Neubau-Bewohnern fallen die Decken auf den Kopf

Nicht luxuriös, sondern baufällig: Die Stimmung in den Birsmatt-Neubauten in Aesch ist angespannt. Wegen Baumängeln müssen die Verantwortlichen sanieren und die Bewohner kurzfristig umsiedeln.

Kaum bezogen, schon renovationsbedürftig: Überbauung Birsmatt in Aesch. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Exklusiv ist die Wohnlage zwischen Bahnhof und Kantonsstrasse in Aesch nicht. Agglo-Träume werden woanders wahr.

Keine einfache Lage für einen Immobilien-Investor also. Entsprechend blumig beschreibt die Eigentümerin, die Luzerner Pensionskasse, ihre neue Renditeliegenschaft in Aesch, die Birsmatt-Überbauung: «Exquisite Designs sowie ausgewählte Materialien», «zeitlos und dennoch modern», «mit viel Liebe zum Detail ausgestattet – für ein langes Wohnerlebnis» seien die Domizile.

Doch davon merken die angelockten Mieter bisher nichts. Ihr Wohnerlebnis wurde schon nach wenigen Monaten jäh unterbrochen. Bezugsbereit waren die Wohnungen Ende November 2016 – erste gravierende Baumängel zeigten sich noch im selben Jahr.

Einige der «ausgewählten Materialien» liessen sich nämlich plötzlich aus der Nähe betrachten: Eines Tages lagen ganze Deckenputzstücke auf dem Schlafzimmerboden. Fortan hätten die Verantwortlichen nicht mehr überschwänglich, sondern nur noch langsam mit den Mietparteien kommuniziert, haben Letztere der TagesWoche erzählt.

Zu den Leidtragenden gehören etwa Sandra Grün und Peter Lauber (Namen geändert). Im Februar zog das Paar zum ersten Mal gemeinsam in eine der Neubauwohnungen. Ein Brief der Verwaltung im April sorgte für Stirnrunzeln: Er forderte die Mieter auf, Termine für einen vorübergehenden Wegzug anzugeben. «Uns traf der Hammer», sagt Grün. «Wir dachten, wir hätten die Züglerei hinter uns. Da begann das Ganze von vorne.»

Es regnet Putz

Den gleichen Brief erhielten auch die Nachbarn vis-à-vis. Andrea und Mike – auch sie heissen anders – gehörten zu den ersten Mietern im neuen Haus und erlebten alles von Beginn weg. Kurz nachdem sie im November 2016 eingezogen waren, kursierten schon Geschichten von herabfallenden Decken in der Nachbarschaft. Gleich in zwei anderen Wohnungen lagen plötzlich Stücke vom Verputz am Boden. In der Tiefgarage wurde gar ein Fahrzeug beschädigt. Zum Glück wurde bei all den Vorfällen niemand verletzt.

Ausgewählte Materialien auf dem Fussboden: Deckenputz auf dem erlesenen Parkett.

Die Luzerner Pensionskasse (LUPK) – kein überforderter Privater, sondern eine erfahrene Immobilienbesitzerin – beauftragte die Generalunternehmerin Losinger-Marazzi AG mit dem Bau und die Gribi Real Estate AG mit der Verwaltung. Gegenüber den Mietern informierten alle drei zu diesem Zeitpunkt nur spärlich. «Wir fragten immer wieder nach, haben aber keine Antwort erhalten», sagt Mike.

Erst mit den Briefen erfuhren die Mieter, was los war. Sämtliche rund 100 Wohnungen, die zum grössten Teil belegt sind, müssen saniert werden. Wie viele Mietparteien genau umsiedeln müssen, will die LUPK nicht offenlegen.

Geringe Entschädigung

Für zwei Wochen müssen die Bewohner mit ihrem ganzen Hausrat in eine andere Wohnung umziehen – um dann am Ende erneut in ihre Wohnung zu zügeln. Ein Aufwand, den die Besitzerin mit pauschal 1000 Franken pro Haushalt und einer halben Monatsmiete entschädigt. Unabhängig von der Wohnungsgrösse. «In unsere fünf Zimmer passt aber mehr Hausrat als in kleinere Wohnungen. Das sollte berücksichtigt werden», fordern Grün und Lauber, die während der Renovationsphase in eine kleinere Wohnung mit weniger Zimmern umziehen mussten.

Zweimal zügeln hält besser: Umzugsstress an der Birsmatt. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Kein Gehör für die Forderung hat die LUPK. Die Pensionskasse wehrt sich: Mit dem reduzierten Mietzins sei für den Ausgleich zwischen den unterschiedlich grossen Wohnungen zur Genüge gesorgt.

Warum den Bewohnern die Decken auf den Kopf zu fallen drohen, sprich, was die Ursache für den ganzen Schlamassel ist, werde derzeit noch untersucht, lassen sie weiter wissen. Bis im Herbst sei die Instandstellung der Wohnungen dann aber abgeschlossen.

«Bis dahin sollten die Mieter sich mit keiner Entschädigungssumme für einverstanden erklären», empfiehlt Urs Thrier, Leiter des Baselbieter Mieterverbandes. «Bis die Sanierungsarbeiten fertig sind, können noch weitere Beeinträchtigungen hinzukommen, die eine höhere Entschädigung rechtfertigen würden.»

So wie der Fall Birsmatt im Moment liege, halte er einen erlassenen Monatszins im Hinblick auf die Praxis der Schlichtungsstelle für angemessen, sagt Thrier. In der Birsmatt ist das aber nicht bei allen Mietobjekten der Fall.

Für Thrier sind die Mängel der Birsmatt-Neubauten nach 23 Jahren Erfahrung im Mieterverband einzigartig: «Dass Mieter von älteren Mietobjekten vorübergehend wegziehen müssen, kommt gerne vor. Aber an einen Fall bei einem Neubau kann ich mich nicht erinnern.» Die träge Kommunikation der Verwaltung sei dagegen üblich: «Sie ist heute dem Besitzer verpflichtet, nicht wie früher dem Mieter. Darum ist jeder Anruf der Bewohner ein Ärgernis.»

