Zwei Derwische und ein pumpender Maikäfer – die Einzelkritik

Mohamed Elneny wird wahrscheinlich für gelaufene Kilometer bezahlt, Davide Calla zeigt eines seiner besten Spiele im FCB-Trikot – und Walter Samuel packt der Ehrgeiz, bereitet den Siegtreffer vor und läuft am Ende auf dem Zahnfleisch. Die Spieler des FC Basel in der Einzelkritik beim 2:1-Sieg gegen die Grasshoppers.

02.05.2015; Basel; Fussball Super League - FC Basel - Grasshopper Club Zuerich; Mohamed Elneny (Basel) jubelt nach seinem Tor zum 1:1 mit den Baslern (Urs Lindt/freshfocus) (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Mohamed Elneny wird wahrscheinlich für gelaufene Kilometer bezahlt, Davide Calla zeigt eines seiner besten Spiele im FCB-Trikot – und Walter Samuel packt der Ehrgeiz, bereitet den Siegtreffer vor und läuft am Ende auf dem Zahnfleisch. Die Spieler des FC Basel in der Einzelkritik beim 2:1-Sieg gegen die Grasshoppers.

Tomas Vaclik | 4,5
Musste keine übermenschlichen Taten vollbringen, war der gewohnt verlässliche Schlussmann, und als es eine aussergewöhnliche Parade gebraucht hätte, um Ravets Kopfball zum 0:1 zu vereiteln – da rutschte Vaclik aus und musste dem hoch in der Ecke einschlagenden Ball hinterher sehen. Der letzte Versuch der Grasshoppers, ein Kopfball von Ben Khalifa, landete dann in Vacliks fangbereiten Armen – und der Abend war gerettet.

Fabian Schär  | 4,5
Sein Arbeitstag begann nach 20 Sekunden mit einem heftigen Zusammenprall mit Munas Dabbur. Dann fällte er wenig später an der Strafraumgenze Caio, was andere Schiedsrichter auch schon mal mit einer Verwarnung belegten, und es waren noch keine sechs Minuten vorüber, als er bei einem Luftduell mit Caio zusammenkrachte. Caio zog sich eine Platzwunde am Kopf zu, Schär trug eine ordentliche Beule davon. Ansonsten sorgte er mit seinen langen Bällen immer wieder für den öffnenden Moment, und in der Schlussphase musste er sich noch einmal nachsetzenden Grasshoppers erwehren.

Marek Suchy | 4,5
Wenn es sein muss, macht es der Tscheche rustikal – Dabbur kann ein Lied singen davon. Da hätte Klossner die gelbe Karte zücken können, die er bei anderer Gelegeheit Calla unter die Nase hielt (-> Calla). Wechselt im Dreierblock mit Schär immer wieder die Position – so will es der Trainer.

Walter Samuel | 5
Am Freitag wurde Paulo Sousa noch gefragt, ob es Walter Samuel in seinem biblischen Fussballalter von 37 Jahren schafft, innerhalb von vier Tagen zweimal von Beginn an auflaufen zu können. Er kann, beschied der Trainer. Und wie der Argentinier konnte. Erst spielte er «il Muro», dann liess er sich von Ravets Kopfball düpieren, um sich anschliessend in Gefilde vorzuwagen, in denen sich Innenverteidiger im Herbst ihrer Karriere normalerweise nicht mehr aufzuhalten pflegen. Packte dort den gepflegtesten linken Fuss aus, der ihm zur Verfügung steht und spielte diesen wundervoll getimten Ball auf Calla zum 2:1 – grosse Klasse. Musste, weil GC nicht locker liess, noch ein paar Mal an die Säcke und stand irgendwann pumpend wie ein Maikäfer auf dem Platz. Ob Walter Samuel müde gewesen sei in der Schlussphase, wurde Paulo Sousa nach dem Spiel gefragt. Der schmunzelte und sagte: «Es waren alle müde.»

Adama Traoré | 5
Starker Auftritt des kleinen, schnellen Mannes mit dem ivorischen und dem australischen Pass. Machte in der ersten Halbzeit über die linke Seite mächtig Dampf und schlug ein paar prächtige Flanken. Spielte beim Gegentor allerdings eine unrühmliche Rolle, als sich Ravet zum Kopfball hochschrauben konnte.



