Razzia vor der Kaserne: «Post-Küche» muss schliessen

Grossen Teilen der Aussengastronomie in der Kaserne fehlt die Bewilligung. Nun wurde die «Post-Küche» per Amtsbefehl geschlossen.

Brutzelt wieder: In der «Post-Chuchi» auf dem Kasernenareal wird noch bis Ende September gekocht. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Der ganze Basler Verwaltungsapparat weilt in den Ferien? Nein! Eine gar nicht so kleine Delegation hält die Stellung. Am Donnerstag betrat ein handgezähltes Dutzend Beamter den Innenhof der Kaserne, Bevollmächtigte von nicht weniger als sechs Ämtern wurden vorstellig: Allmendverwaltung, Bau- und Gastgewerbeinspektorat, Denkmalpflege, Feuerpolizei, Hochbauamt und die Kantons- und Stadtentwicklung.

Die Staatsangestellten kamen nicht, um das Wochenende einzuläuten. Sie kamen, um Regelverstösse festzustellen.

Ein Augenschein sei es gewesen, sagt Daniel Hofer, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, das die meisten Delegierten stellte an dieser Beamtenrazzia. Veranlasst haben sie die Feuerpolizei und das Hochbauamt.

Wunderbare Weltküche

Bald versammelten sich die Beamten um ein Gastroprojekt namens «Post-Küche». In ausrangierten alten Postschaltern wird den Sommer über wunderbare Weltküche angeboten von Kambodscha bis Syrien – oder vielmehr: wurde angeboten.

Die «Post-Küche» wurde nach dem Augenschein mittels Anordnung des Präsidialdepartements per sofort geschlossen. Es fehlte jegliche Bewilligung für den Betrieb der Beiz, das bestätigt Sprecher Hofer. Ausserdem gab es Sicherheitsbedenken: Wäre ein Feuer in der Küche ausgebrochen, hätte dies über die nicht brandgeschützten Fenster auf die Kaserne übergreifen können, erklärt Hofer. Auch die Kabar hat keine rechtsgültige Bewilligung für die Nutzung des Innenhofes.

Kein Mietvertrag für den Innenhof

Grund für den Ärger ist eine Schludrigkeit im Jahr 2014. Damals wechselte der Innenhof der Kaserne in die Zuständigkeit der Allmendverwaltung, zuvor war das Bau- und Gastgewerbeinspektorat verantwortlich. Mit dem Wechsel wurde ein neuer Mietvertrag aufgesetzt, der nur die Innenräume umfasste, aber nicht mehr den Aussenraum. «Es liegt keine Boulevardbewilligung für die Nutzung des Kaserneninnenhofs vor, weil nach dem Zuständigkeitswechsel von 2014 keine vergeben wurde», erklärt Sprecher Hofer. Im Sinne einer Besitzstandswahrung habe man kein entsprechendes Gesuch eingefordert.

Die «Post-Küche» fällt nicht unter die Besitzstandswahrung – ebenso wenig ein Plakatständer/Kunstprojekt, die abgerissen werden mussten. Das nicht besonders ansehnliche Teil wurde ohne Baubewilligung gebaut, ein später nachgereichtes Gesuch aus denkmalschützerischen Gründen abgelehnt.

Ohne «Post-Küche», ohne Plakatständer geht der Sommer in der Kaserne weiter. Weitere Folgen, so Sprecher Hofer, dürfte die Beamtenrazzia keine haben. Die Initiantin des Projekts, Kabar-Betreiberin Jeanny Messerli, wollte auf Anfrage die Vorgänge nicht kommentieren.

Konversation

  1. Und Herr Beck, wo ist das Problem? Muss ich aufgrund Ihres Artikels davon ausgehen, dass Sie der Meinung sind, das Einholen von Bewilligungen seien reine Schikanen. Muss ich weiter annehmen, dass Sie gewisse Regeln, Vorschrften usw. ablehnen. Sind Sie somit ein Befürworter einer gesetzlosen Gesellschaft? Ah ja, dann noch dies; in Basel-Stadt gibt es seit vielen Jahren keine Beamten mehr…

    Danke Empfehlen (4 ) Antworten
  2. Der Headliner der Tageswoche kündigt Großartiges an: eine Razzia vor dem linken Kulturtempel Kaserne. Ausgerechnet. Und dies noch während der Sommer-Schliesszeit. Aber kurz vor dem Tattoo, welches ab dem 21.Juli auf dem selbigen Kasernenareal stattfindet. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

    Die Sache muss spektakulär sein, wenn Verantwortliche von 6 involvierten Ämtern kampfbereit aufmarschieren. Hier scheint unmittelbar die Anarchie auszubrechen. Eine sofortige Schliessung des Corpus Delicti muss angeordnet werden. Die Feuerpolizei sieht unmittelbare Gefahr für Leib und Leben.

    Auch die Tawo-Chefredaktion hat unvermittelt eine Hotline eingerichtet und berichtet vor Ort. Wir sehen vor unserem geistigen Auge, wie 6 Chefbeamte, sekundiert von Polizei und Feuerwehr, den Ort des Frevels stürmen. Gefahr in Verzug!

    Ein paar Zeilen weiter unten im Beitrag von Co-Chef-Redaktor Beck Entwarnung. Wir lesen, dass der unhaltbare Zustand seit 2014, entstanden durch eine Schludrigkeit, vorherrscht und scheinbar übersehen wurde. Fehlende Bewilligungen scheinen das Übel zu sein. Die Hausherrin, die Kaserne, wird nicht genannt, aber sie scheint für die desaströsen Zustände verantwortlich zu sein. Ein entsprechendes Statement der Geschäftsführung fehlt leider. Frau Messerli die Initiantin & Betreiberin vor Ort scheint derweilen knapp einer Verhaftung entgangen zu sein.

    Trotzdem, der unbewilligte Plakatständer wird unmittelbar konfisziert und die Postküche versiegelt. Damit ist der spektakuläre Teil der Übung beendet.

    Kapitel zwei (weniger spektakulär): Die Kaserne wird die entsprechenden Gesuche nachreichen. Die Sache wird bewilligt werden. Allerdings, und das ist die Strafe der Schludrigkeit, erst nach dem Tattoo.
    Derweilen die Tattoo-Verantwortlichen sich die Hände reiben und ihre eigen Foodstände aufbauen werden.

    Danach wird die Welt wieder für alle in Ordnung sein.

    Danke Empfehlen (3 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (3)

Nächster Artikel