Vom Hilton in den Landgasthof – das Schachfestival zieht nach Riehen um

Vom 1. bis zum 5. Januar findet das Basler Schachfestival mit prominenter Besetzung statt. Das Turnier hat einen neuen Standort gefunden und erwartet 200 Teilnehmer. Neben dem Meisterturnier finden Wettkämpfe für den Schach-Nachwuchs statt.

Der Iraner Ghaem Maghami zählt am Schachfestival 2016 in Riehen zu den Favoriten.

(Bild: Hartmut Metz)

Vom 1. bis zum 5. Januar findet das Basler Schachfestival mit prominenter Besetzung statt. Das Turnier hat einen neuen Standort gefunden und erwartet 200 Teilnehmer. Neben dem Meisterturnier finden Wettkämpfe für den Schach-Nachwuchs statt.

Grosse Schachspieler haben bisher meist auf der anderen Seite der Baselstrasse in Riehen Halt gemacht. Viktor Kortschnoi etwa, der streitbare wie legendäre mehrfache Vizeweltmeister aus Wohlen (AG). Mit Zürich trat der inzwischen 84-Jährige gerne an, um der SG Riehen im Haus der Vereine den eidgenössischen Titel in der Nationalliga A zu entreissen.

Im «Landgasthof», direkt gegenüber dem Haus der Vereine, kämpfen nun am ersten Tag des neuen Jahres mehrere Grossmeister um den Turniersieg. Die besten Aussichten, am 5. Januar die 2500 Franken einzustreichen, besitzt erneut Arkadij Naiditsch.

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In den Vorjahren setzten sich die Asse im «Hilton Basel» gegenseitig matt. Nach der Schliessung des Hotels musste eine neue Bleibe gefunden werden für das Basler Schachfestival. Bruno Zanetti wurde schnell fündig: Der Riehener «Landgasthof» habe ein «gutes Angebot» unterbreitet und biete einen «tollen Saal» für die bis 200 Schachspieler, die der Cheforganisator an den fünf Tagen erwartet.



An Arkadij Naiditsch, hier gegen Magnus Carlsen, führt am Basler Schachfestival wohl kein Weg vorbei.

An Arkadij Naiditsch, hier gegen Magnus Carlsen, führt am Basler Schachfestival wohl kein Weg vorbei. (Bild: Hartmut Metz)

Und bestens bekannt sei das neue Domizil in Riehen bei Schachspielern ebenfalls. Schliesslich fand dort erst vor wenigen Wochen die Nationalliga-A-Endrunde mit zahlreichen Stars statt. Zudem stärkten sich die Brettspieler dort schon vor so mancher Partie, sie feierten danach oder ertränkten ihren Frust.

Konkurrenten für den Wandervogel

Zu den Frustrierten dürfte Naiditsch am Dienstagabend kaum zählen. Der bisherige deutsche Spitzenspieler, der schon Weltmeister Magnus Carlsen schlug, gewann nicht nur das Schachfestival Anfang 2015. Zuvor hatte sich der 30-Jährige auch die 3000 Franken für den Sieger beim Weihnachts-Open in Zürich gesichert.

Momentan versucht der aus Riga Gebürtige und Neu-Aserbaidschaner, der nach zahlreichen Querelen mit dem Deutschen Schachbund die Föderation wechselte, dieses Kunststück zu wiederholen. Nach vier Runden lag Naiditsch mit der Optimalpunktzahl in Zürich in Front. Im Vorjahr hatte er nur ein Remis abgegeben und gilt ob seines kompromisslosen Angriff-Stils mit den kleinen Holzfigürchen als «Totschläger».

Das Turnier findet im «Landgasthof» an der Baselstrasse 38 in Riehen statt. Der Eintritt ist für Zuschauer kostenlos.
Basler Schachfestival – Programm Meisterturnier

Datum

Zeit

Runde

1. Januar 14.00 Uhr 1. Runde
2. Januar 09.30 Uhr 2. Runde
2. Januar 16.00 Uhr 3. Runde
3. Januar 12.00 Uhr 4. Runde
4. Januar 09.30 Uhr 5. Runde
4. Januar 16.00 Uhr 6. Runde
5. Januar 09.30 Uhr 7.Runde
5. Januar 17.00 Uhr Siegerehrung

Organisator Bruno Zanetti erwartet den nun in Baku lebenden Grossmeister erneut ganz vorne. Die Konkurrenz in Basel ist schliesslich schwächer als vor zwölf Monaten. Diesmal zieht ein kleinerer Tross von Zürich nach Basel.

So fehlt heuer Yannick Pelletier. Der Schweizer Vorzeige-Grossmeister, der Mitte November bei den Mannschafts-Europameisterschaften in Reykjavik ebenfalls mit einem sensationellen Erfolg über den Norweger Carlsen aufwartete, kehrt ohne Umweg in seine neue Heimatstadt Paris zurück.

Als schärfste Rivalen des Vorjahressiegers im Kampf um die insgesamt 13’500 Franken im Meister- und im Amateurturnier erwartet Zanetti den Iraner Ehsan Ghaem Maghami, den Deutschen Andreas Heimann, der in der Nationalliga A auch für Riehen spielt, sowie Mihajlo Stojanovic, den serbischen Grossmeister in Diensten des Schachklubs Réti Zürich.

Shogi-Legende am Start

Unter den 54 angemeldeten Meisterspielern finden sich aber noch weitere interessante Akteure: Fans werden in den sieben Runden vor allem Vlastimil Hort die Daumen drücken. Der 71-Jährige zählte in seinen besten Zeiten zu den Top Five. Als Kommentator wird der Kölner mit tschechischen Wurzeln noch immer ob seines sprachlichen Witzes und Singsangs, ähnlich dem des «braven Soldaten Schwejk», verehrt.

Wird aufgrund seines sprachlichen Witzes am Brett geschätzt: Vlastimil Hort

Wird aufgrund seines sprachlichen Witzes am Brett geschätzt: Vlastimil Hort. (Bild: Hartmut Metz)

Weiter geht ein Mann ans Brett, den die wenigsten als Schachspieler kennen: Yoshiharu Habu. Der 45-Jährige ist zwar in Japan im Schach die Nummer eins – das heisst aber nicht viel, wie sein 16. Setzlistenplatz in Basel beweist. Habu geht in Basel fremd: Im japanischen Schach «Shogi» ist der Tokioter eine Legende, er gewann 80 Turniere und trägt den 9. Dan.

Weniger aufregend geht es beim Amateurturnier zu und her, auch wenn der Sieger mit 1000 Franken mehr einstreichen darf als Habu bei den Meistern. Am lautesten wird es sicher beim Jugendturnier, wo in den Kategorien U13 und U10 der Jugendschachkönig gekürt wird. Zanetti hofft dabei auf 50 kleine Talente, die teilnehmen. Vielleicht findet sich darunter ein neuer Kortschnoi.

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