Der letzte Mieter am Burgweg trotzt seinem Rauswurf

Am Montag hätte der letzte Mieter der Häuser am Burgweg seine Wohnung räumen müssen. Doch Wohnpolitaktivisten stellten sich den Vertretern der Liegenschaftsverwalterin erfolgreich in den Weg.

Der letzte Mieter Peter Meier (2. von links) mit den Wohnpolitaktivisten vor seinem Wohnort am Burgweg 4. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Vor dem Eingang des Hauses am Burgweg 4 hat sich eine kleine Kundgebung formiert. «Keine Verdrängung auf Vorrat», steht auf einem Flugblatt, das von jungen kostümierten Aktivisten verteilt wird.

Peter Meier gehört nicht zu diesem Kreis. Er ist der Grund für die Kundgebung. Seit vielen Jahren bewohnt er eine Dreizimmerwohnung in diesen Häusern im Besitz der Basellandschaftlichen Pensionskasse. Die Häuser am Burgweg sind mittlerweile zum Symbol für die Gentrifizierung auf dem Basler Wohnmarkt geworden.

Meier ist der letzte Vertreter der rund 50 Mietparteien, die einst in den Häusern gegenüber dem Werkraum Warteck pp gewohnt und gearbeitet haben. «Fast 20 Jahre wohne ich nun bereits hier», sagt Meier. «Früher war es toll hier, alle kannten sich, die Stimmung war wunderbar.»

«Die anderen haben sich rausmobben lassen»

Alle anderen sind schon vor Monaten oder Wochen ausgezogen – «die meisten haben sich rausmobben lassen», wie Meier sagt. Er ist geblieben, weil er bisher keine adäquate Ersatzwohnung gefunden hat. «Die Vermieterin hat uns mehr oder weniger pro forma zwar Ersatz angeboten, aber es war keine Wohnung darunter, die weniger als Tausend Franken im Monat kostet.» Am Burgweg bezahlt er 630 Franken pro Monat für drei Zimmer, eine grosse Wohnküche mit Balkon und ein zwar enges, aber originell geschnittenes Badezimmer, das einst ins Treppenhaus eingebaut wurde.

Peter Meier, der letzte der alten Mieter am Burgweg: «Es ist doch absurd: Ich muss raus und nebenan ziehen andere ein.»

Vermieter zieht unverrichteter Dinge ab

Am Montag hätte Meier nun seine Wohnung verlassen müssen. «Offiziell habe ich das erst vor drei Stunden per Post erfahren», beteuert er. Das sei doch nicht in Ordnung, sagt er den beiden Vertretern der Liegenschaftsverwaltung Adimmo AG, die gekommen waren, um die Wohnungsschlüssel zu übernehmen. «Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen und meine Miete stets pünktlich bezahlt.»

Das Gespräch findet im Hinterhof statt, denn eine kleine Gruppe von kostümierten Wohnpolitaktivisten – ein Teletubby, ein römischer Legionär mit Nikolaus-Bart, ein Wikinger, ein rosa Plüschschweinchen und ein paar Ritter – hatten Vorder- und Hintertür des Hauses mit Paravents versperrt. «Wir sind noch da», lautet eine kleine Aufschrift, die nach dem Auszug der meisten Mieter nicht mehr wirklich zutrifft. «Wir haben diese Paravents im Keller gefunden», sagt der Teletubby.

Wohnpolitaktivisten versperrten den Vertretern der Liegenschaftsverwaltung den Zugang.

«Wohnräume statt Luxusträume», steht auf dem aktuellen Transparent, das der bärtige Legionär in die Luft hält. Dieser Slogan spielt auf die Pläne der Basellandschaftlichen Pensionskasse an, die die Mieter vor über drei Jahren erstmals mit ihren Plänen konfrontierte, die einfachen und dadurch bezahlbaren Wohnungen aufwendig zu sanieren – die Aktivisten sprechen von «Wohnstudios» für Angestellte von Roche.

Wohnungen werden «zwischenvermietet»

In einem Flugblatt ist ausserdem von «Kündigungen auf Vorrat» die Rede, denn gebaut werde am Burgweg noch nicht. Wohl noch länger nicht. Denn die Liegenschaftsverwaltung will die Wohnungen über eine Zürcher Firma zwischennutzen lassen. Der Mieterinnen- und Mieterverband Basel-Stadt sieht darin eine fragwürdige «Umgehung des Mietrechts».

«Das ist doch eine absurde Situation: Ich muss raus und nebenan ziehen andere ein», sagt Meier. Er selber habe nie ein Angebot zur Zwischennutzung seiner Wohnung erhalten.

