parkiert.

Dass Cümart nicht sofort zurückgeholt werden kann, weil offenbar eine entsprechende Klausel fehlt, will Heri nicht kommentieren. Ausserdem ist Cümart nach einer Schulteroperation erst wieder auf dem Weg zurück. Ihn erwartet der FCB aber im Sommer wieder in Basel.

Lacroix bringt Erfahrung mit

In den letzten Tagen heiss gehandelt wurde Léo Lacroix. Der 1,97-Meter-Hüne, der beim FC Sion seine Profikarriere lanciert hat, steckt mit der AS Saint-Etienne im Abstiegskampf der Ligue 1. Die Franzosen haben gerade mit Neven Subotic von Borussia Dortmund einen neuen Innenverteidiger verpflichtet, was den Spekulationen um den 25-jährigen Lacroix, früherer Schweizer U21-Nationalspieler und im Herbst auch für die A-Auswahl nominiert, Nahrung gab.

«Es gibt ein gewisses Interesse an Lacroix», bestätigt Heri. Und schränkt im gleichen Atemzug ein: «Wir suchen auf dieser Position eine valable Lösung, aber nicht um jeden Preis und nicht zu Konditionen, die wir uns diktieren lassen.»

Empfehlung: Der im Wortsinn überragende Léo Lacroix (weisses Trikot) im Cupfinal 2015 gegen Marco Streller. Die Partie sass wie ein Stachel im Basler Fleisch.

Aus zuverlässiger Quelle hat die TagesWoche erfahren, dass die Personalie Lacroix sich im Sinne des FC Basel entwickelt. Der aus Lausanne stammende Spieler nähert sich quasi Basel und bringt jenen Rucksack an Erfahrung mit, den sich die sportlich Verantwortlichen auf dieser Position wünschen: 96 Spiele für den FC Sion (3 Tore) und 38 Spiele für die AS St-Etienne, die ihn vor eineinhalb Jahren für rund drei Millionen Franken aus dem Wallis transferierte.

An Lacroix, der 13-facher Junioren-Auswahlspieler der Schweiz war, hat vor allem FCB-Sportdirektor Marco Streller eine ebenso unliebsame wie für sich sprechende Erinnerung: Im Cupfinal von 2015 (0:3-Niederlage) wurde Streller vom Sion-Innenverteidiger kaltgestellt.

Der Auftrag von FCB-Präsident Burgener

Heri kann verstehen, dass im Umfeld Ungeduld und Sorge herrscht, verdeutlicht jedoch: «Wir haben von Bernhard Burgener den Auftrag, einerseits die Pipeline offen zu halten für junge und eigene Spieler. Und andererseits müssen wir das Kader verkleinern. Den Auftrag wollen wir erfüllen – auch wenn das mit zeitweiligen härteren Momenten verbunden ist.» Aber mit Überzeugung fügt Heri an: «So oder so bleibt es unser Ziel, Schweizer Meister zu werden.»

Gehen lassen will der FC Basel auf den letzten Metern dieser Transferperiode auch niemanden mehr. Am Dienstagnachmittag hatte der FCB keine konkrete Anfrage für einen der üblichen Verdächtigen auf dem Tisch. Und Heri verdeutlicht: «Wir wären auch nicht gross bereit zu diskutieren.»

Der FC Basel setzt die Saison am Sonntag, 4. Februar, mit dem Heimspiel gegen den FC Lugano (16 Uhr, St.-Jakob-Park) fort.

Inzwischen ist bestätigt, dass Lacroix zunächst leihweise von der AS St-Etienne zum Meister wechselt.

Konversation

Nächster Artikel