Dreck, Drogen und Gewalt: Die Medien berichten meist nur über die Schwierigkeiten im Horburg-Quartier. Dabei haben die Bewohner um die Dreirosenanlage noch ganz anderes zu erzählen.


Ich lebe im Horburg, einem Quartier im unteren Kleinbasel, das in etwa die offiziellen Quartiere Matthäus und Klybeck umfasst. Horburg, das bedeutet: kleine alte und renovierte grosse Wohnungen, idyllische Innenhöfe. Ein Tätowierer, ein Grafiker, der für Bands wie Metallica arbeitet, ein fast schon weltbekannter Musiker, der seine Songs im Quartier im Keller der Off Bar schreibt. Multikulti, bis um 22 Uhr geöffnete Familienlädeli und ein Park, in dem Ende Juni zum dritten Mal das «Kulturen Fest» gefeiert wurde.

«Hipster-Paradies» nannte die «Schweiz am Wochenende» mein Quartier – ein Etikett mehr. Was habe ich nicht schon alles gelesen und gehört über das Horburg. Manche Medien bemühten sich nicht einmal, ein passendes Bild für ihren Artikel zu suchen und zeigten dann das gegenüberliegende Rheinufer. In den meisten Fällen erkannte ich das beschriebene Quartier nur am Namen. Ein Artikel über die Rosentalanlage schliesst mit dem Satz: «Da kommt ein Dritter hinzu und sagt zum Reporter: ‹Hau ab!›»

Schon 1977 zeichnete das Schweizer Fernsehen ein düsteres Bild des Horburg-Quartiers. Schlechte Luft, viel Verkehr, dichte Besiedelung, immer noch mehr Ankömmlinge und neue Kulturen, während das Kleingewerbe verdrängt wird. Dennoch sagten die meisten Bewohnerinnen und Bewohner, sie könnten sich nicht vorstellen, woanders hinzuziehen. Der Beitrag zeigt, wie in einer Beiz ausgiebig bei Livemusik gefeiert wird, erwähnt aber auch: «Pro Kind ist nicht einmal ein Quadratmeter Spielfläche vorhanden.»

Mit dem Image stimmt was nicht

Ich schaue mir das düstere Bild an, das der Off-Text zeichnen will, und werde dennoch das Gefühl nicht los: Die Bewohner mochten damals ihr Quartier – irgendwie. Ausser den Verkehr. Der schien schon 1977 alle zu stören. Ein Kind sagte damals: «Und me ka mängmol fascht kai Platte loose, wäg däm Läärme.»

Seit 2007 die Nordtangente einen grossen Teil des Verkehrs unterirdisch durchs Quartier leitet, haben Lärm und Verkehr abgenommen. Ein Problem ist offenbar beides dennoch geblieben. Die Kreuzung Klybeckstrasse / Horburgstrasse wollen viele Eltern ihren Kindern nicht zumuten. Also begleiten sie ihre Kinder zur Schule oder zum Spielen auf die Dreirosenanlage.

«Wenn ich mein Kind abhole, stehen diese Gestalten auf dem Spielplatz. Man weiss einfach nicht, was sie da genau machen.» – Eine Grossmutter.

Die Dreirosenanlage ist ein lebendiger Platz. Schülerinnen, Sportler, Junge, Alte, Aktive, Passive, Eltern, Kinder, Jugendliche, Anwohnerinnen, Kiffer, Menschen aus aller Welt treffen hier aufeinander. Sie spielen, lachen, streiten und lärmen. Mich als Bewohner der Offenburgerstrasse, nur ein paar Meter von der Dreirosenanlage entfernt, kümmert das wenig. Noch am ehesten stört mich die Glocke der St.-Josephs-Kirche.

