Wo ist Bobadilla?

Raul Bobadilla fehlt im Training und Trainer Murat Yakin glaubt, dass das Kapitel des argentinischen Stürmers beim FC Basel schon zu Ende sein könnte. Derweil scheint klar zu sein: Will sich Schalke 04 Valentin Stocker leisten, muss der Bundesligist die Champions League erreichen.

30.07.2013; Basel; Fussball Champions League 3. Quali'runde - FC Basel - Maccabi Tel-Aviv FC; Raul Bobadilla (Basel) (Daniela Frutiger/freshfocus) (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Raul Bobadilla fehlt im Training und Trainer Murat Yakin glaubt, dass das Kapitel des argentinischen Stürmers beim FC Basel schon zu Ende sein könnte. Derweil scheint klar zu sein: Will sich Schalke 04 Valentin Stocker leisten, muss der Bundesligist die Champions League erreichen.

Update

» Zum Bericht: Bobadilla wechselt zu Augsburg in die Bundesliga

 

Eigentlich sollte es nur ein Abstecher sein zum Training des FC Basel, an einem späten Mittwochnachmittag, ein paar Stunden vor dem Länderspiel im St.-Jakob-Park. Zu erwarten war nicht allzu viel, die halbe Truppe des Schweizer Meisters ist mit Nationalmannschaften unterwegs und Trainer Murat Yakin ist nur ein kleines Grüppchen übrig geblieben.

Captain Marco Streller liess das Training aus, weil er an einer Wadengeschichte laboriert, dafür war Behrang Safari da, der zugunsten des Trainings im Club auf die Reise zum schwedischen Nationalteam verzichtet hat, und auch Fabian Frei. Mit einer genähten Wunde am rechten Ohr aus dem Nahkampf genommen, machte er unter Anleitung von Konditionscoach Walter Grüter einen sogenannten Sternlauf.

Dann hätte man sich auch noch für Raul Bobadilla interessiert. Doch vom Argentinier kein Spur. «Ich dachte auch, er wäre da», war die erste, tief blicken lassende Bemerkung von Murat Yakin.

Yakin glaubt, das Kapitel Bobadilla ist beendet

Die «Basler Zeitung» berichtete am Mittwoch vom Interesse aus der Bundesliga (Augsburg) an Bobadilla, und nach all der Aufregung um Bobadilla, seine Raserfahrt und seine Unterform, nach der internen Suspendierung durch den Trainer, der Nichtberücksichtigung bei den letzten Spielen und dem verordneten Spezialtraining mit Grüter findet Yakin: «Es ist klar, dass er Anderweitigeres prüft.»

Bobadilla ist also nicht im Training, der Trainer hat ihn «seit drei Tagen», wie er sagt, nicht gesehen. Yakin nennt die letzten Wochen ein «Hin und Her», und auf die Frage, ob damit das Kapitel Bobadilla für ihn beendet sei, antwortet er mit einem «Ja».

Heitz: «Bobadilla steht beim FC Basel unter Vertrag»

So will das Georg Heitz nicht stehen lassen: «Stand Mittwoch ist, dass Raul Bobadilla beim FC Basel unter Vertrag steht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.» Der Sportdirektor des FCB räumt aber ein, dass der Club Bobadilla den Mittwoch frei gegeben hat.

Das nährt die Spekulation, dass Bobadilla seine Zukunft nicht mehr unbedingt in Basel sieht. «Die letzten Tage haben beiden Seiten Zeit gegeben, sich genauer Gedanken zu machen», sagt Yakin, «wir haben ihm angeboten, sich hier aufzubauen und zu probieren, was möglich ist.»

Der Trainer sagt auch, dass sich Bodadilla in einem mentalen Loch befindet: «Er ist angeschlagen.» Der argentinische Stürmer war seine Wahl gewesen in der letzten Winter-Transferperiode, drei Monate nach dem Yakin seine Tätigkeit als Trainer beim FCB aufgenommen hatte. Er glaubte Bobadilla, den er seit den gemeinsamen Zeiten beim FC Concordia kennt, wieder in die Spur zu bekommen.

