Mehr Rotation als üblich und eine bekleckerte weisse Weste

Im siebten Spiel unter Marcel Koller gewinnt der FC Basel zum ersten Mal nicht. Beim 1:1 gegen den FC Zürich nominierte der Trainer drei neue Feldspieler für die Startformation. Das ist weit mehr als üblich und gründet in der kommenden Aufgabe in der Europa League.

Wenn Trainer Ludovic Magnin auf die letzten Wochen seines FC Zürich zurückblickt, dann beschreibt er die Geschehnisse als «gutes Brot für die Presse». Am 17. August kommunizierten die Zürcher, dass Michael Frey beim FCZ bleiben werde und beendeten damit die Gerüchte um einen möglichen Wechsel des Stürmers nach Istanbul. Und sechs Tage später, am Donnerstag, stand auf der Internetseite des Stadtclubs, dass Frey doch in die Türkei transferiert werde.

Es war ein kommunikatives Durcheinander, in dieser Form mehr als unüblich. Und am Sonntag sorgte ein anderer Stürmer des FC Zürich für Schlagzeilen, respektive eine seiner Szenen in der fünften Super-League-Runde: Schiedsrichter Alain Bieri verwehrte Stephen Odeys Treffer in der 67. Minute wegen einer Abseitsstellung, die keine war. Es wäre der Ausgleich gewesen gegen den FC Basel, der im Letzigrund kurz vor der Pause in Führung gegangen war, und möglicherweise gar als Verlierer vom Platz gegangen wäre, hätte Odeys Tor gezählt. Denn Zürich war nach Seitenwechsel die bessere Mannschaft, da waren sich auch die beiden Trainer einig.

Erst Pa Modou glich eine Viertelstunde vor Schluss die Partie aus. Und weil es in dieser Partie plötzlich drunter und drüber ging, hätte Magnin beinahe noch die Niederlage in letzter Sekunde erklären müssen: Samuele Campo verpasste es in guter Abschlussposition mit einem Schuss ans Aussennetz, die Partie in der 92. Minute auf den Kopf zu stellen.

Sieben Punkte Rückstand auf YB

Nach dem 1:1 sagt Magnin: «Über die ganze Distanz betrachtet ist dieses Unentschieden gerecht.» 13’162  Zuschauerinnen erinnern sich an eine über weite Strecken ereignisarme Partie zwischen dem Tabellenzweiten Basel und dem Tabellenvierten Zürich, in der die Basler im siebten Spiel unter Trainer Marcel Koller zum ersten Mal nicht gewonnen haben.

Für den FCB ist das Resultat trotz der sieben Punkte Rückstand auf Leader YB verkraftbar, derart jung ist die Saison. Ohnehin steht für die Basler aktuell vor allem ein Ereignis im Zentrum: das Rückspiel in den Europa-League-Playoffs am kommenden Donnerstag in Nikosia gegen Apollon Limassol, in dem sie sich für die Gruppenphase qualifizieren können. Dann hat der FCB einen 3:2-Sieg aus dem Hinspiel zu verteidigen.

Wegen der Affiche gegen die Zyprioten liess sich Koller zu ungewöhnlich viel Rotation verleiten: Das Cupspiel gegen Montlingen ausgeklammert hat Koller erst einmal drei Wechsel in der Startformation vorgenommen, beim Hinspiel gegen Vitesse Arnheim, das dank des Tores von Ricky van Wolfswinkel in der Nachspielzeit gerade noch gewonnen wurde. Ab da holte der Trainer jeweils einen neuen Feldspieler in die Startelf und gewann mit der Konstanz seiner Formation alle Spiele – bis er gegen Zürich zum zweiten Mal drei Neue nominierte und er mit dem ersten Unentschieden nach sechs Siegen in Serie seine weisse Weste bekleckerte.

Koller lobt Campos Technik und Übersicht

An den Wechseln lag es allerdings nicht. Der 18-jährige Noah Okafor machte eine prima Partie bei seinem dritten Startelfeinsatz, Taulant Xhaka war bei seinem Liga-Comeback der gewohnt fleissige Arbeiter und Campo im offensiven Mittelfeld erzielte nicht nur das einzige Basler Tor, sondern erarbeitete sich auch weitere Möglichkeiten.

Besonders Campos Einsatz hat Koller im Hinblick auf das Rückspiel in Zypern gewählt. Der ehemalige Basler Junior spielte für Luca Zuffi und Koller sagt: «Wir wollten Luca eine Pause gönnen, weil es am Donnerstag für uns bereits weitergeht und er bis jetzt immer gespielt hatte. Samuele hat im Training ein paar Anpassungen gebraucht, jetzt hat er eine sehr gute Partie gemacht und wir sind froh, einen Spieler mehr zu haben. Mit seiner Technik und Übersicht ist er wertvoll für uns.»

Trotz des Lobes für Campo dürfte am Donnerstag wieder Zuffi hinter der Sturmspitze Albian Ajeti spielen. Diese agierte im Letzigrund über weite Strecken ebenso glücklos wie viele seiner Offensivkollegen. Gerade mal drei Schüsse flogen auf Yanick Brechers Tor, gefährlich war davon lediglich jener Campos, der zum Führungstreffer führte.

Die Zahlen zum 1:1 zwischen dem FC Zürich und dem FC Basel in der fünften Runde der Super League 2018/19.

Auf der anderen Seite unterschätzte FCB-Goalie Martin Hansen beim Gegentreffer nach eigenen Aussagen die Flanke auf Torschütze Pa Modou. Ansonsten zeigte der Ersatz für den verletzten Jonas Omlin eine Partie ohne gröbere Fehler – und die eine oder andere schöne Parade.

Auch auf den dänischen Ersatzmann wird es am Donnerstag in Zypern ankommen, wenn der FC Basel die Gruppenphase der Europa League erreichen will. Schafft er das nach dem knappen Ergebnis im Hinspiel zum ersten Mal seit 15 Jahren nicht, gibt es auch in Basel «gutes Brot für die Presse», wie Zürichs Trainer Magnin sagen würde.

https://tageswoche.ch/sport/rotblaulive-der-fc-basel-zu-gast-beim-fc-zuerich/

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