Ski-WM im Rückspiegel: Schweizer Blechsträhne und Super Schnitten

Für die Schweiz bleibt nach der Ski-WM in Schladming eine Silbermedaille und ein wenig Hoffnung. Und was ist sonst noch von diesem als «beste Titelkämpfe der Geschichte» angekündigten Grossanlass in Erinnerung? Ein kleiner Blick zurück.

Lara Gut of Switzerland celebrates during the flower ceremony after placing second in the women's Super G race at the World Alpine Skiing Championships in Schladming February 5, 2013. REUTERS/Leonhard Foeger (AUSTRIA - Tags: SPORT SKIING) (Bild: Reuters/LEONHARD FOEGER)

Für die Schweiz bleibt nach der Ski-WM in Schladming eine Silbermedaille und ein wenig Hoffnung. Und was ist sonst noch von diesem als «beste Titelkämpfe der Geschichte» angekündigten Grossanlass in Erinnerung? Ein kleiner Blick zurück.

Es begann verheissungsvoll und vielversprechend mit dem zweiten Platz von Lara Gut im Super G, setzte sich fort mit einer Pech- und Blechsträhne, und endete schliesslich wieder in grosser Ernüchterung und Enttäuschung. Zwei Jahre nach der Schmach von Garmisch (eine Silbermedaille) reichte es für das Schweizer Ski-Team nun auch an der Weltmeisterschaft in Schladming nur zu einer einzigen Medaille.

Im Kreis der erfolgreichen Alpin-Nationen USA, Österreich, Frankreich oder Deutschland wirkt die Schweiz mit ihrer mageren Silbermedaille wie ein Ski-Niemandsland. Aber hatte man nach diesem Winter wirklich mit einem Medaillenregen rechnen dürfen?

300’000 Zuschauer, spektakuläre TV-Bilder, ein schwächelndes Gastgeberland, das erst in der zweiten WM-Woche Grund zum Feiern hatte, ein überragender Ted Ligety, der alles in Grund und Boden fuhr, dazu ein «Terminator» (Arnold Schwarzenegger), der die Eröffnungszeremonie aufwertete und jede Menge anderer Höhepunkte und Hoppalas.

Die Weltmeisterschaft im Rückspiegel.

Schweizer Damen

Die Pflicht erfüllt, die Kür verpatzt – so lautet die WM-Bilanz der Schweizer Ski-Damen. Mit einer Medaille in den Speed-Rennen konnte, ja durfte man rechnen, doch dem Auftakt nach Mass durch Lara Guts Silber im ersten WM-Rennen folgte in den weiteren Wettbewerben allzu oft nur Mittelmass. Dazu kam auch noch Pech: Nadja Kamer verpasste in der Abfahrt nur um vier Hundertstelsekunden die Bronzemedaille, Dominique Gisin stürzte in der Abfahrt und Lara Gut kam auf dem Weg zu einem Podestplatz in der Superkombination vom Kurs ab.

Schweizer Herren

Achtungserfolge – zu mehr reichte es nicht in Schladming. Die geschlossene Mannschaftsleistung in der Abfahrt (Ränge 6, 7, 8.) war ein wichtiges Lebenszeichen nach all den Enttäuschungen in der bisherigen Saison. Doch eine Medaille war mit Ausnahme der Super-Kombination ausser Reichweite. 25 Hundertstelsekunden fehlten Pechvogel Sandro Viletta (5.) auf Bronze – dafür hat der 27-jährige Westschweizer in Schladming einen anderen Titel bekommen: Glückspilz der WM. In der Super-Kombi-Abfahrt war Viletta nur knapp einem verhängnisvollen Zusammenstoss mit einem Pistenarbeiter entgangen.

Favoritensiege

Schladming war kein guter Boden für Überraschungssieger. Die One-Hit-Wonder früherer Titelkämpfe blieben diesmal auch deshalb aus, weil die WM-Pisten auf der Planai äussert selektiv und schwierig zu befahren waren. Selbst er Erfolg der Französin Marion Rolland in der Abfahrt, die zuvor noch nie im Weltcup gewonnen hatte, fiel für die Experten nicht in die Kategorie Sensation. Ansonsten gaben die Top-Favoriten den Ton an: Von Aksel Lund Svindal bis Tina Maze, von Ted Ligety bis Mikaela Shiffrin und Marcel Hirscher.

Verschiebungschaos

Der WM-Auftakt machte keine Lust auf mehr und war alles andere als eine perfekte Werbung für den Skisport und die «besten Titelkämpfe der Geschichte», wie der Österreichische Skiverband die WM gerne bewarb. Insgesamt zwölf Mal (!!!) war der Super G der Damen am ersten Tag der WM verschoben worden. Am Ende durften nicht einmal alle Starterinnen über die Piste. Negativer Höhepunkt der Posse: Superstar Lindsey Vonn (USA) zog sich bei ihrem Sturz im Chaosrennen eine schwere Knieverletzung zu und fällt für lange Zeit aus.

Ted Ligety

Die Amerikaner und Grossereignisse – das ist und bleibt eine besondere Liebesgeschichte. Kaum stehen Medaillen auf dem Spiel, da wachsen die unbeschwerten Sportler aus Übersee über sich hinaus. Diesmal präsentierte Ted Ligety seine Winner-Qualitäten und stahl allen die Show – selbst dem omnipräsenten österreichischen Superstar Marcel Hirscher. Gold im Super G, Gold in der Kombination, Gold im Riesenslalom – der Mister Schladming ist ein US-Amerikaner. Positiver Nebeneffekt: Erstmals in der Geschichte der Ski-Weltmeisterschaften gewann die USA den Medaillenspiegel.

Eigenwillige Party-Mottos

«Huschi-Wuschi mit der Uschi», «Zeig der Zilli deinen Willi» oder «Super Schnitten lassen bitten» – die Themen-Abende im grossen Schladminger waren allzu oft unter der Gürtellinie. Nach heftigen Protesten wurden die eigenwilligen Motto-Partys abgesagt und nur mehr «normales» Après Ski war angesagt.

Generation Facebook

Die Stars von heute gehen fast geschlossen mit der Zeit, auch im Ski-Zirkus gehören die neuen Medien mittlerweile zu den wichtigsten Kommunikationsmitteln. Ted Ligety hatte im Super G kaum abgeschwungen, da sahen seine Followers auch schon seine ersten Schnappschüsse aus dem Zielstadion auf Facebook. Marcel Hirscher stellte sogar zwischen den Bewerbs-Durchgängen eifrig Bilder ins Netz. Der österreichische Local Hero musste bei der WM aber auch die Schattenseiten der neuen Medien kennen lernen: Weil er nach dem Super G, bei dem der Salzburger nicht am Start war, auf Facebook gepostet hatte («da wäre ich gerne herunter gefahren»), ging’s im ÖSV-Team zwei Tage rund.

Teambewerb

Sie-&-Er-Lauf wurde der Mannschaftsbewerb in der Vergangenheit oft verächtlich und verniedlichend genannt. Doch in Schladming entpuppte sich die ungeliebte Disziplin als Publikumsmagnet und echtes Ski-Spektakel. Der Teamevent hat als Parallel-Riesentorlauf Zukunft – und wird 2018 deshalb wohl auch ins Olympia-Programm aufgenommen.

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