Wie sich Christian Constantin mal als Goalie beim FC Basel beworben hat

Vor dem Spiel des FC Basel gegen den FC Sion vom Samstag kommt eine lustige Geschichte zu Tage: Sions Präsident Christian Constantin hat sich mal handschriftlich beim FCB als Goalie beworben.

Christian Constantin als Goalie in Aktion, hier im Trikot von Neuchâtel Xamax. (Bild: Alain Gassmann)

Das Sportmuseum Schweiz hat bei der Räumung der letzten Schränke im Tribünendach des Stadions Landhof einen kleinen Schatz geborgen: Christian Constantins handschriftliche Bewerbung, der im 1983 gerne Goalie des FC Basel geworden wäre.

Sekretariat des FC Basel anno 1983. Mitte April trifft eine handgeschriebene Bewerbung ein. Absender: ein gewisser Christian Constantin, Martigny. Der 26-jährige Bewerber ist kommunikativ breit aufgestellt: Zwei Nummern sind unter «téléphone professionel» aufgelistet, eine unter «téléphone privé». Der Brief-Betreff aus heutiger Perspektive ungewohnt bescheiden: «Anfrage für eventuellen Transfer».

Fussballgeschichten aus der Region

Zum 75. Geburtstag des Fussballverbandes Nordwestschweiz kommt es zu einer ­Kooperation mit der Tages­Woche. Das Ziel: Online entsteht eine interaktive Geschichte des Fussballs in der Region, auf der die wichtigsten Ereignisse des regionalen Fussballs, Anekdoten und Erinnerungen auf einer Zeitleiste dargestellt werden. ­

Die Einleitung höflich und zurückhaltend: «Ich erlaube mir Ihnen zu schreiben, um Ihnen meinen Dienst als Torhüter anzubieten». Es folgt die bewerbungstypische Chronik der Arbeitserfahrung.

«Saison 77/78 und 78/79: Neuchâtel Xamax (NLA), ungefähr 45 Ligaspiele und Cuphalbfinal (Servette, 3-2). Saison 79/80: ausgeliehen an den FC Lugano». Nach einer begründeten Pause folgt die Fortsetzung des Palmarès: «Saison 80/81 und 81/82: Ausgeliehen an den FC Monthey (NLB), habe alle Matches – Liga, Cup und Ligacup – gespielt. Saison 82/83: Habe um Reamateurisierung gebeten, und da eine Qualifizierung eintraf, spiele ich nun beim FC Leytron (1. Liga)».

Der FCB hat die richtige Kragenweite

Der bewusste Schritt in Richtung Amateursport scheint den noch jungen Goalie zu reuen. Er will zum FC Basel (wo bewirbt er sich sonst noch?), der die damalige Nationalliga A 1983 auf Tabellenplatz elf beendet – hinter dem FC Wettingen aber immerhin noch vor Vevey-Sports.

Für Constantin scheint der Mittelfeldclub Basel die richtige Kragenweite zu haben: «Da ich derzeit in der Lage bin, einen günstigen Transfer zu machen, wäre ich interessiert, zum FC Basel zu kommen, falls Sie Bedarf haben. Ich stehe Ihnen, wenn Sie wünschen, für Probetrainings oder Tests zur Verfügung. In der Hoffnung eine Antwort zu erhalten, sende ich Ihnen meine besten Wünsche. Constantin C.».

Die Unterschrift setzt Constantin heute als Arbeitgeber, Präsident und Baulöwe unter andere Verträge. Aber der FC Basel will den Walliser Torwart nicht. In einem Standardschreiben vertröstet das FCB-Sekretariat den Bewerber und legt Constantins Brief ad acta: «Wir können leider keinen weiteren Torhüter unter Vertrag nehmen.» Beim FCB stehen in der Saison 1982/83 die drei Keeper Hans Küng, Hans Müller und Thomas Paul im Kader. CC macht auch ohne FC Basel Karriere – im Bauwesen und im Fussballbusiness.

Firmengründung in der Karrierenpause

Die Basis für die spätere Karriere als Baulöwe belegt möglicherweise der überraschend persönliche Einschub im Lebenslauf: «Musste wegen eines schweren Unfalls des Onkels, dem Geschäftspartner meines Vaters, ins Wallis zurückkehren, um im Familienunternehmen auszuhelfen; nunmehr ist alles wieder in Ordnung.»

Heute würde man CCs Handeln wohl Sozialkompetenz nennen. In Constantins Brief von 1983 wirkt es fast unsicher. Wie ist der Einschub einzuordnen? In seiner Polarität trifft er das Bild, das man heute von Christian Constantin zeichnet: Provokateur, Machtmensch, kalkulierender Geschäftsmann einerseits, auf der anderen Seite Vaterfigur, Gefühlsmensch, Fussballfan.

Die Gegensätzlichkeit schien schon 1983 zu bestehen. Was im Bewerbungsschreiben unprofessionell erscheinen mag, war es so gar nicht. Genau im Jahr 1979, auf welches der Einschub datiert, gründete CC mit gerade mal 22 Jahren sein Architekturbüro, die Christian Constantin SA. Heute mit 250 Millionen Jahresumsatz und Landbesitz im Wert von zwei Milliarden Franken eine Bank im Wallis.

Seine Schreiben nach Basel wurde erst entdeckt, als die letzten Schränke im Tribünendach des ehemaligen FCB-Stadions Landhof geräumt werden mussten. In einem Ordner fanden Mitarbeiter des Sportmuseum Schweiz, das das Objekt- und Papierarchiv des FCB verwaltet, ein leicht vergilbtes zweiseitiges Papier: Christian Constantins erfolglose Bewerbung beim FC Basel.



Ab und zu spürt Christian Constantin immer noch den Ruf der Goalie-Handschuhe. Zum Beispiel, wenn er eine Wette gegen den heutigen FCB-Spieler Geoffroy Serey Die gewinnen muss.

Ab und zu spürt Christian Constantin immer noch den Ruf der Goalie-Handschuhe. Zum Beispiel, wenn er eine Wette gegen den heutigen FCB-Spieler Geoffroy Serey Die gewinnen muss. (Bild: Keystone/OLIVIER MAIRE)

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