Verhinderte Königs-Attentäter in Basel – die Einzelkritiken

Sie wollten die Königlichen zu Fall bringen, doch das Attentat des FC Basel auf die Blaublüter von Real Madrid ist knapp misslungen. Die Einzelkritiken zur 0:1-Niederlage des FCB gegen Real.

Basel's Breel Embolo, left, freacts next to Madrid�s Raphael Varane, right, during an UEFA Champions League group B matchday 5 soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Spain's Real Madrid CF in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Wednesday, November 26, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron) (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Sie wollten die Königlichen zu Fall bringen, doch das Attentat des FC Basel auf die Blaublüter von Real Madrid ist knapp misslungen. Die Einzelkritiken zur 0:1-Niederlage des FCB gegen Real.

Tomas Vaclik | 5
Hatte sich im Hinspiel noch mit tollen Paraden auszeichnen können – und war einer der wenigen Basler Sieger in einer 1:5-Niederlage. Musste sich nun im Rückspiel zwar nur einmal geschlagen geben, hatte dafür aber keine grosse Gelegenheit, sich auszuzeichnen – von Cristiano Ronaldos Freistoss nach der Pause abgesehen. In der Gruppe der verhinderten Basler Königsattentäter ist er für uns Petrus de Vinea, der 1249 erfolglos versucht hat, Kaiser Friedrich II. zu vergiften.

Fabian Schär | 3,5
Stürzte sich mutig (oder waghalsig?) in Richtung Karim Benzema, als sich dieser auf den Weg zur Grundlinie machte, konnte den Franzosen aber genauso wenig aus dem Tritt bringen wie Robert François Damiens, der 1757 versucht hatte, Louis XV. in dessen Kutsche zu erstechen. Louis überlebte mit einem Kratzer, Benzema spielte mit Schär Katz und Maus und bereitete danach locker das einzige Tor der Partie vor. Auch sonst nicht das glückhafteste aller Spiele des Innenverteidigers, der schliesslich noch ein Attentat auf das Fussgelenk von CR7 verübte, für das er verwarnt wurde.

Marek Suchy | 4,5
War wie Francesco de Pazzi, gescheiterter Dogen-Mörder 1478, ganz nah dran – und verlor sein Ziel im entscheidenden Moment doch aus den Augen. Pazzi entwischte der verletzte Giuliano de’ Medici in eine Sakristei, Suchy entkam Cristiano Ronaldo mit ein paar Hasen-Haken quer durch den Fünfmeterraum. Zack, stand es auch schon 0:1. Steigerte sich nach einigen missratenen Aktionen mit fortlaufender Spieldauer.

Behrang Safari | 5
Versuchte sich wie Jean-Baptiste Sipido 1900 daran, den Prinz von Wales zu stoppen. Hatte Gareth Bale auch ganz gut im Griff, war gar der defensiv solideste der Basler Abwehrkette, musste sich am Ende aber zusammen mit seinen Verschwörer-Kollegen geschlagen geben.

Philipp Degen | 5
Wollte den Königlichen wie einst Guy Fawkes 1605 ordentlich Zunder geben. Hatte seine Lunte auf rechts vor allem in der ersten Halbzeit auch einige Male bereits gelegt, wurde aber wie der «Gunpowder-Plot» in London jeweils kurz vor dem entscheidenden Rumms gestoppt. Orientiert sich vor dem 0:1 vielleicht etwas zu offensiv von Benzema weg, um den weiter hinten stehenden James zu decken, und sah einmal für Agitieren (okay, für Reklamieren) Gelb.

Fabian Frei | 5
War das Hirn dieser Basler Mannschaft und versuchte, Anthony Babington gleich, mit cleverem Spiel die Real-Defensive auszuhebeln. Kam spätestens nach rund zwanzig Minuten so richtig ins Spiel, zog die Fäden, versuchte sich wie gegen Razgrad mit vielen Steilzuspielen, verbuchte 51 angekommene Pässe, was einer Erfolgsquote von 85 Prozent entspricht – musste aber wie die Babington-Verschwörer feststellen, dass seine Pläne schlussendlich durchkreuzt wurden.

Mohamed Elneny | 5,5
Rannte wieder einmal, als ginge es um sein Leben, stopfte hier Löcher und lancierte dort Angriffe und war mit seinen 64 versuchten Pässen (53 davon erfolgreich) mindestens so fleissig wie John Francis, der 1842 nicht einmal versuchte, Königin Victoria zu erschiessen, sondern gleich zweimal. Schoss anders als Francis bloss einmal, hätte bei seinem Versuch in der ersten Halbzeit aber die fahrende Kutsche der Königin ganz sicher auch verfehlt.

Derlis Gonzalez | 5,5
Hatte wohl das Beispiel Mohamed Salahs vor Augen, der nach seinen Toren gegen Chelsea nun in London lebt, und wollte seinem ersten Tor gegen Real im Hinspiel deswegen unbedingt ein zweites Tor gegen Real im Rückspiel folgen lassen. Rannte, rackerte, trickste, liess Fabio Coentrao, Sergio Ramos und Co. einige Male schlecht aussehen. Betrieb also wie Joseph Fieschi bei seinem Höllenmaschinenattentat auf Louis-Philippe I. 1835 einen riesigen Aufwand, ohne dafür belohnt zu werden.



Die Explosion der Höllenmaschine, die Louis-Philippe I. im Jahr 1835 verfehlte.

Die Explosion der Höllenmaschine, die Louis-Philippe I. im Jahr 1835 verfehlte.

