Eltern ratlos: Kita muss aus HdM-Haus raus

Die Familea-Kita an der Oetlingerstrasse 2 im Kleinbasel muss schliessen. 32 Kinder verlieren ihren Betreuungsplatz. Die Liegenschaft am Rhein gehört den Architekten Herzog & de Meuron. 

Aus und vorbei: Die Kita an der Oetlingerstrasse 2 muss vorzeitig weg. (Bild: Google Maps)

Kaum hat sich die achtmonatige Myra* an ihre Kita an der Oetlingerstrasse 2 gewöhnt, muss sie schon wieder weg: neuer Raum, neue Betreuerinnen, neue Kinder. Alles beginnt von vorne. Dabei ist das Baby erst im April von der Fachstelle Tagesbetreuung an die Familea-Kita an der Oetlingerstrasse zugewiesen worden.

Vor ein paar Wochen folgte dann die Hiobsbotschaft an die Eltern: Die Kita muss schliessen. Myra und 31 weitere Kinder brauchen eine neue Kita. Grund: Die Eigentümer der Liegenschaft möchten das Haus an Rheinlage doch schon früher renovieren.

Überraschend kurzfristig

Die Beton-Liegenschaft gehört niemand Geringerem als den renommierten Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Vergangenes Jahr kauften sie das Haus von einer Novartis-Stiftung. Dem Architektenduo Herzog & de Meuron, das trotz Weltruhm tief mit Basel verbunden geblieben ist, gehören als Privatpersonen zahlreiche Liegenschaften in der Stadt, neben ihrem Hauptdomizil im St. Johann etwa ein Haus an der St. Jakobs-Strasse oder eine Villa beim Wettsteinplatz.

Als die Architekten vergangenes Jahr das Haus an der Oetlingerstrasse 2 kauften, nahmen bei Familea die Verantwortlichen unverzüglich Kontakt mit den neuen Besitzern auf. «Wir haben mit der neuen Eigentümerschaft über eine Weiterführung der Kita verhandelt», sagt Monika Bitterli, Geschäftsführerin der Familea.

Herzog & de Meuron bewerten die Angelegenheit anders, die Stellungnahme findet sich am Ende des Artikels.

Bitterli stellt es dar: Die Eigentümer hätten signalisiert, dass sie in den nächsten zwei bis vier Jahren nicht mit dem Umbau der Liegenschaft beginnen wollen und die Kita somit noch so lange bleiben könne. «Es war alles auf gutem Weg, wir haben sogar den Mietzins besprochen. Im letzten Moment hat sich die Situation aber doch noch geändert.»

Eine Umstellung für Kinder wie Angestellte

Plötzlich entschieden sich Herzog & de Meuron laut Bitterli um, sie wollten doch früher mit dem Umbau der Liegenschaft beginnen. Deshalb muss die Kita per 31. August schliessen. Die Suche nach einer Ersatzliegenschaft war erfolglos verlaufen.

Bitterli bedauert die Schliessung. Im Kleinbasel gebe es ohnehin wenig Kita-Plätze. Die ganze Angelegenheit sei auch für die betreuten Kinder und deren Eltern traurig. «Wir haben uns gemeinsam mit dem Erziehungsdepartement aber sehr um eine gute Lösung für die Kinder bemüht», so Bitterli.

Alle Kinder hätten inzwischen einen Platz in einer anderen Kita – und niemandem werde gekündigt. Mitarbeiterinnen, Lernende oder Praktikantinnen könnten alle an einem anderen Ort weiterbeschäftigt werden. Bitterli sagt: «Es ist schade, dass es so gekommen ist – aber in ein paar Jahren hätten wir sowieso handeln müssen.»

«Alle sind betroffen»

Auch wenn Myra inzwischen einen Platz in einer anderen Kita gefunden hat, ihre Mutter ärgert sich trotzdem über die Situation . «Doof ist, dass sich meine Tochter erneut eingewöhnen muss. Das Ganze ist zudem sehr kurzfristig.» Eine andere Mutter, die ihr Kind an der Oetlingerstrasse betreuen lässt, sagt: «Kinder und Eltern sind sehr traurig. Wir sind alle ziemlich betroffen.»

Unklar bleibt, warum sich das Architektenduo plötzlich umentschieden hat und was es mit der Liegenschaft konkret vorhat. Auf eine Anfrage der TagesWoche haben Herzog & de Meuron trotz mehreren Anläufen nicht reagiert.

