Zuffis Zaubertor reicht nicht: Der FCB muss sich PSG beugen

Eine Viertelstunde lang darf der FC Basel nach einem unglaublichen Treffer von Luca Zuffi zum 1:1 von einem Achtungserfolg gegen Paris St-Germain und sogar von ein bisschen mehr träumen. Dann schlägt das Starensemble in der 90. Minute unbarmherzig zu und kommt durch ein ebenso schönes Tor von Thomas Meunier zum nicht unverdienten Siegtreffer. Weil Razgrad Arsenal 2:3 unterliegt, gibt es in drei Wochen in Sofia den Showdown um Gruppenplatz 3.

(Bild: Meinrad Schön)

Eine Viertelstunde lang darf der FC Basel nach einem unglaublichen Treffer von Luca Zuffi zum 1:1 von einem Achtungserfolg gegen Paris St-Germain und sogar von ein bisschen mehr träumen. Dann schlägt das Starensemble in der 90. Minute unbarmherzig zu und kommt durch ein ebenso schönes Tor von Thomas Meunier zum nicht unverdienten Siegtreffer. Weil Razgrad Arsenal 2:3 unterliegt, gibt es in drei Wochen in Sofia den Showdown um Gruppenplatz 3.

Und dann gab es ihn doch noch, einen dieser magischen Momente, mit denen Fussball-Basel in den vergangenen Jahren so oft verwöhnt worden ist. Ein Schuss, der ein Stadion und 34’639 Menschen auf den Rängen aus der Lethargie riss. Ein Tor, das die Physiognomie einer bis dahin einseitig verlaufenen Champions-League-Partie veränderte.

Luca Zuffi, in der 59. Minute für den angeschlagenen Matias Delgado gekommen, erzielte den Ausgleich mit einem Schuss für das Poesiealbum. Nach einem Einwurf in halbrechter Position schaute Zuffi kurz auf, sah, dass Alphonse Aerola ein paar Schritte vor seinem Kasten stand, nahm Mass und zirkelte den Ball aus 39 Metern über den französischen Schlussmann hinweg ins Tor. Um hinterher frank und frei einzugestehen, dass er das so gar nicht beabsichtigt hatte und eigentlich scharf vors Tor flanken wollte. 

» «Dieses Tor war so nicht gewollt» – Luca Zuffi im Video über sein Tor

Bis zu Zuffis Zaubertor dominiert der PSG

76 Minuten waren da gespielt, der FCB war bis dahin nach einem läppischen Gegentreffer zurückgelegen und Paris St-Germain die in allen Belangen überlegene Mannschaft gewesen, die Ball und Gegner laufen liess. Wenig bis nichts hatte darauf hingedeutet, dass der FCB zum Ausgleich kommen könnte. Das Resultat war zwar knapper als noch vor zwei Wochen beim 0:3 in Paris, aber der Schweizer Meister viel weiter entfernt von einer Überraschung als noch im Prinzenpark.



Basel's defender Marek Suchy, center, celebrates his goal with Basel's midfielder Taulant Xhaka, left, and Basel's midfielder Birkir Bjarnason, right, during an UEFA Champions League Group stage Group A matchday 4 soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and France's Paris Saint-Germain Football Club, at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, Tuesday, November 1, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Als Hoffnung keimte: Luca Zuffi (Mitte) wird von Taulant Xhaka (links) und Birkir Bjarnason zu seinem Zaubertor beglückwünscht. (Bild: Keystone/SALVATORE DI NOLFI)

Bis zu Luca Zuffis Zaubertor. Schon im Frühjahr, gegen St-Etienne, war der 26-Jährige als Doppeltorschütze der Mann des Abends beim Einzug in die Achtelfinals der Europa League gewesen. Zuletzt lag, auch verletzungsbedingt, keine besonders gute Phase hinter ihm – und nun meldete er sich mit diesem unglaublichen Tor zurück.

