Mieterverband klagt gegen Abriss der Mattenstrasse-Häuser

In der Mattenstrasse wehren sich Bewohner gegen die Zerstörung ihres Wohnraums. Nun wird der Konflikt auf die juristische Ebene gehoben.

Bleib weg, Bagger! Die Hausbewohner protestieren gegen den geplanten Abriss. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Der Mieterverband geht gegen den Abriss einer Häusergruppe an der Mattenstrasse vor. Dort stehen sich die Mieterschaft und der karitativ orientierte Vinzenzverein St. Marien gegenüber. Die Katholiken wollen anstelle der historischen, teilweise unter Schutz stehenden Bauten zwei Wohnblocks hinstellen. Die TagesWoche hat über den Konflikt in einer grossen Reportage berichtet.

Mit einer Verbandsbeschwerde will der Mieterverband den Neubau stoppen oder zumindest erschweren. Dabei kreidet er mehrere angebliche Regelverstösse im Baugesuch an. So würde der Wohnanteilplan verletzt und die Berechnung der zulässigen Bruttogeschossfläche sei falsch. Zudem finde eine unzulässige Umwandlung der Parterre-Wohnungen in ein Arbeitsgeschoss statt, schreibt der Mieterverband in einer Medienmitteilung.

Die Beschwerde nimmt auch die historische Bedeutung der Häuser auf. Diese sind teilweise in der Stadtbild-Schutzzone vermerkt sowie im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz.

Konversation

  1. Mittelstand diskutiert darüber, was gut ist für Armutsbetroffene.
    Der Vinzenverein macht das, was er richtig findet für Armutsbetroffene.
    Renato Beck lässt hier Armutsbetroffene zu Wort kommen.

    Wie ich an anderer Stelle lesen konnte, braucht auch der Vinzenzverein Geld, um Armutsbetroffenen zu helfen. Dazu eignet die Vermietung von Wohnraum. Mit dem Gewinn lässt sich helfen.
    Auch der Staat kann nicht mehr billigen Wohnraum vermieten, weil er allüberall für die Pensionskasse abschöpfen muss.

    Also, damals als Alleinerziehende mit 2 Kindern hätte ich viel lieber in einer alten etwas abgewrackten Wohnung gelebt, als wie es mir ergangen ist, als ich eine neue Wohnung brauchte. Ich musste 60% meines Einkommens für die Wohnung hinblättern, bis ich eine besser bezahlte Arbeit fand. Auch dann war es dann noch 40% meines Einkommens.

    Solange ein Haus nicht wirklich baufällig ist, wird es immer Menschen geben, die es aus finanziellen Gründen vorziehen, in alten Häusern zu leben, um genug Geld zu haben für den Rest. Zur Fürsorge geht niemand gerne.

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  2. Es ist völlig legitim, wenn die Tawo-Redaktion einseitig für das Projekt Partei ergreift. Fairerweise sollte man diese Position aber klar deklarieren. Nachwievor finde ich es nicht koscher, wenn die Gegenpartei nicht umfänglich zu Worte kommt. Die einseitige Berichterstattung verlangt endlich nach einer Replik des Vinzenvereins.

    Die bisherigen BewohnerInnen wollen den Status Quo erhalten, weil sie damit ihren Besitzstand erhalten können. Soweit verständlich. Gleichzeit verhindern sie aber ein Projekt, welches zusätzlichen günstige Wohnraum generiert. Der Vinzenzverein will auf dieser Parzelle 21 Wohnungen erstellen. Damit verdoppelt er die Wohnfläche. Ergo würden in den zukünftigen Wohnungen potentiell doppelt soviele MieterInnen Unterschlupf finden. Warum soll dies verhindert werden? Ist es okay, dass aus Eigennutz andere auf der Strasse stehen?

    Nicht der Vinzenzverein hat sich gegen die teilweise Unterschutzstellung ausgesprochen. Es war die Regierung, unter dem grünen Regierungsrat Guy Morin, welche die Unterschutzstellung verweigert hat. Begründung:
    Der Denkmalschutz sei unverhältnismässig und würde «die Entwicklung der Parzelle im Sinne des Vereinszwecks des Eigentümers hemmen.» Eine zukünftige Verhinderung des vorliegenden Projektes würde demnach Schadensersatzansprüche auslösen. Wer bezahlt dies? Die bisherigen MieterInnen?