So erklärt sich Herzog & de Meuron

Für besagte Räumlichkeiten besteht ein Mietvertrag zwischen uns und der Stiftung der Novartis AG für Erziehung, Ausbildung und Bildung. Es bestand zu keinem Zeitpunkt ein direktes Vertragsverhältnis zwischen uns und Familea. Familea ist Betreiberin der Kita. Über allfällige Vertragsverhältnisse zwischen Novartis und Familea haben wir keinerlei Kenntnisse und können uns dazu auch nicht äussern. Die Novartis AG hat das Mietverhältnis Ende April 2018 fristgerecht gekündigt. Der Betreiberin der Kita haben wir signalisiert, dass wir grundsätzlich an einem Abschluss eines neuen Mietvertrages interessiert sind, zuerst jedoch eine zufriedenstellende Gesamtlösung für das Objekt und sämtliche Mietparteien ausarbeiten müssen.

* Name geändert.

Konversation

  1. Hey, TaWo!

    wenn ein Artikel ein „Update“ erfahrt – in diesem Fall die nachträgliche Erklärung von HdM, so gehört es sich, dass

    1.) Tag und Uhrzeit des Updates angegeben wird und
    2.) die Artikelüberschrift hier und im weiteren TaWo-System entsprechend erweitert wird:
    „Eltern ratlos: Kita muss aus HdM-Haus raus [Update]“

    Beispielhaft der Heise-Verlag:
    https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Sicherheitsforscher-Neue-Schutzfunktion-von-macOS-Mojave-laesst-sich-ueberlisten-4072117.html

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. Als direkt betroffene Eltern möchten wir erst einmal den Redakteuren der Tageswoche danken für Ihre Courage, diesen Artikel zu verfassen.
    Es geht hier nicht um Stararchitekt oder ganz gewöhnlicher Immobilienspekulant.
    Es geht darum, dass es ein echter Albtraum ist, wenn ohne Vorwarnung die Betreuungsplätze für die eigenen Kinder verloren gehen und die berufstätigen Eltern mit einem grossen Fragezeichen zurücklassen.
    Und darum, dass Kitaplätze wirklich rar sind im Quartier und ohne diese eine gesunde Mischung von Quartersbewohnern nicht möglich ist.
    Die von der Rechtsabteilung des Käufers im Anhang des Artikels gezündete Nebelkerze kann man nicht anders als zynisch nennen. Dabei hat Familia alles versucht, den Mietvertrag übernehmen zu können aber offensichlich besteht daran beim Eigentümer gar kein Interesse.
    Wie kann es zur Zufriedenheit aller Mietparteien sein, wenn diese samt und sonders aus dem Gebäude entfernt werden?
    Das dies ganz offensichtlich aus finanziellen Gründen geschieht wird klar wenn man sich die Mieten anschaut, welche teilweise für Neubauten am Rheinufer inzwischen erziehlt werden. Es bleibt zu erwarten, dass aus der Feder der talentierten Neueigentümer ganz prächtige Luxuswohnungen für Expats und die üblichen Verdächtigen entstehen, dort wo jetzt noch das zugegebenermassen wenig prätentiöse Wohnhaus mit KiTa steht.
    Es geht also um das altbekannte und heiss diskutierte Thema: Immospekulanten, welche sich immer mehr wie die Axt im Walde gerieren. Soziale Verantwortung sieht ganz sicher anders aus.

    Danke Empfehlen (2 ) Antworten
  3. Betreffend Klarstellung von Herzog & De Meuron: Leider, leider bestätigt dies für mich, dass sogar die Tageswoche den Anklägerstil der BaZ als journalistischen Ethos verbiegt, weil eben die BaZ mit ihrem Somm & Co.-Brunz diesen Takt vorgegeben hat. Dabei sollte die Tageswoche eine eigenständige journalistische Linie fahren – das entspricht dem Berufs-Register (BR). Alles andere ist Blog-Geschreibsel! Also Furz!

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  4. wenn bezüglich der Frist bis zum Umbau (2-4 Jahre) vom Besitzer Wortbruch begangen wurde gibt es moralisch keine Entschuldigung.
    Rechtlich zählt nur der Vertragsinhalt.

    Danke Empfehlen (1 ) Antworten
  5. Als beim Bau des „Vogelnestes“ für die Olympiade in China Dutzende Bauarbeiter starben oder bei der Elbphilharmonie hunderte Millionen Euro dazu kamen, mussten „Herzog irgendwas“ auch den Kuchen schlucken. Was ist da eine Kita?
    Wenn ich Millioenen verdienen würde, würde ich das Geld auch sinnvoll investieren.
    Die Kita dort habe ich schon lange als teure Angelegenheit vermutete

    Danke Empfehlen (1 ) Antworten
    1. Was man da nicht alles in die Welt setzen kann, mit uninformierten pauperen Kommentaren: «Herzog irgendwas» heisst Herzog & De Meuron. Wenngleich sie viel Geld verdienen mögen, haben sie ihr Privatvermögen stets in gute Sachen investiert (z.B. gratis in den Neubau des Unterlinden-Museums in Colmar! – wo ist das? was ist das? hä?). Sie sind sowieso privat und beruflich ziemlich verantwortsvolle Menschen! De Meuron hat mit dem Roche-Wolkenkratzer das Konzept aus Sicht der Menschen gestaltet, die darin arbeiten müssen – Büro-Einheiten als Waben statt als Stockwerke… Und dass die Elbphilharmonie in Hamburg derart aus dem budgetierten Ruder lief, ist nicht die Schuld von Herzog & De Meuron, sondern der katastrophalen politischen Führung Hamburgs geschuldet! Unwissen schützt nicht: Schläge auf die Finger, die da aus den Untiefen des Gedärms vorlaut in die Tasten hauen!

      Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    2. Da wollen wir doch hoffen, dass HdM Ihnen Ihre Echauffagen angemessen honoriert…
      Soviel Einsatz, auch unter Zuhilfnahme von Begrifflichkeiten wie „Schläge auf die Finger“, „Furz“ oder „Neid der Proleten“, zeugt von wahrer, zutiefst empfundener Leidenschaft! Alle Achtung…

      Danke Empfehlen (1 ) Antworten
  6. Ein schönes Beispiel über die Rolle der Medien in einer ungeklärten Sache. Würde die TaWo auch publizieren, wenn unbekannte Architekten verantwortlich wären? Warum nicht warten auf eine Antwort, bevor schreiben, dass das berühmte Duo Kinder rausgeschmissen hätten?

    Danke Empfehlen (1 ) Antworten
    1. Für alle die lesen können, die TaWo hat HdM mit Nachdruck um eine Stellungnahme gebeten. Wenn HdM sich nicht äussern wollen, wird der Bericht eben ohne ihre Sichtweise geschrieben. Selberschuld. Les absents ont toujour tort!

      NB: Die TaWo schreibt auch über sogenannte Hausrenovationen und Massenkündigungen, wenn es um unbekannte Besitzer geht.

      Danke Empfehlen (5 ) Antworten
  7. Ich glaube nicht, dass was man Herzog + De Meuron alles in diesen Kommentaren hier anzuhängen versucht, auch nur ansatzweise berechtigt ist. Dass sie prominent und erst noch erfolgreich sind, ist kein Grund zu solchen abschätzigen Äusserungen, aus denen der Neid der Proleten tönt. Dass die Kitag-Leute enttäuscht sind, ist etwas anderes. Aber ich weiss, dass weder Herzog noch De Meuron Unmenschen sind. Was ich allerdings nicht weiss, ist, was mit der Kitag ausgehandelt und wie es begründet wurde. Und welche Güterabwägung Herzog & De Meuron vornahmen. Und dann sind sie halt auch noch im Recht!

    Danke Empfehlen (6 ) Antworten
    1. Ja. Meine Nichte hatte neulich eine Spinne im Badzimmer. Meine Nichte mag keine Spinnen.
      Sie nahm die Spinne in die Hand – (so mutig ist sie dann doch wieder) – und sagte ihr unter Berufung auf das Schweizer Tierschutzgesetz: „Und ich bin halt auch noch im Recht!¨…

      …und sie zerquetschte diese Spinne.

      Danke Empfehlen (2 ) Antworten
    2. Wie bei der BaZ kann man auch bei der Tageswoche (und der Reaktionen vieler der Community) Bullshit-Bingo spielen.
      Herzog+DeMeuron wäre einer der Begriffe.
      Bei der BaZ kommt mir da spontan Sommaruga in den Sinn als ein möglicher Begriff.

      Danke Empfehlen (2 ) Antworten
  8. Manchmal gibt es Zwänge, vielleicht gibts bald ein Gratis-Kita gesponsort vom Basler Daig, besser angelegt als all der unnütze Luxuskram.

    Danke Empfehlen (1 ) Antworten
  9. Na ja, es ist immer die selbe Geschichte. Die Herren sind so erfolgreich, dass es ihnen unterdessen bereits voellig entgeht, dass es in der Welt und sogar in ihren Liegenschaften normale Leute gibt, welche mit Problemen zu kaempfen haben wie hier die Kinder des Kita und ihre Eltern. Traurig aber leider wahr. Doch wird von offizieller Seite und der Presse weiterhin den beiden Stararchitekten in den Arsch gekrochen, denn sie sind ja so toll!

    Danke Empfehlen (1 ) Antworten
  10. Meine Nachbarin meint, es wäre doch eine bestechende Idee, solange in den anderen Kitas der Stadt die Kinder-Betreuungsverträge mit HerzogDeMeuron-Mitarbeitern zu kündigen, bis genügend Plätze frei geworden sind für die Goofen aus der Ötlingerstrasse 2.

    Ich hab ihr darauf hin gesagt, dass ich ihre Art zu Denken bedenklich finde…

    Danke Empfehlen (3 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (17)

Nächster Artikel