Mike und Andrea werden das Ende der Bauarbeiten nicht abwarten. Auf ein vorübergehendes Wegziehen haben sie keine Lust. Sie sind auf Wohnungssuche. «Demnächst fällt auch unsere Decke herunter», sagt Andrea. Tatsächlich zeigt der Verputz bereits bedrohliche Dellen. Vielleicht ziehen die beiden gerade noch rechtzeitig aus. Bevor auch bei ihnen plötzlich die Decke am Boden liegt. Oder noch schlimmer: Auf den Kopf fällt.

Die Decke von Mike und Andrea bleibt wohl nicht mehr lange oben. (Bild: Alexander Preobrajenski)

451-Millionen-Defizit glatt genehmigt

Der Grosse Rat hat die Staatsrechnung 2016 genehmigt. Sie ist weit besser ist als budgetiert: Statt eines geplanten Minus von 952,3 Millionen resultierte ein Minus von 451,5 Millionen Franken. Ohne PK-Sanierung wäre die Rechnung schwarz.

Trotz Defizit erfreut: Das Parlament segnet die Staatsrechnung von Finanzdirektorin Eva Herzog ab. (Bild: Dominique Spirgi)

Ins Minus gerät die Staatsrechnung, weil die Pensionskasse des Staatspersonals mit rund einer Milliarde Franken saniert wird. Ansonsten hätte Basel-Stadt einen Überschuss von 562 Millionen.

Dass die Rechnung 2016 unter dem Strich eine halbe Milliarde besser ausfiel als budgetiert, erklärt die Regierung insbesondere mit unerwartet hohen Steuereinnahmen und einem deutlich höheren Finanzergebnis.

Das Parlament genehmigte die Rechnung einstimmig. Themen in der Debatte waren:

  • die für den Kanton voraussichtlich teure Unternehmenssteuerreform.
  • die angespannte Beziehung zum klammen Baselbiet und dessen Sparbemühungen zulasten von Basel-Stadt.

Astra-Direktor beschwört Verkehrs-Kollaps für Basel

Im Interview mit der «Basler Zeitung» zeichnet Astra-Direktor Jürg Röthlisberger ein düsteres Bild der Verkehrs-Zukunft in der Region Basel. Sein Rezept: «Verkehrsflächen ausbauen». Von verkehrsberuhigten Städten scheint er wenig zu halten.

Stau auf der Autobahn zwischen Basel und Zürich auf der Höhe Pratteln: droht tatsächlich der Kollaps? (Bild: Keystone / Gaetan Bally, All rights reserved)

Eine Reduktion des Autoverkehrs um zehn Prozent in der Stadt, wie es Basel-Stadt anstrebt: Dafür hat Astra-Direktor Jürg Röthlisberger wenig Verständnis. «Dieser Volksentscheid hat uns sehr überrascht», sagt er gegenüber der BaZ, und fügt an: «Dieses Ziel steht aus unserer Wahrnehmung völlig quer in der Landschaft.»

Autos im Stau stehen ebenfalls quer in der Landschaft. Das überrascht den Chef des Bundesamts für Strassen weniger. Sein Rezept: mehr Strassen. Und breitere. In die Städte hinein. Ansonsten, so prophezeit Röthlisberger: Verkehrs-Apokalypse!

Aber die Zentren spielen nicht mit. Röthlisberger weiss das: «Was wir wollen, steht natürlich voll im Widerspruch zum Auftrag der Bevölkerung.» An alternative Lösungen – etwa Parkmöglichkeiten vor den Städten – denkt der Meister der Strassen nicht.

Lesen Sie das ganze Interview in der BaZ:
«Ohne neue Verkehrsfläche kollabiert die Region»

Wonder Woman, du bist nicht die einzige: Sieben Actionfilme mit Frauen in der Hauptrolle

«Wonder Woman» rockt, nur weil eine Frau in der Hauptrolle spielt? Naja. 7 Alternative Blockbuster – alle mit Protagonistin, alle besser.

Alles Wonder Women, ganz ohne Gender-Hype.

«Endlich mal ein Actionfilm mit einer Frau in der Hauptrolle!», rief die Freundin beglückt und fing an, die Vorzüge des neuen «Wonder Woman»-Films aufzuzählen. Alle hatten mit der Tatsache zu tun, dass die Protagonistin eine Frau ist.

Nicht falsch verstehen: Es ist grossartig, wenn Blockbuster Frauen an die Spitze stellen. Und nötig, absolut. Es sollte auch selbstverständlich sein, sodass man nicht jeden Film hochloben muss, nur weil jetzt eine Frau die Bösewichte vermöbelt.

Dass der Film Tausende Zuschauerinnen zum Weinen bringt, hat weniger mit Female Empowerment als mit geschickt eingesetztem Pathos zu tun. Und das «Endlich!»-Japsen zieht hier auch nicht. Girls, es gibt eine Menge Actionfilme mit Frauen in den Hauptrollen – mit ganz vielen Wonder Women und keiner einzigen «Wonder Woman».

1. Das Killermädchen: «Hanna»

Saoirse Ronan rennt als irre Profikillerin durch einen verlassenen Vergnügungspark. Dazu harte Technobässe, Schnee, Blut, Tilda Swinton. Mehr brauchts nicht für einen starken Frauenfilm.

2. Die Urmütter: «Faster Pussycat! Kill! Kill»

Eigentlich sollte hier jeder Russ-Meyer-Film stehen. Sexploitation? Starke, crazy Frauen mit massiven Persönlichkeitsstörungen und Oberschenkeln! Wonder Woman, deine Mutter! Wörtlich.

