«Wir machen uns grosse Sorgen» – Baustelle schneidet Standbetreiber vom Besucherstrom ab

Wer über den Weihnachtsmarkt am Barfi bummelt, kommt irgendwann nicht mehr weiter – oder glaubt es zumindest. Hinter der Stadtcasino-Baustelle erwarten viele Besucher keine Stände mehr. Die betroffenen Standbetreiber bangen deswegen um ihre Existenz.

«Ich gebe einfach mein Bestes» – Martin Peters von «Svanette's Hut-Palast» leidet unter der Stadtcasino-Baustelle (Bild: Alexander Preobrajenski)

Wer auf der Suche ist nach klebrigem Glühwein, fettigen Würsten und glitzerndem Kitsch, wird am diesjährigen Weihnachtsmarkt auf dem Barfüsserplatz zu einem abrupten Halt gezwungen: Rechts neben der Kirche gibt es kein Durchkommen, hier wird bis 2019 am neuen Stadtcasino gewerkelt.

Nicht so tragisch, denkt sich die weihnachtswütige Masse und kehrt um in Richtung Barfi. Die Stände in der hintersten Ecke haben das Nachsehen.

«Ich mache mir grosse Sorgen», sagt die ehemalige Stand-Betreiberin Svanette Belka. Vor rund 20 Jahren durfte sie mit ihrem gleichnamigen «Hut-Palast» zum ersten Mal am Basler Weihnachtsmarkt hausieren. Erst auf dem Claraplatz, dann auf dem Barfi, wo sie lange Jahre rechts von der Kirche verbrachte. Seit über 40 Jahren ist die ursprüngliche Deutsche schon im Hutgeschäft.

Kaum Laufkundschaft und suchende Stammkunden

Vor fünf Jahren übernahm Sohn Martin Peters das Steuer im «Palast». Es waren gute Jahre mit guten Zahlen. Jetzt herrsche unter der Woche tote Hose. «Der Stand steht wegen der Baustelle im toten Winkel», erklärt Svanette Belka. Wenn sich das Geschäft nicht bessert, sieht sie schwarz für das nächste Jahr.

Immerhin die Polizei findet noch den Weg zum «Hut-Palast».

Ja, die Situation sei schwierig, sagt auch der Sohn. Früher musste man die Leute vor dem Eingang stoppen, so voll war der Hutstand. Die Laufkundschaft habe sich dieses Jahr klar reduziert. «Auch Stammkunden haben uns erzählt, dass sie uns eine Dreiviertelstunde suchen mussten, weil wir so versteckt sind.»

Die Kosten für Standplatz, Aufbau, Lohn und für die Einlagerung des Standes müssen nach wie vor getragen werden. Peters versucht, sie möglichst tief zu halten. «Ich tue alles, damit wir auch nächstes Jahr wieder kommen können», sagt er.

Peters hat den Eingang verschoben, um den Stand besser ins Geschehen einzubinden. Das Dach krönt ein überdimensionierter Hut mit einer Spiegelblume, welche die angrenzenden Stände in ein Lichtspiel taucht. «Das hilft vielleicht auch und sorgt für eine gute Stimmung», so der 33-Jährige. «Nur einen Lätsch zu ziehen, hilft niemandem.»

Wer versteckt ist, muss auf sich aufmerksam machen. Peters versucht es mit Riesen-Hut und Spiegelblume.

Peters ist nicht der Einzige mit diesem Problem: «Wissen Sie, früher stand ich gegenüber von Martin», klingt es einige Meter entfernt, hinter zwei Säulen voll crèmiger heisser Schoggi, hervor. «Wir hatten ein schönes Plätzchen, wo die Leute gerne verweilten», erzählt Peter Meier, besser bekannt als «Schoggi-Peter».

Auch bei ihm läuft das Geschäft – neu hinter der Barfüsserkirche – schlecht: «Der Rundgang um die Kirche wurden zerstört und damit auch die Stimmung. Wir sitzen hier in einer Sackgasse, die von den Leuten gemieden wird.» Auch er erzählt von suchenden Stammkunden: «Sie reisen zum Teil aus der ganzen Schweiz an. Wenn sie mich nicht finden, gehen sie wieder und kommen in diesem Jahr nicht mehr.»

Kurzfristig neuer Standort

Man sei zwar schon im Vorhinein über die veränderte Situation informiert worden. Trotzdem musste Meier kurzfristig umdisponieren. «Ursprünglich hätte mein Stand beim Literatur-Café stehen sollen. Doch die legten Einspruch ein, mein Stand sei geschäftsschädigend.»

