Zwischennutzer müssen Schiffstouristen weichen

Der Verein Fruchttank hat erst in diesem Frühjahr sein Zwischennutzungsprojekt im Hafen eröffnet. Jetzt droht ihm bereits die Räumungsklage. Als Besitzer beanspruchen die Schweizerischen Rheinhäfen den Platz künftig für die grossen Schiffe.

Die Tage des Fruchttanks sind nach nur einer Saison bereits gezählt. 

Ein Kiosk mit lokalen Produkten, das war die Idee des Projektes Fruchttank. Der gleichnamige Verein unterzeichnete 2016 einen Zwischennutzungsvertrag am Hafen und ging ans Werk. Ein Treffpunkt sollte entstehen, an dem Leute unabhängig von ihrem sozialen Status Visionen austauschen können, während sie nachhaltige Produkte zu fairen Preisen konsumieren.

In diesem Frühjahr eröffnete der Verein zwischen Marinabuvette und Nordstern-Schiff den Betrieb. Doch bereits nach einer Saison muss er ihn wieder schliessen. «Wir müssen Platz machen, wissen aber nicht, weshalb», sagt Raphael Gerber, der Kommunikationsverantwortliche des Vereins. Am 21. September sollten er und seine Vereinskollegen das Gelände an die Besitzer zurückgeben, namentlich an die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH).

Gerber ist frustriert. Einerseits ist er enttäuscht vom Vertragspartner I_Land, der auf dem Hafenareal am Klybeckquai mehrere Zwischennutzungsprojekte verwaltet. Der Verein würde sich aus der Verantwortung stehlen, so Gerber. Enttäuscht ist er andererseits von den SRH. Diese würden das Gespräch komplett verweigern.

«Wir werden seit Monaten blockiert», fasst Gerber die Not seines Vereins zusammen. Und das hat Folgen für den Kiosk: Viele erfahrene Leute hätten ihre Unterstützung angeboten, um das Projekt Fruchttank zum Fliegen zu bringen. Die ungewisse Situation würde sie aber abschrecken, Zeit und Kraft zu investieren. Deshalb habe es auch keine Werbung für den Kiosk gegeben und entsprechend wenig neue Kundschaft.

20 Gäste, 500 Franken Umsatz

So wirkt die Bilanz ernüchternd: Bei den abendlichen Veranstaltungen am Wochenende seien jeweils 15 bis 20 Personen gekommen und hätten zu einem Umsatz von 200 bis 500 Franken beigetragen. «Diese Zahlen wären deutlich besser, wenn wir das Projekt sachgemäss betreiben könnten», ist Gerber überzeugt.

Das Projekt sei eine Herzensangelegenheit. Deshalb treffe es den Verein so hart, dass es schon wieder vorbei sein soll mit dem Zwischennutzungsprojekt. Tatenlos zusehen wollte der Verein aber nicht. Mit einer 270 Unterschriften starken Petition wurde er bei den SRH vorstellig, mit der Bitte, auch weiterhin im Hafen Getränke ausschenken zu dürfen. «Wir haben einen fünfstelligen Betrag in das Projekt investiert», sagt Gerber. Die Hoffnung auf ein Umlenken vonseiten der Geländebesitzer hält er weiterhin aufrecht. Immerhin hätten die SRH das Konzept zu keinem Zeitpunkt kritisiert und sein Verein die Miete immer bezahlt.

Doch das genügt nicht. «Wir werden eine Räumungsklage einreichen», sagt SRH-Sprecher Simon Oberbeck trocken. Er lässt keinen Zweifel daran, dass die Tage des Fruchttanks im Hafen gezählt sind. «Der Nutzungsvertrag zwischen I_Land und den SRH lief Ende 2017 aus», erklärt er. «Der Verein Fruchttank befindet sich zu uns in einem vertraglosen Zustand und ist deshalb illegal auf unserem Gelände.»