3. Die Maschine: «Kill Bill»

Wer Meyer sagt, muss auch Tarantino sagen. Oder umgekehrt. Auf jeden Fall gehört in diese Liste auch ein von Meyers Superfrauen inspirierter Film. Und das sind die meisten Tarantinos. Allen voran: Na was wohl. Uma Thurman badet in Kunstblut und zeigt ihre Knöchel.

4. Die Superfrau: «Lucy»

Hübsche Lucy wird durch synthetische Superdroge zur Tötungsmaschine. Sie schlägt und brüllt und tritt und killt – und hat am Ende das Universum begriffen. Bisschen deliranter Kitsch, aber oh so powerful.

5. Die Mädchen, die man immer sein wollte: «Tiger Girl»

Zwei starke Mädchen, die ihre Umwelt behandeln wie… na wie zwei Jungs. Aber genau das schmettert einem der Film eben nicht ständig ins Gesicht. Die beiden sind halt einfach zwei coole Menschen. Und dabei… ah ja, genau, Mädchen. Nice!

6. Die moderne Ronja Räubertochter: «The Hunger Games»

Nach «Twilight» hatten wir die Hoffnung auf gute Jugendbuch-Verfilmungen aufgegeben. Aber dann kam Jennifer Lawrence als moderne Ronja Räubertochter und trat dem Regime in den Arsch. Eine Wohltat nach all der Blutleere.

7. Die Unzerstörbare: «G.I. Jane»

Sich von sonnenbebrillten Schnauzträgern rumkommandieren lassen? Mit blutverschmiertem Gesicht «Suck my Dick» brüllen? 100 einarmige Liegestützen? Kein Problem für Demi Moore, die sich hier ins männlichste aller Filmgenres einmischt: Kriegsfilme.

So trainiert der FC Basel am Tegernsee

Regen und Sonne, Schweiss und Spass – alles ist dabei in den Tagen von Rottach-Egern am Tegernsee, wo der FC Basel seine Saisonvorbereitung vorantreibt. Eine Auswahl von Bildern aus dem Trainingscamp. 

Forscher fürchten: Die Uni wird ihr Renommee verlieren

Die Universität muss 44 Millionen Franken sparen. Kein Problem, finden die Bildungsdirektoren beider Basel, die Uni könne ihr Niveau trotz der Sparpläne halten. Doch Forscher aus den Life Sciences und der Philosophisch-Historischen Fakultät sehen das anders.

Exzellenz? Unabhängigkeit? (Bild: Nils Fisch)

Alles super bei der Universität Basel – diesen Eindruck hätte erhalten können, wer den Regierungen beider Basel zuhörte, als sie am Montag den neuen Leistungsauftrag für die Uni präsentierten. Sie muss zwar bis 2021 44 Millionen Franken sparen. Doch die Erziehungsdirektoren Conradin Cramer (LDP) und Monica Gschwind (FDP) beschwichtigten: «Es gibt deswegen keinen Leistungsabbau.»

Ganz anders sehen es die Forscher der Universität selber. Egal ob man bei den Sprachwissenschaftlern, bei den Chemikern oder den Biologen anruft: Sie machen sich Sorgen um das Renommee der Universität, sie fürchten einen Leistungsabbau. Ja, auch bei den Life Sciences, die Monica Gschwind nach eigenen Aussagen in Zukunft stärken will.

«Es braucht Jahrzehnte, um ein gutes Renommee aufzubauen, aber nur wenige Jahre, um es zu verlieren.»
Erich Nigg, Direktor Biozentrum

Erich Nigg, Direktor Biozentrum.

Erich Nigg ist Direktor des Biozentrums. Er findet es positiv, dass die Universität nun konkrete Zahlen bis zum Jahr 2021 hat. Wie die Sparmassnahmen bis dahin umgesetzt werden, müsse jetzt sorgfältig geprüft werden. Was die weitere Zukunft angeht, wünschte sich Nigg eine langfristige Planung über vier Jahre hinaus. «Eine Stop-and-go-Taktik ist für eine Universität nicht gut. Es braucht Jahrzehnte, um ein gutes Renomee aufzubauen, aber nur wenige Jahre, um es zu verlieren.»

Das Biozentrum hat diese Ausstrahlung, es beruft Spitzenforscher von ausgezeichneten amerikanischen Universitäten wie Harvard oder Columbia. Doch die Leuchttürme unter den Forschern sind schnell weg, sagt Nigg: «Und dann haben wir eine Uni, die ein bisschen weniger kostet, aber sehr viel weniger Ausstrahlung hat.»

Gretchenfrage: Wie viel Input für guten Output?

Es ist eine der Gretchenfragen jedes Staates, eine, die Ökonomen seit Jahrzehnten umtreibt – und ihre Geister scheidet: Wie viel Geld muss der Staat investieren, damit die Wirtschaft einen rechten Output generiert? Und wie fest kann man am Geldhahn drehen, bevor die Wirtschaft austrocknet? Nur: Die Universität ist nicht gleich Wirtschaft, sie ist etwas zwischen Staat und Wirtschaft. Wie nahe sie dem einen oder dem anderen sein soll, auch bei dieser Frage scheiden sich die Geister, zumindest in der Politik.

Wenn es nach der Baselbieter Bildungsdirektorin Gschwind geht, soll
die Universität näher zur Wirtschaft rücken: «Die Universität soll unabhängiger werden von den Kantonen, sie soll mehr Drittmittel generieren.»

Kann sie das?

Biozentrum-Direktor Erich Nigg sieht Grenzen. Die Universität Basel ist heute bereits Spitzenreiterin bei den Drittmitteln, keine andere Schweizer Universität bekommt mehr Gelder von externen Geldgebern wie Forschungsfonds, Stiftungen, Privaten. Das zeigen die Zahlen des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, welche die UniBasel aufbereitet hat. «Es ist durchaus möglich, dass die Universität noch etwas zulegt», sagt Nigg, «doch ich bezweifle, dass sie die ganzen Sparmassnahmen durch Drittmittel kompensieren kann.»

