Teenies können am Self-Checkout voll easy Alk kaufen

An den rein computerbedienten Consi-Kassen gibt es nur noch Stichproben, wenn jemand Alk über den Strichcode-Lesetisch zieht. Für minderjähriges Volk eine offene Einladung! Dachten wir.

Welche Kasse kann schon automatisch abschätzen, wie alt die Bierkäuferin ist?

«Von so etwas habe ich als  junges Mädchen geträumt!» – Die Redaktorin ist entzückt. Es ist neun Uhr morgens, Redaktionssitzung, und wir sprechen über Alkohol. Genauer: Alkohol, den man über die Self-Checkout-Kasse im Coop bezahlt. Bei der Filiale um die Ecke vom Dienstchef seien die Kontrollen nämlich lachhaft, kaum Personal dort, selbst Minderjährige würden bei der Selbstbezahl-Kasse mit der Whiskey-Flasche unterm Arm davonspazieren (oder so ähnlich).

entstehen dann, wenn von der vermeintlich grossen Story am Schluss nur Schall und Rauch bleibt. Manchmal ist aber gerade das Scheitern erhellend – und darum viel zu schade für den Papierkorb.

«Dasch e Gschicht!» Ich setze mich dahinter, klingle einen Coop-Sprecher aus seiner Sitzung, bin getrimmt auf knallharte Konfrontation. Er versucht meinen Ehrgeiz in den Tod zu reden: Mindestens ein Coop-Mitarbeiter stehe bei den Selfcheckout-Kassen, und würde bei jedem alkoholischen Getränk eine Nachricht auf dem Gerät im Hosensack erhalten. Ohne Freigabe, oder im Zweifelsfall Alterskontrolle, bleibe die Whiskeyflasche im Laden.

Pah! Natürlich sagt er das, muss er ja. Der Dienstchef findet: «Jetzt bleibt uns nur noch ein Mittel: der Selbstversuch.»

Da ich mit Mitte Zwanzig noch so aussehe, dass ich Kassierern regelmässig ein «nehmen Sie es als Kompliment» entlocke, besorge ich den Stoff im Coop um die Ecke vom Dienstchef. Auf der Selfcheckout-Strasse herrscht Feierabend-Stau. Ich ziehe zwei Biere und eine Flasche Wein über den Scanner, ein junger Mann neben mir hat Absolut, eine junge Frau hinter mir 10 Mal Quöllfrisch. Unsere Bildschirme werden blockiert, wir sollen aufs Aufsichtspersonal warten. Das ist schlecht.

Ich schiele auffällig unauffällig zur Coop-Mitarbeiterin. Sie muss einem schwerhörigen alten Herren erklären, wie man mit Karte bezahlt, und im Stau setzt das Hupen ein. Das ist gut. Die gibt das einfach frei, ganz bestimmt.

Die Coop-Mitarbeiterin geht zur Frau, schaut sie an, gibt den Bildschirm frei. Dann zum Mann, schaut ihn an, gibt den Bildschirm frei. Dann zu mir, schaut mich an. «Dürfte ich noch einen Ausweis sehen?», und gibt den Bildschirm frei.

Am nächsten Morgen kommt der Dienstchef an meinen Tisch, schaut mich an. «Tja, das nennt man dann wohl abgesoffen!»

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Konversation

  1. Wenn es denn sein muss kann man ja auch einen älteren Kollegen vorschicken. Viel effizienter als ein Kaufverbot wären Konsumationsverbote für unter 18-Jährige in der Öffentlichkeit.

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