Urs Fischer – besser als sein Ruf

Der grosse Wurf sei Urs Fischer mit dem FC Basel nicht gelungen, heisst es allenthalben. Aber die Wahrnehmung des scheidenden Trainers des FC Basel trügt.

Britain Soccer Football - Arsenal v FC Basel - UEFA Champions League Group Stage - Group A - Emirates Stadium, London, England - 28/9/16 FC Basel coach Urs Fischer as Arsenal manager Arsene Wenger looks on Action Images via Reuters / Andrew Couldridge Livepic EDITORIAL USE ONLY.

(Bild: Reuters/Andrew Couldridge)

Der grosse Wurf sei Urs Fischer mit dem FC Basel nicht gelungen, heisst es allenthalben. Aber die Wahrnehmung des scheidenden Trainers trügt.

Überrascht sein kann niemand. Nachdem der FC Basel am Freitag eine Zeitenwende eingeläutet hat, ist der Trainer das erste Personalopfer. Und im Blätterwald ertönt sogleich zum wiederholten Male das Lied, dass dem bald zweifachen Meistertrainer Urs Fischer der grosse Wurf in Basel nicht gelungen sei. 

Aber was ist ein grosser Wurf? Ist es ein Sieg in der Champions League gegen einen Grossen, wofür eine einzige splendide Tagesform reicht? Oder ist es der überzeugende nationale Erfolg, der nur dann erreicht wird, wenn eine Mannschaft mit herausragender Konstanz am Werk ist? 

Urs Fischer ist es gelungen, mit dem FCB den 19. Meistertitel zu gewinnen. Den 20. Titel könnte er mit der höchsten Punktzahl holen, die eine Schweizer Mannschaft seit Bestehen der Super League je erreicht hat. Auch das erste Double seit 2012 liegt in Reichweite.

» Der FCB und Urs Fischer trennen sich nach der Saison

Mit Fischer eines der aufregendsten Spiele der letzten Jahre erlebt

Das reicht in Basel offenbar nicht mehr, um die Fussballinteressierten zufriedenzustellen. Es braucht den grossen Wurf im internationalen Geschäft. Dass zwischen Erreichen oder Verfehlen eines solchen zuweilen nur wenige Zentimeter liegen, konnte man gegen Paris Saint-Germain miterleben.

Fischer hat sich in seiner ersten Saison nicht für die Champions League qualifiziert, das ist auch für ihn die grösste Enttäuschung. Und Fischer hat es in seiner zweiten Saison nicht geschafft, Razgrad in der Champions-League-Gruppenphase hinter sich zu lassen.

Aber Fischer hat sich in der Europa League gegen die französische Spitzenmannschaft AS Saint-Etienne durchgesetzt, in einem Spiel, das im St.-Jakob-Park zu den aufregendsten der letzten Jahre gehört. Der FCB qualifizierte sich damit für den Achtelfinal, nur zweimal kamen die Basler in ihrer jüngeren Europacup-Geschichte weiter als in diese Runde der letzten 16.

Was Urs Fischer alles vorgeworfen wird

Fischer wird vorgeworfen, er lasse keinen attraktiven Fussball spielen. 2,5 Tore pro Liga-Spiel in diesem Jahr und 2,4 im letzten sprechen eine andere Sprache. 2,3 Tore waren es unter Paulo Sousa, 1,9 und 1,7 unter Murat Yakin. Dass die Partien in der Liga selten attraktiv waren, weil die Spannung fehlte, ist nicht Fischers Problem.

Dem 51-Jährigen wird vorgeworfen, er setze zu wenig auf junge Spieler. Unter Fischer hat der 21-jährige Manuel Akanji seinen Marktwert mutmasslich um ein Vielfaches gesteigert. Mohamed Elyounoussi (22) spielt eine prägende Rolle, bei Alexander Fransson (23) hat Fischer Spielmacherqualitäten herausgekitzelt, und er hat sich nicht gescheut, Raoul Petretta, den Mann aus dem eigenen Nachwuchs, ins kalte Wasser zu werfen.

