Wenn nicht nur der letzte Zentimeter fehlt – die Einzelkritiken

Davide Calla steht bei seinem zweiten, aberkannten Tor hauchdünn im Abseits, Yoichiro Kakitani trifft das offene Scheunentor nicht und Goalie Tomas Vaclik wird so gestört, dass seine Abwehr vor dem zweiten Gegentreffer zu kurz ausfällt – in St. Gallen fehlt den Baslern aber mehr, als der berühmte letzte Zentimeter. Die Bewertungen der Spieler nach der 1:2 Niederlage.

Obenauf, unten durch: Breel Embolo, vier Tage nach dem grossen Liverpool-Match gegen die St. Galler Pascal Thrier (links) und Mario Mutsch. (Bild: Andreas Meier/Freshfocus)

Davide Calla steht bei seinem zweiten, aberkannten Tor hauchdünn im Abseits, Yoichiro Kakitani trifft das offene Scheunentor nicht und Goalie Tomas Vaclik wird so gestört, dass seine Abwehr vor dem zweiten Gegentreffer zu kurz ausfällt – in St. Gallen fehlt den Baslern aber mehr, als der berühmte letzte Zentimeter. Die Bewertungen der Spieler nach der 1:2 Niederlage.

Tomas Vaclik | 3,5
Zeigte einige gute Interventionen, war lange ein verlässlicher letzter Mann, bis in der zweiten Nachspielzeitminute ein Sankt Galler Elllbogen seine Faustabwehrradius einschränkte. «Für mich ein klares Foul, der Goalie muss da geschützt werden», sagt Vaclik. Unter dem Strich bleibt dennoch: Der Ausgleich erschien nicht unhaltbar, die Szene vor dem 2:1 nicht unlösbar.

Taulant Xhaka | 4
Ackerte wie gewohnt und hielt damit den Laden hinten lange dicht gegen Bunjaku. Zeigte Schär, dass er dessen Spielweise intensiv studiert hat und schlug einige lange Bälle in Richtung Spitze, die allerdings nur selten einen Abnehmer fanden.

Fabian Schär | 4,5
Knüpfte eigentlich an sein sehr gutes Spiel am Mittwoch gegen Liverpool an: Kopfballstark, präsent in den heiklen Momenten und mit ein paar guten Bällen nach vorne. Eigentlich ein gutes Spiel des Innenverteidigers, der am Ende die Captain-Binde trug, aber den Einbruch in den Schlussminuten konnte auch er nicht verhindern.

Marek Suchy | 4
Wie für Schär gilt für ihn: eigentlich solide. Gehörte allerdings auch zu denen, die den einen oder anderen Freistoss zuviel in der gefährlichen Zone heraufbeschworen – oder das Diktat des reichlich kleinlich pfeifenden Schiedsrichter akzeptieren mussten. Sah die gelbe Karte für ein Foul allerdings völlig zu Recht.

Davide Calla | 4,5
Mal wieder als verteidigender Flügelstürmer aufgeboten, diesmal auf der linken Seite. Erzielte mit blitzsauberer Direktabnahme seinen zweiten Saisontreffer, schloss dann eine der wenigen schlüssigen Konteraktionen der Basler zur vermeintlichen 2:0-Führung ab, wurde aber aus dem Abseits zurückgepfiffen. Ärgert sich über diesen Entscheid mit den Worten: «Im Zweifelsfall wird für den Stürmer gepfiffen».

Marcelo Diaz | 3,5
Zeigte, dass es nicht nur im übertriebenen Sinn gemeint ist, wenn es in Chile heisst, er sei ein «grosser» Fussballer. Agierte bei Eckbällen als Manndeckung für den gefühlt doppelt so grossen Karanovic und köpfte in der 60. Minute als Einmannmauer einen St. Galler Freistoss aus der Gefahrenzone. Mit einem tollen Steilpass auf Sio leitete er die Basler Führung ein und zeigte damit, dass es nicht nur im übertriebenen Sinn gemeint sein muss, wenn man sagt, er sei ein grosser Fussballer. Aber: Wo war Diaz in St. Gallen, als es in der Schlussphase galt, das Spiel zu ordnen?

