Im «Rhybadhüsli» ist Basels Sommer besonders friedlich – es sei denn, man möchte auf einen dieser Designer-Stühle

Die knallfarbenen Stücke sind bequemer als jede selbst geformte Sandkuhle. Aber ihre Zahl ist beschränkt.

Rumhängen im «Rhybadhüsli»: Um diese Sitzgelegenheit hat sich noch nie jemand gestritten.

Dieser Kampf geht verloren. Und zwar für die Frau mit dem Kind im Bauch. Der entscheidende Schlag gelingt dem Mann in der blauen Badehose und dem Alter von Mitte 40 mit dieser Punchline: «Ich habe Geburtstag.» Was soll man dem noch entgegenhalten?

Gekämpft wird mit allen verbalen Mitteln, die im Ring der Höflichkeiten gerade noch zugelassen sind. Es geht einmal mehr um einen dieser knallfarbenen Designer-Stühle, welche die Sommerterrasse des «Rhybadhüsli» im Breite-Quartier eigentlich erst zu dem machen, was sie ist: eine Wohlfühloase, mindestens so gut wie ein Strand der Cinque Terre.

Ich weiss nicht, wer diese Dinger entworfen hat. Vermutlich ein Gott. Denn dank der hohen Rückenlehne, die in einem ausgeklügelten Winkel von der Sitzfläche aufragt, mit einer Biegung in den Querverstrebungen, die jede Wirbelsäule zum Schnurren bringt, sitzt man auf diesem Stuhl besser als auf jeder Wolke. Entsprechend beliebt ist er.

Schwitzen, abkühlen, hinlegen

Schon allein seinetwegen lohnen sich die sechs Franken Eintritt. Dafür darf man seinen faulen Körper einen Sonnentag lang auf der Liegezone lagern, während man seinen Geist in ein spannendes Buch aus der hauseigenen Bibliothek steckt, in eine Sonntagszeitung oder am besten sonstwohin.

Zwischendurch schlüpft man rasch in seine Flipflops, um sich von der freundlich geführten Kiosk-Bar einen mit Milchschaum gekrönten Latte Freddo zu holen. Flipflops, weil man sonst Gefahr läuft, sich auf den ausgetrockneten, alten Holzdielen einen «Sprisse» zu holen. Latte Freddo, weil er das Wohlbefinden ins Unermessliche steigert, wenn man so halbliegend dasitzt in einem jener himmlischen Designer-Stühle, mit den Füssen auf einem eigens dafür hergestellten Schemel. So geht Sommer.

Da sitzt es, das himmlische Kind. Rechts neben der Fahne.

Um einen herum gurren die anderen Gäste, meistens die gleichen, meistens sehr fröhlich. Damit ist es jetzt freilich so gut wie vorbei. Für die schwangere Frau ebenso wie für den Mann in blauer Badehose, der gleich die fünf letzten Paradiessitze auf der Terrasse verteidigt, als wäre er Kerberos, der Höllenhund.

«Ich bin extra früh hierher gekommen, um für meine Freunde zu besetzen», erklärt der Geburtstagsmann mit bissigem Grinsen der schwangeren Frau. Er könne auf keinen Fall einen der leeren Stühle abtreten. Es ist kurz nach zehn Uhr, zugegebenermassen früh für einen Sonntagmorgen.

Der Sommer macht eigentlich vor, wie es geht: cool werden, loslassen und dem Herbst Platz machen, wenn er darum bittet.

«Geburtstag», murmelt die Schwangere, als sie sichtlich empört aufgibt. Ihr bleibt nun nichts anderes übrig, als für sich und ihren runden Bauch auf einer der alten Sitzgelegenheiten Platz zu suchen, einer flachen Holzbank, frei von Lehne und jeglichem Schnickschnack. Wer diese Dinger designt hat, weiss ich nicht – vermutlich ein Fakir. Zum entspannt Liegen und Lesen eignen sie sich jedenfalls nicht die Bohne.

An der Kiosk-Bar, wo ich einen Latte Freddo bestelle, sorgt der Vorfall für Gesprächsstoff. Es wird gemunkelt, dieses Stühlebesetzen habe hier zuweilen ein Ausmass angenommen, wie man es sonst von deutschen Urlaubern in All-Inclusive-Hotels kennt: Tücher auslegen und dann ab zum Brunch – oder zurück in die Federn. Dieser Unsitte habe man aber einen Riegel geschoben.

Doch heute hat nun mal ein gestandener Mann Geburtstag. Da kann man nichts machen.

Wobei, der Sommer macht eigentlich vor, wie es ginge: cool werden, loslassen und dann dem Herbst Platz machen, wenn er darum bittet. Das tut zwar ein bisschen weh im ersten Moment. Aber wenn man bedenkt, dass mit dem Herbst im «Rhybadhüsli» wieder die Saunasaison beginnt, geht das mit der Wehmut verblüffend rasch vorbei.

Viel ändert sich durch den Wechsel ja ohnehin nicht: schwitzen, abkühlen, hinlegen und entspannen. So geht auch Sauna. Nur dass in der eigens dafür aufgestellten Ruhe-Jurte niemand auf die Idee kommen müsste, Geburtstag zu haben. Ich freu mich drauf.

Finden: Rheinbad Breite, St. Alban-Rheinweg 195. Badebetrieb bis 22. September, Montag bis Freitag 11–20 Uhr, Samstag/Sonntag 10–20 Uhr.

Aussichten: Das «Rhybadhüsli» begrüsst den Herbst mit einer Fondueplausch-Woche im zugehörigen Restaurant Rhin Bleu vom 14. bis 22. September. Dann endet auch die Sommersaison. Der Saunabetrieb wird am 20. Oktober aufgenommen.

Konversation

  1. Jaahhh… diese beschriebenen „bunten Designer-Stühle“ habe ich damals vor etwa 15 Jahren einfach mal dem „Hugo“ vorbeigebracht, weil dies meines Erachtens eben der „schönste und idealste“ ORT… in ganz Basel dafür ist…! Und sie sind geblieben… 🙂 zur Freude… vieler Besucher..! PS. Er wurde nicht von Gott erschaffen, sondern von Frederic Sofia, der den seit 100 Jahren in PARIS stehende Parkstuhl „Luxembourg“ neu interpretiert und durch die Firma Fermob auf den Markt gebracht hatte. Unterdessen weltweit eine Ikone des Stuhl-Designs. An das Badhüsli… wenn’s zu wenig hat… einfach bei mir melden.. 😉 minimal-design.ch
    Gruss, Stephan

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