Urs Fischer war es auch, der Breel Embolo immer öfter auf dem rechten Flügel einsetzte. Jenen Spieler, der dem FCB rund 25 Millionen Franken Transfererlös eintrug.

Fischer wird weiter vorgeworfen, er habe zu wenig Akteure aus dem Nachwuchs eingebunden. Das hat auch damit zu tun, dass sich nicht viele aus dem Nachwuchs für höhere Aufgaben aufdrängten. Der FC Basel verfügt nicht über die Fülle an Hochbegabten wie in den letzten Jahren; ein Umstand, der natürlichen Schwankungen unterworfen ist.

Die unausweichliche Entscheidung

Es ist nicht undenkbar, dass die alte Vereinsführung mit Urs Fischer in eine dritte Saison gegangen wäre. Schliesslich hält sie ihn für den erwachsensten Trainer der letzten Jahre – sowohl im menschlichen Umgang innerhalb des Vereins als auch in der Moderation eines grossen Kaders mit vielen Nationalspielern.

Vielleicht hätte die neue Führung aber gut daran getan, in der Zeit des grossen Umbruchs, da kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, an einem zentralen Element festzuhalten: an einem Trainer, der für Konstanz steht. Dass die neue Führung mit Urs Fischer weitermacht, war dennoch unvorstellbar.

Konversation

  1. Zuerst einmal endlich ein Kompliment an die Tageswoche was die Berichterstattung über den FCB betrifft! Was da in anderen Medien alles für Stuss und Makulatur über den FCB und vor allem über UF veröffentlicht wurde hat die Grenzen des ertragbaren längst überschritten. Mit den unqualifizierten Berichten und Wasserstandsmeldungen gewisser Medien, allen voran dem Blick, qualifizieren sich die entsprechenden Schreiberlinge selber. Einfach nur lächerlich. Die Tageswoche ist hier in meinen Augen eine löbliche Ausnahme. Der aktuelle Bericht über UF trifft die Fakten und stellt UF ins richtige Licht.
    Der Auftritt der neuen sportlichen Führung an der Medienkonferenz von Gestern hat mich nicht überzeugt. Was die Professionalität von Medienauftritten betrifft sind zwischen Heussler/Heitz und Streller/Frei/Ceccaroni Welten! Zu emotional (unsicher?). Streller machte bei einigen Fragen den Eindruck, sich rechtfertigen zu müssen.
    Es ist offensichtlich, dass den drei Herren hier die Erfahrung und der notwendige „breite Rücken“ noch fehlen. Woher sollen sie diese auch haben als Fussballer die in ihrer Vergagenheit in einer surrealen Welt gelebt haben. Diesbezüglich muss man den Herren die notwendige Zeit und Geduld entgegenbringen. Trotz meiner kritischen Haltung gegenüber der neuen sportlichen Führung hoffe ich und werde mich umso mehr für den FCB freuen, wenn die drei Herren Erfolg haben werden und den Club auf dem aktuellen sehr hohen Nivau halten können.

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  2. Sehr gut, treffend und unaufgeregt analysiert!
    Diese unangebrachten und undifferenzierten Ressentiments gegen Fischer waren für mich immer unverständlich. Die Zukunft wird zeigen, ob die letzten 2 Jahre alles so schlecht war….

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  3. Wer nicht mindestens 3 Jahre beim FCB spielen will soll gar nicht erst antraben. Notfalls die Kandidaten durch einen Psychologen durchleuchten. Gilt auch für Trainer…..Eigentlich auch fürs Management, stimmts Herr Psychiater?

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  4. Was mir primär gefehlt hat war der unbeschwehrte Wille und damit die feste Überzeugung die es braucht um grosse internationale Gegner zu besiegen.

    Man ist nicht Fan um stehts realistisch und emotionslos die minimalen Ziele erreicht zu sehen.