Wer zahlt, will mitreden

Man muss aber auch die Frage stellen: Will man überhaupt, dass Private die Uni finanzieren?

Einer, der diese Frage stellt, ist Georg Funk, physikalischer Chemiker am Kompetenzzentrum für Computerwissenschaften. «Die Gesellschaft sollte sich vielleicht einmal fragen, ob sie zweckfreie Forschung oder, plakativ gesagt, «Produktentwicklung» wünscht.» In der Wissenschaft gilt wie überall: Wer zahlt, will auch mitreden.  Private, die in Forschung investieren, haben in der Regel ein Ziel; sie wollen ein Medikament, eine Technologie auf den Markt bringen und daran verdienen. Je mehr Drittmittel man einholt, desto mehr kommt deshalb die Grundlagenforschung unter Druck. Also die Forschung, die um des Wissens willen forscht, ohne Hintergedanken.

«Man darf die Grundlagenforschung und die Auftragsforschung nicht vermischen, sonst gefährdet man die Spitzenstellung der Universität.»
Thomas Meier, CEO Santhera Pharmaceuticals

Dieses Risiko sehen auch Forscher, die selber Produkte für den Markt entwickeln, etwa Thomas Meier, CEO der Santhera Pharmaceuticals Holding in Liestal. Meier hat einst an der Universität Basel habilitiert und war Forschungsgruppenleiter am Biozentrum. Bis er, als erster Forscher am Biozentrum, ein Start-up mit dem Namen MyContract gründete. 2004 entstand daraus das Pharmaunternehmen Santhera, das Medikamente gegen neuromuskuläre und mitochondriale Erkrankungen entwickelt und vermarktet.

Ohne Grundlagenforschung keine Innovation

Thomas Meier, CEO Santhera Pharmaceuticals.

Obwohl Meier heute selber in die Privatwirtschaft forscht, sagt er: «Man darf die Grundlagenforschung und die Auftragsforschung nicht vermischen, sonst gefährdet man die Spitzenstellung der Universität.» Das ist seine persönliche Sicht. Dafür hat er mehrere Gründe: Mit der Grundlagenforschung holt man Spitzenwissenschaftler. Die grösste Währung sind die Publikationen in anerkannten Journals und die Einladungen an Kongresse. Doch bei Auftragsforschungen dürfen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse oft nicht publizieren, da die Auftraggeber sie geheimhalten möchten. Die Forscher können sich keinen Namen machen.

«Weniger Geld heisst mehr Arbeit für weniger Personal heisst weniger Zeit für die Drittmittelakquisition.»
Thomas Grob, Dekan Phil.-Hist. Fakultät

Kommt hinzu: Ohne Grundlagenforschung entstehen häufig gar keine Spin-offs wie das von Meier. «Wenn man frei forschen kann, kommt man besser auf innovative Ideen», sagt er. Das bringt der Wirtschaft durchaus etwas: Diese Spin-offs ziehen nämlich wiederum zahlungskräftige Firmen an, die Interesse an deren Erkenntnissen und Technologien haben. Zwar investieren sie dann vielleicht in die Start-ups und nicht in die Universität, stärken aber dennoch den Forschungs- und Wirtschaftsstandort. So dient die Universität indirekt als Wirtschaftsmotor, «doch staatliche Finanzierung ist dafür unverzichtbar», sagt Meier.

Geisteswissenschaften werden bluten

So viel zu den Life Sciences. Was aber ist mit Fächern wie Philosophie oder Kunstgeschichte? Sie drohen als erste unter die Räder zu kommen, wie unsere Analyse aufzeigt.

Lesen Sie: Stagnation und Fächerabbau: Der neue Auftrag ist Gift für die Uni Basel

Thomas Grob, Dekan der Historisch-Philosophischen Fakultät.

Thomas Grob ist Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät und Leiter des Fachbereichs Slawistik. Auch er macht sich Sorgen. «Wir haben jetzt schon ein enges Budget», sagt er. Weniger Geld heisse mehr Administrationsarbeit für weniger Professuren und Assistenten. «So bleibt weniger Zeit für andere Aufgaben, etwa die, Drittmittel zu generieren.»

Dabei hat auch die Philosophisch-Historische Fakultät bereits einen hohen Anteil an Drittmitteln. Gemäss Geschäftsführer Roberto Lazzari machten sie im Jahr 2014 42 Prozent des Gesamtbudgets* aus – das ist im Verhältnis etwa gleich viel wie in Bern (39 Prozent) und deutlich mehr als in Zürich (21 Prozent). Hauptquelle für Drittmittel ist für viele Fakultäten der Schweizerische Nationalfonds.

* Inklusive Fakultät für Psychologie (in Zürich und Bern sind die Fakultäten vereint).

Was bisher geschah: Der Basler Uni-Deal

Alles zum Thema (5)

Verbotene Liebe im Asylheim Reinach? Nein, sagt die Stawa

Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft hat ihr Verfahren gegen die ehemalige Reinacher Asylwohnheim-Mitarbeiterin eingestellt, der sexuelle Handlungen mit einem Abhängigen vorgeworfen wurden.

(Symbolbild) (Bild: sda)

Die Frau hatte sich auf einen mutmasslich minderjährigen Asylsuchenden eingelassen. Die «Basler Zeitung» hatte den Fall im Dezember 2016 mit einem umstrittenen Bericht publik gemacht.

Dass die ehemalige Mitarbeiterin die professionelle Distanz gegenüber dem Asylsuchenden nicht eingehalten hat, ist laut Gemeinderat schon länger klar. Die damalige Mitarbeiterin habe sich aber für alles entschuldigt sowie die Konsequenz gezogen und ihre Stelle gekündigt.