Seit rund sieben Jahren wohne ich mit meiner Freundin und meinen beiden Töchtern (5 und 19) im Quartier. Bis vor einem Jahr pendelte ich nach Zürich zur Arbeit. Meine kleine Tochter war in einem Tagi im Gundeli, die Grosse ging ins Sandgruben-Schulhaus. Ich machte weiterhin meine Kommissionen am Claraplatz, wo ich wohnte, bevor ich hierher zog. Man kannte mich nicht im Quartier, ich kannte niemanden und ich lebte gut so.

Nur einer war mir ein Begriff: der Velomacher. Kerim Chebbah ist nicht zu überhören. Wenn er mit seiner lauten Stimme schon früh morgens alles grüsst, was zur Arbeit stiefelt, oder wenn er Velofahrer massregelt, die die Verkehrsregeln nicht einhalten. Chebbah ist ein engagierter Quartierbewohner.

«Die Dreirosenanlage ist eine totale Fehlplanung. Zum Beispiel der Sportplatz direkt vor Wohnblöcken – da sind doch Reibereien programmiert.»
Kerim Chebbah vom Veloladen direkt neben der Dreirosenanlage

«Mein Veloladen heisst Good Feeling, und das ist auch mein Motto. Wir wollen es vor der Haustür gut haben. Jeder, der hier wohnt, soll hier mitgestalten. Mir gefällt, dass das Quartier lebt, keiner ist isoliert. Multikulti – das gibt mehr Salsa im Leben. Aber ich bin auch froh, gibt es hier viele Polizeikontrollen. Klar, auch den Polizisten läuft mal etwas aus dem Ruder. Aber die haben auch einen Scheissjob. Die müssen hier Erzieher spielen, und dann kommen immer wieder neue Leute, die die Regeln nicht kennen. Und dann gibt es halt auch einfach Idioten.»

Seit einem Jahr pendle ich nicht mehr nach Zürich. Jetzt ist alles anders. Ich wohne nicht nur, sondern lebe auch hier. Meine kleinere Tochter geht in die Bläsi-Krippe und besucht einen Kindergarten im Quartier. Ich verbringe viel Zeit mit ihr auf dem Spielplatz, gehe im Quartier einkaufen, rede mit den Menschen und habe Zeit, um zu beobachten.

So die Eskalation einer Polizeikontrolle unter der Dreirosenbrücke. Darüber habe ich einen Text für die TagesWoche geschrieben. Darauf werde ich im Quartier immer wieder angesprochen. Es sind meist positive Rückmeldungen. Ich staune, wie oft die Leute meinen, ich hätte über Racial Profiling geschrieben. Dabei habe ich, wie ich finde, dieses Thema lediglich gestreift. Und auch das nur, weil einer der Polizisten es zum Thema machte.

Keiner von hier nennt das Viertel «Klein-Istanbul»

Ich habe diesen Text nicht einfach geschrieben und dann beiseitegelegt. Ich habe mich intensiv mit der Polizei unterhalten und mit Marc Moresi, dem Leiter der Freizeithalle Dreirosen. Ich kannte ihn vorher nicht. Moresi ist Abwart, Ordnungshüter, Psychologe, Freund, Feind, Vermittler – er ist der «Gib-mr-Läng-mr-Hool-mr» der Dreirosenanlage. Egal, ob man mit Anwohnern, Behörden oder der Polizei redet, sein Name fällt immer.

Moresi muss mit allen zusammenarbeiten – und ist auf alle angewiesen. Das wird im Gespräch mit ihm deutlich. Kaum greift er jemanden an, relativiert er im nächsten Satz die Vorwürfe. Mein Eindruck ist: An Moresi wird von allen Seiten Verantwortung abgegeben, aber Entscheidungen treffen kann er kaum. Diesen Eiertanz beherrscht er aber verblüffend gut.

