Ist das noch Fasnacht oder einfach nur Lärm?

Die scheenschte drey Dääg sind nicht die ruhigsten drei Tage. Müssen sich die Bewohner der Basler Innenstadt einfach damit abfinden?  

Das ist Weltkultur, da darf man schon ein bisschen Lärmtoleranz erwarten.

Die Fasnacht ist ein Stück Basler Identität. Seit Dezember gehört sie sogar zum immateriellen Unesco-Weltkulturerbe. Während den drey scheenschte Dääg ist die Stadt im Ausnahmezustand.

Damit ist Lärm verbunden, trotzdem müssen Anwohner Toleranz zeigen – denn auf Bundesebene ist zur Fasnacht nichts Fixes geregelt. Das liege an der «Beweglichkeit» der Fasnächtler, die mit ihren Umzugswagen und Guggenmusiken von Strasse zu Strasse ziehen, berichtet der «Beobachter».

Genauer gesagt: Die Lärmschutz-Verordnung gehe bei ihrer Definition von Lärmquellen nur von «ortsfesten Anlagen» und «nicht beweglichen Einrichtungen» aus – was auf eine vorbeiziehende Menschenmenge nicht zutrifft.

«Eine gute gesetzliche Regelung reduziert nur den Lärm und nicht den Fasnachtsgenuss.»

Martin Schütz, Sprecher JSD

Wie tolerant genau sich Anwohner zeigen müssen, hängt in Basel davon ab, in welchem Quartier sie wohnen. Im Zentrum von Gross- und Kleinbasel ist das Trommeln, Pfeifen und Musizieren von Fasnachtsmontag ab 4.00 Uhr bis Donnerstag nach der Fasnacht um 4.00 Uhr gestattet. In den Aussenquartieren ist es jeweils von 7.00 bis 22.00 erlaubt.

«Eine gute gesetzliche Regelung reduziert nur den Lärm und nicht den Fasnachtsgenuss», sagt Martin Schütz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD). Bei berechtigten Klagen insbesondere seitens der Anwohner könne die Polizei die Einstellung der Aktivitäten anordnen, zum Beispiel wenn die Veranstaltung ausserhalb der festgelegten Zeit und Zonen unnötig Lärm produziert. Andernfalls: Pech gehabt.

Fasnachtsradau ist akzeptiert

Damit nach den «drey scheenschte Dääg» aber nicht die Ohren pfeifen, wird dennoch ein Richtwert angegeben, auf den sich die Betroffenen theoretisch berufen können. Gemäss der «Schall- und Laserverordnung» haben Veranstalter dafür zu sorgen, dass die von ihnen erzeugten Immissionen den Stundenpegel von 93 Dezibel während der gesamten Veranstaltung und Dauer nicht übersteigen. Wenn das doch geschieht, kann die Polizei kontaktiert werden, sagt der «Beobachter». Der Nachweis dafür sei aber sehr schwierig zu erbringen.

Schütz ist überzeugt, dass die Baslerinnen und Basler den Lärm gewohnt sind: «Sie wissen immerhin, dass Fasnacht ist und akzeptieren meist den Radau, der damit verbunden ist», sagt er.

Konversation

  1. Böse, böse Fasnacht. Abschaffen sofort!

    Also wer im Wissen um die Fasnacht in die Innenstadt zieht und dann sich daran stört, der muss eher sich selber fragen, was er für ein Problem hat.

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    1. Das gleiche gilt dann aber auch fuer leute die zB ans kleinbasler rheinbord ziehen oder oberhalb einer bar.

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    2. Richtig. Man zieht ein, weiss, unten ist eine Bar und kaum ist man eingezogen, deckt man die Bar mit Lärmklagen ein.

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  2. Ich denke, hier ist die Bevölkerung sehr tolerant. Man weiss, die Fasnacht darf alles, also arrangiert man sich damit und fährt entweder weg oder versucht sein Leben sonst drum herum zu organisieren. Ist ja ähnlich dem Fussball gegenüber. Hier gelten plötzlich übliche Regeln und Gesetze nicht mehr wenn der FC wieder Meister wurde. Dann darf auch gerne werktags, mitten in der Nacht, der grösste Radau veranstaltet werden.
    Hier, wie bei der Fasnacht, sind die Lärmverursacher meist intoleranter als die lärmgeplagten Bürger. Es wird hier ein Recht auf Radau gesehen, natürlich jetzt noch zusätzlich legitimiert durch den Weltkulturerbestatus.
    Ausserdem ist es ja nicht nur der Lärm, mit dem man sich arrangieren muss. Es sind auch Räppli und Müll überall, verstopfte Fahrzeuge im ÖPNV oder gar der komplette Ausfall bestimmter Strecken. Davon abgesehen, kommt bestimmt ein bedeutender Teil der Krach- und Müllmacher aus dem Umland (wo sie es schön ruhig haben).
    Feiert Eure Fasnacht und Euren Fussball, aber erwartet nicht, dass alle damit glücklich sind und sich auch mal jemand gestört fühlen darf dadurch…

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