Zur Medienmitteilung der Gemeinde Reinach

«Natürlich werde ich mir den Kopf anschlagen»

Marco Streller vollzieht den Wandel vom Stürmer zum Sportchef des FC Basel. Im Interview schwärmt der 36-Jährige von Trainer Raphael Wicky, er erzählt, was dieser taktisch mit Matias Delgado vorhat und versichert: «Das kommt zu hundert Prozent gut.»

Vor gut zwei Jahren hat Marco Streller die Karriere als Fussballer beendet. Als Sportchef übernimmt er eine Schlüsselfunktion im neuen FC Basel. (Bild: Dirk Wetzel)

Marco Streller, Sie haben als Sportchef den Turm hinter dem Stadion bezogen. Übernehmen Sie das Büro Ihres Vorgängers Georg Heitz?

Da kommt eher meine administrative rechte Hand Roland Heri rein.

Dann übernehmen Sie das Präsidentenbüro von Bernhard Heusler?

Nein, wir haben ja auch einen Präsidenten. Der braucht auch ein Büro.

Bernhard Burgener braucht ein Büro?

Er hat auf jeden Fall eines zugute.

Oft wird der Präsident doch nicht auf der Geschäftsstelle sein.

Das werden wir sehen. Aber wie das genau sein wird, wissen wir noch nicht. Vielleicht übernimmt auch Jean-Paul Brigger das Büro. Es ist ein grosser Umbruch, jeder muss erst seinen Platz finden. Das ist ein Prozess, auch wenn Sie Journalisten dieses Wort nicht mehr hören können.

Sie meinen, weil Ihr letzter Trainer Paulo Sousa dieses Wort ausgiebig benutzte? Also dieser Running Gag ist durch.

Echt? Also gut. Dann nenne ich es Prozess. Am Schluss braucht einfach jeder einen Arbeitsplatz. Wer dabei in welchem Büro sitzt, ist nicht entscheidend.

«Es gibt eine gewisse Skepsis, aber die Menschen in Basel vertrauen mir.»

Haben Sie ihren Tagesrhythmus im neuen Job schon gefunden?

Sie wissen das doch am besten: In diesem Beruf arbeitet man nicht von Montag bis Freitag und fährt pünktlich nach Hause. Die Arbeitszeiten sind intensiv. Vielleicht ist es etwas naiv zu denken, dass es im September oder Oktober ruhiger werden wird.

Vergessen Sie es. Welchen Ratschlag hat Ihnen Georg Heitz mit auf den Weg gegeben?

Dass ich meinen eigenen Weg gehen soll, auch wenn er immer da ist für Ratschläge. Ich müsse meine Fehler machen, so wie er damals auch. Und ich müsse diese akzeptieren, unabhängig von der öffentlichen Meinung. Natürlich werde ich mir den Kopf anschlagen, da bin ich kritisch genug mit mir selbst. Auch in meiner Karriere als Spieler lief nicht alles ohne Zwischenfälle.

Georg Heitz will, dass Sie einen guten Job machen. Spüren Sie das?

Von ganzem Herzen. Genau so, wie ich ihnen von Herzen diesen Abschied gewünscht habe. Bernhard Heusler und Georg Heitz zähle ich zu meinen Freunden. Ich habe nicht im Traum daran gedacht, ihnen den Cuperfolg nicht zu wünschen, nur weil damit für uns Neue der Druck steigt.

Bei Ihrem ersten Auftritt nahmen Sie die Rolle des Lernenden ein. Danach haben Sie sich von Trainer Urs Fischer getrennt. Und nach dieser ersten Entscheidung wirkten Sie bereits mehr oder weniger emanzipiert von der alten Führung. Täuscht dieser Eindruck?

Etwas ist wichtig: Ich musste mir vornehmen, dass ich gewisse Kommentare nicht zu nahe an mich heranlassen darf.

Wie meinen Sie das?

Es ist naiv zu glauben, dass wir uns die Gedanken zu Urs Fischer nicht schon vor unserer Bestätigung an der Generalversammlung gemacht haben. Dann gibt es aber Menschen, die sagen: Wie kann der Streller eine Trainerentscheidung fällen, wenn er noch nicht mal offiziell im Amt ist? Da versuchte ich mich zu rechtfertigen. In diesem Job muss man aber aufhören, sich zu rechtfertigen.

«Ob die Trennung [von Urs Fischer] der richtige Entscheid ist, weiss ich nicht. Aber sie war fair.»

Braucht man als Neuer in Ihrer Funktion rasch eine solche Trennung, um den Druck der ersten Entscheidung loszuwerden?

Ich wusste seit November, dass ich vielleicht diese Funktion übernehme und musste mein ganzes Umfeld im Dunkeln lassen, weil das nicht bekannt werden durfte. Ich hätte gerne alles erzählt, doch ich konnte nicht. Dann machte ich mir Gedanken mit Massimo Ceccaroni und Alex Frei, ob wir mit dem gleichen Trainer in die neue Saison gehen. Urs Fischer hat auf diese Entscheidung gedrängt, weil auch er sich in einem Markt bewegt. Ob die Trennung der richtige Entscheid ist, weiss ich nicht. Aber sie war fair. Mir wird vorgeworfen, dass ich zu harmoniesüchtig sei. Nun hat sich gezeigt, dass ich einen solchen Entscheid fällen kann, wenn es aus unserer Sicht für den FC Basel Sinn macht. Ich musste mir damit aber nicht beweisen, dass ich böse sein kann.

Sie sagten, dass Sie kritisiert werden. Das haben wir bisher nicht so wahrgenommen.

Sehen Sie, das ist genau das Problem. Man stolpert über einen Leserbrief und denkt, das sei die öffentliche Meinung. Die Fragen zu meiner Person sind natürlich berechtigt: Keine Management-Ausbildung, er ist harmoniesüchtig, kann der Streller das? Aber diese Fragen haben sich doch alle auch bei Heusler und Heitz gestellt. Heitz war Journalist, ich war 15 Jahre Fussballprofi. Man muss sich beweisen, und wenn man am Anfang unterschätzt wird, dann kann das gut sein.