«Mein Job verlangt mir manchmal sehr viel ab. Aber es ist eine Herzensangelegenheit.»
Marc Moresi, Leiter Dreirosenhalle

«Die Menschen von der Dreirosenhalle sind wie meine Familie, auch die jungen Arbeitslosen im Beschäftigungsprogramm – mit all ihren Schwierigkeiten. Ich finde, das Positive überwiegt massiv. Und zwar auf der ganzen Dreirosenanlage. Die funktioniert gut! Es ist ein dynamischer Platz, die Szenen verschieben sich quasi von Jahr zu Jahr, dann gibt es halt wieder neue Probleme. Wir können die Gruppierungen aber auch leiten, zum Teil mit einfachen baulichen Änderungen. Wir montieren zum Beispiel Fitnessstangen oder wir verschieben Bänke. Und manchmal müssen wir mit den Leuten reden und klare Regeln vereinbaren.»

Die Nachbarn der Freizeithalle, das Jugendzentrum und die Dreirosenanlage standen 2013 im Mittelpunkt der einwöchigen Serie von «Schweiz Aktuell». Jeden Abend sendete SRF unter dem Titel «Wir unter der Dreirosenbrücke» live aus Basel. Der Produzent dieser Serie, Georg Hässler, erinnert sich: «Das Quartier ist ein Modell der Schweiz von morgen. Vielsprachig und vielschichtig. Ein Ort, wo sich Menschen und Traditionen begegnen. Wo Toleranz ein Imperativ ist und einst Fremdes Teil des Dreirosen-Heimatgefühls wird.»

Wie schon 1977 waren auch 2013 Bevölkerungsdichte und Migration Themen. Aber immerhin kamen die Journalistinnen und Journalisten ins Quartier und unterhielten sich mit den Menschen, die hier ansässig waren.

«Es gibt keine Probleme hier! Nur die Chemie. Die macht alles kaputt. Steht in der Zeitung.» – Eine Mutter.

Die Anwohnerinnen sagen mir immer wieder, dieses Quartier käme nur dann in die Medien, wenn es Negatives zu berichten gebe. So wie beim Tötungsdelikt letzten Dezember, als der obdachlose Georges ermordet wurde. Dazu titelte die «Schweiz am Wochenende»: «In Basel ist ein Vorzeigeprojekt für Integration gescheitert». Im Artikel wird auch der Ausdruck «Klein-Istanbul» verwendet. Dieses Quartier wird höchstens von Auswärtigen so genannt.

Georges’ Tod hat denkbar wenig mit gescheiterter Integration zu tun. Laut Staatsanwaltschaft soll der mutmassliche Täter in psychiatrischer Behandlung gewesen sein und aus religiösen Motiven gehandelt haben. Er soll eine evangelikale Freikirche besucht haben. Alttestamentarische Texte sollen ihn zur Tat verleitet haben. Dieser Vorfall hätte sich überall in der Stadt ereignen können.

Auch wenn viele Anwohner ihr Quartier in den Medien falsch verstanden sehen – die Dreirosenanlage ist auch im Quartier ein umstrittener Quadrant. Bei den Anwohnern erkenne ich konkrete Probleme, aber auch diffuse Ängste.

Die Dreirosenanlage ist umgeben von Vierteln, die als problematisch gelten, wie ein Blick auf die Statistik zeigt. In den Punkten Grünflächen, Bildung, Sesshaftigkeit, Wohnfläche pro Kopf, Sozialhilfebezüger und Einkommenssteuer schneiden Matthäus- und Klybeckquartier nach gängigen Wertvorstellungen nicht gut ab.

Der hohe Ausländeranteil scheint aber nicht als Problem wahrgenommen zu werden. Nicht nur am «Kulturen Fest» scheint das Miteinander unproblematisch zu sein. Ich bin selten auf Leute gestossen, die den Kulturmix um die Dreirosenanlage schwierig finden. Aber die meisten sind sich einig: Genau das ist der Punkt, warum dieser Stadtteil bei den Auswärtigen einen schlechten Ruf geniesst.

Woher kommt diese diffuse Angst?

