«Olymper» sprengen die Comité-Fesseln

Die Fasnachtsgesellschaft Olympia 1908 wehrt sich gegen die strenge Führung durch das Basler Fasnachts-Comité. Die Clique macht ihren Cortège auf eigene Faust und mit eigener Plakette.

So sieht die Gegenplakette der «Olymper» aus. Für acht Franken ist sie bei der Clique zu haben.

Kurz vor der offiziellen Enthüllung der Basler Fasnachts-Plakette morgen Donnerstag lässt die Fasnachtsgesellschaft Olympia 1908 die Bombe platzen:  Weil die Fasnachtsorganisatoren vom Comité zu viel mitbestimmen wollten, machen die «Olymper» nicht mehr mit.

Nach Ansicht der Clique wurde die künstlerische Freiheit zu sehr eingeschränkt. Dario Conti, der Chef Fasnacht der Clique, vergleicht das Comité gar mit «französischen Alleinherrschern»: Mit ihrem intransparenten, willkürlichen Umgang mit den Finanzen übten die Organisatoren zu viel Einfluss aus, sagt er.

Erfolg mit eigener Plakette

«Wer dem Comité nicht passt oder sich nicht an die Regeln hält, bekommt weniger Subventionen», führt Dario Conti weiter aus. Die Clique sei letztes Jahr selber mit einer Kürzung gebüsst worden – wegen eines Fehltrittes im Cortège. «Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht», so Conti, «darum organisieren wir uns in diesem Jahr selber.» Mit einer eigenen Plakette sammelt die Clique die nötige Unterstützung.

Und das erfolgreich, wie sich herausstellt. Bereits sind 800 Plaketten à acht Franken verkauft. «Weitere 500 sind bestellt, und die werden wohl auch nicht reichen», sagt Conti. Er rechnet mit rund 2000 verkauften Plaketten. Zu haben sind sie nur bei den «Olympern» selber.

Protest gegen überbordende Regeln

Auch den Cortège macht die Olympia in diesem Jahr ohne Comité-Regeln. «Wir werden unsere eigene Route laufen. Manchmal mit dem Comité-Cortège, manchmal kreuz und quer», so Conti. Die anderen Cliquen möchte die Olympia aber nicht beeinträchtigen.

Ziel des Boykotts ist es laut Cliquensprecher, auf die überbordenden Regeln des Comités aufmerksam zu machen. Das betrifft nicht nur die künstlerische Freiheit, sondern auch das Verhalten beim Cortège. «Der Cortège wird nicht mehr für die Cliquen, sondern für die Zuschauer organisiert.»

«Drummeli» trotz Boykott

Die «Olymper» befürchten, dass der Cortège mit der Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe noch mehr zu einer Parade wird, sagt Conti – auch wenn die Aufnahme grundsätzlich zu begrüssen sei. Ob sich noch weitere Cliquen vom offiziellen Fasnachts-Comité trennen, wissen die «Olymper» nicht. Bislang war die Aktion geheim.

Ganz lossagen möchte sich die Olympia aber trotzdem nicht. Die Clique bleibt wie geplant im Programm der Comité-Vorfasnacht Drummeli. «Das hat alle viel Zeit gekostet und würde unnötig viel Schaden anrichten», erklärt Conti. Schliesslich will die Clique die Fasnacht retten und nicht kaputt machen.

https://tageswoche.ch/stadtleben/basler-fasnacht-wird-unesco-weltkulturerbe/

Konversation

  1. …und in China fällt ein Sack Reis um…. Es gibt Hunderte von Gruppierungen, die ausserhalb des Cortège und damit auch ohne Subvention Fasnacht machen. Die gross aufgetakelte Bekanntgabe des Olymper-Entscheides ist doch nichts anderes als eine öffentlichkeitsgeile Inszenierung.

    Kein Mitwirkender, keine Mitwirkende der Basler Fasnacht muss sich irgend einem Diktat eines Comité beugen. Es gilt, in bescheidenem Mass, bei der Anmeldung zum Comité-Cortège der Grundsatz: „wer zahlt, stellt Regeln auf“. Wem das nicht gefällt – kein Problem – der/die geht halt als „Wilde“.

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  2. Liebi Olymper, d Idee won iir hänn isch jo grossartig: Sich nit yschrängge loo in der künschtlerische Freihait, bestehendi Regle uffbräche usw. E gueti Gläägeait, künschtlerisch e Schritt noch vorne z mache – Laider isch scho elai euri Blagedde künschtlerisch ehnder e Ruggschritt in d 30er Joor. Si kunnt zimmlig altbagge und spiessig derhär (do händ iir euch jo künschtlerisch sälber yygschränggt).
    Jetz bini gspannt, was iir an der Fasnacht bietet … loss my gärn positiv überrasche…

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  3. Richtig so. Zu lange haben sich die Olymper dem Diktat des Fasnachts-Comités gebeugt. Die oktroyierte Plakette, mit der minderwertige Fasnachtsvereine unterstützt werden, muss fallen. Jede Clique soll ihre eigene Plakette gestalten und sie individuell verkaufen. So lässt sich die Qualität der Fasnachts-Präsentationen fördern. Es ist höchste Zeit, den schleichenden Bedeutungsverlust dieses altbaslerischen Kulturguts zu stoppen.

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  4. Die Olymper sind keine Clique, sondern eine Fasnachtsgesellschaft! Aber das wissen die anscheinend nicht mal selber mehr (vorbehältlich einer Statutenänderung; war in den 70er mal Mitglied)

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  5. Eher sujetbezogen, 2019 läuft es wieder wie vorher. So wie bei der Seibi oder Lälli in den letzten 10 Jahren.

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  6. PS: Vielen Dank, liebe Olymper, dass Ihr die Fasnacht retten wollt! Ich versuche das seit bald 50 Jahren und bin froh um ein wenig Unterstützung.

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  7. Ich habe letztmals 1974 „offiziell“, d.h. in einem Stammverein Fasnacht gemacht, dann, nach einer zweitägigen (!) GV, die Clique verlassen und mache seither („nur noch“) wild Fasnacht.
    Der Grund war eine überbordende „Cliquen-Politik“ und nicht das damals tatsächlich noch übermächtige, undurchsichtige Comité.
    Seit damals hat sich viel verändert, und ich habe den Eindruck, dass heute im Comité Leute aktiv sind, die sich ernsthaft und zum Wohle der offiziellen Aktiven bemühen, die Fasnacht (v.a. den Cortège) so reibungslos wie möglich zu organisieren.
    Insofern kann ich die Argumente der Olymper überhaupt nicht nachvollziehen, aber vielleicht handelt es sich ja auch nur um einen „Gag“.
    Wie auch immer: Ich hoffe, dass ich mit meinem Schyssdräggziigli in der neuen Fasnachtsgasse nicht unbedingt auf die Olymper treffe, weil wir sonst plötzlich Platzangst hätten…

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    1. Jetzt, wo man Mesopotamien, sozusagen die zweite Wiege der Menschheit, nieder- und weggebombt hat, ist die basler Unesco-Fasnacht sicher eine gelungene Alternative (alternative Märkte).

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