Sie werden unterschätzt?

(überlegt lange) Schwierig zu sagen. Was klar ist: Es gibt einige Heckenschützen, die auf einen Fehler von mir warten. Aber der Tenor der Öffentlichkeit ist zu 99 Prozent positiv. Es gibt eine gewisse Skepsis, aber die Menschen in Basel vertrauen mir. Und ich habe ein Team zusammengestellt, das meine Schwächen kompensiert.

«Ich wäre der beste Freund von Matias Delgado, wenn wir die gleiche Muttersprache hätten.»

Was sind denn Ihre Schwächen?

Ich bin administrativ nicht so stark. Es ist schon besser geworden, aber man braucht Menschen neben sich, die auch strukturiert arbeiten können. Ich bin mehr der Bauchmensch und habe meine Stärken im Umgang mit der Mannschaft, in der Kommunikation, ich vertrete nach aussen.

Was waren denn die Stärken in der Präsentation vom neuen Trainer Raphael Wicky? Alle loben diese ja in höchsten Tönen.

Die Präsentationen aller Kandidaten waren hervorragend.

Wer hat denn präsentiert?

Thorsten Fink, Patrick Rahmen und Raphael Wicky.

Peter Zeidler nicht?

Nein, aber ich finde Peter Zeidler einen sehr guten Trainer. Wir hatten zudem noch ein Telefongespräch mit einem Trainer aus dem Ausland, der dann aber nicht unter die ersten Drei kam. Aber zu Ihrer Frage: Ich wollte von Raphael wissen, ob er es sich zutraut, in diesen Kessel zu stehen, nachdem er Trainer der U21 war. Und ich spürte das von der ersten Sekunde an. Er war sehr klar, hat seine Philosophie präsentiert. Seine vielen Sprachen waren mitentscheidend. Wenn man einem Serey Dié auf Französisch begegnet oder Blas Riveros auf Spanisch, dann ist das einfach etwas anderes.

Bisher sprach vor allem Matias Delgado mit Blas Riveros. Fast schon väterlich.

Ich wäre übrigens der beste Freund von Matias Delgado, wenn wir die gleiche Muttersprache hätten. So sind wir einfach nur gute Kumpels, aber um richtig tief zu gehen in der Unterhaltung, braucht es eben die gleiche Sprache.

«Raphael Wicky und ich wollen das gleiche sehen: Leidenschaft und Emotionen.»

Sie sagten, dass Sie und Raphael Wicky sehr viel verbindet. Was meinen Sie damit?

Wir wollen das gleiche sehen: Leidenschaft und Emotionen. Er ist introvertierter als ich, da ergänzen wir uns. Und es hat mich immer beeindruckt, dass er als Vielgereister in Basel eine Heimat gefunden hat. Er ist ein ehrlicher Mensch wie ich und mag es harmonisch. Und trotzdem ist er sehr klar in den Ansagen. Ich sah in mehrmals, wie er in Einzelgesprächen auftritt. Wir ticken jedenfalls sehr ähnlich.

Da werden aber auch schwierige Zeiten auf Sie beide zukommen.

Wir haben das schon angesprochen: Irgendwann könnte der Tag kommen, an dem ich ihm sagen muss: «Wir trennen uns.» Ich verschwende keinen Gedanken daran und bin überzeugt, dass es mit Raphael zu hundert Prozent gut kommen wird – aber wir sind Profis und wissen, dass die Trennung kommen könnte. Man macht uns übrigens immer wieder den Vorwurf, dass wir einander zu nahe seien, weil wir ehemalige Weggefährten sind. Aber wen soll ich denn als Trainer nehmen, mit dem ich noch nie etwas zu tun hatte?

Sie spielten mit Wicky an der Weltmeisterschaft 2006 gegen die Ukraine. Ihr Zungenspiel vor dem Elfmeter hat einen Shitstorm ausgelöst. Hilft Ihnen diese Erfahrung?

Ganz sicher! Ich habe eine dicke Haut und bin gerne bereit, die Verantwortung zu übernehmen. In dieser Hinsicht hat mir die Szene von damals sehr geholfen.

Elf Jahre später und zwei Jahre nach dem Ende Ihrer Spielerkarriere sind Sie bereits Sportchef. Geht das nicht alles sehr schnell?

Ich habe etwa ein Jahr nach der Karriere gemerkt, dass mich das alles nicht erfüllt. Wenn du immer das Adrenalin hattest, dann fehlt das einfach. Und als mir Georg Heitz und Bernhard Heusler sagten, dass sie die Geschäfte gerne mir übergeben würden, da kam alles wieder in mir hoch: Das will ich! Vielleicht hätte ich mir gewünscht, ein Jahr später einzusteigen. Aber es ist kein Wunschkonzert, und schlussendlich muss ich auch sagen: Es war keine Frage von Georg und Bernhard. Es war eine Aufforderung.

«Möglicherweise wird Matias Delgado bei gegnerischem Ballbesitz vor der Abwehr platziert.»

So haben Sie zurückgefunden zum Fussball. Welche Spielweise wird man denn unter dem neuen Trainer sehen?

Ich will keine Kritik üben an Urs Fischer. Wer maximal erfolgreich ist mit dem FC Basel, hat das nicht verdient. Wir wünschen uns aber schnelleres Umschaltspiel, Pressing und höheres Angreifen. Das ist Raphaels Philosophie. Er denkt nicht in Systemen sondern in Zonen.

Wie spielt man denn ein Pressingsystem mit Matias Delgado, dem das nicht sonderlich liegt?

Wenn man sieht, wie Andrea Pirlo zuletzt bei Juventus gespielt hat, dann könnte es in diese Richtung gehen: Möglicherweise wird Matias Delgado bei gegnerischem Ballbesitz vor der Abwehr platziert. Und vorne gibt es Spieler, die andere Qualitäten gegen den Ball haben. Mati braucht Spieler, die für ihn laufen, auch wenn er das niemals von den andern fordern würde. Aber es gibt Typen, die sagen: «Du bist das Genie, ich arbeite für dich.»