«Wenn ich von Ihnen ein Angebot bekomme, wie ich mein Leben in der jetzigen Form weitergestalten kann, bin ich schnell weg», sagt Meier den beiden Vertretern der Liegenschaftsverwalterin. Diese nehmen diesen Satz zur Kenntnis. «Die Entscheide werden vom Portfolio-Management gefällt», sagt einer von ihnen, bevor sie unverrichteter Dinge abziehen.

Einst günstiger Raum für Wohnen und Arbeit: Die Häuser am Burgweg 4 bis 14.

Meier atmet auf. Aber wie die Liegenschaftsverwaltung nun reagieren wird, weiss er nicht. Im schlimmsten Fall könnte eine Zwangsräumung folgen. Die Aktivisten vor dem Haus wollen aufmerksam bleiben. Meier freut sich: «Die jungen Leute machen mir Mut», sagt er.

Konversation

  1. Verstehe ich das richtig? Die Wohnungen sollen Zwischenvermietet werden? Da macht es doch keinen Sinn, diesen engagierten Basler und feinen Mann aus der Wohnung zu werfen. Er kann ja bis die Zwischenmietnutzungszeit vorbei ist, ja bleiben. Da würde ich die Verwaltung gerne fragen: Wo ist das Problem?

    Und sollte alles scheitern, dann werd ich halt meinen Konsum an heisser Schokolade mit Schuss bei ihm verfielfachen.

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  2. Ungeachtet dessen was mit/in diesen Häusern geschehen soll. Beide Parteien Mieter wie auch Eigentümer haben ein Vertragsverhältnis und beide Parteien haben das Recht dieser unter Einhaltung der vorgegebenen Fristen aufzulösen resp. zu künden. So gesehen ist das Vorgehend er Liegenschaftsverwaltung doch legitim. Wenn der Mieter jetzt länger drin bleibt als er darf wäre es ja dasselbe wie wenn er über Nacht einfach rausgeworfen worden wäre, das wäre auch nicht OK – oder ?

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  3. Irgendwie ja schon irre: da werden langjährige MieterInnen auf Teufel komm raus in die (Wohn-)Wüste geschickt, ohne dass wirklich feststeht, was danach binnen nützlicher Zeit passieren soll. „Zwischennutzung“ lautet die Devise. Warum nicht die Leute zu den guten Konditionen drin lassen, bis wirklich eine Folgeidee steht? Ganz abgesehen davon, dass auch der Burgweg ein Beispiel mehr ist, wie bezahlbarer Wohnraum der Renditegier in den Rachen geschmissen wird!!!

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  4. Pensionskasse.. wem gehören die Pensionskassen?
    Kaum den Liegenschaftsverwaltungen, wo nur Geld aus
    den Pensionskassen saugen.
    Aber ich muss Zwangsmässig in so ein Konstrukt Einzahlen
    und habe kein Mitbestimmungsrecht..
    Leute Denkt mal nach….
    Die AHV will jetzt die jungen Melken, damit der Herr vom
    Herrliberg mehr Rente bekommt.. ein Irrwitz
    Bei der Pension wird dauernd die Rendite gekürzt, weil das Geld
    in Hüsli gesteckt wird- ohne WERT unter dem STRICH.

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    1. Panther, denk mal nach:
      1. Der Herr aus Herrliberg wird keinen Rappen mehr AHV erhalten, weil er kein Neurentner ist; und nur diese bekommen mehr AHV.
      2. Bezüglich „Junge melken“ muss ich festhalten, dass ich 33 Jahre lang bedeutend mehr AHV einbezahlt habe als ich je erhalten werde. Die AHV basiert auf dem Solidaridätsprinzip und es gibt Maximalrenten, die mit das Einbezahlte deutlich unterschreiten. Gemolken werden nicht die Jungen, sondern Leute mit höheren Löhnen – und diese Schwelle ist nicht sehr hoch.
      Ein Kommentar, in dem so viel Un- und Halbwahrheit steckt, ist unter dem Strich ohne Wert.

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  5. Jaja, die Pensionskassen. Auch so ein Konstrukt wie die Krankenkassen, bei dem der eigentlich freie Eidgenosse gezwungen wurde, bei privaten Firmen Kunde zu sein. Auch so ein Hund, der sich in den Schwanz beisst. Aber solange sich die Elite auf Kosten des Normalbürgers die Taschen damit stopfen können, wird auch immer genug Geld da sein, unsere „Volksvertreter“ zu kaufen, äh, zu lobbyieren.

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