Vogel wird vom Bastler zum Statiker

Als es lief beim FC Basel, konnte sich Heiko Vogel an das Verbessern von Kleinigkeiten machen. Im Heimspiel gegen den FC Zürich (Sonntag, 16 Uhr) geht es aber darum, ein neues rotblaues Fundament zu errichten.

FC Basel's coach Heiko Vogel salutes supporters after a second leg play-off Champions League soccer match against CFR Cluj in Cluj, Romania, Wednesday, Aug. 29, 2012.(AP Photo/Mircea Rosca) (Bild: Keystone/Mircea Rosca)

Als es lief beim FC Basel, konnte sich Heiko Vogel an das Verbessern von Kleinigkeiten machen. Im Heimspiel gegen den FC Zürich (Sonntag, 16 Uhr) geht es aber darum, ein neues rotblaues Fundament zu errichten.

Vom Typ her, sagt Heiko Vogel, sei er schon immer ein Bastler gewesen. Das heisst nicht, dass der Trainer des FC Basel seine Nächte mit dem Bau einer Miniaturausgabe des Basler Münsters aus alten Zahnimplantaten verbringt oder mit dem Knüpfen von Makramee-Gartenzwergen. Obwohl das sicher auch sehr befriedigend sein kann.

Nein, Vogel sieht sich als Bastler, wenn es darum geht, das Spiel einer Fussballmannschaft noch besser zu machen, indem er an kleinen Details arbeitet. «Akribisch arbeitet», wie er selbst präzisiert. In der vergangenen Saison hat er das äusserst erfolgreich getan. Da schraubte und feilte er an einer funktionierenden Einheit, um stets noch etwas näher an sein Idealbild des modernen Fussballs zu kommen.

Super League, 8. Runde
FC Basel–FC Zürich (So, 16.00)
St.-Jakob-Park.

Mögliche Aufstellung
FCB: Sommer; Steinhöfer, Sauro, Dragovic, Voser; F. Frei, Diaz, Cabral, Stocker; A. Frei, Streller.

Bemerkungen: Basel ohne Yapi, Salah und Jevtic (beide verletzt). – Im Vorverkauf wurden 28’150 Tickets abgesetzt.

Nun aber, das weiss auch Vogel, ist der FCB in einer anderen Phase als in der so erfolgreichen zweiten Hälfte der vergangenen Saison: «Vielleicht geht es jetzt um Grundlegendere Dinge.»

Um im Bild zu bleiben: Heiko Vogel muss vom Bastler zum Statiker werden, der sich zuerst darauf konzentriert, dass das rotblaue Gebilde ein stabiles Fundament und ein kräftiges Tragwerk erhält, bevor er sich um die Stuckatur im Entrée kümmert.

Das Rüstzeug dazu hat er. Schliesslich hat er im Herbst 2011 nicht einfach so eine fixfertig zusammengesetzte Mannschaft übernommen – er war als Assistent schon zu Zeiten des Cheftrainers Thorsten Fink massgeblich mit am Bau beteiligt.

Es fehlt die Schokolade

Vogels erstes Problem derzeit: Bei einem Grossbauprojekt wird erst in die Tiefe gebaut. Da kann es monatelang nicht in die Höhe gehen, ohne dass die interessierten Pensionäre an der Umzäunung zu murren beginnen. Im Fussball aber ist es nicht erlaubt, erst einmal ohne sichtbare Fortschritte am Fundament zu werkeln.

Und schon gar nicht beim FC Basel. Da soll es sofort nach oben gehen. Da muss wie bei der Kinderüberraschung immer alles dabei sein: Spiel, Spass, Spannung und Schokolade. Ausser an Spannung hat es in den letzten 210 FCB-Minuten aber an allem gemangelt. Vor allem an Schokolade, beziehungsweise guten Resultaten.

Gratwanderung zwischen filigran und pomadig

Vogels zweites Problem: Nach drei Niederlagen in Serie wollen die Zuschauer sehen, dass die Spieler mit Leidenschaft ans Werk gehen. Vogels Fussball aber ist auf Ballbesitz, Ballbesitz und noch einmal Ballbesitz aufgebaut. Das sieht im Erfolg filigran, mühelos und einfach schön aus. Und wirkt im Misserfolg langsam, wenig stringent, fast pomadig.

Da wünschen sich schnell auch jene Fans den schnellen Ball in die Spitze zurück, die am Ende der Ära Gross bei jedem hohen Ball in die Spitze nur noch aufstöhnten.

Sein Spiel umstellen, um den Zuschauern plakativ zu zeigen, ‹schaut her, wir geben vollen Einsatz›, das mag Vogel zwar nicht: «Meine Spieler sollen jetzt nicht jeden Gegner umsäbeln und Gelbe Karten sammeln.» Aber er hat trotzdem eine Forderung an seine Untergebenen: «Wenn wir den Ball nicht haben, hätte ich gerne eine gezielte Aggressivität. Man kann auch aktiv gegen den Ball spielen.»

Und welches Spiel würde sich für gezielte Aggressivität besser eignen, als der Klassiker gegen den FC Zürich? Der FCB jedenfalls braucht dringend ein Erfolgserlebnis. Wobei dieses für Heiko Vogel nicht unbedingt nur in einem Sieg besteht: «Vor dem Resultat steht eine gute Leistung über neunzig Minuten. Auch das kann Selbstvertrauen geben.»

FCB-Testspiel
Am 7. September spielt der FCB im Rahmen Jubiläumsfeiern zum 111-jährigen Bestehen des FC Solothurn einen Test gegen den 1. FC Kaiserslautern (2. Bundesliga). Anpfiff ist um 18.30 Uhr.

Für Spielerstatistiken, Tor-Analysen und die aktuelle Tabelle verweisen wir gerne auf unsere Seite rotblaulive.ch.

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