Auf Möwen-Safari mit den «Bebbi Babbler»

Eine Gruppe von jungen Vogelfreunden macht am Rhein ausfindig, woher die Wintergäste kommen.

Die «Bebbi Babbler» sind bei jedem Wetter unterwegs.

Konzentriert späht Valentin durch den Feldstecher. «Da haben wir eine tschechische Möwe», ruft der 23-jährige Biologiestudent den Kindern zu. Die Nummer ist noch nicht zu erkennen, wohl aber die Aufschrift «Praha».

Gebannt schaut auch die siebenköpfige Schar aus Kindern und Jugendlichen auf das wilde Treiben am Birskopf: Ein aufgebrachter Möwenschwarm kämpft am Rheinufer um die hingeworfenen Brotstücke. Dabei kommt ihnen ein Schwan in die Quere. Er reckt seinen Hals nach seinen kleinen Konkurrenten und faucht sie an, was diese mit einem Kreischkonzert erwidern. Sogleich mischen auch noch zwei schnatternde Laufenten, die wohl jemand hier ausgesetzt hat, beim Futterzank mit.

Den jungen Beobachtern gehts aber nicht etwa darum, ihr altes Brot an all diese Vögel loszuwerden. Ihr Augenmerk gilt den Ringen, die einzelne Lachmöwen am Bein tragen. Damit wollen sie herausfinden, wie viele Gäste aus dem Norden hier in Basel den Winter verbringen.

Wo Futter ist, sind auch Enten und Schwäne nicht weit.

Davon lassen sich die «Bebbi Babbler», wie die Jugendgruppe der Ornithologischen Gesellschaft Basel heisst, auch nicht vom strömenden Regen abhalten. Die Faszination für alles, was hier flattert, ist auch bei den Kleinsten unübersehbar. Genaues Hingucken macht alles viel spannender: «Ich dachte immer, dass alle Möwen gleich aussehen – jetzt sehe ich aber die Unterschiede bei den Köpfen, Schnäbeln und Flügeln», sagt die neunjährige Amelia.

Valentin organisiert die Exkursion zusammen mit dem Ko-Leiter Silvan und kennt die Hotspots der gefiederten Touristen. «Die grosse Masse der Lachmöwen ist noch nicht angekommen», stellt er fest. Erst wenn im Norden die Seen zugefroren sind, heisst es «ab in den Süden». Dabei brütet diese Möwenart durchaus in ein paar wenigen Schweizer Sumpfgebieten, doch ist sie vor allem als Wintergast oder Durchzügler hier anzutreffen.

«Die Lachmöwe ist international zwar nicht gefährdet, doch in der Schweiz als Brutvogel im Rückgang», erklärt Valentin. 

Möwen schlafen beim Dreiländereck

Ob die Ankömmlinge der letzten Jahre auch wieder in Basel zu Besuch sind? Genau das will herausgefunden werden. Die Nachwuchs-Ornithologen halten die Ergebnisse in einer Tabelle fest, um sie dann der Vogelwarte Sempach zu schicken.

Valentin schätzt, dass derzeit um die 5000 Lachmöwen in Basel sind. Deren Schlafplätze befinden sich zwischen der Dreirosenbrücke und dem Dreiländereck. Dort lassen sie sich gruppenweise auf dem Wasser treiben, um sich von der langen Reise auszuruhen.

«Da eine – schon vorbei.»

Die Möwenschar beim Birsköpfli ist inzwischen ausgespäht. Die «Bebbi Babbler» packen ihre Stative und Feldstecher zusammen und weiter gehts in Richtung Kraftwerk, wo Valentin und Silvan noch andere Rastorte der Möwen kennen. Das Expeditionsteam kommt aber nicht weit.

«Da, eine Bergstelze!» Schon vorbei. Noch etwas planscht im Wasser vor der Schleuse. «Was ist es?», fragt Valentin in die Runde. Lina (10) schaut ins Fernrohr. «Auf jeden Fall kein Haubentaucher», stellt sie fest. Das Bestimmungsbuch schafft Abhilfe: «Ein Zwergtaucher!»

Kernbeisser und Baumläufer im Visier

Hier fliegen also nicht einfach Vögel vorbei. Die jungen Forscher wollen es  genau wissen und merken mit ihren geschulten Augen schnell, wenn ein nicht alltäglicher Vertreter durch die Gegend flattert. Schon bald zeigen die Hände auf einen Gartenbaumläufer, der gerade den Stamm hochkraxelt. Sogleich tut sich auch etwas im Geäst.

«Rate mal, aber gefälligst ohne Feldstecher», sagt der zehnjährige Emil neckisch zu Amelia. Das Aufschauen lohnt sich für die beiden: Der Kernbeisser ist den aufmerksamen «Bebbi Babbler» nicht entgangen. Wie es der Name erahnen lässt, sticht bei diesem Vogel der wuchtige Schnabel ins Auge.

Nun aber zurück zum eigentlichen Protagonisten der Exkursion. Nach all den unerwarteten Sichtungen kommen die Jungornithologen beim Kraftwerk an. Prompt werden sie fündig: Eine polnische Möwe ruht sich bei der Schiffsschleuse aus.

Beim Kraftwerk dümpeln nicht nur Schiffe im Wasser.

Die «Bebbi Babbler» sind nicht nur in Basel unterwegs. Die Gruppe organisiert Exkursionen in anderen Schweizer Gegenden, so etwa in ihren Pfingstlagern. Für die Grösseren unter ihnen steht gar eine Vogel-Safari nach Marokko an.

Alles, was kreucht und fleucht, ist den Kindern und Jugendlichen auch sonst wichtig. So ist etwa Dominic (17) in der Freizeit oft als Tierfotograf auf der Pirsch. Ein Rosenstar als Irrgast im Tessin und eine seltene Zitronenstelze bei einer Seen-Exkursion gehören zu seinen persönlichen Highlights. Gruppenleiter Valentin hat gar die Lizenz erworben, um Jungvögel mit Ringen auszustatten. Er «beringt» etwa den Alpensegler-Nachwuchs, um den Bestand dieser hier seltenen Flugmeister im Auge zu behalten.

Vom Kraftwerk Birsfelden macht sich die Gruppe schliesslich wieder auf den Weg zurück. Es geht rheinabwärts. Mit der jüngsten Exkursion sind die Vogelfreunde am Ende zufrieden. Die «Trouvaillen» des Tages: sieben «beringte» Lachmöwen aus der Slowakei, Polen, Tschechien und Litauen sind protokolliert.

Unberingt, aber beschwingt: 

Konversation

  1. „Gehn wir Möven gucken am Rhein…“
    Alles EU-ler!!
    Eine Masseneinwanderung!
    Die fressen unseren einheimischen armen Vögeln die Körner und das alte Schweizer Brot weg!
    Dann legen sie noch ausländische Eier!
    SVP tu was!!!!

    Naja, Das Einwanderungsproblem wird sich im Frühjahr in Luft auflösen!
    Dann werden wir mit unserer zunehmenden Verstädterung weiter die Vögel vertreiben.
    ….auch ohne Masseneinwanderungsinitiative!

    Dann bräcuchten wir am Ende für die Vögel noch eine „Massenauswanderungsinitiative“.

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