Von Nervenkitzel bis Langeweile – die Wege des Serienmeisters

Am Sonntag kann der FC Basel in Vaduz (16 Uhr) zum siebenten Mal hintereinander Meister werden. Sechs Runden vor Schluss und damit so früh wie nie in der laufenden Serie. Wir schauen zurück auf die Titel der letzten Jahre.

Einer der grössten Momente (2): Chipperfield köpfelt das 2:0 in der Finalissima 2010 in Bern.

(Bild: Keystone/)

Am Sonntag kann der FC Basel in Vaduz (16 Uhr) zum siebenten Mal hintereinander Meister werden. Sechs Runden vor Schluss und damit so früh wie nie in der laufenden Serie. Wir schauen zurück auf die Titel der letzten Jahre.

Die Super League muss nicht langweilig sein. Auch nicht an der Tabellenspitze. Gut, die aktuelle Meisterschaft ist dafür kein geeignetes Beispiel: Der FC Basel gewinnt am Sonntag in Vaduz sechs Runden vor Schluss den 19. Titel, wenn er mehr Punkte holt als Verfolger YB. Aber in den letzten sechs Jahren, als Basel sechs Meisterschaften in Serie gewann, da gab es auch knappe Entscheidungen, sogar sehr knappe.

2014/15: Vom «gefühlten Titel» bis zum Triumph des Paulo Sousa

In der Champions League war der FC Porto im Achtelfinal eine Nummer zu gross. Paulo Sousa, der Mann an der Seitenlinie des FC Basel, scheiterte an seinen Landsleuten, doch bevor er nach Florenz weiterzog, fand er Trost in der Meisterschaft. In der 33. Runde, nach dem 0:0 gegen die Young Boys, war der 18. Basler Titel gesichert – der zweite in Sousas Trainerkarriere. 

Drei Verletzte wieder im Team
Für das Spiel am Sonntag (16 Uhr) im Rheinpark gegen den FC Vaduz stehen Urs Fischer Walter Samuel, Behrang Safari und Daniel Hoegh wieder zur Verfügung. Adama Traoré war am Freitag krank, sein Einsatz ist fraglich.

Frühestens hätte die Meisterfeier eine Runde zuvor steigen können. Die Ausgangslage war eine ähnliche wie aktuell: Der FC Basel spielte am Sonntag um 16 Uhr, Verfolger YB rund zwei Stunden zuvor – die Feierlichkeiten waren abhängig vom Resultat der Berner. Diese gewannen gegen St. Gallen, die Basler wussten also schon vor dem Anpfiff, dass sie an diesem Abend nicht auf dem Balkon über dem Barfüsserplatz stehen würden.



30.05.2015; Basel; Fussball Super League - Meisterfeier FC Basel: Trainer Paulo Sousa (Basel) waehrend der Meisterfeier auf dem Barfuesserplatz. Der FC Basel ist Fussball Schweizermeister 2015. (Christian Pfander/freshfocus)

Auch Paulo Sousa hat es auf den Barfüsserplatz geschafft. Als bisher letzter FCB-Trainer. (Bild: Christian Pfander/freshfocus)

Basel gewann trotzdem im Letzigrund mit einem Tor Marek Suchys in der Nachspielzeit gegen den FC Zürich. Weil der Tscheche im Abseits stand, sagte Zürichs Trainer: «Geht nicht. Urs Meier akzeptiert das einfach nicht mehr. Verstahsch», und Basels Mittelfeldspieler Fabian Frei sagte: «Es fühlt sich etwa so an wie eine gewonnene Meisterschaft.»

Dieses Gefühl droht den Baslern in Vaduz auch: Gewinnen sie und YB ebenfalls, hängt der Meistertitel nur noch am Torverhältnis – und auch da sind die Basler weit voraus.

2013/14: Die erste Niederlage nach 28 Spielen bringt Spannung zurück

Er spielte damals noch für YB. Dieses YB brachte Renato Steffen in der 34. Runde gegen den FC Basel in Führung und im Ticker der TagesWoche stand: «Dieses 1:0 muss nichts heissen: YB ging in dieser Saison gegen den FCB IMMER in Führung – und hat NIE gewonnen.»

Ein viertes Mal passierte das den Bernern nicht. Sie gewannen mit 3:1 – die Meisterfeier in Basel wurde vertagt, weil es der FCB nicht schaffte, von der Niederlage der Grasshoppers am Vortag zu profitieren. 



Berner Spielverderber: Renato Steffen wird von Kollegen und Staff für sein Führungstor gegen den FC Basel gefeiert.

Berner Spielverderber: Renato Steffen wird von Kollegen und Staff für sein Führungstor gegen den FC Basel gefeiert. (Bild: Keystone/PETER KLAUNZER)

Es war die erste Basler Niederlage nach 28 Spielen. Murat Yakin sagte: «Irgendwann passiert das mal» und Marco Streller sagte: «Jetzt müssen wir halt Aarau oder Lausanne besiegen. Und wenn wir das nicht schaffen, dann haben wir den Titel ohnehin nicht verdient.»

