Schützenmattpark: Wo Basel finster und gefährlich ist

Immer wieder kommt es im Schützenmattpark zu Verbrechen. Die Staatsanwaltschaft ist sich der Problematik bewusst, die Polizei patrouilliert nachts regelmässig im dunklen Park. Mehr Licht wird es aber auch in Zukunft nicht geben.

Jederzeit zugänglich und schlecht beleuchtet: Im Schützenmattpark muss die Polizei mehr Patrouillen durchführen.

«Am 08.07.2018, ca. 02.00 Uhr, wurden im Schützenmattpark zwei Männer im Alter von 29 und 41 Jahren durch eine unbekannte Täterschaft angegriffen. Beide wurden verletzt, einer davon schwer.»

Es ist die jüngste Medienmitteilung der Basler Staatsanwaltschaft zum Schützenmattpark: Zwei Männer, die im Schützenmattpark übernachten wollten, wurden attackiert. Hilfe kam, weil sich die beiden auf die Strasse schleppen konnten und einen Taxifahrer anhielten. Beide Opfer landeten im Krankenhaus, eines behielten sie gleich da.

«Wir wissen bisher noch sehr wenig», sagt Peter Gill von der Staatsanwaltschaft zum Fall. Weshalb die beiden Rumänen im Park übernachteten und wer auf sie losging, sei noch völlig unklar. Die Staatsanwaltschaft hat einen Zeugenaufruf gestartet.

Immer wieder Gewalt

Immer wieder kommt es zu Vorfällen im Schützenmattpark: Es sind vor allem Raubüberfalle, welche die Staatsanwaltschaft vermeldet. Aber auch tätliche Angriffe, ein Einbruch und eine Vergewaltigung.

«Nachts halten sich weniger Menschen als tagsüber im Park auf und auch die Dunkelheit  kann dazu genutzt werden, Delikte zu begehen. Es kommt vor, dass Homosexuelle im Park Opfer von Straftaten werden», sagt Kriminalkommissär Gill. Der Park ist ein bekannter Schwulentreffpunkt, vor allem die öffentlichen Toiletten in der Nähe des Schützenhauses. Immer wieder kam es dort in der Vergangenheit zu Gewalttaten.

«Der Schützenmattpark ist nicht, wie zum Beispiel der Kannenfeldpark oder der Horburgpark, nachts geschlossen. Zudem liegt der Schützenmattpark an einer zentralen Verkehrsachse. Somit können sich rund um die Uhr Personen im Park frei bewegen», sagt Gill. Ob der Park sicherer wäre, wenn nachts im Park Lichter brennen würden, könne er nicht beantworten. «Diese Frage fällt in den Zuständigkeitsbereich der Polizei.»

Bei der Polizei heisst es allerdings, dass sie nicht für die Beleuchtung des öffentlichen Raumes zuständig sei. «Wir sind verantwortlich dafür, die Sicherheit zu gewährleisten innerhalb der Rahmenbedingungen, die wir antreffen», erklärt Polizeisprecher Toprak Yerguz.

Ein bisschen Licht im Dunkel.

Letzten Endes würde es wohl am Grossen Rat liegen, den Park nachts erhellen zu lassen. Der hat sich aber bereits einmal gegen einen ausgeleuchteten Schützenmattpark ausgesprochen. Das war 2012. Damals schrieb die «Weltwoche»: «Basel ist nicht mehr sicher. Sich am Rhein auf Kleinbasler Seite aufzuhalten, rund um den Claraplatz, im Schützenmattpark oder in der Elisabethenanlage, bedeutet ein Risiko für Leib und Leben.» 

Es war ein Wahljahr, das Thema Kriminalität wurde heiss diskutiert. Die beiden SVP-Grossräte Andreas Ungricht und Toni Casagrande reichten einen Anzug im Parlament ein, der die Sicherheitslage verbessern sollte. Im Schützenmattpark und in der Elisabethenanlage sollte es künftig eine neue Beleuchtungsanlage und Polizeipatrouillen geben.

Das Anliegen wurde nicht überwiesen. Toni Casagrande erinnert sich, dass es damals im Grossen Rat keine Sicherheitsbedenken gegeben habe. «Es herrschte die Meinung vor, dass Basel nirgends gefährlich sei», sagt der Politiker. Stattdessen habe der Rat eine Lichtverschmutzung verhindern wollen. «Irgendwelche Vögeli waren wichtiger», kommentiert Casagrande.