Luca Zuffi | 4,5
Konnte sich dieses Mal in seiner Rolle im offensiven Mittelfeld wenig auszeichnen und spielte für einmal seine Spezialität nicht aus: das überraschende Auftauchen zwischen den gegnerischen Linien. Drang deswegen kaum einmal in die gefährliche Zone vor dem Real-Strafraum vor. So wie Friedrich Staps 1809 in Wien, der versuchte, Napoléon Bonaparte mit einem Küchenmesser zu erstechen, aber verhaftet wurde, bevor er überhaupt bis zum selbsternannten Kaiser vorgedrungen war.

Napoléon Bonaparte befragt den glücklosen Attentäter Friedrich Staps.

Napoléon Bonaparte befragt den glücklosen Attentäter Friedrich Staps.

Shkelzen Gashi | 4,5
Schoss wie Edward Oxford zweimal aus aussichtstreicher Position (Oxford 1840 auf Königin Victoria), zeigte sich für einmal aber nicht so treffsicher, wie er es sonst doch immer ist. Hätte mit seinem Abschluss nach knapp einer Stunde bei einem anderen Schiedsrichter vielleicht einen Handspenalty-Pfiff ausgelöst, wobei Sergio Ramos’ Arm den Ball eher noch in Richtung eigenes Tor ablenkte, denn ein Tor zu verhindern.

Breel Embolo | 4,5
Gehört zweifellos wie Aristides Dossios der Bewegung «Goldene Jugend» an, kämpfte zu Beginn aber weniger mit seinen königlichen Widersachern, denn mit der eigenen Nervosität und legte so den beruhigenden Schluss nahe, dass er tatsächlich Nerven besitzt. Bekam diese aber nach spätestens 30 Minuten in den Griff – und war in der zweiten Halbzeit derjenige Basler, der dem erfolgreichen Schuss am nächsten kam. Sah aber seinen Versuch vom eigentlich bereits umdribbelten Keylor Navas doch noch abgewehrt und blieb deswegen ebenso erfolglos wie Dossios bei dessen Attentat auf Griechenlands Königin Amalie von Oldenburg 1861.

Ahmed Hamoudi | 4
Ersetzte in der 77. Minute Philipp Degen und ist mit seinem Spielstil eindeutig ein Anarchist, wie es August Reinsdorf war, der 1883 erfolglos versuchte, Wilhelm I. zu ermorden. Sucht wie Reinsdorf immer den Knalleffekt – der Deutsche mit Dynamit, der Ägypter mit Spitze, Hacke, Fallrückzieher. Kann mit seiner bisweilen wirren Art Gegner wie Gefolgsleute ins Leere laufen lassen.

Marcelo Diaz | –
Kam erst in der 83. Minute für Fabian Frei und war damit zu kurz im Einsatz, um ein Attentat zu planen, geschweige denn durchzuführen. Kann deshalb nicht benotet werden.

Yoichiro Kakitani | –
Wurde in der 87. Minute für Luca Zuffi eingewechselt, um die spanische Abwehr doch noch zu knacken, brachte aber nicht mehr zustande als einen ebenso ambitionierten wie misslungenen Weitschuss. Zu kurz an der Verschwörung beteiligt, um benotet zu werden.

––

Bewertungsdurchschnitt: 4,7.
Nicht eingesetzt beim FCB: Vailati (Tor), Samuel, Calla, Delgado.

Konversation

    1. Gut, ich gebe zu: Der Versuch, originell zu sein, ist meist der erste Schritt in Richtung Abgrund.

      Es ist mir bewusst, dass Sport für die einen zwar Mord ist und für die anderen eine Todernste Sache – und dass es trotzdem nicht wirklich statthaft ist, Sport mit Mord und Totschlag in eine Sauce zu verquirlen. Insofern kann ich nur für mich ins Feld führen, dass es sich jeweils um misslungene Attentate handelt – hätte der FCB gewonnen, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, die Spieler mit tatsächlichen Mördern gleichzusetzen.

      In diesem Sinn: Vielleicht ist es nicht ganz gelungen, einen Versuch war es für mich trotzdem wert. Und das nächste Mal dreht es sich an dieser Stelle wieder mehr um Fussball.

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    2. Die Bewertungen sind zumindest um einiges origineller als die 0-8-15-Floskeln, die man sonst immer serviert bekommt. Wems nicht passt kann sich ja die Spielerbewertungen auf Blick-Online zu Gemüte führen.

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  1. – 11 Königsattentäter müsst Ihr sein – … so machen Fussballerbewertungen Spass und man erhält obendrein einige historische Häppchen serviert. Finde ich schön!

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  2. Gonzalez kommt für meinen Geschmack viel zu gut weg. Er schien gestern mit seinen Aktionen (oft den Ball zu lang in den Füssen) mehr für die eigene Galerie, denn für den kollektiven Erfolg zu spielen. Zudem ging bei vielen gefährlichen Gegenstössen der Weissen ein Ballverlust seinerseits voraus.

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    1. Ich kann es nicht beschwören: Aber ich hatte das Gefühl, diese mit hoher Geschwindigkeit angesetzten Vorstösse waren ein Teil der Aufgabe, die Sousa dem Gonzalez mit auf den Weg gegeben hat. Überhaupt versuchten die Basler jeweils, sehr schnell den Weg in den Real-Strafraum zu finden, das sah man auch an den vielen versuchten Steilzuspielen aus dem FCB-Mittelfeld. Dass ein Spieler, der das Dribbling versucht, dabei ein höheres Risiko geht, den Ball dabei zu verlieren, ist dann ja irgendwie logisch.

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