Paulo Sousa und die Kommunikation: Es ist kompliziert

Paulo Sousa versucht neuerdings, seinen Spielern die Idee seines Fussballs mit vermehrter Arbeit im kognitiven Bereich näher zu bringen. Vor dem Spiel des FC Basel gegen die Grasshoppers scheint es, als würde der Basler Trainer den Journalisten gerne vergleichbare Kurse anbieten.

Der Basler Trainer Paulo Sousa nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel und dem FC Sion, im St. Jakob Park in Basel, am Samstag, 25. Oktober 2014. (KEYSTONE/Alexandra Wey) (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Paulo Sousa versucht neuerdings, seinen Spielern die Idee seines Fussballs mit vermehrter Arbeit im kognitiven Bereich näher zu bringen. Vor dem Spiel des FC Basel gegen die Grasshoppers scheint es, als würde der Basler Trainer den Journalisten gerne vergleichbare Kurse anbieten.

«Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.» Konfuzius

Mit der Kommunikation ist es so eine Sache. Verstanden werden will jeder. Bloss geschieht da immer etwas zwischen Absender und Empfänger – und nicht selten kommt die Botschaft in einem ganz anderen Sinn an, als sie abgeschickt worden ist. Ganz lustig bei der stillen Post im Kindergarten. Eher etwas hinderlich, wenn man gerade dabei ist, eine millionenschwere Fussballmannschaft unter verschärfter Beobachtung durch die Untiefen einer nicht einfachen Findungsphase zu navigieren.

Paulo Sousa scheint derzeit beim FC Basel schwer an Kommunikations-Fragen zu nagen zu haben. Da ist einerseits das Leben in der Kabine mit einer Mannschaft, in der Japaner, Schweizer, Ägypter, Schweizer Albaner, albanische Schweizer, in der Elfenbeinküste aufgewachsene Ivorer, in Frankreich aufgewachsene Ivorer, Tschechen, Argentinier, Bulgaren, Schweizer Kameruner, iranische Schweden und Paraguayer von einem portugiesisch-spanischen Trainerteam angeleitet werden.

Der Punkteschnitt der letzten fünf Partien ist nicht meisterhaft

Dass es in diesem Umfeld nicht ganz einfach werden würde, seine Ideen umzusetzen, muss Sousa schon vor seinem Amtsantritt bewusst gewesen sein. Doch jetzt gerade befindet sich der FCB in einer Phase, in der sich diese Probleme auch in den Resultaten niederschlagen. Nach punktemässig gutem Saisonstart sind die Basler in ihren letzten fünf Ligaspielen noch auf einen Punkteschnitt von 1,6 pro Partie gekommen. Keine Ausbeute, mit der man auf längere Sicht um den Meistertitel mitspielt.

Das weiss auch Sousa. Und er hinterlässt derzeit den Eindruck, als ob er den damit einhergehenden Druck deutlich spüre. Vor allem dürfte ihn beschäftigen, dass seine Mannschaft zuletzt nicht den Eindruck hinterliess, sie habe in letzter Zeit in ihrem Fussball Fortschritte gemacht.

Das spiegelt sich auch in den Analysen des Trainers zu den Leistungen seiner Mannschaft. «Zu langsam» habe sein Team bei der 1:3-Niederlage bei den Grasshoppers Mitte September in der Offensive gespielt, befindet Sousa im Rückblick. Nach dem 1:1 gegen Sion vom letzten Samstag hatte er ähnliches festgestellt. Es sei «langsam in Handlung und Gedanken» gewesen, warf er damals seinem Team vor.

Sind die Köpfe der Spieler zu voll?

Möglich, dass die Spieler schlicht zu viele Gedanken in ihren Köpfen haben, um situativ schnell und richtig entscheiden zu können. Wer Sousa an der Seitenlinie dirigieren sieht und vor allem hört, kann sich vorstellen, dass die Dauer-Anweisungen nicht dazu ermuntern, eigene Entscheidungen zu treffen. Dazu kommt, dass Sousa selbst immer wieder betont, wie komplett neuartig seine Konzepte für das Team seien.