An diesem Grossratsentscheid wird sich so schnell auch nichts ändern. Das Bau- und Verkehrsdepartement sagt auf Anfrage:

«Der Schützenmattpark ist grundsätzlich für die Tagesnutzung gedacht. Der Hauptweg ist bei Dunkelheit jeweils beleuchtet. Eine zusätzliche Beleuchtung ist vonseiten der Stadtgärtnerei nicht geplant. Der Rest des Parks sollte bei Nacht so dunkel bleiben, wie es in einer Stadt möglich ist, damit die Stadtnatur nicht gestört wird. Eine zusätzliche Beleuchtung würde auch nicht vor allfälligen Übergriffen schützen.»

Die Polizei ist sich bewusst, dass der Schützenmattpark ein heikler Ort ist: «Werden Auffälligkeiten beobachtet, werden die entsprechenden Dispositive angepasst», so Yerguz. «Die Kantonspolizei hat daher die sichtbare Präsenz ihrer Uniformkräfte erhöht.» 

Der Polizeisprecher betont, dass dies nicht ausschliesslich im Bachlettenquartier der Fall sei: «Dies tut sie auch an anderen öffentlichen Plätzen mit starkem Publikumsverkehr, von welchen es in der Stadt einige gibt – namentlich in den Sommermonaten, an Wochenenden oder in den Abend- und Nachtstunden.»

Prominentes Beispiel: die Rheinpromenade. Dort fährt die Polizei regelmässig durch und markiert ihre Präsenz. Aber auch die Buvetten sorgen für eine gewisse soziale Kontrolle – vielleicht wäre das ein Rezept für den Schützenmattpark.

Konversation

  1. Die Stadt Basel sollte beim Kampf gegen die nächtliche Lichtpollution konsequent bleiben. Es wäre längst höchste Zeit, dass sich mal jemand hier getraut, gegen die vielen völlig unnötigen Beleuchtungen vorzugehen. In Genf schaltet beispielsweise Rolex jeden Abend alle unnötigen Lichter ab. Da wäre in Basel noch viel zu tun.

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  2. Mehr Patroullien im Park wäre mal ein Ansatz – vielleicht beschafft sich die Kapo dafür mal ein paar Nachtsichtgeräte – nur um die Motten nicht gleich zu verscheuchen.

    Ein anderere Frage beschleicht mich schon – nur um gleich überhaupt nicht rassistisch oder sonstwie inkorrekt phobisch zu klingen – was machen zwei Rumänen nachts im Park?
    Nun gut, wir wissen natürlich … gestohlen wird immer und überall und die echt grossen Diebe nächtigen lieber im Trois Rois und haben oft eine blütenweisse Weste.
    Somit möchte ich den Fall nicht zuspitzen, aber trotzdem mit Genugtuung zu einer stàrkeren Polizeipäsenz ausdrücken.

    Diese kann Gewaltakte im Park und eben auch Einbrüche im Quartier nur mindern helfen.

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    1. Was zwei Rumänen nachts im Park machen? Nun, ich denke, die sind hier um Arbeit zu suchen und wollen einfach billig übernachten. Über dieses Thema gab’s doch letztes? vorletztes? Jahr mal einen Artikel in der Tawo. Und unter freiem Himmel pennen ist bei uns glücklicherweise noch nicht verboten.

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    2. Ungewöhnlich – und jetzt? Was genau wollen Sie damit sagen? Das muss ein langweiliges Leben sein, wenn Sie nie etwas ungewöhnliches gemacht haben!

      Übrigens erinnere ich mich, dass ein gewisser Herr Maurer, als er damals von der Bundesversammlung zum Vorsteher der besten Armee der Welt gewählt wurde, in einem Interview sagte, dass er hin und wieder im Schlafsack draussen übernachte. Die meisten fanden das zwar ungewöhnlich, aber sympathisch – aber Herr Maurer war ja auch kein Rumäne.

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    3. Weiss nicht, ob wildcampieren legal wäre.

      Ist auch egal, Polizei patroulliert vermehrt – das hilft auch Verbrechen zu verhindern.

      Ob es nun Übergriffe auf sparsame Rucksack- oder Kriminal-Touristen sind, resp. deren Einbruchspläne, ist ebenso egal.

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