Basel gewann in Aarau trotz Fabian Schärs verschossenem Elfmeter und wurde eine Runde vor Schluss Meister. Krawalle nach dem Abpfiff trübten die Feierlichkeiten nach der letzten Saison mit Yakin an der Seitenlinie.

2012/13: Strellers Pass ins Nichts vertagt die Meisterfeier

Was für eine Szene! Im Letzigrund lief die Nachspielzeit, GC verlor den Ball und Marco Streller die Kontrolle über seine Handlungen: Er lief alleine auf Roman Bürki zu, doch anstatt aus bester Position zu schiessen, entschied sich der Captain für den Pass auf Mohamed Salah. Der Ball kam nicht an, Streller vergrub sein Gesicht in den Händen. Der FCB wäre mit diesem 1:0 in der 34. Runde Meister geworden. Doch stattdessen lief der Gegenangriff – und Anatole Ngamukol erzielte den Siegtreffer für die Zürcher, den letzten verbliebenen Gegner im Rennen um die Meisterschaft.

» Die Szenen in der Zusammenfassung des SRF

Die Basler Niederlage machte das Championat plötzlich wieder spannend. Fabian Schär hielt das fast nicht aus, leistete sich eine Tätlichkeit am künftigen Mannschaftskamerad Shkelzen Gashi und musste in der letzten Runde von der Tribüne zuschauen, wie der FCB mit einem 1:0-Sieg gegen St. Gallen den Titel in trockene Tücher brachte.



93 Minuten, 18 Sekunden: Anatole Ngamukol lenkt den Ball an FCB-Goalie Yann Sommer vorbei ins Tor, Fabian Schär schaut betreten.

93 Minuten, 18 Sekunden: Anatole Ngamukol lenkt den Ball an FCB-Goalie Yann Sommer vorbei ins Tor, Fabian Schär schaut betreten. (Bild: Valeriano Di Domenico/freshfocus)

2011/12: Das übliche Feiern nach der grossen Langeweile

Es war ein bisschen wie in der laufenden Saison: Der FC Basel spulte überlegen an der Spitze sein Programm ab, und fünf Runden vor Schluss stand der Meistertitel fest. Im St.-Jakob-Park gewann die Mannschaft Heiko Vogels mit 3:0 gegen Lausanne – so richtig Stimmung wollte wegen der fehlenden Spannung allerdings nicht aufkommen.

Die Saison gab ohnehin vor allem deswegen zu reden, weil die Liga dem FC Sion wegen Verfehlungen bei Transfers 36 Punkte abgezogen hatte und der tschetschenische Geschäftsmann Bulat Tschagajew Neuchâtel Xamax in den Ruin trieb – auch diese rechtlichen Umstände verzögerten den Basler Meistertitel.



«Die Muttenzerkurve ist Weltklasse» – eine letzte Verneigung vor den Fans von Heiko Vogel

«Die Muttenzerkurve ist Weltklasse» – eine letzte Verneigung vor den Fans von Heiko Vogel. (Bild: foto-net / Teamfoto)

2010/11: Urs Fischer zieht den Kürzeren

2011 machte es der FC Zürich in der zweitletzten Runde nochmals so richtig spannend. Urs Fischer stand damals an der Seitenlinie und gewann mit seinem Stammverein gegen den FC Luzern gleich mit 5:0. Basel kam in St. Gallen nicht über ein 0:0 hinaus, die Zürcher verkürzten so den Abstand auf Basel eine Runde vor Schluss auf einen Punkt.

Dass Urs Fischer erst fünf Jahre später erstmals Meister werden kann, liegt daran, dass der FCB in der letzten Runde den FC Luzern mit 3:0 besiegte. Damit bewahrten die Basler den einen Punkt Vorsprung und gewannen den zweiten Titel in Serie.

2009/10: Hochspannung! Basel dreht die Meisterschaft in der letzten Runde

Es gab Zeiten, da hatte zwei Runden vor Schluss im Rennen um die Meisterschaft eine andere Mannschaft bessere Karten als der FC Basel. Young Boys hiess dieses Team in der Saison 2009/10, drei Punkte betrug der Vorsprung nach der 34. Runde auf Basel.

Doch dann flatterten in der Hauptstadt die Nerven: YB verlor gegen Luzern mit 1:5, Basel fertigte gleichzeitig Xamax mit 3:0 ab. Die beiden Mannschaften gingen mit je 77 Punkten in die letzte Runde. Und dort trafen sie sich zum Direktduell im Stade de Suisse.

Valentin Stocker erzielte kurz vor der Pause die Basler Führung, Scott Chipperfield machte nach einer Stunde mit dem 2:0 alles klar. Der Titel ging nach einem Jahr und dem Erfolg des FC Zürich wieder nach Basel – im spannendsten Meisterschaftsrennen der laufenden Basler Titelserie.



Basel's Trainer Thorsten Fink jubelt mit Valentin Stocker in der Kabine nach dem letzten Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Basel am Sonntag, 16. Mai 2010, im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Thorsten Fink und Valentin Stocker jubeln mit Pokal und Feiergetränk. (Bild: Keystone/PETER KLAUNZER)

 

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