Von Beginn an unter schlechtem Stern

«Es hat für ihn schon schlecht angefangen», sagt Yakin, «er war gesperrt in der Liga, nicht spielberechtigt im Europacup und dann ist er am Ende der Vorbereitung acht Wochen verletzt ausgefallen.» Und während der FCB durch den Frühling bis in den Halbfinal der Europa League und zum vierten Meistertitel in Serie marschierte, blieb Bobadilla nur eine Randfigur.

Somit könnte dieser Transfer sich als teures Missverständnis entpuppen. Rund 3,5 Millionen Franken Ablöse an die Young Boys hat sich der FCB diesen Wechsel kosten lassen. Zwei Tore – eines im letzten Spiel der vergangenen Saison, eines im ersten der neuen Saison – hat Bobadilla erzielt. Viel mehr hat er zum sportlichen Gelingen nicht beigetragen.

Yakin gehen die Stürmer aus

Yakin muss sich sich nun mit seiner dünnen Stürmerdecke auseinandersetzen. Am Mittwoch war noch der junge Admir Seferagic, der nicht offiziell zum Profikader zählt, als nomineller Stürmer auf dem Trainingsplatz. Yakin denkt ausserdem über den U21-Stürmer Albian Ajeti nach, der das Trainingslager mit den Profis am Tegernsee mitgemacht hat, erst 16 Jahre alt ist und in zwei Testspielen jeweils traf.

Und Yakin geht davon aus, dass die Clubleitung auf Stürmersuche ist. Heitz sagt dazu: «Sollte Bobadilla gehen, müssen wir uns etwas einfallen lassen.»

Der FCB-Trainer will nicht jammern über die Situation. Er hat sich daran gewöhnt, Baustellen in der Mannschaft zu bearbeiten: «Fussball ist ein Geschäft von Woche zu Woche», tröstet er sich, und dass er die Länderspielpause und das Wochenende mit Cupspiel am Samstag bei den Old Boys (18.00 Uhr, Schützenmatte) nicht wunschgemäss nutzen kann («Da hätte man super schaffen können») nimmt er fatalistisch hin.

Stocker – die nächste Lücke droht

Doch die nächste Baustelle könnte sich schon bald auftun: Valentin Stocker und Schalke 04. Das Interesse des Bundesligisten ist konkret, wie Stocker Berater Marco Balmelli bestätigt, und für den Nationalspieler könnte es jener «perfect match» werden, zu dem es im Juni und Juli nicht gekommen war: Ein grosser deutscher Verein mit Ambitionen, der auch noch die Gehaltsvorstellungen Stockers bieten kann.

Doch bis zu einem Transfer sind noch ein paar Hürden zu nehmen. Schalke wird sich den Transfer wohl nur leisten können, wenn die Champions League erreicht wird. Seit Mittwoch steht fest, dass die Schalker die Playoffs spielen müssen: Zwar wurde Metalist Charkiw wegen einer alten Manipulationsaffäre aus dem Europacup ausgeschlossen, doch dafür rückt PAOK Saloniki als Gegner der Gelsenkirchener nach.

Noch gibt es keine Offerte aus Schalke

Beim FC Basel ist laut Heitz aus dem Ruhrpott noch keine Offerte eingetroffen, «und dementsprechend gibt es auch keine Forderungen des FC Basel». Damit tritt der Sportdirektor den munter herumgereichten Ablösesummen für Stocker entgegen, die zwischen fünf und zehn Millionen Franken schwanken.

Der FCB wird Stocker, der noch einen Vertrag bis 2016 hat, kaum grössere Steine in den Weg legen – dafür hat er sich zu viele Verdienste erworben. Sportlich würde sein Weggang in einer alles andere als stabilen Mannschaft nach dem lukrativen Verkauf von Aleksandar Dragovic allerdings eine weitere grosse Lücke ins Gefüge reissen.

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