Zu viel Volleyball für Sm’Aesch – der Präsident erklärt den Trainerwechsel

Zu fordernd, zu wenig kompromissbereit, zu viel Volleyball: So lassen sich die Gründe zusammenfassen, die Präsident Werner Schmid anführt, um die Entlassung des erst auf Anfang Saison verpflichteten Trainers Alessandro Lodi zu erklären.

FOTO: TAGESWOCHE/STEFAN BOHRER ORT: BASEL - 25.11.2013: ALESSANDRO LODI, TRAINER VON SMASH PFEFFINGEN. (Bild: STEFAN BOHRER)

Zu fordernd, zu wenig kompromissbereit, zu viel Volleyball: So lassen sich die Gründe zusammenfassen, die Präsident Werner Schmid anführt, um die Entlassung des erst auf Anfang Saison verpflichteten Trainers Alessandro Lodi zu erklären.

Als Werner Schmid vor der Saison seinen neuen Trainer charakterisieren sollte, da erzählte er von einem Mann, der geradezu verrückt ist nach Volleyball. Damals klang das nach einer positiven Chaktereigenschaft. Seit Montag allerdings ist Alessandro Lodi bereits nicht mehr Trainer der Aescherinnen. Der Grund: Der Mann ist tatsächlich verrückt nach Volleyball. Zu verrückt offenbar für einen Schweizer Club, der auf junge Schweizerinnen setzt, die nicht als Profis angestellt sind.

Eineinhalb Wochen vor seiner Entlassung hatte die TagesWoche einen Interviewtermin mit dem 36-jährigen Lodi. Und im nachhinein wirken viele Sätze, die der Italiener damals sagte, wie eine Begründung dafür, warum er bei Sm’Aesch aneckte. Offenbar war er für viele Spielerinnen zu fordernd.

In der Schweiz, befand Lodi, täten sich viele Menschen schwer damit, Veränderungen zu akzeptieren. Von den jungen Schweizer Spielerinnen wollten «viele gar nicht besser werden». Ausserdem müsse ein Trainer auch mal hart sein: «Der Grundsatz lautet: Ein Trainer ist kein Kollege. Kostet das manchmal Beziehungen? Ja, das kostet manchmal Beziehungen.»

Auch seine Defizite hatte Lodi im Interview angesprochen: «In der Schweiz muss man mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorgehen. Eine Eigen­schaft, die ich nicht besitze.» Damals aber meinte er noch, das sei bei Sm’Aesch kein Problem: «Mein Glück ist, dass die Leute, mit denen ich jetzt arbeite, damit umgehen können.» Er sollte sich getäuscht haben.

Werner Schmid, warum haben Sie Alessandro Lodi als Trainer von Sm’Aesch abgesetzt?

Wir hatten eigentlich rein technisch ein gutes Trainingsgespann, aber die Sozialkompetenz, das Menschliche, das Psychologische hat nicht funktioniert. Wir hatten einfach zu viele unzufriedene Spielerinnen, was mich zum Handeln veranlasst hat.

Alessandro Lodi hat selbst gesagt, dass er immer alles verändern will. War das auch ein Problem?

Das Problem ist, dass es für ihn immer nur etwas gibt: Volleyball. Da hat links und rechts nichts anderes Platz und dasselbe erwartet er von den Spielerinnen. Ich hingegen habe die Philosophie, dass die Spielerinnen leistungsfähiger sind, wenn sie richtig Freude am Sport haben. Da muss auch mal etwas Anderes Platz haben, sonst vergeht die Freude.

Was denn zum Beispiel?

Wir trainieren acht bis zehn Mal die Woche. Das ist schon ein Riesenaufwand, die die Spielerinnen bringen. Man muss sehen, dass sie teilweise im Maturajahr sind. Und wenn sie mit dem Trainer Ärger bekommen, weil sie noch für die Matur lernen müssen, dann geht das nicht. Oder auch andere Sachen. Ich möchte da nicht zu viel Negatives erzählen, aber die Problematik ist – ich habe es am eigenen Leibe mal erlebt – wie unkooperativ er in dieser Beziehung ist. Er gibt einfach seine Idee und nicht ein wenig nach links und nicht ein wenig nach rechts.

Waren seine Ansprüche also zu hoch?

Im Fussball, wo die Spieler 100’000 Franken im Monat verdienen, kann man von ihnen verlangen, dass sie allein für den Fussball leben. Bei uns im Schweizer Volleyball ist es anders. Wenn du sie nur forderst, ihnen nichts gibst und ihnen keinen Freiraum lässt, verleidet es ihnen. Das hat er einfach nicht begriffen, weil es für ihn nur Volleyball gibt. Er hat sogar in Ihrem Interview gesagt, dass er 15 Stunden pro Tag für Volleyball aufwendet. Das sagt schon alles aus.

Für das Team selbst bedeutet der Trainerwechsel eine weitere Umstellung. Wird das nicht auch zu Problemen führen – oder erhoffen Sie sich eine Entkrampfung der Lage?

Auf jeden Fall. Ohne dass ich Spielerinnen gefragt habe, haben sich neun von zwölf bei mir beschwert. Das ist ein Alarmzeichen. Ich mache seit 25 Jahren Volleyball und habe das in meiner Karriere nie erlebt. Die Spielerinnen begrüssten den Entscheid, Alessandro Lodi zu entlassen, wobei sie erst am Montag davon erfuhren, als ich die Pressemitteilung veranlasst habe.

Haben vorher versucht, auf Lodi einzuwirken?

Es gab mindestens zehn Gespräche über das Thema und er hat nicht begriffen, dass er hier etwas ändern muss. Ich wurde schon gewarnt, als ich dabei war ihn zu engagieren. Ich wollte diese Kritiker Lügen strafen und habe gemeint, dass ich es schaffe, ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Ich kann mich nur wiederholen: Die Trainings- und die Spielvorbereitung macht er super, aber es fehlt an der Sozialkompetenz.

Wie wichtig ist Sozialkompetenz als Sporttrainer?

Mir hat mal eine frühere Volleyball-Ikone der Schweiz in einem Trainerkurs gesagt, dass ein Trainer beim Schweizer Frauenvolleyball 50 Prozent seiner Zeit für Trainingsvorbereitung, Taktik und Technik und 50 Prozent für Psychologie braucht.

Ist die Psychologie bei einem Frauenteam also wichtiger?

Ein Damenteam ist sicher sensibler als eine Herrenmannschaft. Ich war ja selber der Trainer dieses Teams von der fünften bis zur ersten Liga und habe das selber erlebt. Wenn ich daran denke, als ich noch selbst Volleyball gespielt habe … Wenn du einen Mann hart anfuhrst, vielleicht sogar geflucht hast, löste das damals nichts ausser vielleicht ein Lächeln aus. Die meisten Frauen brechen bei so was hingegen zusammen.

Ist diese Saison für Sm’Aesch noch zu retten?

Natürlich, mit neuer Motivation und Timo als Trainer. Ich bin huntertprozentig davon überzeugt, dass wir die Niederlagen gegen Luzern, Cheseaux und Toggenburg hinter uns lassen können und dass Franches-Montagnes, Neuenburg und Düdingen ungefähr auf dem selben Niveau sind wie wir. Das hat das Team am Samstag in Neuenburg bewiesen. Da bin ich überzeugt, dass uns möglich sein wird, dem Einen oder Anderen Punkte abzunehmen. Wir müssen nur einen dieser Gegner hinter uns lassen und dann sind wir Sechster.

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