Auflagen im Jahr 2018

Raphael Gerber kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. «Noch im Februar dieses Jahres liefen Gespräche und die Schweizerischen Rheinhäfen haben uns Auflagen für unser Projekt gemacht.» Deshalb sei der Verein davon ausgegangen, dass der Vertrag verlängert werde, «so wie bei allen anderen Zwischennutzungen im Hafen.»

David Herrmann, der als Geschäftsführer von I_Land den Zwischennutzungsvertrag mit Fruchttank unterzeichnete, möchte sich zum Streit nicht äussern. Er sagt nur: «Wir vom Verein sind sehr enttäuscht, dass es nicht geklappt hat, das Projekt in zwei Jahren zu realisieren. Wir haben alles Mögliche getan und hätten es sehr toll gefunden.»

Das Projekt Fruchttank hätte also das Unmögliche gebraucht. Die SRH von ihren eigenen Plänen abzubringen nämlich. Sie benötigen die zwischengenutzte Fläche künftig selbst: «Wir möchten die öffentliche Promenade für die Fahrgastschifffahrt ausbauen», sagt Oberbeck. Die Hotelschiffe werden dort anlegen und die Touristen von dort aus in die Stadt strömen. Das braucht Platz. Den hat der kleine Kiosk mit seiner nachhaltigen Philosophie dann nicht mehr.

Konversation

  1. Bestimmt steht/stand im Vertrag auch Zwischennutzung, dies macht die Sache ja eigentlich deutlich und klar. Es schränkt die Nutzungsdauer auf unbestimmte Zeit ein und ist aus diesem Grund auch vermutlich zu einem günstigen Mietstarif. Will der Mieter was „Festeres“ muss er einen normalen Gerwebemietvertrag abschliessen für eine für ihn passende Lokalität für 3,5,10 Jahre etc.

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  2. Es ist am Rhein unterhalb der Dreirosenbrücke in der Nähe der Wiesemündung. Einfach Uferstrasse in google maps suchen. hab leider nur ein 140°Flugpanorama von der Wiesemündung-1994. und eines vom Schetty-areal/Marktkauf Richtung Basel-1981!

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  3. Ich keine Habituée des Hafenareals bin, wäre ein Übersichtsfoto der Situation für eine Meinungsbildung noch hilfreich gewesen.

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  4. Die gut schon auf dem Schiff abgefütterten Touristen werden sich die hiesigen Übrigbleibsel der alten Zeit angucken und dann verschreckt ob der hohen Preise bald hernach wieder aufs Schiff zurück fliehen. Zur schnelleren Durchschleusung durch die Stadt werden dann diverse Cars vorfahren zwecks Town-Visiting-by-Car!
    (Die dürfen ja ohne Anhalten quer durch die sonst verbotenen Zonen fahren.)

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  5. Das Wort „Zwischen-Nutzung“ impliziert doch, dass es nur eine Nutzung auf Zeit ist, bis die Besitzerin ein neues Projekt auf der Fläche realisiert.
    Wenn man bei jedem Ende einer Zwischen-Nutzung so ein Theater hat, dann überlegt man es sich zweimal, ob man seine Fläche für eine Zwischen-Nutzung frei geben möchte.

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    1. Zwischennutzung kann Sinn machen. Nur wird diese Vertragsform oft missbräuchlich verwendet. Und zwar als Gentrifizierungs-Werkzeug für Immobilienbesitzer die ihrer Verantwortung als Mitgestalter des öffentlichen Raums, nicht im klaren sind. Wie sollen sie auch, wenn die Stadt selbst den gesellschaftlichen Wert eines NT-Areals oder die des Hafens (Rheinhatten…) als lästige Randerscheinung ab tun und mit Zwischennutzungen im Zaum zu halten versuchen. Wenn wir einfach nur eine Pharma-Siedlung sein wollen ist das natürlich kein Problem. Übernehmen Firmen und deren Lobbyisten die Stadtgestaltung, können wir uns bald im Starbucks am Hafen treffen und zu einem Retorten-Kaffee über Kultur quatschen…

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