    Ich kann mich z.B. an völlig unentschlossene Statments nach Spielen in der CL erinnern wo Streller mit positiver Stimmung für ein erfolgreiches Restprogramm motivierte und Fischer ob Stellers Kampfansage regelrecht zu schwitzen begann

    Mit einem Trainer dem diese Überzeugung fehlt, fehlt es dann eben auch, wie z.B. zweimal gesehen gehen den PSG, an tiefster Überzeigung und innerer Abgeklärtheit bei den Spielern.

    Und damit genau an jenen Elementen die es braucht um in Duellen mit grossen Mannschaften (die gegen kleinere Gegener wie Basel unter erhöhtem mentalem Druck spielen) effektiv zu sein.

    Zufall hin oder her. Diese Qualität besitzt Herr Fischer nicht.

    Und ausserdem ist zu beachten, dass die Schweizer Konkurrenz so schwach ist wie seit Jahren nicht mehr. Das zeigt sich an den internationalen Zahlen wie auch deutlich, wenn man sich das zur Zeit leider oft fahrige Gekicke in der Liga zu Gemüte führt.

    Die neue Führung hat schon einiges richtig gemacht.

    Ich hoffe nur dass der Verein nicht nach allen Regeln der Bilanzkünste finanziell ausgehöhlt wird. Unter dem Motto der Nachwuchsförderung.

    Aber es ist ein Schelm wer böses denkt 🙂

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    1. Ach so. Als neuen Trainer wünsche ich mir eine international erfahrene Persönlichkeit wie Fink, allerdings mit mehr Standfestigkeit. Ich glaube nicht dass Vicky, nach meiner Wahrnehmung ebenfalls primär ein Realist, da genügt. Ach wenn er sicher, genau wie Fischer, tolle Büetz leisten würde.

      Warum nicht Challandes? Der ist ehrgeizig, kompetent und zudem ein Guru was junge Spieler betrifft.

      Aber es gibt sicher einige lustige Lösungen. Bitte einfach nichts langweiliges mehr..

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  5. Nun ja . – einen Trainer kann man schnell loswerden – und es war ja absehbar, dass unter Streller für Urs Fischer nicht zu hoch stehen würden – Angsthasenfussball und bieder, mutlos, was weiss ich, Hat man ja an der CL Spielen gesehen.

    Nun, jetzt darf der Kritiker zeigen, wie man es besser macht, mit welchem Trainer auch immer. Kommt Throsten Fink, den Streller als seinen besten Trainer bezeichnet? Na schön. Die Frage ist allerdings, ob TF mit einem, wie ich meine, einiges schwächerem Kader, auch nochmal so begeistert wie zwischen 2009 und 2011.

    Ich bin der Meinung, aus dem gegebenen Kader wenn nicht ganz das Optimum, dann jedenfalls dem recht nahe kam. Es fehlen die richtigen Spielerpersönlichkeiten.Vielleicht lag Urs Fischer mit etwas mehr Vorsicht dann auch nicht so falsch. Nun ja, wir werden es sehen.

    Die neuer Herren haben sich jedenfalls mal fürs erste gewaltig unter Druck gesetzt,

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  6. Ich hoffe einfach, dass Streller sich nicht nur mit seinen Lieblings-Buddies von früher umgeben will. Stocker zurückholen, evtl wieder Fink installieren? Streller wird in diesem Job noch sehr sehr viel lernen müssen…. Bruchlandung nicht ausgeschlossen!

    Es ist aber auch eine beängstigende „Verbayerung“ des Basler Publikums und Umfeldes zu beobachten. Auch Bayern wechselt regelmässig Meistertrainer aus, um das Publikum bei Laune zu halten. Ungute Entwicklung!

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  7. Der FCB ist seit einem gefühlten Jahrhundert der dominierende Fussballverein der Schweiz – und gleichzeitig der mit den meisten Trainerwechseln. Der Trainerwechsel selbst ist zum wichtigsten Unterhaltungsfaktor geworden, wo doch die Meisterschaft meist schon nach den ersten 90 Minuten der Saison entschieden ist. Da ist doch wesentlich spannender die alljährliche Frage, wen die Clubleitung wohl als nächstes verheizt.

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