02.05.2015; Basel; Fussball Super League - FC Basel - Grasshopper Club Zuerich; Davide Calla (Basel) jubelt nach seinem Tor zum 2:1mit Marco Streller (Basel) (Urs Lindt/freshfocus)

Gruss an die schwangere Frau: Davide Callas Torjubel. Marco Streller freut sich mit, auch wenn er weiter nach dem 200. Tor seiner Profikarriere sucht. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Davide Calla | 5,5
Daumenlutschen beim Torjubel bedeutete: Gruss an die Frau, die schwanger ist. Damit diese Frage auch geklärt ist. Calla wirbelte wie ein Derwisch über den linken Flügel seines Ex-Clubs, vergab in der ersten Halbzeit eine Reihe von Chancen, war aber an so vielen gefährlichen Situationen beteiligt wie vielleicht noch gar nie zuvor im FCB-Trikot. Nahm beim Gegentor eine Teilschuld auf sich («Ich stehe zu wenig eng bei Bauer», der die Flanke schlug), machte dies aber mehr als wett mit dem siegbringenden Treffer. Auch diese Volleyabnahme schildert Calla ganz ehrlich: «Von zehn Mal geht so ein Schuss vielleicht zwei Mal rein.» Übrigens: die gelbe Karte für Calla, Herr Klossner, war ein Witz!

Fabian Frei | 5
Wie so oft für die Kärrnerarbeit im Zentrum zuständig: das Auge nach hinten haben, Löcher stopfen – krampfen halt. Da er den vertikalen Ball beherrscht, stand er am Ausgangspunkt des Ausgleichs: Bauers ungenügende Kopfballabwehr wurde zur Vorlage für Elneny.

Mohamed Elneny | 5
Der zweite Derwisch im rotblauen Trikot, auch ägyptische Pferdelunge genannt. Rannte er schon im ersten Durchgang die gefühlt meisten Kilometer, waren es nach Seitenwechsel – jetzt noch höher im Basler Pressing positioniert – noch mehr. Gibt dem Basler Spiel mit seinen Flügelverlagerungen ein spezielles Element (-> Frei), und obendrein traf er ins Tor, zum Ausgleich. Es ist sein zweites Saisontor, und wie schon beim ersten gegen GC, damals im Letzgrund beim 4:2, nahm er wieder einen gegnerischen Spieler als Bande: Gülen fälschte den Ball aus 20 Metern für Vasic unhaltbar ab.

Luca Zuffi | 4
Der Dauerläufer zog ein Spiel ein, an dem er ohne grossen Einfluss blieb. Dass es nicht sein Abend werden würde, musste er ahnen, als er in 21. Minute – über Schär und Streller blank gespielt – den Ball aus sechs Metern, völlig freistehend und unbedrängt und sehr spektakulär übers Tor drosch. Wurde in der Halbeit ausgewechselt – ist ihm auch nicht oft passiert in seiner ersten Basler Saison.

Matias Delgado | 5
Mit seinem Samtfuss in der ersten Halbzeit an fast allen Szenen beteiligt, in denen es gefährlich wurde. Dann mit seinem Lockenkopf zur Stelle, um eine prächtige Kopfballchance aus bester Position zu vergeben. Er ist in der Spätphase der Saison das gewünschte Kreativzentrum, auch wenn ihm in diesem Spiel nicht das grosse Zauberstück glückte.



Der Basler Marco Streller, links, und der Zuercher Torhueter Vaso Vasic, rechts, schauen dem Ball nach, der Richtung Tor rollt, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel und dem Grasshopper Club Zuerich im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Samstag, 2. Mai 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Auch in dieser Szene sollte es nicht sein: Marco Streller bringt den Ball an Vaso Vasic vorbei, aber nicht ins Tor. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Marco Streller | 4,5
Liebevoll bildete GC mit Grichting, Gülen und Dingsdag einen Kordon um Streller, jederzeit bereit, dem FCB-Captain auch weh zu tun. In diesem Dreieck suchte Streller seinen 200. Treffer als Profi (143 hat er im FCB-Trikot gemacht) – und fand ihn nicht. Zweimal hielt der Schiedsrichter eine Intervention von Strellers früherem Nationalmannschaftskompagnon Grichting nicht für elfmeterreif, und als Streller dann mit seinem Pipi-Streller-Näschen erahnte, dass der GC-Goalie dabei war, sich zu verspekulieren, und als er Pipi-Streller-artig im Fallen und aus spitzem Winkel den Ball aufs Tor bugsierte – da holte Gülen diesen Ball im letzten Augenblick noch von der Linie. 

Shkelzen Gashi | 4
Wurde nach der Pause anstelle von Zuffi ins Spiel gebracht und bleibt bei seinen 21 Saisontoren, weil Vaso Vasic sich bei Gashis Heber in der 64. Minute gaaanz lang machte.

Breel Embolo | 4,5
Ersetzte in der 71. Minute Streller, unmittelbar nachdem der von Grichting im elfmeterwürdigen Bereich gestoppt worden war. Strellers Juniorersatz warf sich in die selben Breschen wie sein Captain zuvor und bereitete Gonzalez eine gute Situation vor, die ungenutzt blieb.

Derlis Gonzalez | –
Kam in der 77. Minute für Delgado und war zu kurz im Einsatz, um bewertet werden zu können.

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Bewertungsdurchschnitt: 4,7
Nicht eingesetzt beim FC Basel: Vailati (Tor), Xhaka, Degen, Safari

 

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