Ein interessanter Gedanke, Delgado vor die Abwehr zu ziehen. Das hat man so noch nicht gesehen beim FCB.

Sehen Sie, Raphael ist eben gut.

Pressing ist das eine. Auf der anderen Seite ist der Basler Fussball aufgrund der gegenwärtigen Kräfteverhältnisse in der Liga ein Ballbesitzfussball.

Man kann nicht 90 Minuten Pressing spielen. Mannschaften, die das machen, haben noch ganz andere Mechanismen. Da wird weit nach vorne gespielt, und man geht auf den zweiten Ball.

Kanadisches Eishockey.

Genau, sehr spektakulär für den Gegner. Aber es muss eine Mischung sein: zwischen Ballbesitz, Pressing und Umschaltspiel.

«Bernhard Burgener hat mir mehrere Tricks beigebracht, er war immer ein sensationeller Verhandler. Immer respektvoll, immer freundlich, aber immer hart.»

Der neue Präsident und Besitzer Bernhard Burgener schenkt Ihnen viel Vertrauen. Spüren Sie den Druck, der damit einhergeht?

Druck spüre ich seit 20 Jahren. Bernhard Burgener spricht immer vom föderalistischen Aufbau. Er sagt mir: Du bist für den Sport verantwortlich. Ich will die Aufgabenverteilung nicht mit der unserer Vorgänger vergleichen. Wir machen das auf unsere Art. Jeder hat in seinem Bereich die Verantwortung. Georg Heitz hat beispielsweise weniger kommuniziert als Bernhard Heusler. Ich werde mehr kommunizieren müssen.

Sie sagten, dass Sie viel gelernt hätten von Bernhard Burgener. So lange kennen Sie sich nicht. Was haben Sie denn schon gelernt?

Wie man sich in Verhandlungen verhält. Viel Erfahrung hatte ich darin ja nicht. Er hat mir mehrere Tricks beigebracht, er war immer ein sensationeller Verhandler. Immer respektvoll, immer freundlich, aber immer hart.

Gab es für Sie als Spieler einen Schlüsselmoment in einer Verhandlung, der Ihnen jetzt hilft?

Nein. Denn ich war immer ein einfacher Verhandlungspartner. Ich wusste immer, was ich wert war. Und meistens hat das Gegenüber schnell gesagt: Ja, das bist du wert.

Heisst das nicht einfach, dass Sie mit zu tiefen Forderungen eingestiegen sind?

Ich habe mich nie über Geld definiert.

Als Sportchef müssen Sie Verhandlungen über Geld definieren. Denn es geht nicht mehr um Ihr eigenes, sondern um das des FC Basel.

Das ist richtig. Ich musste mich unter anderem auch ganz schnell von der Vorstellung lösen, dass noch alles so ist wie damals, als ich jung war. Denn sonst wirst du wahnsinnig bei den Forderungen der Jungen! Für mich stand damals noch im Vordergrund, dass ich spielen kann.

Sie dachten doch auch ans grosse Geld.

Ach! Als mich Hanspeter Latour anrief und mich zu Thun holen wollte, da habe ich doch kein Wort über das Geld verloren. Ich war für 4000 Franken brutto Torschützenleader der Super League mit 13 Toren. Mit 4000 Franken brutto! Keine Ahnung, ob sich heute ein junger Spieler dafür einen Schuh schnürt.

Was sagt das über die Junioren aus?

Darüber darf man sich nicht zu viele Gedanken machen. Der Markt hat sich einfach verändert. Weil es Vereine gibt, die die jungen Spieler sehr aggressiv zu sich holen – einen 16-Jährigen für 10’000 Franken im Monat zum Beispiel.

Das kann nicht gesund sein.

Es ist Fakt. Ich mache den Jungen auch keinen Vorwurf. Schauen Sie sich doch mal die Clubs in der Youth League an. Die holen sich eine Handvoll unglaublich gute 16-Jährige, zusammen für fünf Millionen. Und mit einem von denen machen Sie dann irgendwann 50 Millionen. Das ist die Vorgehensweise in diesen Tagen. Deswegen ist es wichtig, den Jungen einen Karriereplan zu machen, und da sind die guten Agenten gefragt, die es eben auch gibt.

«Ich werde mich im ‹Saal 12› zeigen. Und Bernhard Burgener nimmt den Dialog mit der Kurve auch sehr ernst.»

Früher waren beim FCB die Entscheidungswege sehr kurz. In der neuen Vereinsführung gibt es sehr viel Köpfe. Birgt das ein Risiko?

Wenn man es negativ betrachtet, dann ist das so. Aber wir haben hier eine Gruppe von Experten zusammen, die wirklich etwas von Fussball versteht, und die Themen auch kontrovers diskutiert. Jetzt sind wir offiziell gut zwei Wochen im Amt, das muss sich alles erst einpendeln. Mit der Vergangenheit müssen wir abschliessen und unsere Wege finden.

War denn beispielsweise Bernhard Burgener involviert in den Verhandlungen mit Ricky van Wolfswinkel?

Verhandelt haben wir ohne den Präsidenten. Wichtig ist für mich einfach, dass wir ein Budget haben. Dieses gibt er uns vor, und damit können wir frei arbeiten. Er ist aber immer informiert und freut sich, dass wir diesen Transfer machen konnten.

Wie geht die neue Vereinsführung mit der Fanthematik um: Müssen Sie als Held der Kurve mehr tun?

Bernhard Heusler hinterlässt da ein unglaubliches… (überlegt)…

…Vakuum?

Ja. Ich habe das Standing, aber keinen juristischen Hintergrund. Wie viel Fanarbeit ich neben meinem Job als Sportchef machen kann, wird sich zeigen. Aber ich werde das Gespräch suchen und mich auch immer mal wieder im «Saal 12» zeigen. Bernhard Burgener wird aber auch im Dialog sein mit der Kurve, er nimmt das sehr ernst.

