Studis tragen die Uni zu Grabe

Vielen Nachwuchs-Akademikerinnen und -Akademikern war am Tag ihrer Alma Mater nicht zum Feiern zumute. Sie protestierten gegen Sparmassnahmen.

Der Protestzug der Studis am Freitag. (Bild: Dominique Spirgi)

Studierende und Schüler demonstrierten zum Auftakt des Uni-Feiertags Dies academicus gegen Sparmassnahmen an der Uni und die geplante Erhöhung der Studiengebühren. In einem Aufruf hatten die Studenten geschrieben:

«Die Universität Basel muss bis 2021 mindestens 42 Millionen Franken einsparen. Das kann das Einstellen und die Fusion ganzer Lehrstühle, die Nicht-Erneuerung von Professuren, die Umwandlung von Professuren in Assistenzprofessuren und weniger Assistenzstellen bedeuten. Ausserdem sollen die Sparmassnahmen nach unten weiter verteilt werden: Studiengebührenerhöhungen werden diskutiert.»

«In getragener Trauer soll die Universität beerdigt werden», hatten die Protestierenden ankündigt. Und so empfing am Freitagmorgen der Trauerzug vor dem Naturhistorischen Museum den offiziellen Zug der Professoren und sonstigen Honoratoren. Von der Uni hatten sie die Erlaubnis erhalten, am offiziellen Zug mitzumarschieren.

Konversation

  1. Die Uni Basel hatte in den über 550 Jahren ihres Bestehens noch nie so viel Geld zur Verfügung wie heute. Die Kürzungen korrigieren nur einen kleinen Teil des aggressiven Wachstumskurses der letzten Jahre.
    Dafür, dass man für einen immer noch ziemlich symbolischen Semesterbeitrag eine Ausbildung auf weltweit konkurrenzfähigem Niveau bekommt, für die Studierende in anderen Ländern an Privatunis tief in die Tasche greifen oder sich verschulden müssen, könnte man auch einfach dankbar sein, statt einfältige Phrasen von „Beerdigung der Uni“ zu dreschen. Soviel Reflexionsfähigkeit sollte die künftige Elite eigentlich aufbringen können.

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  2. „Gestatten, Dr. h.c. Roger Federer
    Für einmal holt Roger Federer sogar einen Titel, ohne auch nur für eine Sekunde sein Racket in die Hand zu nehmen.“
    Was zahlt Federer für diese Werbung der Uni?
    Dieser Pfeffersack kann jetzt den armen Studenten
    unter die Arme greifen.
    Mit der noch zu gründeten Stiftung Dr. h.c. Federer
    Sorry aber dieser Titel für jemand der nicht im Militär war, wie
    alle anderen auch ( die Gründe sind Versiegelt ) ist
    ein schlechter Plattwitz.

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    1. Sie beschimpfen eine Person, die Sie nur aus Zeitungen und TV kennen. Sie verbinden einen Ehrendoktortitel mit dem Militärdienst. Ich halte beides zurückhaltend formuliert für nicht eben überzeugend.

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  3. „Einsparen“ tönt in einer kapitalistischen Zeit immer gut.
    Weniger Geld für etwas geben heisst aber auch, etwas für weniger wert halten. Damit muss man sagen, dass die Universität in der Gegend Basel langsam ihren Wert verliert, so wie ein alter Besen nicht mehr so oft gebraucht wird, weil man nun einen Putzroboter laufen lässt.

    Bei der Universität stellt sich die Frage, ob sie noch das ist, was sie sich selber darstellt. Produziert sie noch Bildung, nur noch Ausbildung oder gar nur noch gut funktionbierende akademische Arbitssklaven, äh Arbeitsroboter. Gut, das Letztere will oft die Wirtschaft, das Erstere ist der Grund, wieso es diese Universität überhaupt gibt.

    Wenn die Universität tatsächlich zu beerdigen ist, dann hat Basel vielmehr verloren als nur ein paar ältere Häuser rund um den Petersplatz.

    „An den Taten wedet Ihr sie erkennen“ trifft auch hier zu: Eine sterile Alma mater, die nur noch „akademischen Auswurf“ hat, hat ihre Wirkung verloren, weil sie selber ihre eigene Haupt-Nebenwirkung verloren hat: Die Uni ist Teil der Kultur, Teil von dem, was es mehr ist, als zu Essen und zu Trinken und Fussball. Von dieser Seite hat eine Universität, bzw. deren Repräsentanten sich auch zu exponieren, sich hinzustellen, wo Menschenverachter sich in Massen auf die Strasse stellen, wo Strukturen menschenverachtende Dinge produzieren, wo staatliche Strukturen Menschen in Kategorie 1 bis 3 einteilen, weil sie keinen Schweizer Pass haben oder das Bundesgericht versicherungstechnisch Menschen für „gesund“ erklärt, weil dies halt politisch so geboten ist, bar jedem medizinischen Lehrbuch (Urteile Bundesgericht über Schmerzpatienten und Depressionen mit entsprechenden folgenden Verordnungen seitens des BSV).

    Einstein hat damals kapiert, dass seine physikalischen Erkenntnisse verheerende Wirkung haben könnten, heute noch haben wir mit deren Folgen zu kämpfen.
    Nach der Erfindung kommt halt die kulturelle Einbettung und auch die Verantwortung für das, was man da in die Welt setzte.

    Naja, vielleicht will man ja im Rahmen der „Heidilandisierung“ der Schweiz tatsächlich nur noch eine Universität haben, die passende „Akademiker-Roboter“ (analog obigem Putzroboter) produziert und sich kulturell auf die Verbesserung des Klangs der Kuhglocken spzialisiert.

    So einem Ding würde ich aber dringendst einen anderen Namen geben:
    Zum Beispiel: Akademie zur Optimierung der schweizerischen rustikalen und landwirtschaftlichen Eigenheiten.

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  4. Für 12’000 Studenten an der Uni Basel und in Anbetracht eines vorlesungsfreien Tages ist dies aber ein extrem kleiner Protestzug. Scheint, dass die Sparmassnahmen nur eine extrem kleine Minderheit der Studierenden wirklich stört.

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    1. Vor einigen Wochen wurde eine Petition gegen den Abbau an der Uni eingereicht mit über 3000 Unterschriften. Zudem fand die Mobilisierung für die heutige Aktion innerhalb nur einer Woche statt.

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