Eine Gruppe von Schwarzen kann bei manchen, auch bei Quartieransässigen, eine diffuse Angst auslösen. Diffus sind auch die Gründe für diese Angst. Klar gibt es Schwarze, die tatsächlich dealen. Deren Kundschaft ist jedoch in der Regel weisser Hautfarbe. Wenn ein Weisser mit einem Säckchen Gras erwischt wird, ist das eine Übertretung und wird mit einer Busse geahndet. Findet die Polizei in der Umgebung eines Schwarzen einen Krümel Gras, wird dies als Argument verwendet, es werde hier gedealt.

Die Polizeikontrollen beschränken sich fast ausschliesslich auf unsere schwarzen Mitbürger. Die Polizei bestreitet dies. Meine Wahrnehmung ist eine andere. Und auch im Quartier wird oft darüber gesprochen, dass Racial Profiling ein Fakt sei. Überall sieht man Sprayereien an den Hauswänden, die Racial Profiling anprangern. Das kommt nicht von ungefähr. Und eine starke Polizeipräsenz suggeriert, dass gröbere Probleme vorliegen.

«Die Grundregeln sind in allen Ländern gleich: Nicht stehlen, nicht töten und der Nachbar hat auch Rechte. Das sind schon gute Voraussetzungen.»
Lukas Faulstich, Community-Polizist im Kleinbasel

«Das klassische Arbeiterquartier hat sich zu einem städtischen Einwanderungsgebiet entwickelt. Auf der Dreirosenanlage trifft eine wild durchmischte Truppe mit unterschiedlichen Vorstellungen aufeinander. Ob ich hundertprozentig versichern kann, dass morgen einer meiner Kollegen bei einer aus dem Ruder laufenden Kontrolle nicht plötzlich ‹Schwarzwurzle› zu einer Person sagt? Nein, das könnte einmal passieren. Doch seitens der Polizei wird in der Ausbildung viel Wert darauf gelegt, das zu verhindern. Auch die Unterstützung der Kollegen und der offene Kontakt mit allen Bevölkerungsgruppen helfen, solche Situationen zu vermeiden.»

Kürzlich wurde die ganze Dreirosenanlage mit Plakaten versehen, welche die Polizeiarbeit hinterfragten. Rund eine Woche vorher war ein Transparent mit der Aufschrift «No More Police Controls» an einem Gitter angebracht worden. Es wurde sehr schnell von der Polizei entfernt.

Ich fragte den Polizisten, der dieses Transparent nun in seinem Büro aufbewahrt, ob dies nicht eine Aufforderung sei, Botschaften direkt an eine Mauer zu sprayen. Er gestand ein, diesen Gedankengang nicht gemacht zu haben, aber: «Das Transparent wurde ohne Erlaubnis dort angebracht. Und wenn keiner mehr dealt, keiner prügelt und sich alle an die Regeln halten, gibt es hier auch keine Kontrollen mehr.» Zu Sprayereien und gekleisterten Plakaten sagt der Polizist: «Das ist Sachbeschädigung und strafbar.»

Kann es sein, dass die Polizei mit systematischen Kontrollen von Schwarzen die diffusen Ängste weiter auf- statt abbaut?

Punkto Racial Profiling stellt sich der Polizist auf den Standpunkt, dass die Polizei nicht wahllos alle Leute kontrollieren könne. Die Erfahrung zeige nun mal, dass mehrheitlich junge Schwarzafrikaner dealen würden. Dass die Polizei mit einseitigen Kontrollen ihre eigene Statistik beeinflusse, bestreitet er. Das bestreiten eigentlich alle Polizistinnen und Polizisten, die ich auf diese Problematik angesprochen habe.

Doch bei den meisten Vorfällen, die ich beobachtet habe, gab es ausser der Hautfarbe keinen nachvollziehbaren Grund für eine Personenkontrolle. Dies wäre ein Verstoss gegen das völker- und verfassungsrechtliche Diskriminierungsverbot.

