Das alte Drummeli in jugendlicher Frische

Am traditionellen Drummeli zeigten vor allem die Stammcliquen, wie viel kreative Kraft in der Basler Fasnacht steckt.

Naarebaschi mit «L’Unique».

Es ist die Mutter (wenn auch nicht die älteste) aller Basler Vorfasnachtsveranstaltungen, von denen es mittlerweile ganz schön viele gibt. Und es ist der Anlass, an dem sich der spezielle Charakter der Basler Fasnacht am besten offenbart: Denn es sind nicht ausgesuchte Elitegruppierungen oder gar Profimusiker, die sich hier zu profilieren versuchen. Vielmehr geben die ganz normalen Stammcliquen den Ton an, die damit aber beweisen, dass «normal» an der Basler Fasnacht höchstes Niveau bedeuten kann.

17 Stammcliquen treten zur (vor-)fasnächtlichen Leistungsschau an. Dazu zwei Gugge und zwei Schnitzelbängg, als Neuheit eine Wildcard-Gruppierung sowie ein sechsköpfiges Schauspielensemble, das Raamestiggli einstreut. Das sorgt dafür, dass das Drummeli mit gut drei Stunden Dauer die längste Vorfasnachtsveranstaltung ist.

Bei der Ausgabe 2018 sind es kurzweilige drei Stunden, die man im Musical Theater erlebt. Das liegt daran, dass die Cliquen und Guggen nicht nur musikalisch zu überzeugen versuchen, sondern auch szenisch einiges bieten, was manchmal weniger gelingt, oft aber zu begeistern vermag.

Der Höhepunkt des Abends ist die Retraite der vereinigten Seibi: Den Auftakt macht die Junge Garde mit der originellen Einsteigerversion von Ivan Kym und Walter Zandona. Sie geht fliessend über in die traditionelle Retraite des Stamms und der Frauensektion Seibi Mysli. Der Auftritt überzeugt nicht nur musikalisch, sondern auch vom Bild her. Die Trommler und Pfeifer tragen Pierrot-Kostüme (die Jungen weiss, die Alten schwarz) mit Spiegelkugeln auf den Spitzhüten, die für besondere Lichteffekte sorgen.

Weitere herausragende Auftritte haben die Naarebaschi mit der rockigen Hommage an die L’Unique-Bar am Gerbergässlein (im Kiss-Outfit) und der Dupf Club mit der Fasnachtsversion der Prostituierten-Hymne «Big Spender». Auch die Basler Bebbi begeben sich mit dem «Mutzenbacher» in die Gefilde des Frivolen und lassen als Männercliquenfantasie ein (auf-)reizendes Girl als Frau Luna in den Bühnenhimmel schweben.

Robertson, Robertson und nochmal Robertson

Der Mutzenbacher-Marsch wurde übrigens von Michael Robertson komponiert, ohne den in der Pfeiferwelt offensichtlich fast gar nichts mehr geht. Auch «L’Unique» der Naarebaschi stammt aus seiner Feder ebenso wie «Dr Spalebärg» (der von den Opti-Mischte keck mit Ivan Kyms Trommelmarsch «Faschtewaie» kombiniert wurde) oder das Arrangement von Alex Felix‘ «Mutzebebbi», einer musikalischen Bern-Reise, die von der Rätz-Clique mit Bäre-Gring auf dem Kopf erstaufgeführt wurde.

Auch der traditionelle San-Carlo-Marsch wurde von Robertson für Piccolo arrangiert. Und am Drummeli vorgetragen von den zwei traditionellen Männervereinen Märtplatz-Clique und Olympia, die sich für den Auftritt zusammengetan haben. Aber nicht getrommelt und gepfiffen, sondern mit «Bababa»-Lauten gesungen, die dann gegen Schluss in die knapp verständlichen Worte «Comité, oje oje» mündeten. Ein Auftritt mit erfrischendem Überraschungs- und Verarschungseffekt, der dem Publikum viel Freude bereitete.

Gesungen wird ganz schön viel am Drummeli. Auch «Die Aagfrässene» haben eine Gesangseinlage bei ihrer Hommage an den «Blueme-Fritz» von Edith Habraken. Auch die Trommler und Pfeifer der Pfluderi Clique stimmen beim zweiten Teil ihres Wettsteinmarschs beeindruckend wohlklingend in mehrstimmigen Gesang ein. Und die Gugge Stachelbeeri hat sich für ihre Version von Pink Floyds «Another Brick in the Wall» mit einem Mädchenchor verstärkt.

Auch getanzt wird am Drummeli. Dafür sorgt das SJDS Piccolo-Ensemble mit der Flamenco-Tanztruppe des Tanzwerks Basel. Sie haben die erste Wildcard der Drummeli-Geschichte gezogen und legen fetzige Variationen aus Bizets «Carmen» aufs Parkett.

Ganz klassisch präsentiert sich die Gugge Negro Rhygass in ihrer Schlussnummer. Aber mit einem Arrangement, das über das Gugge-Repertoire hinausgeht. So marschiert die Formation, die dieses Jahr ihr 60-Jahr-Jubiläum feiert, mit einem getrommelt und gepfiffenen Morgestraich auf die Bühne, der dann nahtlos in einen geschränzten Wettsteinmarsch übergeht um sich schliesslich in ein fetzig vorgetragenes Medley von Evergreens der Popgeschichte aufzuschwingen. Ein bejubelter Auftritt der traditionellen Gugge.

Wo bleiben die wirklich bissigen Pointen?

Mit diesen musikalischen und zum Teil szenischen Highlights müssen die Raamestiggli mitzuhalten versuchen. Das gelingt trotz überzeugenden Spielern und einer gut getimten Inszenierung nicht immer. Höhepunkt ist die Nummer zur Spitalfusion – ein Rap über die Mühsale der ambulanten Behandlungen, begleitet von Trommel und Piccolo. Hier haben die Bezüge zur Politik und die Pointen satirischen Biss, wo andere Nummern trotz viel Spiel- und Wortwitz zuweilen etwas kraftlos wirken.

Das gilt auch für die beiden Schnitzelbängg: Die Gryysel machen mit ihren zum Teil etwas vulgären Abschweifungen in die Nähe der Gürtellinie ihrem Namen zwar alle Ehre – und sorgen damit auch für Lacher. Sie müssten diese speziellen Verse aber mit besonders guten Pointen toppen können, was ihnen nicht ganz gelingt. Ganz anders der Auftritt des Schwoobekäfer. Aber auch seine stilvoll und fein gedrechselten Verse werden nicht als die schillernden Glanzpunkte des Schnitzelbangg-Jahrgangs 2018 in Erinnerung bleiben.

Das Drummeli 2018 findet täglich um 19.30 Uhr statt. Dernière ist am Freitag, 9. Februar.

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