Neubau-Bewohnern fallen die Decken auf den Kopf

Nicht luxuriös, sondern baufällig: Die Stimmung in den Birsmatt-Neubauten in Aesch ist angespannt. Wegen Baumängeln müssen die Verantwortlichen sanieren und die Bewohner kurzfristig umsiedeln.

Kaum bezogen, schon renovationsbedürftig: Überbauung Birsmatt in Aesch. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Exklusiv ist die Wohnlage zwischen Bahnhof und Kantonsstrasse in Aesch nicht. Agglo-Träume werden woanders wahr.

Keine einfache Lage für einen Immobilien-Investor also. Entsprechend blumig beschreibt die Eigentümerin, die Luzerner Pensionskasse, ihre neue Renditeliegenschaft in Aesch, die Birsmatt-Überbauung: «Exquisite Designs sowie ausgewählte Materialien», «zeitlos und dennoch modern», «mit viel Liebe zum Detail ausgestattet – für ein langes Wohnerlebnis» seien die Domizile.

Doch davon merken die angelockten Mieter bisher nichts. Ihr Wohnerlebnis wurde schon nach wenigen Monaten jäh unterbrochen. Bezugsbereit waren die Wohnungen Ende November 2016 – erste gravierende Baumängel zeigten sich noch im selben Jahr.

Einige der «ausgewählten Materialien» liessen sich nämlich plötzlich aus der Nähe betrachten: Eines Tages lagen ganze Deckenputzstücke auf dem Schlafzimmerboden. Fortan hätten die Verantwortlichen nicht mehr überschwänglich, sondern nur noch langsam mit den Mietparteien kommuniziert, haben Letztere der TagesWoche erzählt.

Zu den Leidtragenden gehören etwa Sandra Grün und Peter Lauber (Namen geändert). Im Februar zog das Paar zum ersten Mal gemeinsam in eine der Neubauwohnungen. Ein Brief der Verwaltung im April sorgte für Stirnrunzeln: Er forderte die Mieter auf, Termine für einen vorübergehenden Wegzug anzugeben. «Uns traf der Hammer», sagt Grün. «Wir dachten, wir hätten die Züglerei hinter uns. Da begann das Ganze von vorne.»

Es regnet Putz

Den gleichen Brief erhielten auch die Nachbarn vis-à-vis. Andrea und Mike – auch sie heissen anders – gehörten zu den ersten Mietern im neuen Haus und erlebten alles von Beginn weg. Kurz nachdem sie im November 2016 eingezogen waren, kursierten schon Geschichten von herabfallenden Decken in der Nachbarschaft. Gleich in zwei anderen Wohnungen lagen plötzlich Stücke vom Verputz am Boden. In der Tiefgarage wurde gar ein Fahrzeug beschädigt. Zum Glück wurde bei all den Vorfällen niemand verletzt.

Ausgewählte Materialien auf dem Fussboden: Deckenputz auf dem erlesenen Parkett.

Die Luzerner Pensionskasse (LUPK) – kein überforderter Privater, sondern eine erfahrene Immobilienbesitzerin – beauftragte die Generalunternehmerin Losinger-Marazzi AG mit dem Bau und die Gribi Real Estate AG mit der Verwaltung. Gegenüber den Mietern informierten alle drei zu diesem Zeitpunkt nur spärlich. «Wir fragten immer wieder nach, haben aber keine Antwort erhalten», sagt Mike.

Erst mit den Briefen erfuhren die Mieter, was los war. Sämtliche rund 100 Wohnungen, die zum grössten Teil belegt sind, müssen saniert werden. Wie viele Mietparteien genau umsiedeln müssen, will die LUPK nicht offenlegen.

Geringe Entschädigung

Für zwei Wochen müssen die Bewohner mit ihrem ganzen Hausrat in eine andere Wohnung umziehen – um dann am Ende erneut in ihre Wohnung zu zügeln. Ein Aufwand, den die Besitzerin mit pauschal 1000 Franken pro Haushalt und einer halben Monatsmiete entschädigt. Unabhängig von der Wohnungsgrösse. «In unsere fünf Zimmer passt aber mehr Hausrat als in kleinere Wohnungen. Das sollte berücksichtigt werden», fordern Grün und Lauber, die während der Renovationsphase in eine kleinere Wohnung mit weniger Zimmern umziehen mussten.

Zweimal zügeln hält besser: Umzugsstress an der Birsmatt. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Kein Gehör für die Forderung hat die LUPK. Die Pensionskasse wehrt sich: Mit dem reduzierten Mietzins sei für den Ausgleich zwischen den unterschiedlich grossen Wohnungen zur Genüge gesorgt.

Warum den Bewohnern die Decken auf den Kopf zu fallen drohen, sprich, was die Ursache für den ganzen Schlamassel ist, werde derzeit noch untersucht, lassen sie weiter wissen. Bis im Herbst sei die Instandstellung der Wohnungen dann aber abgeschlossen.

