Wie der FC Bubendorf zu nationaler Bekanntheit gekommen ist

Zehn Jahre lang hat der FC Bubendorf mit seinem Grümpeli Schweizer Prominente angezogen. Startschuss dazu war eine TV-Sendung.

Ein Hockeygott und ein Stanley-Cup-Sieger in Bubendorf: Kevin Schläpfer (l.) und Martin Gerber.

Zehn Jahre lang hat der FC Bubendorf mit seinem Grümpeli Schweizer Prominente angezogen. Startschuss dazu war eine TV-Sendung.

Der FC Bubendorf mag sportlich nie für die grossen Schlagzeilen gesorgt haben. Und doch war der Club ab Herbst 1997 jede Woche im Schweizer Fernsehen zu sehen. Es war eine Idee des damaligen Moderators und Redaktors der Sportsendung «time out», die dem anderen FCB nationale Bekanntheit bescherte.

Fussballgeschichten aus der Region

Zum 75. Geburtstag des Fussballverbandes Nordwestschweiz kommt es zu einer ­Kooperation mit der Tages­Woche. Das Ziel: Online entsteht eine interaktive Geschichte des Fussballs in der Region, auf der die wichtigsten Ereignisse des regionalen Fussballs, Anekdoten und Erinnerungen auf einer Zeitleiste dargestellt werden. ­

Sein Gedanke: «Jeder Schweizer, jede Schweizerin gehört doch irgendeinem Verein an. Und gerade in einem völlig durchschnittlichen Sportverein mit seinen unzähligen Freiwilligen, mit Junioren, Senioren, Spielerfrauen, Vätern und Müttern spielen sich doch wöchentlich die unglaublichsten Geschichten ab. Lasst uns doch dazu eine neue Rubrik machen!» So war «Neus us Buebedorf» geboren, die die Sendung «time out» jeweils als Running Gag beendete.

Die Geschichten für die Beiträge lieferte Walter Ritter, durch seine langjährige Tätigkeit als Herausgeber der damaligen FCB-News sowieso bestens vernetzt und immer auf dem Laufenden.

Eine TV-Idee, die zum Prominenten-Grümpeli führte

Fast ein Jahr lang lief «Neus us Buebedorf». Doch Bonos Idee hatte noch weiter länger Einfluss auf den FC Bubendorf. Zum Ende der Zusammenarbeit wollte die Redaktion des «time out» nämlich am Grümpeliturnier teilnehmen. Und das war der Startschuss zum Prominenten-Grümpeli das sich danach während zehn Jahren bei den Teilnehmern und auch bei den Zuschauern zu einem beliebten Anlass entwickeln sollte.

Walter Ritter wollte nämlich nicht, dass die TV-Equipe im normalen Spielbetrieb den Launen der doch oft übermotivierten Hobbyfussballern ausgesetzt wurde. Namen wie Oliver Bono, Martin Masafret, Regula Späni-Bürer und später Rainer Maria Salzgeber entpuppten sich bei der Rekrutierung von anderen Promis als willkommene «Lockvögel».

Anfangs nutzte Walter Ritter vor allem seine Verbindungen zu lokalen Grössen wie den Sissacher Eishockey-Profis Patrick Sutter (über 100-maliger Schweizer Nationalspieler) und Hockeygott Kevin Schläpfer – oder dem langjährigen Trainer der Schweizer Bobfahrer Rico Freiermuth.

Ein Stanley-Cup-Sieger in Bubendorf

Schläpfer war es auch, der 2006 den Kontakt zu Martin Gerber herstellte, dem Goalie der Schweizer Nationalmannschaft. Und das just in jenem Jahr, in dem Gerber mit den Carolina Hurricans den Stanleycup gewann.

Aber auch andere Wintersportler mit grossen Namen wie zum Beispiel die Skirennfahrer Bruno Kernen, Daniel Mahrer, Fabienne Suter und Beat Feuz (damals «erst» Juniorenweltmeister) fanden den Weg nach Bubendorf. Logischerweise erhielten auch die ganz Prominenten weder Gage noch Spesen. Diese hatte höchstens Walter Ritter auf seiner Telefonrechnung …

Die Hockeyspieler und Bobfahrer gehörten wie die Schwinger unter der Führung von Eidgenosse Rolf «Klarinho» Klarer und dem TV-Team zu den Stammgästen. Fehlen durften natürlich auch lokale Politgrössen nicht: Maya Graf, Daniela Schneeberger, Eric Nussbaumer und Claude Janiak vertreten aktuell immer noch das Baselland in Bern.

Der erstaunte Alex Frei

Viele der Promis machten nicht nur auf dem Rasen eine gute Figur sondern auch bei der «dritten» Halbzeit im Festzelt, meistens angeführt von Stimmungskanone Kevin Schläpfer. Im Jahre 2002 entdeckte der zufällig als Gast anwesende Alex Frei just in diesem Festzelttrubel seine Fussballcopains Marco Streller und die Degen-Zwillingen. Verwundert hörte er, dass am Nachmittag ein Promiturnier stattgefunden habe. Und das ohne ihn …

Beim nachfolgenden Gespräch mit Walter Ritter gab der damals noch bei Stade Rennes spielende Nationalstürmer sein Versprechen ab, im Jahre 2003 in Bubendorf dabei zu sein. Ein Handy-Anruf nach Rennes im folgenden Frühjahr genügte, und Alex bildete zusammen mit Skistar Bruno Kernen ein Traum-Duo am Promi-Grümpeli.

Das Ende des Abends wird im Buch «Alex Frei – König des Strafraums» so beschrieben: «Im Festzelt ging es hoch zu und her, manche Flasche wurde geöffnet. Als die beiden (Alex Frei und Tobias Sander) dann tief in der Nacht und angeheitert nach Hause wollten, verpasste Frei seinem Kumpel aus Spass einen Tritt, fiel dabei jedoch über die Bordsteinkante und zog sich eine schmerzhafte Beckenprellung zu. Drei Wochen konnte er in Rennes nicht richtig trainieren, doch er verschwieg den Clubbossen den wahren Grund seiner Verletzung. «Über den Abend in Bubendorf lachen wir noch heute», sagt Sander.»



Dieser Auftritt nahm kein gutes Ende: Piero Esteriore, hier noch beim Signieren, flüchtete vom Grümpeli, nachdem ihm ein «Switzerland – zero points!» zugerufen worden war.

Dieser Auftritt nahm kein gutes Ende: Piero Esteriore, hier noch beim Signieren, flüchtete vom Grümpeli, nachdem ihm ein «Switzerland – zero points!» zugerufen worden war.

Nicht alle hatten ihren Aufenthalt in Bubendorf in so guter Erinnerung, beispielsweise Piero Esteriore. Der Sänger vertrat 2004 die Schweiz wenig erfolgreich am Eurovision Song Contest in Istanbul. Dennoch wurde er von Walter Ritter fürs Promiturnier geholt. Sein Auftritt endete aber jäh. «Switzerland-zero points», aus dem Munde vom Bubendörfer Senioren Didi Börlin war dem Laufener zuviel, der sofort wutentbrannt das Brühl verliess.

Viele Promis kamen aber Jahr für Jahr gerne nach Bubendorf, sehr zur Freude der Zuschauer. Dementsprechend gross war das Bedauern, als sich Walter Ritter nach der zehnten Austragung entschloss, mit dem Promi-Turnier aufzuhören. Der Aufwand wurde ihm ganz einfach zu viel. Und wie heisst es doch so schön: Man soll auf dem Höhepunkt aufhören.

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