Vom Leiden und Hoffen des FC Basel

Am Puls des Präsidenten und des Trainers des FC Basel ist zu spüren: Die Vorstellung, diesen Meistertitel noch zu verspielen, ist keine schöne. Alles Werweissen erübrigte sich mit einem Sieg am Mittwoch (20.30 Uhr) bei den Berner Young Boys.

25.04.2013; Basel; Fussball Europa League - FC Basel - Chelsea; Praesident Bernhard Heusler und Trainer Murat Yakin (Basel) (Daniela Frutiger/freshfocus) (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Am Puls des Präsidenten und des Trainers des FC Basel ist zu spüren: Die Vorstellung, diesen Meistertitel noch zu verspielen, ist keine schöne. Alles Werweissen erübrigte sich mit einem Sieg am Mittwoch (20.30 Uhr) bei den Berner Young Boys.

Am Montagabend, bei der Generalversammlung des Vereins im Congress Center der Messe Basel, sagte Bernhard Heusler: «Es gibt keine schöneren Titel, als die, die ein bisschen erlitten werden müssen.» Das klang wie eine Mischung aus Trost und Hoffnung für die 608 anwesenden der 3000 FCB-Mitglieder. Sie leiden wie der Präsident bei der Vorstellung, dass diese Saison, die gespickt war mit Höhepunkten, ohne Titel enden könnte. Es würde bedeuten, dass der FCB erst einen Elf-Punkte-Rückstand auf GC in einen Sechs-Punkte-Vorsprung verwandelt – und diesen dann noch verspielt hätte. Keine schöne Vorstellung für den Serienmeister.

Also rief Heusler den Spielern und dem Trainer, die im Saal San Francisco in der ersten Reihe sassen, zu: «Ihr habt genug gelitten – holt euch diesen vierten Meistertitel!» Den lang anhaltenden Applaus der Versammlung empfand Murat Yakin natürlich als wohltuend: «Das ist Motivation für uns.»

Denn auch dieser Murat Yakin hat gelitten in den letzten Tagen. Mehr noch beim verlorenen Cupfinal gegen GC, wie er zugibt, als bei der bitteren Niederlage sechs Tage später in der Meisterschaft gegen den selben Gegner. Weil damit nichts verloren ist.

Die Basler Erwartungshaltung, die wenig Interpretation zulässt

Yakin bemüht zwar die Floskel, dass er bei Amtsantritt im Oktober eine Ausgangslage wie jetzt, mit drei Punkten Vorsprung in der vorletzten Runde, unterschrieben hätte. Aber er spürt den ihm als Cheftrainer des FC Basel automatisch auferlegten Druck, Titel gewinnen zu müssen. Er nennt es seine «Vision, etwas zu gewinnen». In der Wirklichkeit ist es eine gnadenlose Erwartungshaltung, die am Fussballplatz Basel in der derzeitigen Konstellation fast keinen Raum für Interpretationen eines Schlussrangs unterhalb von Platz 1 lässt. Die Enttäuschung wäre grenzenlos, der Nimbus angekratzt.

Es ist nicht so, dass Yakin eine Zuspitzung der Saison wie jetzt nicht auf der Rechnung hatte. Oft genug hat er auch in den triumphalen Momenten der Europa League betont, dass noch nichts gewonnen sei, dass man nichts in Händen halte. Und dass einem nichts geschenkt werde.

Das wird auch am Mittwoch in Bern so sein. Wo die Young Boys eine – gemessen an ihren Ansprüchen – desaströse Saison zu schönen versuchen mit einem Sieg über Basel, der ihnen die Hoffnung gäbe, am letzten Spieltag noch eine Europa-League-Finalissima gegen Thun spielen zu dürfen.

Wie gross die Furcht bei Yakin ist, dass dieser Titel noch entgleiten könnte, scheint aus seinem Fazit der beiden Niederlagen gegen GC hervor: «Der Fussball schreibt seine eigenen Geschichten und Krimis», sagt er tapfer, und fügt hinzu: «Aber ich hätte gerne darauf verzichtet.»

Mit oder ohne erhöhtem Dramatikfaktor

Die Vorzeichen des Mittwochs sind die gleichen wie drei Tage zuvor: Gewinnt der FC Basel, ist er nach menschlichem Ermessen Meister, weil er nach wie vor das deutlich bessere Torverhältnis (plus 16 vor dem Anpfiff) besitzt. In diesem Fall reicht GC auch ein Sieg in St. Gallen (Anpfiff ebenfalls um 20.30 Uhr) nicht, um Uli Fortes Spassgesellschaft («Jetzt wird es richtig lustig») bei Meisterlaune zu halten.