«Bis dahin sollten die Mieter sich mit keiner Entschädigungssumme für einverstanden erklären», empfiehlt Urs Thrier, Leiter des Baselbieter Mieterverbandes. «Bis die Sanierungsarbeiten fertig sind, können noch weitere Beeinträchtigungen hinzukommen, die eine höhere Entschädigung rechtfertigen würden.»

So wie der Fall Birsmatt im Moment liege, halte er einen erlassenen Monatszins im Hinblick auf die Praxis der Schlichtungsstelle für angemessen, sagt Thrier. In der Birsmatt ist das aber nicht bei allen Mietobjekten der Fall.

Für Thrier sind die Mängel der Birsmatt-Neubauten nach 23 Jahren Erfahrung im Mieterverband einzigartig: «Dass Mieter von älteren Mietobjekten vorübergehend wegziehen müssen, kommt gerne vor. Aber an einen Fall bei einem Neubau kann ich mich nicht erinnern.» Die träge Kommunikation der Verwaltung sei dagegen üblich: «Sie ist heute dem Besitzer verpflichtet, nicht wie früher dem Mieter. Darum ist jeder Anruf der Bewohner ein Ärgernis.»

Mike und Andrea werden das Ende der Bauarbeiten nicht abwarten. Auf ein vorübergehendes Wegziehen haben sie keine Lust. Sie sind auf Wohnungssuche. «Demnächst fällt auch unsere Decke herunter», sagt Andrea. Tatsächlich zeigt der Verputz bereits bedrohliche Dellen. Vielleicht ziehen die beiden gerade noch rechtzeitig aus. Bevor auch bei ihnen plötzlich die Decke am Boden liegt. Oder noch schlimmer: Auf den Kopf fällt.

Die Decke von Mike und Andrea bleibt wohl nicht mehr lange oben. (Bild: Alexander Preobrajenski)

451-Millionen-Defizit glatt genehmigt

Der Grosse Rat hat die Staatsrechnung 2016 genehmigt. Sie ist weit besser als budgetiert: Statt eines geplanten Minus von 952,3 Millionen resultierte ein Minus von 451,5 Millionen Franken. Ohne PK-Sanierung wäre die Rechnung schwarz.

Trotz Defizit erfreut: Das Parlament segnet die Staatsrechnung von Finanzdirektorin Eva Herzog ab. (Bild: Dominique Spirgi)

Ins Minus gerät die Staatsrechnung, weil die Pensionskasse des Staatspersonals mit rund einer Milliarde Franken saniert wird. Ansonsten hätte Basel-Stadt einen Überschuss von 562 Millionen.

Dass die Rechnung 2016 unter dem Strich eine halbe Milliarde besser ausfiel als budgetiert, erklärt die Regierung insbesondere mit unerwartet hohen Steuereinnahmen und einem deutlich höheren Finanzergebnis.

Das Parlament genehmigte die Rechnung einstimmig. Themen in der Debatte waren:

  • die für den Kanton voraussichtlich teure Unternehmenssteuerreform.
  • die angespannte Beziehung zum klammen Baselbiet und dessen Sparbemühungen zulasten von Basel-Stadt.

Wonder Woman, du bist nicht die einzige: Sieben Actionfilme mit Frauen in der Hauptrolle

«Wonder Woman» rockt, nur weil eine Frau in der Hauptrolle spielt? Naja. 7 Alternative Blockbuster – alle mit Protagonistin, alle besser.

Alles Wonder Women, ganz ohne Gender-Hype.

«Endlich mal ein Actionfilm mit einer Frau in der Hauptrolle!», rief die Freundin beglückt und fing an, die Vorzüge des neuen «Wonder Woman»-Films aufzuzählen. Alle hatten mit der Tatsache zu tun, dass die Protagonistin eine Frau ist.

Nicht falsch verstehen: Es ist grossartig, wenn Blockbuster Frauen an die Spitze stellen. Und nötig, absolut. Es sollte auch selbstverständlich sein, sodass man nicht jeden Film hochloben muss, nur weil jetzt eine Frau die Bösewichte vermöbelt.

Dass der Film Tausende Zuschauerinnen zum Weinen bringt, hat weniger mit Female Empowerment als mit geschickt eingesetztem Pathos zu tun. Und das «Endlich!»-Japsen zieht hier auch nicht. Girls, es gibt eine Menge Actionfilme mit Frauen in den Hauptrollen – mit ganz vielen Wonder Women und keiner einzigen «Wonder Woman».

1. Das Killermädchen: «Hanna»

Saoirse Ronan rennt als irre Profikillerin durch einen verlassenen Vergnügungspark. Dazu harte Technobässe, Schnee, Blut, Tilda Swinton. Mehr brauchts nicht für einen starken Frauenfilm.

2. Die Urmütter: «Faster Pussycat! Kill! Kill»

Eigentlich sollte hier jeder Russ-Meyer-Film stehen. Sexploitation? Starke, crazy Frauen mit massiven Persönlichkeitsstörungen und Oberschenkeln! Wonder Woman, deine Mutter! Wörtlich.

