Tomas Vaclik und der grosse Yann-Sommer-Vergleichs-Contest

Es ist einiges Neuland, das Tomas Vaclik betritt. Ein neuer Club, ein neues Land und eine neue Liga warten auf den 25-jährigen Tschechen. Eine erste Annäherung an die neue Nummer 1 im Tor des FC Basel.

Seine Arbeit im Tor des FC Basel wird mit Argusaugen beobachtet werden: Toms Vaclik. (Bild: Keystone/PATRICK STRAUB)

Es ist einiges Neuland, das Tomas Vaclik betritt. Ein neuer Club, ein neues Land und eine neue Liga warten auf den 25-jährigen Tschechen. Eine erste Annäherung an die neue Nummer 1 im Tor des FC Basel.

Natürlich weiss Tomas Vaclik, was auf ihn zukommen wird in Basel. Dass er ein schweres Erbe antritt, dass die Leute im Stadion jede Bewegung von ihm, jede Flanke, die er aus dem Himmel pflückt, jeden mit dem Fuss gespielten Ball, jede Parade mit Argusaugen verfolgen und ihn mit Yann Sommer vergleichen werden. So ist das nun mal, wenn man die Nachfolge eines schier zur Ikone erhobenen Torhüters antritt.

Tomas Vaclik tut das mit einer vorerst einmal ganz ruhigen Ausstrahlung. Er kann sehr ernsthaft dreinschauen, der 25-Jährige, wenn er zuhört, und er kann mit einem gewinnenden Lächeln erzählen aus seinem Leben. Zum Beispiel die Episode aus der Tiefgarage des St.-Jakob-Park, wo ihm am Montag Yann Sommer über den Weg gelaufen ist. Sommer schaute, bevor er sich zur Vorbereitung mit seinem neuen Club nach Mönchengladbach begab, noch einmal in der Kabine bei den alten Kollegen vorbei.

Vaclik ist im Stadion-Untergeschoss auf seinen Vorgänger zugegangen und hat sich vorgestellt. Das gehört sich so, findet er: «Ich bin ja der Neue hier.» Der Neue hat sich gefreut über dieses zufällige Zusammentreffen: «Wir haben ein paar Worte gewechselt, wir haben über seine und meine neue Herausforderung geredet, und ich wünsche ihm in der Bundesliga nur das Beste.»

Vaclik rechnet mit Debüt in Aarau

Für Sommer geht es in Mönchengladbach erst am 24. August los, für Vaclik bereits am Samstag in Aarau. Und er geht davon aus, dass er im Brügglifeld auch im Tor stehen wird. Dass er im letzten Testspiel am Dienstag gegen Schaffhausen nicht im Einsatz war, hatte nichts zu bedeuten: «Das war von Torhüter-Trainer Massimo Colomba von Anfang an so geplant gewesen.»

Der neue Torhüter und sein Coach: Tomas Vaclik mit Goalie-Trainer Massimo Colomba.

Der neue Torhüter und sein Coach: Tomas Vaclik mit Goalie-Trainer Massimo Colomba. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Ein bisschen nervös werde er vor dem Pflichtspiel-Debüt für den FCB schon sein, sagt Vaclik. Am Freitag, spätestens am Spieltag selbst rechnet er mit einem Anstieg der Anspannungskurve. Es ist ja auch eine sehr kurze Eingewöhnungszeit bei seinem neuen Club. Ein paar Brocken Deutsch hat sich Vaclik, der gut Englisch spricht, angeeignet: «Links, rechts, raus, Achtung — was man halt so braucht auf dem Feld.»

«Links, rechts, raus, Achtung — was man halt so braucht auf dem Feld.»

Seinen neuen Lebensmittelpunkt Basel, wo er nach vertraglicher Vereinbarung mit dem FCB bis mindestens 2018 bleiben will, hat Vaclik noch nicht gross erkunden können: Ein Spaziergang mit der Freundin am Rhein entlang, ein Café-Besuch – mehr lag vor und nach dem Trainingslager am Tegernsee nicht drin. Gestaunt hat er über die Rheinschwimmer – «in Prag wäre das undenkbar. Dafür ist die Moldau zu schmutzig. Aber hier in Basel werde ich das probieren».

Vaclik sagt: «Wir Tschechen mögen die Schweiz. Für uns ist es ein reiches Land, und alle sagen mir, dass es eine gute Entscheidung war, zum FC Basel zu gehen.»

Von Vitkovice über Zizkov in die Hauptstadt

Mit einer kleinen Ausnahme hat Tomas Vaclik einen geradlinigen Aufstieg hinter sich. Er wechselte 2010 innerhalb der zweiten tschechischen Liga von Vítkovice, wo er sein Debüt als Profi gab, zu Viktoria Zizkov, wo er in die erste Liga aufstieg. Das machte den Ehrendivisionär De Graafschap auf ihn aufmerksam, doch nach den medizinischen Checks traten die Niederländer vom vereinbarten Dreijahresvertrag zurück.

Zizkov tat sich schwer in der ersten Liga und stand am Tabellenende, als Sparta Prag Vaclik im Januar 2012 für kolportierte 400’000 Franken Ablöse verpflichtete. Platz 2 stand am Ende der ersten vollen Saison in der Hauptstadt zu Buche, und im Mai diesen Jahres trat Vaclik – als der Weitertransfer nach Basel längst verabredet war – als Doublegewinner ab.