Ein Unentschieden reicht Basel ebenfalls bei einem gleichzeitigen Remis der Grasshoppers, und bei Niederlagen im Gleichschritt sähe es genauso aus. Selbst im Fall eines Zürcher Sieges in St. Gallens und einer weiteren Niederlage des FCB hätten es die Basler bei Punktgleichstand am letzten Spieltag immer noch selbst in den Händen, daheim gegen St. Gallen die Ernte dieser Saison einzufahren. Mit einem erhöhten Dramatikfaktor halt.

Yakin: «Ich habe überhaupt keine Bedenken»

«Wir haben eine Gelegenheit verpasst, wir haben immer noch zwei weitere, wir sind immer noch im Vorteil», sagt Yakin und versucht, sich keinerlei Verunsicherung anmerken zu lassen. «Und wenn es sein muss, gehen wir bis zur letzten Runde.»

Tiefere Spuren der Last-Minute-Niederlage in Zürich hat der Trainer bei seiner Mannschaft nicht ausgemacht. Als erste Massnahme empfahl er seinen Spielern noch am Sonntagabend in der Kabine des Letzigrund: «Am Montag ja keine Zeitung lesen.» Alle weiteren Überlegungen, wie ein geschocktes Team aufzubauen sei, zerstreuten sich am Montagmorgen bei der Zusammenkunft zum Training: «Ich habe motivierte Spieler angetroffen. Ich spüre keine Nervosität und habe überhaupt keine Bedenken, so, wie wir in Zürich aufgetreten sind.»

Murat Yakin macht eine kleine Pause und sagt: «Die Spieler sind heiss.»

Warten auf das Schär-Urteil

Die Frage wird sein, ob Murat Yakin in Bern die Aufstellung noch einmal durcheinander wirbeln wird. In Zürich brachte er vier neue Spieler, die allesamt Titelerfahrung haben, doch gefeit vor der späten, bösen Überraschung war der FCB damit auch nicht.

Klar ist: Wird Fabian Schär nachträglich für die Tätlichkeit gegen Shkelzen Gashi gesperrt, spielt Gaston Sauro Innenverteidiger. Bis späten Dienstagabend gab es von der Swiss Football League allerdings noch kein Urteil.

Als linker Verteidiger stünde Joo Ho Park wieder zur Verfügung, den Yakin in Zürich geschont hat und der leichte Probleme am Knie hatte. Markus Steinhöfer spielte diese Position am Sonntag aber nicht schlecht.

Streller und das Signal

Leicht angeschlagen ging Marco Streller aus dem GC-Match (Achillessehne), der Trainer setzt aber sein ganzes Vertrauen in den Captain, der im ungeschicktesten Moment eine Abschlusskrise durchlebt und dem die Verantwortung schwer auf den Schultern lastet («So nah ist man manchmal zwischen Held und Depp»). «Es wäre», sagt Yakin, «das falsche Signal, wenn er nicht spielen würde.»

Ob der Trainer – wonach wie immer in den letzten Wochen gefragt wurde – Raul Bobadilla in der Startelf einbaut, scheint eher unwahrscheinlich. Es wäre jedenfalls nur mit einer taktischen Umgestaltung zu machen, die man dieser Mannschaft in dieser Situation eher nicht zumuten wollen würde.

Offen scheint auch, ob Yakin auf Mohamed Salah setzt, einem Spieler mit grossem offensiven Potenzial zwar, über den der Trainer aber knallhart sagt: «Defensiv müssen wir von ihm nicht viel erwarten.» Das spricht nicht für den kleinen Ägypter in der Startelf.

Cabral zu Sunderland

Im Zentrum würde es nicht wundern, wenn Mohamed Elneny noch einmal beginnt. Entweder für Marcelo Diaz oder aber für Cabral, der offenbar kurz davor steht, beim Premier-League-Club FC Sunderland einen Vierjahresvertrag zu unterschreiben. Ablösefrei, nach dem sein Vertrag (seit 2007) im Sommer ausläuft.

Super League, 35. Runde
Young Boys–FC Basel
Mittwoch, 20.30 Uhr
Stade de Suisse. – 17’000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt – SR Klossner.

Mögliche Aufstellungen
YB: Wölfli; Sutter, Nef, Veskovac, Raimondi; Bertone, Spycher; Afum, Farnerud, Nuzzolo; Frei.
FCB: Sommer; P. Degen, Sauro, Dragovic, Park; F. Frei; Serey Die, Elneny, Diaz, Stocker; Streller.

Bemerkungen: YB ohne Zverotic (gesperrt), Martinez (Nationalmannschaft Venezuela), Gonzales, Zarate, Simpson, Doubai, C. Schneuwly (verletzt); fraglich: Gerndt, Costanzo (beide angeschlagen). – FCB komplett; fraglich: Schär (mögliche Sperre).

 

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