    Zu guter Letzt: Wenn die bisherigen Mieten finanziell ultra-günstig waren, ist dies dem Vinzenzverein zu verdanken. Die Folge dieser Mietzinspolitik ist allerdings auch, dass Liegenschaften verlottern, weil die günstigen Mieten keinen Unterhalt mehr zulassen. Ergo sind zu tief bemessene Mieten Raubbau am eigenen Wohnprojekt. Ein Schuss ins eigene Knie, quasi.

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    1. Sie sprechen mir aus der Seele. Die TaWo bzw. Herr Beck veranstalten hier eine regelrechte Hexenjagd gegen Vinzenzverein. Das ist beschämend für einen Journalisten.

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    2. Lieber Dominque

      Nein, das Projekt des Vinzenvereins ist nichtvorgestellt worden. Von Dominik Büchel werden lediglich ein paar Sätze zitiert.

      Zudem: In den Texten wird das Projekt des Vinzenzvereins jetzt nur noch als Betonklotz kolportiert. Das ist eine extrem negative Deklaration.

      Auch die zukünftigen Mieten werden spekulativ als überteuert klassifiziert. Ohne weiteren Angaben.

      Da möchte ich doch mehr darüber erfahren. Was hindert euch den Vinzenzverein zu Worte kommen zu lassen?
      Seriös wäre es doch, wenn der Verein zu den Vorwürfen Stellung (Replik) beziehen könnte.

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    3. Gutbetuchte Personen und Leute die in diesen Häusern wohnen, werden sich nie finden, Sie verstehen einander nicht und werden sich nie verstehen.
      Leider ist es immer so, dass der Finanzstarke gewinnt und das wird in unserer materiellen Gesellschaft als korrekt und vernünftig angesehen, da man ja mit sogenannt logischen Einwänden argumentiert.

      Es ist dasselbe wie wenn ein Millionär einem Sozialhilfebezüger seine Theorie erklärt.
      Ein Millionär wird nie verstehen, dass man sich vielleicht Ende Monat nicht mal mehr ein trockenes Brot kaufen kann, da nützen alle Argumete nichts.
      Die Hirnwindungen dieser 2 Gegensätze passen nie zusammen.

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    4. @ Meury: Als Privatperson schätze ich Ihre Arbeit und respektiere Ihre Auffassungen. Als Verfasser des MV Basel-Mediencommuniqués, welches von „Tageswoche“ und Radio SRF aufgegriffen wird, hätte ich mir aber doch gewünscht, dass Sie auf das Anliegen der Verbandsbeschwerde Bezug nähmen anstelle einer journalistischen Grundsatzdebatte.

      Das Bauvorhaben zeigt ein renditegetriebenes Abbruchprojekt der Immobilien Mattenstrasse AG. Nun mag es deren gutes Recht sein, (mittel-) teure Neubauwohnungen anzustreben. Niemand soll aber bitte versuchen, Definitionsmacht auszuüben und die Verdoppelung von z.B. 1000-fränkigen Mietwohnungen auf 2000 Franken als „bezahlbar“ zu bezeichnen.

      „Bezahlbar“ ist, was die Quartierstrukturen festigt und die Verdrängung von MieterInnen verhindert. Dies wollen wir vom Basler Mieterverband u.a. mit unserer Wohnschutzinitiative durchsetzen. In den kommenden Monaten wird darüber abgestimmt. Sollte auch die Basler Regierung versucht sein, Definitionsmacht auszuüben und unserer Initiative mit einem fragwürdigen Gegenvorschlag (Förderung von Wohngenossenschaften statt Kampf gegen Sanierungserhöhungen und Massenkündigungen) den Wind aus den Segeln zu nehmen, dann wäre dies unlauter und ginge an der Debatte vorbei.

      Die eigentliche Debatte, die wir in unserer Stadt führen müssen und die unsere Initiative erneut anstossen wird, ist aus unserer Sicht sehr schlicht: Wollen wir bezahlbare Quartiere? Oder wollen wir „aufgewertete“ Quartiere? Die Meinungen mögen geteilt sein. Jene des Basler Mieterverbands aber ist seit 1891 klar: Er hat die Aufgabe, bestehende Quartierstrukturen zu schützen und Verdrängung langjähriger anständiger Mietparteien zu verhindern.