Der Ausgleich weckt die Lebensgeister

Im St.-Jakob-Park weckte der Ausgleich neue Lebensgeister. Plötzlich war das Publikum wieder da, das samt Muttenzerkurve irgendwann in eine Art Kapitulationszustand vor der Pariser Dominanz gefallen war. «Wir wollten Paris nicht ins offene Messer laufen», erklärte FCB-Trainer Urs Fischer die Gangart seines Teams. Und sein Kollege Unai Emery hatte sich bis dahin gefreut darüber, dass es seine Mannschaft «taktisch besser gemacht hat als im Hinspiel».» Nur mit der Torausbeute konnte er nicht zufrieden sein.

Aber dann überschlugen sich die Ereignisse, wurde aus einer einseitigen, vom PSG kontrolliert geführten Angelegenheit plötzlich noch ein wilder Fight.

Geoffroy Serey Dié, der seiner beherzten Anfangsphase Tribut gezollt hatte, bekam die zweite Luft – allerdings auch innert sechs Minuten die zweite gelbe Karte. Platzverweis, Unterzahl. In die offenen Räume stiess Paris unbarmherzig, der FCB verteidigte mit Mann und Maus sowie dem grossartigen Tomas Vaclik sein Tor.

* Durchschnitt der 4 Champions-League-Gruppenspiele  |  Quelle: uefa.com
FCB gegen den PSG – die Statistik
 

FCB-PSG 1:2

PSG-FCB 3:0

FCB Ø*

  FCB PSG PSG FCB  
Ballbesitz in Prozent  36 6 4  64  36 k.A.
Pässe gespielt 353 716 771 355 420
Pässe angekommen 281 658 647 290 353
Passquote in Prozent  80  92  90  81  84
gelaufene Kilometer 106,6 104,9 108,8 111,1 108,9
Schüsse   9  17  13  10  10
Schüsse aufs Tor   2   8   6   1   2,75
Schüsse neben das Tor   5   7   5   7   4,75
Gehaltene Schüsse   7    1    2   2   4
Pfosten/Latte   0    0    1   3   0,75
Balleroberungen  45   60  35  35  k.A.
Fouls  14   8   14  18  17,5
Abseits   1   8   3   2   2,5
Eckbälle   3  10   3   5   4

Und vorne liess Marc Janko, der nach einer Stunde den völlig wirkungslosen Seydou Doumbia abgelöst hatte, den Siegtreffer links liegen. Eine leicht abgefälschte Freistossflanke, wieder von Zuffi, brachte der Österreicher am zweiten Pfosten nicht im Ziel unter. «Den muss er eigentlich machen, der Ball muss ins Tor», sagt Fischer zu der Herzstillstand-Situation in der 86. Minute.

Der Trainer rügt Steffens Naivität

Die fehlende Fortune des Torjägers ausser Dienst ist das eine. Zum anderen besass der FC Basel erneut nicht die Ausstrahlung von früheren Husarenstücken gegen europäische Grosskaliber. Er kam in dieser Partie an Grenzen, die ihm auch schon in den beiden vorangegangenen Auftritten in London und Paris aufgezeigt worden sind. Stellvertretend steht dafür Renato Steffen, der nun in drei der vier Champions-League-Spiele am Ursprung des ersten Gegentores stand.

Diesmal vertändelte er kurz vor der Pause den Ball und provozierte den Eckball, der zum 0:1 führte, und sein Trainer urteilt unzweideutig: «Absolut unnötig. Das ist zu naiv gespielt und darf nicht passieren. Der Ball muss weg.» Fischer ärgert das Gegentor auch deshalb, weil PSG zwar deutlich mehr in Ballbesitz war, in der ersten Halbzeit jedoch dort, wo es gefährlich werden kann, vom FCB weitgehend kontrolliert wurde. Und Delgado hatte zwei gute Chancen für die Rotblauen besessen.



