Neue Qualitäten und ein neuer Torschütze

In einer Grundordnung mit Dreierabwehr und zwei Stürmern schlägt der FC Basel den spanischen Spitzenclub Athletic Bilbao in Lens 3:2. Es war ein Test, der sich sehen lassen kann. 

Hier kann Marek Suchy Bilbaos Offensivspieler Sabin Merino noch stoppen, später trifft Sabin zum 1:1-Ausgleich. (Bild: Keystone/Cyril Zingaro)

Die Chronik: Stürmer tanken Selbstvertrauen

Der vorletzte Test vor dem Saisonstart am 22. Juli war der gehaltvollste bislang. Als der FCB in seiner 3-1-4-2-Grundordnung warmgelaufen war, setzte er den Siebten der Primera Division ordentlich unter Druck. Auffallend war die Präsenz von Omar Gaber, dem in diesem System die Freiheiten auf dem rechten Flügel gut tut. Ebenso überzeugend: Der neu als Libero vor der Abwehr agierende Matias Delgado, der der Spieleröffnung eine ganz neue Qualität gibt. Von gewohnter Qualität: sein Elfmeter zum 1:0 – Torhüter in der einen, Ball in der anderen Ecke.

Dass der Schweizer Meister in Überzahl in Rückstand geriet, spricht nicht für das Abwehrverhalten zum Beispiel von Pedro Pacheco vor dem 1:1. Für die Klasse der Basken spricht das 1:2, als der von Middlesbrough zurückgeholte Kike Sola sich zum für Marek Suchy schwer zu verteidigenden Kopfball hochschraubte.

Eine Stunde lang liess FCB-Trainer Raphael Wicky seine Startelf laufen, und die schaffte mit der letzten Aktion den Ausgleich: Von Luca Zuffi lanciert, traf der bis dahin kaum gesehene Ricky van Wolfswinkel und tankte Selbstvertrauen. Und dann gab es noch eine Premiere: Afimico Pululu, der 18-jährige Stürmer aus dem Elsass, dem grosses Potenzial attestiert wird, holte in der 84. Minute erst einen Corner heraus und lenkte die Hereingabe von Kevin Bua mit dem Kopf über die Linie. Es war sein erstes Tor für den FCB im Dress der Profis.

Des Trainers Monolog: «Zu einfache Gegentore»

«Wir haben eine Viertelstunde gebraucht, um gegen einen aggressiven Gegner ins Spiel zu finden. Dann waren wir dominant und haben uns wie in den Testspielen zuvor einige Chancen herausgespielt», sagte Raphael Wicky nach dem Schlusspfiff in Lens. «Gegen zehn war es dann nicht einfach, aber die Reaktion nach dem 1:2-Rückstand und von den neun eingewechselten Spielern war gut. Allerdings haben wir die Gegentore zu einfach bekommen. Ob die Grundordnung mit einer Dreierkette in Abwehr auch für den Saisonstart gegen YB eine Option ist, weiss ich noch nicht. Wir haben eine Idee, werden das aber noch genauer analysieren.»

Der Nebenschauplatz: Einspruch abgewiesen

Es lief die 29. Minute im idyllisch gelegenen Stade du Christ-Roi, als nach einem Eckball der mächtige Kopfball von Marek Suchy aufs Tor flog. Zugegebenermassen war die Parade von Mikel Balenziaga spektakulär, aber weil er eben nicht der Torhüter ist, zückte Schiedsrichter Sascha Amhof ohne Zögern die rote Karte. Und das nicht nur zum Leidwesen der Spanier, sondern auch des Gegners. Raphael Wicky intervenierte noch beim vierten Offiziellen, doch dem Einspruch des FCB-Trainers wurde nicht stattgegeben. Denn der hätte den Testcharakter der Partie gerne mit elf gegen elf fortgesetzt: «In so einem Spiel will man etwas ausprobieren.» Selbst die FCB-Spieler erkannten die Situation, konnten den Unparteiischen aber auch nicht erweichen: Regelwerk ist Regelwerk und die Partie, eingebettet in das «Festival des Alpes», hatte so etwas wie offiziellen Charakter. «Es ist eine Schande», fand Mohamed Elyounoussi, und Wicky hätte der Penalty gereicht. Den verwandelte Matias Delgado dann übrigens in gewohnter lässiger Manier.

Die Fakten aus 90 Minuten

FC Basel–Athletic Bilbao 3:2 (1:1)

Stade du Christ-Roi, Lens. – 1050 Zuschauer. – Schiedsrichter: Amhof.

Tore: 30. Delgado (Handspenalty) 1:0, 40. Merino Sabin 1:1, 48. Kike Sola 1:2, 60. van Wolfswinkel (Zuffi) 2:2, 84. Pululu (Bua) 3:2.

FC Basel bis 60. Minute (3-1-4-2): Salvi; Pacheco, Suchy, Balanta; Delgado; Gaber, Xhaka, Zuffi, Steffen; Elyounoussi, van Wolfswinkel.

FC Basel ab 61. Minute (3-1-4-2): Salvi; Lang, Suchy, Akanji; Serey Dié; Petretta, Schmid, Kutesa, Callà; Bua, Pululu.

Athletic Club Bilbao, 1. Halbzeit (4-2-3-1): Herrerin; Lekue, Nunez Unai, Laporte, Balenziaga; Vesga, Etxebarria; Merina Sabin, Raul Garcia, Muniain; Aduriz.

Athletic Club Bilbao, 2. Halbzeit (4-4-1): Remiro; De Marcos, Etxeita, Boveda, Saborit; Inigo Cordoba, Iturraspe, Mikel Rico, Susaeta; Kike Sola.

Bemerkungen: FCB ohne Vaclik, Riveros (geschont), Manzambi (verletzt), Fransson (Trainingsrückstand), Kuzmanovic (im Aufbau), Traoré (ohne Aufgebot). – Platzverweis: 29. Balenziaga (Handspiel Verwarnungen: 45. Elyounoussi. – Schüsse an die Torumrandung: 34. Etxebarria.

Das letzte Vorbereitungsspiel auf die am 22. Juli beginnende Saison bestreitet der FC Basel am Samstag, 15. Juli, um 19.00 Uhr in Portalban gegen Sporting Lissabon. Diese Partie gehört wie jene in Lens zum  Festival des Alpes.

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Konversation

  1. Hat Elyounoussi tatsächlich von einer Schande gesprochen? Ich fürchte, ihr legt ihm da zu starke Worte in den Mund… Auf Englisch hiesse das nämlich «it’s a disgrace». Aber wahrscheinlich hat er nur «it’s a shame» oder «it’s a pity» gesagt — was auf Deutsch «es ist schade» hiesse. Was so ein kleines N nicht alles ausmachen kann… 😉

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