14 Mal zu Null und ein verrücktes Pokalendspiel

Er bestritt alle 30 Meisterschaftsspiele, liess 19 Gegentreffer zu und spielte 14 Mal zu Null. Im Cupfinal lieferte sich Sparta gegen Viktoria Pilsen, den Meister von 2013 und aktuell härtesten Widersacher in der Gambrinus-Liga, ein dramatisches Finish. Erst der 20. Schuss im Elfmeterschiessen führte im strömenden Regen von Prag zur Entscheidung zugunsten von Sparta. Pilsen schoss den ersten Elfmeter vorbei, traf später den Pfosten – und den zehnten Versuch vom Penaltypunkt parierte Vaclik mit einer Parade tief unten in der linken Torwartecke.

Das komplette Penaltschiessen des tschechischen Pokalendspiel Sparta Prag–Viktoria Pilsen (8:7 n.E.):

«Ein verrücktes Spiel», sagt Vaclik, der mit seinen 82 Kilo verteilt auf 188 Zentimeter Körperlänge (oder 1,89 – je nach Quelle) eine stattliche, athletische Erscheinung ist – und damit ungefähr um eine Handbreit grösser als Yann Sommer. Wie es sich für die Generation junger Torhüter gehört, versteht er sich nicht nur auf Handarbeit, sondern auch auf das Fussballspielen, mit dem linken wie rechten Fuss.

Vacliks Juniorentrainer sagte: «Tommi, geh‘ du mal ins Tor. Es ist nur vorübergehend.»

Das ist so, seit der in Ostrava im Osten Tschechien geborene Vaclik bei den Junioren von Fotbal Frýdek-Místek spielte. Mit sieben Jahren, erinnert sich Vaclik, spielte er noch im Feld, als ihm sein Trainer auf der Suche nach einem Goalie sagte: «Tommi, geh‘ du mal ins Tor. Es ist nur vorübergehend.»

Daraus ist einstweilen eine schöne Torhüterkarriere entstanden. Vaclik hat von der U16 an für sämtliche Junioren-Auswahlen seines Landes gespielt, er hat mit der U20 an der Weltmeisterschaft 2009 teilgenommen (Achtelfinal-Aus gegen Ungarn) und an der U21-EM 2011 in Dänemark, wo im Halbfinal Endstation war gegen die Schweiz – mit Yann Sommer im Tor.

Im Schatten des grossen Petr Cech

Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gab Vaclik am 14. November 2012 in einem Freundschaftsspiel (3:0 gegen die Slowakei). Ein weiteres Spiel kam bisher erst hinzu, weil ihm ein ganz Grosser der Torhütergilde im Weg steht: Petr Cech (32), seit 2002 der ewige Schlussmann der Tschechen. In dessen Schatten gedeiht Vaclik, der über diese Konkurrenzsituation sagt: «Ich respektiere seine Position und meinen Platz als Nummer 2. Petr ist ein sehr kommunikativer Typ, und er hilft mir, wenn wir bei der Nationalmannschaft zusammen sind.»

Tomas Vaclik und Petr Cech (links) – hier beim Europa-League-Sechzehntelfinal im Februar 2013, als Sparta Prag gegen Chelsea ausschied, den späteren Halbfinalgegner des FC Basel.

Tomas Vaclik und Petr Cech (links) – hier beim Europa-League-Sechzehntelfinal im Februar 2013, als Sparta Prag gegen Chelsea ausschied, den späteren Halbfinalgegner des FC Basel.

Vorerst kann sich Vaclik also ganz auf seine neue Aufgabe in Basel konzentrieren. Das wird anspruchsvoll genug. «Als Torhüter muss ich in einer neuen Mannschaft lernen, wie sich die Verteidiger in bestimmten Situationen verhalten, was sie mögen.»

Eine willkommene Stütze ist ihm dabei natürlich Marek Suchy, der seit Februar beim FCB zu einer festen Grösse als Innenverteidiger geworden ist. «Wir sind seit fünf Jahren, seit wir uns in der U21-Nationalmannschaft kennengelernt haben, gute Freunde. Und das macht es nun in Basel einfacher für mich.»

Neuland Super League, Neuland Champions League

Vaclik hat zwar einige Einsätze mit Sparta Prag in der Europa League hinter sich, die Champions League wird ab September jedoch Neuland für ihn sein. Ebenso wie die Super League. «Ich weiss nicht sehr viel über diese Liga, und jede Information, vor allem über die gegnerischen Stürmer, wird sehr wichtig für mich sein», sagt Vaclik.

An eine neue Umgebung, eine neue Mannschaft und einen neuen Trainer gewöhnen: Tomas Vaclik im Trainingslager von Rottach-Egern mit Paulo Sousa.

An eine neue Umgebung, eine neue Mannschaft und einen neuen Trainer gewöhnen: Tomas Vaclik im Trainingslager von Rottach-Egern mit Paulo Sousa. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Ansonsten sieht er keine grösseren Hindernisse bei der Eingewöhnung an das neue Umfeld: «Was die Erwartungshaltung, die Fans und den Erfolgsdruck anbelangt, haben Sparta Prag und der FC Basel die gleiche Ausgangssituation. Sie sind beide die grössten Clubs in ihrem Land. Ich hoffe, ich werde glücklich in Basel – und die Fans mit mir.»

Diese Fans werden den neuen FCB-Goalie ab Samstag in den grossen Yann-Sommer-Vergleichs-Contest stellen, aber das will Vaclik so gut wie möglich ausblenden: «Yann ist Yann, ich bin ich – und ich versuche, einen guten Job zu machen.»

» Tomas Vacliks Leistungsdaten bei transfermarkt.ch

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