Auf die Idee, dass er die Spieler mit seinen Vorgaben überfordern könnte, scheint Sousa inzwischen selbst gekommen zu sein. Jedenfalls erklärte er am Freitag an der Pressekonferenz, es werde nun «stärker im kognitiven Bereich» gearbeitet. Die Übungen sollen den Baslern dabei helfen, die Vorgaben der Trainer auch dann abrufen zu können, wenn sich frei nach Jean Paul Sartre alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft verkompliziert.

Das Grundproblem ist nicht neu

Nun besteht das Grundproblem der Basler ja nicht erst seit Sousas Amtsantritt: Spiele gegen Kontrahenten, die sich am und im eigenen Strafraum verschanzen, sind selten attraktiv und können zu Unruhe im Publikum führen. Thorsten Fink und Heiko Vogel setzten dagegen auf den totalen Ballbesitz, was Teile der Fans mit der Zeit langweilte. Murat Yakin baute auf eine solide Defensive und vorne auf individuelle Klasse, was die Fans auch nicht glücklicher machte.

Und Sousa? Da war in den letzten Spielen nicht so richtig zu erkennen, welchen Plan er verfolgt, was immer mehr Fans aufregt.

Da könnte helfen, wenn der Trainer über die Medien zumindest seine Ideen verständlich machen könnte. Aber da kommt wieder die Kommunikation in die Quere. Sousa muss das Gefühl haben, er rede sich den Mund fusslig, um den Journalisten den Fussball zu erklären. Die Medienvertreter ihrerseits hören immer bloss «Prozess».

Sicher – die Sprache spielt dabei auch eine Rolle. Sousas lateinisch gefärbtes Englisch geteilt durch die Englisch-Kenntnisse der Journalisten: Da sind Missverständnisse, halb verstandene Antworten und missinterpretierte Fragen programmiert. Es grenzte an ein Wunder, wäre das in der FCB-Kabine gross anders.

«Die Journalisten sind taub»

Doch Sousas Beziehungsstatus mit den Schweizer Medien steht auch sonst auf: Es ist kompliziert. Zunächst wollte der FCB-Trainer gar nicht über seinen Fussball sprechen, aus Angst, der Gegner könnte mitlesen. Nun, da er es inzwischen doch tut, sind seine Pressekonferenzen deutlich unterhaltsamer. Aber jetzt wirkt es so, als verstehe er jede Frage tendenziell als unbotmässigen Angriff auf seine Arbeit.

So wendet sich derzeit fast jede Zusammenkunft von Journalsten und Sousa von einem Gespräch über den FCB zu einer Metadiskussion über die mediale Berichterstattung zum FCB. Es ist klar: Paulo Sousa fühlt sich missverstanden. «Die Journalisten sind taub», stellt er an diesem Freitag einmal fast schon resigniert fest.

Wahrscheinlich ist es einfach so, wie schon Goethe festgestellt hat: «Es hört doch jeder nur, was er versteht.»

Einen Sieg gegen die Grasshoppers am Samstag jedoch, den würden wohl alle Seiten verstehen.

 

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Konversation

  1. Im Sport gibt es immer Verlierer und Gewinner, es werden in jedem Spiel Geschichten geschrieben. Deswegen eignet sich der Sport auch perfekt für boulevardesken Journalismus.
    Dass die Berichterstattung über Sport aber nicht immer tendenziös und emotionalisierend stattfinden muss, zeigt dieser Bericht. Danke TagesWoche.

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  2. Respekt, Herr Raz, Konfuze und Sartre in einem Artikel über Fussball und das meine ich nicht mal ironisch: gute Schreibe!

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  3. Ich hätte auch noch ein passendes Zitat von Marx: „Sousa vom Kopf auf die Füsse stellen“. Oder ein Zitat von einem Psychiatriepfleger: „Wer’s nicht im Kopf hat, der hat’s in den Beinen“.

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  4. Na, das mit dem Konfuzius passt.
    Schöner Artikel, Herr Raz.
    Bin sehr gespannt, wie die Sache mit unseren Rotblauen weitergeht. Und zwar durchaus kurzfristig. Ich möchte eigentlich nicht schwarzmalen, aber: Weniger als vier Punkte in den nächsten beiden Spielen, und es wird so langsam brenzlig mit dem … äh: Przss.

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