Ohne Champions League lief es dem Liverpool FC irgendwie besser

Anhaltende Kontroversen um Steven Gerrard und den Torhüter, ein auf sich allein gestellter Mario Balotelli, ein durchwachsener Saisonstart und jetzt auch noch Ärger mit der Uefa wegen des Financial Fairplay. Liverpool FC lief es vergangene Saison besser.

Liverpool's Steven Gerrard celebrates after scoring a penalty against Ludogorets during their Champions League soccer match at Anfield in Liverpool, northern England September 16, 2014. REUTERS/Phil Noble (BRITAIN - Tags: SPORT SOCCER) (Bild: Reuters/PHIL NOBLE)

Anhaltende Kontroversen um den 34-jährigen Steven Gerrard und den Torhüter, ein auf sich allein gestellter Mario Balotelli, ein durchwachsener Saisonstart und jetzt auch noch Ärger mit der Uefa wegen des Financial Fairplay – letztes Jahr, ohne Champions League, lief es beim Liverpool FC irgendwie besser.

Fünf lange Jahre hat Liverpool auf die erneute Teilnahme an der Champions League gewartet. Er sei «neidisch» auf die Mannschaften in der Königsklasse gewesen, gab Captain Steven Gerrard vor Kurzem zu, «wenn man nicht dabei ist, ist da ein grosses Loch».

Seit dem mühsamen 2:1-Auftaktsieg gegen die Bulgaren vom PFC Ludogorets vor vierzehn Tagen scheint es aber eher so, als ob die Champions League selbst zum Loch taugen könnte, in dem still und leise die Saison der Reds versinkt. Das enttäuschende 1:1 gegen Everton im Stadtderby am Sonntag bedeutete den einzigen Punktgewinn in den vergangenen drei Ligaspielen – und Platz 14 in der Tabelle.

Nicht förderlich für die Trainingsarbeit und «mental erschöpfend» sei der Europapokal-Rhythmus, gab Trainer Brendan Rodgers zu. Als Ausrede wollte der Nordire das ausdrücklich nicht verstanden wissen. Unübersehbar ist jedoch, dass Liverpool momentan nicht mit jener Frische agiert, die im Vorjahr – einer Spielzeit ohne Termine auf dem Kontinent – neben dem explosiven Konterspiel fast zur ersten Meisterschaft geführt hatte.

«Es ist ein Kompliment, wenn man mit 34 Jahren manngedeckt wird.»

Über Gerrard, 34, wird nicht nur in Medien zunehmend kontrovers diskutiert. Die Club-Ikone erzielte zwar im Derby einen sehenswerten Freistosstreffer, aber für viele Beobachter verkörpert er auch Liverpools Problem, Tempo und Dynamik ins Spiel zu bringen.

In England stellten mehrere Gegner Sonderbewacher für den tief vor der Abwehr postierten Spielmacher ab; dieser einfache Trick funktionierte, weil sich Gerrard nicht aus der Bedrängung befreien konnte. «Es ist ein Kompliment, wenn man mit 34 Jahren manngedeckt wird», sagt Rodgers.



Liverpools Trainer Brendan Rodgers lässt sich von Steven Gerrard (rechts) noch mal erklären, wie das vor zwölf Jahren beim 3:3 im Joggeli war.

Liverpools Trainer Brendan Rodgers lässt sich von Steven Gerrard (rechts) noch mal erklären, wie das vor zwölf Jahren beim 3:3 im Joggeli war. (Bild: Reuters/ARND WIEGMANN)

Ausdrücklich keine Kompliment hatte TV-Experte Jamie Carragher, der frühere Liverpool-Verteidiger, für Keeper Simon Mignolet parat. «Er hat bisher noch keine wichtigen Paraden gezeigt», sagte Carragher nach dem Everton-Remis, «wenn das so weitergeht, wird sich Liverpool nach einem anderen Torhüter umsehen müssen.»

Balotelli: 63 Schüsse – 1 Tor

Grösser sind die Probleme allerdings im Angriff. Nationalstürmer Daniel Sturridge (24 Tore in der Saison 2013/14), fällt weiterhin verletzt aus. Mario Balotelli, der Nachfolger von Luis Suárez, dem «Spieler des Jahres» auf der Insel, ist im Zentrum der Offensive weitestgehend auf sich allein gestellt.

Der Italiener und der Rest des Teams haben sich bisher noch nicht gefunden, aggressives Pressing und schnelles Umschalten lassen sich mit dem 24-Jährigen nur schwerlich spielen. Dafür schiesst er oft aus schwierigen Positionen. Von den 63 Schüssen, die er laut dem «Liverpool Echo» in seinen insgesamt letzten 20 Premier-League-Spielen für Liverpool und Manchester City (bis 2013) abgegeben hat, traf exakt einer das Netz.

Das Problem mit dem Financial Fairplay

«Mehr heisse Luft als heisses Finishing», beurteilte der «Independent» die bisherigen Leistungen Balotellis. Immerhin hat sich der für allerlei Skandale berüchtigte Torjäger an der Mersey bisher professionell unverdächtig verhalten. Das lässt sich von Mamadou Sakho nicht behaupten.

Der französische Abwehrspieler verliess das Stadion an der Anfield Road am Samstag vor dem Anpfiff, weil er nicht im Kader stand. Zwischenzeitlich hat sich der 24-Jährige via Twitter entschuldigt. Im St.-Jakob-Park fehlt er laut Rodgers wegen einer «Zerrung».



Der Mann, auf dem in Liverpool nicht wenig Erwartungen ruhen: Mario Balotelli beim Abschlusstraining im Basler St.-Jakob-Park.

Der Mann, auf dem in Liverpool nicht wenig Erwartungen ruhen: Mario Balotelli beim Abschlusstraining im Basler St.-Jakob-Park. (Bild: Reuters/ARND WIEGMANN)

Komplettiert werden die unerwünschten Nebengeräusche durch Sorgen um eine mögliche Sanktion durch die Uefa. Der Verband hat ein Verfahren gegen die Reds eingeleitet, da diese in den vergangenen zwei Spielzeiten 90,8 Millionen Pfund – rund 140 Millionen Franken – Verlust gemacht haben.

Rodgers zeigte sich zwar zuversichtlich, dass Liverpool die Auflagen des Financial Fairplay erfüllt («Wir befürworten dieses Reglement»), aber der Ärger passt ein bisschen ins Bild. Alles lief irgendwie besser im vergangenen Jahr – ohne die Champions League.

Eine «Night to remember»: FC Basel gegen Liverpool FC (3:3) am 12.11.2002:

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