Felix-Platter-Spital: Vorhang auf für das grosse Patientenspiel

In nur sechs Jahren stampfte Basel-Stadt den Neubau des Felix-Platter-Spitals aus dem Boden. Der Stadtkanton wird das universitäre Geriatriespital nach gescheiterten Anläufen für ein bikantonales Alterszentrum im Alleingang betreiben.

Jetzt läuft der Endspurt für den Spitalneubau (im Hindergrund der Altbau, der in einem Jahr geräumt wird).

Viel wurde in den vergangenen Monaten über die geplante Umwandlung des Felix-Platter-Spitalbaus und der Umgebung in ein neues Stadtquartier berichtet. Die Baugenossenschaft «wohnen & mehr» erstellt dort ein städtebauliches Vorzeigeprojekt, das auf den Namen Westfeld hört.

Fast nur als Klammerbemerkung wurde jeweils vermerkt, dass auf dem gleichen Areal auch ein Spitalneubau entsteht. Und nicht etwa ein kleiner, sondern ein stattliches universitäres Zentrum für Altersmedizin mit einer Gesamtnutzfläche von 22’300 Quadratmetern, über 280 Betten und 670 Vollzeitstellen, wie die Spitaldirektion an ihrer Jahresmedienkonferenz bekannt gab.

Probelauf mit Schauspielern

Auf 256,5 Millionen Franken sind die Gesamtprojektkosten veranschlagt, im April 2019 soll der Betrieb aufgenommen werden. Bereits Ende 2018 wird das Felix-Platter-Spital den Neubau nutzen: Vor dem Grossumzug legen die Verantwortlichen nämlich einen dreimonatigen Testbetrieb ein, um die Betriebsabläufe im Neubau verinnerlichen zu können. Dies natürlich nicht mit echten Patienten, wie Olivier Mauther, Direktor des Pflegedienstes, sagte, sondern mit Statisten und Schauspielern.

Der Spitalneubau, der im Inneren um einiges grösser wirkt als die im Vergleich mit dem Altbau bescheiden wirkende äussere Hülle erahnen lässt, wurde – beziehungsweise wird gegenwärtig noch – in der rekordverdächtig kurzen Zeit von nicht einmal sechs Jahren aus dem Boden gestampft. Eile war vonnöten, weil der Altbau den zeitgemässen Anforderungen nicht mehr genügte. Das Spital funktionierte zwar noch, wie die Verantwortlichen an der Jahresmedienkonferenz betonten, war aber längst sanierungsbedürftig geworden.

Jahresmedienkonferenz im neu entstehenden Konferenzraum des Felix-Platter-Spitals.

Dass es so weit kam, war die Folge eines gescheiterten partnerschaftlichen Projekts der beiden Basel. Basel-Stadt hatte das Geriatriespital schon vor vielen Jahren auf Vordermann bringen wollen. 2005 fing der Stadtkanton an über einen Neubau beim Bethesdaspital nachzudenken, bis der Kanton Baselland anklopfte und versuchte, die Stadt für den Neubau eines gemeinsamen Zentrums für Akutgeriatrie und Rehabilitation auf dem Bruderholz zu gewinnen.

Es dauerte sieben Jahre, bis der Kanton Baselland 2012 schliesslich zum Schluss kam, dass ein Neubau auf dem Bruderholz zu teuer würde. Baselland hatte 10 Millionen, Basel-Stadt 2,7 Millionen Franken in den Sand gesetzt. Nicht mit­gerechnet sind die auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzten Kosten, die in Basel-Stadt wegen der Zeitverzögerung entstanden.

Nicht Bestandteil der Spitalfusion

Im Gegensatz zum Universitäts-Kinderspital beider Basel wird das Felix-Platter-Spital nun eine baselstädtische Klinik bleiben. Das altersmedizinische Zentrum ist trotz der engen Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital auch nicht Bestandteil der angedachten Spitalfusion der beiden Basel.

Auch wenn Verwaltungsratspräsident Thomas Giudici den erzwungenen Basler Alleingang im Prinzip bedauert, freut er sich nach eigenen Angaben sehr auf «die führende universitäre Altersklinik der Schweiz».

Konversation

  1. Also, wenn dann da jemand in den Pantoffeln steht und zum Buurezmorge will, liebevoll anhalten und ihm sagen, da ganz im Westen liegt Herrliberg und dort gibt’s täglich Buurezmorge.

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