Vier Wochen vor Beginn des Weihnachtsmarktes bekam der «Schoggi-Peter» deshalb nochmals einen neuen Standort zugeteilt. Trotzdem versuche auch er, positiv zu bleiben. «Etwas anderes bleibt mir ja nicht übrig. Ich brauche meinen Stand, um finanziell über die Runden zu kommen.»

«Wir sitzen in einer Sackgasse» – auch Peter Meier alias «Schoggi-Peter» fürchtet ums Geschäft.

Beim Veranstalter ist das Problem bekannt: «Die Baustelle ist eine Situation, die wir dieses und nächstes Jahr mittragen müssen», sagt Daniel Arni, Leiter der Fachstelle Messe und Märkte Basel-Stadt. Mit den Arbeiten am Stadtcasino war klar, dass nicht mehr derselbe Rungang rund um die Barfüsserkirche möglich sei. «Deshalb arbeiten wir mit Wegleitungen und haben die Theaterpassage neu gestaltet.»

Gemäss Arni wurden die Standbetreiber bereits im Vorfeld auf ihren neuen Standort hingewiesen. Bis jetzt habe man keine Rückmeldung erhalten, dass die Situation untragbar sei. Generell stehe man stets mit den Betreibern im Gespräch und versuche, die beste Lösung zu finden. «Wegen der Bauarbeiten einfach auf die Stände zu verzichten, war keine Option.»

Konversation

  1. Besucherstrom ist wie Solarstrom: Entweder fliesst er oder er fliesst nicht. Oskar Herzig kann ein Lied davon singen. Er war gestern in der Arena. Seine Ausführungen waren verwirrlich.

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  2. Mega Schade! Keine Laufkundschaft für den Hutpalast oder den Schoggi Peter ist ja, wie eine Spielstrasse für eine Tankstelle – geschäftsruinierend! Da muss die Stadt Basel ja wohl finanziell auf die Standbetreiber zugehen, anstatt sie in die Firmenaufgabe zu treiben. Erst wenn nur noch 08/15-Geschäfte am Markt sind, die alle das Gleiche verkaufen, werden die Betreiber es merken…Weihnachtsmarkt ohne solche Traditionsgeschäfte? Ohne mich!

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  3. Alles in allem darf man doch sagen, dass der diesjährige Weihnachtsmarkt am Barfi und Münsterplatz sehr schön und gelungen ist. Am Barfi stört mich das Gedränge in den engen Strässchen zwischen den Ständen. Bei schönem Wetter und am Wochenende ist da fast kein Durchkommen mehr. Und die Langfinger freuts. Die positiven Aspekte überwiegen trotz Baustellen-Problem aber allemal.

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  4. Ich finde die zuständige Markt behörde sollten sich solidarisch zeigen und den benachteiligten Standbetreibern die Miete während der Bauphase erlassen
    da sie sicher gravierende Umsatzeinbussen haben

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  5. Schon als kleines Kind bin ich mit meiner Geossmutter über den Weihnachtsmärit geschlendert auch beim Hut Palast vorbei… ich finde es enorm Schade, dass solche tranditinelle alte Stände ins Wanken kommen… ich fände den Vorschlag, dass wenigstens die Standkosten übernommen werden ein wunderbare Idee…

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  6. Durch den Weihnacht- Markt ist Basel zur international beachteten Weihnachts-Stadt avanciert. Täglich bringen die Flixbusse und weitere Car-Reiseunternehmen und sogar Kreuzfahrt Schiffe vom Rhein, erlebnishungrige Touristen auf Christmas Shopping-tour sogar aus weiteren Destinationen, wie Köln, Frankfurt und Hamburg auf den Weihnachts-Markt nach Basel. „Basel geniesst den Ruf als traditionsreichste Weihnachtsstadt der Schweiz. “ Um den von der Lauf-Kundschaft abgeschnittenen Ständen in der Ecke hinter der Kirche ihr tristes Los wenigstens etwas zu erleichtern begrüsse ich den Vorschlag meines Vorgängers diesen Standinhabern die Standmiete zu erlassen. Der trotz Baustelle immense Aufwand der Standinhaber, der sich hinter dem riesigen Bauzaun niemals rechnen kann, würde mit dieser grosszügigen Geste der Solidarität wenigstens halbwegs Rechnung getragen.

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