Bei der erwähnten Polizeikontrolle unter der Dreirosenbrücke sagte ein Polizist, er mache diese Kontrolle vor den Kindern, damit diese sähen, wer hier die Probleme mache. Kontrolliert wurde ein Dunkelhäutiger. Kann es sein, dass die Polizei mit der systematischen Kontrolle von Menschen schwarzer Hautfarbe dazu beiträgt, dass die Anwohner diffuse Ängste auf- statt abbauen?

Die Polizei und der Dialog

Früher gab es in der ganzen Stadt verteilt viele Polizeiposten. Die Polizistinnen und Polizisten kannten ihr Quartier und die Menschen, die dort wohnten. Heute ist die Polizei zentralisiert. Der Polizist, der auf einen Notruf reagiert, ist nicht im Quartier verankert. Darum hat man das Community Policing eingeführt. Um der Polizei wieder ein Gesicht im Quartier zu geben. Einen Quartierpolizisten.

Die Kleinbasler Community-Polizisten Lukas Faulstich und Michel Hostettler haben das «Kulturen Fest» auf der Dreirosenanlage gewählt, um den Leuten ihre Arbeit zu erklären. Ein paar Wochen vorher waren sie aus demselben Grund an einer Veranstaltung im «Union» präsent, die wie das «Kulturen Fest» vom Verein «Migranten helfen Migranten» organisiert wurde.

Ein Community-Polizist ist eine Art Brückenbauer. Er geht aktiv auf Bewohnerinnen und Bewohner zu und versucht zu spüren, wo der Schuh drückt. Er leitet Leute mit Fragen oder Problemen an die zuständige Behörde weiter. Wenn in einer Parkanlage ein Abfallproblem vorliegt, sucht er nach einer Lösung. Manchmal ist die ganz einfach: mehr Abfalleimer.

«Ich werde hier abgeholt. Irgendwann.»
Anonymer Migrant auf Durchreise

Auf der Bank mitten auf der Dreirosenanlage sitzt ein junger Nordafrikaner. Neben ihm steht ein Rollkoffer. Es ist Montag, 8.30 Uhr. Er will nicht sagen, wie er heisst. 17 sei er, sagt er auf Französisch. Araber. Heute Nacht hier angekommen. Wohin es geht? Er werde abgeholt. Irgendwann. Er bekomme ein SMS. «Warten ist okay. Es ist wunderschön hier! Und ­bestimmt kommen bald Kinder auf den Spielplatz.» Wie er hierher kam? Er winkt ab. Aber er weiss: «Ich bin in Basel City, Mohamed Salah hat hier gespielt. Ich spiele auch Fussball.»

Das Bild zeigt einen anderen Jugendlichen aus Nordafrika. Gleiche Bank, gleiche Uhrzeit, ähnliche Jacke, ähnlicher Koffer und vermutlich eine ähnliche Geschichte.

Der Community-Polizist schaut mit einem bestimmten Fokus auf die Dreirosenanlage. Marc Moresi bekommt viel mehr mit als die meisten Anwohnerinnen und Anwohner. Chebbah erlebt das Quartier als Vater, Geschäftsmann und Migrant. Und das Stadtteilsekretariat sieht es nochmals anders.

So ist es auch im Gellert, auf dem Bruderholz oder in der Altstadt. Vielleicht bin ich naiv, zu tolerant oder ignorant. Aber ich erlebe mein Viertel als frisches, durchmischtes, freundliches, lebensfrohes und unproblematisches Quartier. Asis, Idioten, Chaoten und Probleme gibt es überall. Auch hier.

Dossier Brennpunkt Dreirosen

Dreck, Drogen und Gewalt: Das Horburg-Quartier hat in Basel keinen guten Ruf. Doch wer dort lebt, sieht vor allem dessen schöne Seiten.

