Nach der Pflichtaufgabe schielt der FCB mit einem Auge nach Bern

Mit 7:2 gegen den FC Echallens qualifiziert sich der FC Basel für den Cup-Achtelfinal. Als nächste Aufgabe warten die Young Boys in der Super League. Die Berner erleben am Mittwoch ihr Debüt in der Champions League. Und die Basler schauen mit.

Immer, wenn Fabian Frei auf sein Alter angesprochen wird, verdreht er die Augen. Ganz so tragisch wird es zwar nicht sein, dass er Anfang nächsten Jahres 30 Jahre alt wird. Sonst würde ihm der Gedanke daran nicht ein Schmunzeln entlocken, das ihm die Grübchen in die Wangen zeichnet. Aber ein klein wenig scheint es ihn doch zu beschäftigen.

Umso wohltuender ist es für ihn, wenn er Anekdoten wie die folgende  erzählen darf: Beim Stand von 6:1 gegen den FC Echallens tritt der Innenverteidiger des FC Basel einen direkten Freistoss, was eigentlich das Kompetenzgebiet eines Luca Zuffi oder Samuele Campo ist: «Alle sagten mir, Sämi solle doch schiessen», erzählt Frei, «aber auf dem Feld war mir das egal. Jetzt schiesst mal der alte Mann, dachte ich.»

Und der alte Mann, der kein alter Mann ist, verwandelte seinen Versuch zum 7:1, mit seinem rechten Fuss aus halbrechter Position, rund 25 Meter vom Tor entfernt. Ein Treffer gelang dem Gegner noch, in der Nachspielzeit auf dem sehr gut gepflegten Rasen des Stade des Trois Sapins, dann war die Cup-Partie vor 4087 Zuschauerinnen zu Ende und der FC Basel für den Achtelfinal qualifiziert.

YB schauen am Mittwoch

Zwei Wochen nach dem 1:1 gegen den FC Thun hat der FCB also mit einem Sieg den Wettbewerbsbetrieb nach der Nationalmannschaftspause wieder aufgenommen. Und auf der Heimfahrt nach Basel schaute wohl kaum einer die Partie der Young Boys, die auswärts gegen den FC Schaffhausen spielten und erst in der 122. Minute den 3:2-Siegtreffer erzielten. In der kommenden Woche aber wird das Basler Interesse am Rivalen aus Bern gross sein.

Am Mittwoch spielt YB zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der Champions League, zuhause gegen Manchester United. Frei sagt zu dieser Affiche: «Wenn ich nichts anderes vorhabe, kann man auch mal YB schauen.» Albian Ajeti sagt dazu: «Wenn ich einen freien Abend habe oder nichts vorhabe, dann schaue ich den Match vielleicht schon.»

Man darf annehmen, dass das Gros des Basler Kaders die Partie verfolgen wird, auch wenn das nach dem Cupspiel gegen den 1.-Ligisten Echallens offiziell niemand so richtig zugeben mochte. Ausser Trainer Marcel Koller: «Ich werde das Spiel schauen, wenngleich nicht im Stadion. Die Partie ist wichtig für die Schweiz. In den letzten Jahren hat der FCB die Punkte für die Schweiz geholt, jetzt hoffen wir, dass YB auch dazu beitragen kann.»

Mit Zambrano fällt der nächste Innenverteidiger wochenlang aus

Vier Tage später gastiert Koller mit dem FCB im Stade de Suisse. Und er wird in dieser siebten Runde der Super League versuchen, aus neun Punkten Rückstand deren sechs zu machen. Zuversichtlich stimmt Koller, dass der FCB gegen Echallens zumindest in der zweiten Halbzeit frei aufspielte und so viele Treffer erzielte wie noch nie in dieser Saison: «Diese Tore sind gut für die Stimmung. Und wenn man die Freude sieht bei den Offensivspielern, dann merkt man, wie gut ihnen diese Erfolge tun.»

Im Waadtland stellte Koller ein Team auf den Rasen, das durchaus auch gegen YB auflaufen könnte. Es war zwar nicht die bestmögliche Mannschaft, die das Kader hergibt, aber es war die bestmögliche Mannschaft in der aktuellen Situation mit den vielen Verletzten.

Fabian Frei musste einmal mehr in der Innenverteidigung ran, weil sich Carlos Zambrano im Abschlusstraining verletzt hatte. Der Peruaner war von der sportlichen Leitung geholt worden, weil sich Innenverteidiger Marek Suchy verletzt hatte. Jetzt fällt auch Zambrano «wochenlang» aus, wie Koller sagt.

Koller will die eigenen «Waffen herauskitzeln»

Weil Frei in der Abwehr gebraucht wurde, spielte Luca Zuffi im defensiven zentralen Mittelfeld und überliess seinen Platz in der Offensive Samuele Campo, der den fünften Basler Treffer gegen Echallens erzielte. Sollte Frei gegen YB nochmals hinten aushelfen müssen, würde Campo wohl auch gegen YB die Fäden in der Offensive ziehen. Doch vieles deutet darauf hin, dass Eray Cömert gegen die Berner zum Zug kommen könnte und Frei damit wieder ins Mittelfeld beordert wird.

Cömert war von Koller geschont worden, weil er im Spiel mit der Juniorennationalmannschaft einen Schlag abbekommen hatte. Spielt der 20-Jährige am Wochenende anstelle von Frei an der Seite des 25-jährigen Eder Balanta gegen YB, so stellt der FCB eine eher junge Innenverteidigung – und das gegen die beste Schweizer Offensive.

19 Tore haben die Berner bei den sechs Siegen in sechs Liga-Spielen erzielt, das sind acht mehr als der FC Basel. Zudem hat YB gerade mal vier Gegentreffer zugelassen, was ebenfalls mit grossen Abstand Liga-Bestwert bedeutet. Trotzdem rechnet sich Basels Trainer Koller Chancen aus: «Wir haben auch unsere Waffen – und die müssen wir herauskitzeln.»

https://tageswoche.ch/sport/rotblaulive-der-fc-basel-zu-gast-in-echallens/

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