Kann Jean-Paul Brigger als Delegierter aus dem Wallis diese Aufgabe übernehmen?

Können ja. Aber er muss sich das Vertrauen bei den Fans erst erarbeiten. Dafür hat er unsere volle Unterstützung. Weil er ein unglaublich guter Mensch und ein unglaublich guter Kommunikator ist. Aber in der Kurve gibt es ganz viele, die sagen: Er hat halt nie für den FC Basel gespielt. Dass sie mir mehr vertrauen, ist normal.

«In der Kaderplanung ist wichtig, schnell zu sehen, ob einer aus dem Nachwuchs schon in der ersten Mannschaft spielen kann.» – Marco Streller (links) im Interview mit den TagesWoche-Redaktoren Christoph Kieslich (Mitte) und Samuel Waldis.

Wie haben Sie den Moment erlebt, als Jean-Paul Brigger bei der Generalversammlung nicht in den Vorstand gewählt wurde?

Das war ein glückloser Umstand. Nicht mehr und nicht weniger. Auf unsere Arbeit wirkt sich das nicht aus. Denn er ist danach mit einer guten Mehrheit in die FC Basel 1893 AG gewählt worden. Für alles Operative war das die wesentlichere Frage. Wenn das auch nochmals abgelehnt worden wäre, wäre es schwierig geworden.

Haben Sie Jean-Paul Brigger schon getroffen?

Wir haben telefoniert. Er ist ein wunderbarer Typ.

Wo werden Sie bei den Spielen künftig sitzen? Auf der Bank?

Nein. Das kommt nicht in Frage und wäre nicht meine Art.

Wo haben Sie denn bis jetzt die Spiele verfolgt?

Auf dem Balkon in der Mitte, mit der Familie. Von dort aus hatte ich eine sehr gute Sicht auf das Spielfeld.

Dann behalten Sie doch einfach diese Plätze.

(lacht) Die Jahreskarte gilt ohnehin bis Ende Jahr! Diese Plätze habe ich jetzt halt. Georg Heitz sass auf dem Journalistenplatz, das muss aber jeder selber wissen. Auf der Bank zu sitzen würde mich verpflichten, das bei jedem Spiel zu tun. Es kann aber auch mal vorkommen, dass Remo Gaugler und ich nicht beide beim Spiel sind.

«Stocker macht die Fans in Basel ein wenig nervös. Aber es sieht nicht so aus, als würde er im Sommer zurückkehren.»

Gaugler hat einen neugeschaffenen Posten übernommen. Was macht ein Kaderplaner?

Er plant das Kader.

Das macht doch der Sportchef.

Alles eine Frage der Interpretation. Remo hilft mir mit seiner Erfahrung als Sportchef. Er ist nahe bei der Mannschaft, er hat ein sehr gutes Auge, das ergibt eine Schnittstelle mit dem Scouting, wenn Ruedi Zbinden beispielsweise mal im Ausland ist. Er hat einen guten Draht zum Nachwuchs. In der Kaderplanung ist wichtig, schnell zu sehen, ob einer aus dem Nachwuchs schon in der ersten Mannschaft spielen kann.

Zwischen diesen Rollen herrschen also fliessende Grenzen. Raphael Wicky weiss ja als ehemaliger U21-Trainer, ob einer bereit ist für die erste Mannschaft.

Deswegen ist es auch schwierig zu sagen, wer genau was macht. Wir haben ein Team, dessen sportlicher Leiter ich bin. Wie ich meine Jungs und mich selbst einsetze, ist meine Sache.

Ihr erstes Versäumnis auf dem Transfermarkt war, dass nicht Sie Walter Samuel eingestellt haben, sondern der FC Lugano.

Der stand bei uns auch auf dem Zettel. Als Assistent. Ich habe bei der Meisterfeier gemerkt, wie unglaublich gerne ich Walter habe.

Zu Ricky van Wolfswinkel: Stammt diese Verpflichtung noch aus den Dossiers der alten Sportführung?

Nein, das ist unser Transfer.

Der spielt ähnlich wie Marco Streller, oder? Er weicht auf die Seite aus, macht die Gassen auf.

Richtig. Er ist einer, der dir in der Schweiz eine gewisse Anzahl Tore garantiert. Er ist beweglich und spielt mannschaftsdienlich, definiert sich aber nicht nur über die Tore. Deswegen ist er ein ähnlicher Spieler, wie ich es war.

Von Hertha Berlin klingt es so, als würden sie Valentin Stocker ziehen lassen, wenn er einen neuen Verein findet. Kommt er zum FCB zurück?

Ich habe keinen Kontakt zu Hertha Berlin. Vali macht die Fans in Basel ein wenig nervös. Dass er seine Karriere hier beenden wird, ist Fakt. Aber momentan sieht es so aus, dass er nicht in diesem Sommer zurückkehrt.

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Wegen diesen drei Frauen müssen Sie heute alle ins «Parterre»

Die israelische Girlband A-WA mischt jemenitischen Folk mit Elektro-Pop-Beats – so grossartig, dass man nicht mehr davon loskommt. Heute Abend kommen sie ins «Parterre». Alle hin!

Wohin wollen diese drei Damen?

Hierhin:

Hinter der knallpinken Girl-Kombo stecken die drei Schwestern Tair, Liron und Tagel Haim aus Israel. Das Video ist sinnbildlich für ihre Musik: Hijabs treffen auf Adidas-Trainer, Gewänder auf Sneaker, jemenitische Gesänge auf Tel Aviver Beats.

Jetzt kommen die drei Schwestern nach Basel und werden ihrem Namen – kein Zweifel – alle Ehre machen: A-WA bedeutet in arabischem Slang so viel wie: «Yeah». Yeah!

A-WA, «Parterre», 20:30 Uhr.