Alles zum Thema (6)

Konversation

  1. Klar – man kann auch Anwohner in den Pariser Banlieus, Berlin Neu-Köln oder Brüssels Molenbeck fragen und feststellen, dass es keine Probleme gibt. Dafür braucht es die Sicht von aussen.

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  2. Ich will den Schuggern hier, ja, ausgerechnet hier! ein Kränzchen winden: Was immer sie sagen, wird so auf die political correctness-Goldwaage gelegt, dass diese arme Sieche kaum mehr etwas sagen können, – ich sags jetzt ironisch – Achtung: Ironie!!! – was die «Linken und Netten» den armen Schuggern nicht sofort als «rassistisch» oder «gender» oder sonstwas Halbfaschistisches anhängen! Und «Multikulti» ist auch so ein «Wohlfühler»-Schlagwort, denn diese multikulturelle Massierung ist eben anfällig für Probleme. Und niemand fragt, warum die entstanden sind: Die Kapitalisten riefen Arbeitskräfte – und es kamen Menschen, Menschen aus allen Kulturen der Welt, allen Sprachen, allen Traditionen, allen Religionen, denen die heisigen Regeln und Gepflogenheiten fremd waren und immer aufs neue wieder sind. Der Kapitalismus kassiert, der Allgemeinheit bleiben die Probleme! Und der arme Schugger wird dafür geprügelt, wenn er einen Dealer mit dunkler Hautfarbe kontrolliert… Warum die Verhältnisse im Dreirosen so gekommen sind, darüber sollte man nachdenken und schreiben. Ich bin dort aufgewachsen, ins Bläsi in die Primmeli, als es im ganzen Bläsi nur einen einzigen «Ausländer» gab – ein Grieche, dessen Vater als Akademiker in die Ciba geholt wurde. Ich erlebte, wie an Maria-Himmelfahrt (oder wie das heisst), die katholische Diaspora aus der Innerschweiz (Binnen-Migranten) in einer langen (!) Prozession vor der Sankt-Josephs-Kirche via Müllheimerstrasse zum Marien-Altersheim an der noch wenig befahrenen Horburgstrasse wallfahrten, wo auf offener Strasse ein Altar aufgebaut wurde und wo sich die protestantischen Binnen-Migranten-Kinder den Buckel vollachten, als auf ein «Gebimmel-Kommando» hin die «Katholen» auf offener Horburgstrasse niederknieten und irgendwas Unverständliches murmelten. Man muss das in Zusammenhang mit diesem Quartier in der unmittelbaren Nähe der Chemie stellen und sich auch mal vor Augen halten, was in nur (!!!) 50 Jahren da alles an den noch lebenden und immer noch allermuntersten Ureinwohnern dieses Quartiers alles vorbeigezogen ist. Noch zwei Stichworte: «Zwanzgerli-Kuchi» und der (immer noch lebende) Vikar V…, erzkatholische Diaspora-Reaktion, heute «glücklicherweise» verdrängt durch andere Migranten-Religionen…

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  3. Die Situation im Unteren Kleinbasel finde ich in diesen Beitrag ehrlich und entwicklungsoffen dargestellt. Gemäss meinen Erfahrungen beim Aufbau des Bildungsnetzwerks 4057 besteht viel Potenzial, das (noch) nicht ausgeschöpft wird. Sicherheit und Schutz vor Gewalt sind wichtig.
    Für Lebensfreundlichkeit braucht es aber auch Kümmerer, die vor Ort verbindlich ansprechbar und kreativ unterstützend wirksam sind.

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  4. Und wer wohnte in dem „klassischen Arbeiterquartier“? Migranten! Noch schlimmer, Arbeitsmigranten! Nur ein wenig den Blickwinkel zu ändern, würde unserer Pozilei schon viel helfen, ihrem Anspruch als Freund und Helfer näher zu kommen.

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