Paris' players cheer after scoring in front of Basel's Taulant Xhaka during an UEFA Champions League Group stage Group A matchday 4 soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and France's Paris Saint-Germain Football Club, at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Tuesday, November 1, 2016. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Die Kapitulation: Taulant Xhaka und die jubelnden PSG-Spieler nach dem Siegtor von Thomas Meunier im St.-Jakob-Park (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Aber es kam noch dicker: Die Schlussminute vor der Nachspielzeit lief, als PSG über den linken Flügel kam. Taulant Xhaka, ab der 69. Minute rechter Aussenverteidiger, weil Champions-League-Debütant Omar Gaber von Krämpfen geplagt passen musste, liess Adrien Rabiot Zeit und Raum, um sich den Ball zurechtzulegen. Die Massflanke nahm auf der anderen Seite der herausragende PSG-Rechtsverteidiger Thomas Meunier mit dem Aussenrist volley ab und traf unhaltbar in den Torwinkel.

Fischer: «Wieder nichts rausgesprungen – das wurmt»

Das Tor des belgischen Internationalen steht dem von Zuffi an Schönheit in nichts nach. Es entschied die Partie zugunsten des Favoriten und rückte im letzten Atemzug doch noch die Kräfteverhältnisse zurecht. Der PSG zieht damit vorzeitig in die Achtelfinals ein und macht mit Arsenal, das bei Razgrad einen frühen 0:2-Rückstand dank eines Weltklassetores von Mesut Özil noch in ein 3:2 verwandelte, den Gruppensieger aus.

Für den FCB wird es in drei Wochen in Sofia um den dritten Platz und das europäische Überwintern gehen. Dannzumal werden ihm nicht nur Serey Dié fehlen sondern auch der Gelb-gesperrte Steffen. «Wir haben gegen eine Spitzenmannschaft phasenweise mitgehalten, aber wieder ist nichts rausgesprungen, und mit den beiden Gesperrten sind wir doppelt bestraft», sagt Urs Fischer, «das wurmt.»

 

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Vor dem Spiel:

Die Chance gegen einen Grossen – aber kaum die Form dazu: Der FC Basel empfängt am Dienstag (20.45 Uhr) in der Champions League Paris Saint-Germain. Das Hinspiel mit drei Treffern an die Torumrandung nährt die Hoffnung des Schweizer Meisters, gegen die französische Übermannschaft zu punkten. Nur scheinen seine Spieler momentan nicht in der Verfassung dazu zu sein – zudem ist Michael Langs Einsatz unsicher. » Die Lage beim Schweizer Meister vor dem vierten Spiel in der Champions League

Der Anspruch von Paris ist auch der von Unai Emery: Der Spielstil von Paris St-Germain unter seinem neuen Trainer sorgt für anhaltenden Gesprächsstoff in der französischen Hauptstadt. Unai Emery hält das für das Normalste an seinem Job. In Basel will er jetzt erst einmal die Achtelfinalqualifikation sichern, und dafür, sagt er, müsse seine Mannschaft im Vergleich zum ersten Spiel noch etwas oben draufpacken. » Ein Blick zum Befinden des heutigen Gegners des FCB

Ticketingdesaster – der FCB krebst zurück: Der FC Basel macht einen Rückzieher: Die Ticketpreise sollen nun doch nicht angepasst werden. Die massiven Erhöhungen der Jahreskarten in einzelnen Sektoren hatten heftige Proteste zur Folge. FCB-Präsident Bernhard Heusler spricht von einem Fehler. » Alles zum Umdenken des FCB

Ticketpreise beim FCB – aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Treue Fans behandelt man nicht so – das hat der FC Basel zu spät erkannt und zieht seine Ticketpreisreform vorerst zurück. Bei den vergleichsweise immer noch günstigen Eintrittspreisen im Joggeli gibt es aber noch ein anderes Phänomen. » Kommentar zum Ticketingdesaster beim FCB

Die Geschichten des Geoffrey Serey Die: Der Ivorer erklärt im Interview mit der «Basler Zeitung», wie seine eigenwillige Frisur zum Markenzeichen wurde, erzählt vom Dasein als Krieger auf dem Fussballplatz und wie sich das Zerwürfnis mit Paulo Sousa zugetragen hat. » Zum ganzen Interview

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