Marcel Koller bringt zwei Weggefährten mit und erkennt viele Möglichkeiten im FC Basel

Der FCB bekommt mit Marcel Koller den Trainer mit Erfahrung, den er sich gewünscht hat. Assistiert wird Koller von Carlos Bernegger und Thomas Janeschitz. Nicht mehr zum Stab der ersten Mannschaft gehört Matias Delgado. 

Der neue Name in Basel: Marcel Koller unterschreibt beim FCB bis 2020.

Im April 2017 sass Marco Streller auf dem Podium des Medienzentrums im St.-Jakob-Park neben Raphael Wicky, als dieser den Medien als neuer Trainer des FC Basel vorgestellt wurde. 15 Monate später nimmt der Sportchef in gleicher Mission an gleicher Stelle Platz. Wieder mit einem neuen Trainer, diesmal aber in Begleitung des Präsidenten und Besitzers Bernhard Burgener. Als wollten die Verantwortlichen damit zeigen, dass diesmal ein Trainer-Schwergewicht und kein Neuling präsentiert wird.

«Wir wollten jemanden, der Chef in der Kabine ist. Das ist nicht als Kritik an Raphael Wicky zu verstehen, aber unter ihm herrschten eher flache Hierarchien», sagt Sportchef Marco Streller zur Verpflichtung Marcel Kollers. Der Zürcher hat einen Zweijahresvertrag mit Option unterzeichnet.

Der 57-Jährige war einer von drei Kandidaten, die der FCB in die engere Auswahl gezogen hat. Eine Absage bekam der Klub von Ralph Hasenhüttl, dem Ex-Leipzig-Trainer. Koller übernimmt eine Mannschaft, die unter Wicky mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet ist und am Tag vor der Vertragsunterzeichnung unter Interimstrainer Alex Frei beim Aus in der Champions League einen desolaten Eindruck hinterliess.

«Das ist ein Nachteil für den Verein, weil er weniger Geld generieren kann», sagt Koller zur Lage im Europacup. Nach der Premiere gegen GC am Samstag (St.-Jakob-Park, 19 Uhr) wird der Zürcher bereits kommenden Donnerstag das Hinspiel in der Europa-League-Qualifikation bestreiten.

Delgado wird von Koller nicht gebraucht

Um dem Team seine Vorstellungen zu vermitteln, reicht das nicht. «Wir haben fast keine Zeit zum Arbeiten und können nicht so intensiv trainieren, wie wir das gerne würden. Eineinhalb Tage bis zum Spiel gegen GC sind sehr wenig. Aber nichtsdestotrotz: Es geht um die Wiederholung, darum, den Spielern immer wieder zu erzählen, was unsere Ideen sind», sagt Koller.

Marcel Koller (links) am Donnerstagnachmittag bei seiner Präsentation als neuer FCB-Trainer neben Sportdirektor Marco Streller und Präsident Bernhard Burgener.

Seine Arbeit erleichtern sollen zwei Assistenten, die er aus früheren Engagements kennt. Carlos Bernegger (49) und Thomas Janeschitz (52). Über die beiden sagt Koller:

Marcel Koller und sein Assistent Thomas Janeschitz (rechts) im Februar 2012.

«Thomas Janeschitz war sechs Jahre lang mein Assistent bei der österreichischen Nationalmannschaft. Er war lange Zeit für die Trainerausbildung beim österreichischen Fussballverband zuständig und hat Junioren-Nationalteams trainiert. Ich habe ihn von der U18 hochgezogen.»

Carlos Bernegger als GC-Trainer im August 2017 im St.-Jakob-Park.

«Mit Carlos hatte ich eine sehr gute Zeit bei den Grasshoppers. Wir haben 2003 zusammen den Meistertitel geholt und standen während meiner Zeit im Ausland ständig in Kontakt. Er weiss, wie ich Fussball spielen lassen will, und ich wollte keinen Co-Trainer, den ich auch noch anlernen muss.»

Auch aus diesem Grund wird Matias Delgado nicht mehr zum Stab der ersten Mannschaft gehören, was dem ehemaligen Basler Captain am Donnerstagmorgen mitgeteilt wurde. Koller sagt: «Ich will keinen riesengrossen Staff.» Und Sportchef Streller sagt: «Wir haben Matias Delgado in Absprache mit Marcel Koller gesagt, dass er momentan nicht mehr dabei ist. Matias hat dafür Verständnis.»

Alex Frei trainiert ab sofort wieder die U18, während Marco Schällibaum dem Verein als Defensivtrainer erhalten bleibt, den der FCB auf dem Campus für sein Ausbildungslabel nachweisen muss. Weiter zum Trainerstaff der ersten Mannschaft gehört Thomas Häberli, der das Trio Koller, Janeschitz und Bernegger ergänzt.

Die letzten neun Jahre  sieht Koller nicht als Problem

Carlos Bernegger kehrt also nach fünf Jahren zum FC Basel zurück, wo er bis 2013 Nachwuchskoordinator und Trainer der U21 war. Zuletzt wurde er im August 2017 bei den Grasshoppers entlassen, was ihm zuvor schon beim FC Luzern passiert war.

Thomas Janeschitz war Nachwuchstrainer – zuerst bei Rapid Wien, dann bei Admira Wacker und der Austria Wien. Danach übernahm er die zweite Garde der Austria und wurde schliesslich Co-Trainer der ersten Mannschaft, bevor er Koller bei der Nationalmannschaft assistierte. In Österreich wurde Janeschitz – bei aller zwischenzeitlichen Verehrung für Koller – stets als wichtiger Kopf in der Trainercrew der Nationalmannschaft betrachtet.

Der Wiener war ebenso lange nicht mehr Klubtrainer wie Koller. Der sieht die neun Jahre ohne regelmässigen Trainingsrhythmus jedoch nicht als Nachteil: «Es kommt auf die innere Einstellung an.»

Burgener schliesst Transfers nicht aus

Der neue Trainer übernimmt die Mannschaft eines Vereins, in dem seit vielen Wochen kaum einmal Ruhe herrscht. Koller stand zu den grossen Zeiten der Grasshoppers auf dem Rasen und sagt: «In einem Spitzenverein gibt es nie vollständige Ruhe. Und der FCB ist ein absoluter Topklub in der Schweiz, mit vielen Möglichkeiten und grossen Erfolgen in der Vergangenheit.»

Nicht bekannt ist, ob Marcel Koller weitere Spieler zur Verfügung haben wird. Präsident Burgener sagt: «Wir sind offen. Der Trainer wird sich alles anschauen, und wenn nicht alles top ist, muss er uns das sagen.»

https://tageswoche.ch/sport/marecl-koller-uebernimmt-der-fc-basel-findet-den-gegenentwurf-zu-wicky/

Konversation

  1. …ein (womöglich) erstklassiger wenn auch in der vergangenheit wenig sympathisch wirkender trainer, mit einem fast schon zweiklassigen kader und einer eher drittklässigen vereinsführung. mein basler herz blutet.

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