Geoffroy Serey Die | 3,5
Dass grossen Spielen nicht selten eine Baise folgt, veranschaulicht der Ivorer. Er fand zunächst keine Bindung zum Spiel und nicht in die Zweikämpfe, die er am Mittwoch noch so bravouräs bestritten hatte. Regte sich nach einer Schwalbe von Karanovic so auf, dass der Schiedsrichter an der Mittellinie einen Schlichtungstermin einberief. In der zweiten Habzeit zunächst verbessert, dann auch einer jener Spieler, denen Sousa nach dem Spiel «falsche individuelle Entscheidungen» ankreidete. Schlich in der 80. Minuten für Hamoudi vom Feld.

Derlis Gonzalez | 3,5
War zusammen mit Calla als Flügelscharnier zwischen Sturm und Abwer gedacht. Wäre in dieser Funktion mit etwas Öl gut bedient gewesen. Klemmte oft an der eigenen Strafraumgrenze fest und fehlte dann bei Kontern als Anspielstation. So unsichtbar wie gegen St. Gallen war der Spektakelspieler bisher selten.

Matias Delgado | 4
Trug in Abwesenheit von Streller und Frei als dritter in der Hierarchie die Captainbinde. Wenn es gefährlich wiurde, hatte er seinen Fuss im Spiel. Chippte reihenweise Bälle in den Rücken der St. Galler Abwehr, was Embolo, Kakitani oder Calla nicht zu nutzen wussten. War sich auch für defensive Drecksarbeit nicht zu schade, lief viel und machte in der 58. Minute für Elneny Platz.

Yoichiro Kakitani | 2,5
Im Hinspiel gegen St. Gallen stand er zum ersten Mal in der Startformation. Seither ist er im Lernprozess nicht viel weiter gekommen. Traf oft die falschen Entscheidungen, spielte schlecht getimte Pässe und bot mit seinem Stellungsspiel keine Anspielstation. Hätte vieles wettmachen können, wenn er den Ball vor der Pause aus fünf Metern im offenen Scheunentor untergebracht hätte, traf aber nur den einsam auf der Linie stehenden Thrier. Nach enttäuschender Vorstellung wurde er in der 52. Minute gegen Sio ausgewechselt.

Breel Embolo | 3,5
In der Offensive bemüht, den Ausfall von Streller vergessen zu machen. Lief viel und setzte seine Gegner damit unter Druck, in Ballbesitz blieb er aber oft im grünweissen Dickicht hängen. Eine grosse Chance vergab er kurz vor der Pause. Verlor vor dem Ausgleich den Ball und stand damit am Urspung der St. Galler Wende. Machte damit Streller nicht vergessen, sondern erinnerte vielmehr daran, wie wichtig der Captain in solchen Spielen für den FCB ist.

Giovanni Sio | 4,5
Wurde in der 52. Minute für Kakitani eingewechselt, und verlieh dem Basler Spiel Tiefe und Geschwindigkeit. Bereitete nur vier Minuten nach Eintritt in die Partie mit einem brillanten Aussenristpass den Führungstreffer vor, sah seine Chance zum 2:0 von Herzog pariert und den Nachschuss von Calla ins Tor aberkannt.

Mohamed Elneny | 3,5
Kam in der 59. Minute für Delgado und verlieh dem Mittelfeld zumindest vorübergehend etwas Stabilität. Schien aber eher gewillt die knappe Führung zu verwalten, als gegen vorne Impulse zu setzen.

Ahmed Hamoudi | –
Kam in der 80. Minute für Serey Die und war zu kurz im Spiel, um bewertet zu werden.

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Bewertungsdurchschnitt: 3,8
Nicht eingesetzt beim FCB: Vailati (T), Degen, Aliji, Zuffi.

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