      Beat Leuthardt, Grossrat und Mediensprecher MV Basel 1891

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    5. @Leuthard: „bestehende Quartierstrukturen zu schützen und Verdrängung langjähriger anständiger Mietparteien zu verhindern“ oder in anderen Worten: Jene welche bereits eine Wohnung haben sollen diese auf Kosten jener die dringend eine suchen behalten. Egosmus pur! Auch Frau Eldorado war mit 2 Kindern sicher froh, dass Sie wohl überhaupt eine Bleibe fand und nicht auf der Strasse landete. Wer die Vermehrung von Wohnraum verhindert um den eigenen Besitzstand zu wahren verhält sich in sehr grober Art asozial gegenüber jenen Menschen die dringend eine Wohnung brauchen und wegen Mangel keine finden!

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    6. Frau Arslan, ist es denn nicht auch Egoismus pur (ihre Wotwahl) wenn Menschen in 150 qm Wohnungen oder grösser Wohnen, einfach weil sie es sich leisten können? Daraus könnte man auch ohne weiteres 2 Wohnungen machen.
      Auch das ist in sehr grober Art asozial oder nicht?
      Aber eben das stört dann nicht…
      Wie verargumentieren Sie denn diese Sicht?
      Darf Geld alles?

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    7. Wo habe ich gesagt, dass mich dies nicht auch stört?
      In diesen Artikeln hier geht aber um dieses konkrete Projekt und den Egoismus der jetzigen Mieter und nicht um andere Liegenschaften in der Stadt und den Egoismus andere! Und wenn ein Mensch seinen Besitzstand auf Kosten eines anderen wahren möchte, ja dann finde ich dies egoistisch!

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    8. Gerade ist günstigen Quartieren wurden in den letzten Jahrzehnten viele alte Häuser von 2 x 2-Z’Wohnungen zu 1 x 4’Z’Wohnung umgebaut, und auch die Linksliberalen Mietparteien fandens dann alle gut, jetzt mit grossem Bad zu hausen etc. Jede/r ist sich hier selbst der Nächste und bastelt sich seine Wahrheit selber zusammen. Nicht nur die guten Einkommensschichten. Die allg. Betrachtungsweise (…dass es auch zusätzlichen Wohnraum braucht in den bestehenden Quartieren), interessieren weniger Leute. Von daher gehts halt doch häufig um Besitzstandswahrung wie Meury richtet festhält. Diejenigen die eine günstige Bleibe haben versus jene, die keine finden. Dieser Konflikt wird nicht wirklich sachlich diskutiert von allen.

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    9. @Beat Leuthardt: Sie schreiben »Das Bauvorhaben zeigt ein renditegetriebenes Abbruchprojekt der Immobilien Mattenstrasse AG«. Was heisst bitteschön renditegetriebens Abbruchprojekt?

      Das Projekt ist uns von der Tawo bis anhin ungenügend präsentiert worden, ergo kann ich diese Behauptung nicht überprüfen. Das ist meine Kritik.

      Zweitens: Jede BauherIn muss eine Rendite erwirtschaften. Die Frage ist wie hoch eine solche Rendite sein darf? Ab welchem Prozentsatz ist eine Rendite Wucher? Welche Rendite ist legitim?

      Apropos »Definitionsmacht« jede involvierte Partei versucht ihre Sicht als gesetzt und unumstössliche Wahrheit zu definieren und übt »Definitionsmacht« aus. Da schliesst sich den Mieterverband nicht aus. Was ist aus ihrer Sicht »bezahlbar»? Für wen? Wer definiert, was akzeptable Quartierstrukturen sind? Der Mieterverband? Die Regierung?

      Sollen Quartieraufwertungen grundsätzlich ausgeschlossen werden? Oder, welche »Aufwertungen« sind akzeptabel und welche »Aufwertungen« sind verwerflich und müssen bekämpft werden? Hat der Mieterverband hier klare Vorgaben? Und welche Rolle spielen dabei die Grundbesitzer, Eigentümer und BauherInnen?

      Die offenen Fragen sind komplexer und ein paar rührselige Geschichten werden der Sache nicht gerecht.

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