3. Die Maschine: «Kill Bill»

Wer Meyer sagt, muss auch Tarantino sagen. Oder umgekehrt. Auf jeden Fall gehört in diese Liste auch ein von Meyers Superfrauen inspirierter Film. Und das sind die meisten Tarantinos. Allen voran: Na was wohl. Uma Thurman badet in Kunstblut und zeigt ihre Knöchel.

4. Die Superfrau: «Lucy»

Hübsche Lucy wird durch synthetische Superdroge zur Tötungsmaschine. Sie schlägt und brüllt und tritt und killt – und hat am Ende das Universum begriffen. Bisschen deliranter Kitsch, aber oh so powerful.

5. Die Mädchen, die man immer sein wollte: «Tiger Girl»

Zwei starke Mädchen, die ihre Umwelt behandeln wie… na wie zwei Jungs. Aber genau das schmettert einem der Film eben nicht ständig ins Gesicht. Die beiden sind halt einfach zwei coole Menschen. Und dabei… ah ja, genau, Mädchen. Nice!

6. Die moderne Ronja Räubertochter: «The Hunger Games»

Nach «Twilight» hatten wir die Hoffnung auf gute Jugendbuch-Verfilmungen aufgegeben. Aber dann kam Jennifer Lawrence als moderne Ronja Räubertochter und trat dem Regime in den Arsch. Eine Wohltat nach all der Blutleere.

7. Die Unzerstörbare: «G.I. Jane»

Sich von sonnenbebrillten Schnauzträgern rumkommandieren lassen? Mit blutverschmiertem Gesicht «Suck my Dick» brüllen? 100 einarmige Liegestützen? Kein Problem für Demi Moore, die sich hier ins männlichste aller Filmgenres einmischt: Kriegsfilme.

Astra-Direktor beschwört Verkehrs-Kollaps für Basel

Im Interview mit der «Basler Zeitung» zeichnet Astra-Direktor Jürg Röthlisberger ein düsteres Bild der Verkehrs-Zukunft in der Region Basel. Sein Rezept: «Verkehrsflächen ausbauen». Von verkehrsberuhigten Städten scheint er wenig zu halten.

Stau auf der Autobahn zwischen Basel und Zürich auf der Höhe Pratteln: droht tatsächlich der Kollaps? (Bild: Keystone / Gaetan Bally, All rights reserved)

Eine Reduktion des Autoverkehrs um zehn Prozent in der Stadt, wie es Basel-Stadt anstrebt: Dafür hat Astra-Direktor Jürg Röthlisberger wenig Verständnis. «Dieser Volksentscheid hat uns sehr überrascht», sagt er gegenüber der BaZ, und fügt an: «Dieses Ziel steht aus unserer Wahrnehmung völlig quer in der Landschaft.»

Autos im Stau stehen ebenfalls quer in der Landschaft. Das überrascht den Chef des Bundesamts für Strassen weniger. Sein Rezept: mehr Strassen. Und breitere. In die Städte hinein. Ansonsten, so prophezeit Röthlisberger: Verkehrs-Apokalypse!

Aber die Zentren spielen nicht mit. Röthlisberger weiss das: «Was wir wollen, steht natürlich voll im Widerspruch zum Auftrag der Bevölkerung.» An alternative Lösungen – etwa Parkmöglichkeiten vor den Städten – denkt der Meister der Strassen nicht.

Lesen Sie das ganze Interview in der BaZ:
«Ohne neue Verkehrsfläche kollabiert die Region»

So trainiert der FC Basel am Tegernsee

Regen und Sonne, Schweiss und Spass – alles ist dabei in den Tagen von Rottach-Egern am Tegernsee, wo der FC Basel seine Saisonvorbereitung vorantreibt. Eine Auswahl von Bildern aus dem Trainingscamp. 

Forscher fürchten: Die Uni wird ihr Renommee verlieren

Die Universität muss 44 Millionen Franken sparen. Kein Problem, finden die Bildungsdirektoren beider Basel, die Uni könne ihr Niveau trotz der Sparpläne halten. Doch Forscher aus den Life Sciences und der Philosophisch-Historischen Fakultät sehen das anders.

Exzellenz? Unabhängigkeit? (Bild: Nils Fisch)

Alles super bei der Universität Basel – diesen Eindruck hätte erhalten können, wer den Regierungen beider Basel zuhörte, als sie am Montag den neuen Leistungsauftrag für die Uni präsentierten. Sie muss zwar bis 2021
44 Millionen Franken sparen. Doch die Erziehungsdirektoren Conradin Cramer (LDP) und Monica Gschwind (FDP) beschwichtigten: «Es gibt deswegen keinen Leistungsabbau.»

Ganz anders sehen es die Forscher der Universität selber. Egal ob man bei den Sprachwissenschaftlern, bei den Chemikern oder den Biologen anruft: Sie machen sich Sorgen um das Renommee der Universität, sie fürchten einen Leistungsabbau. Ja, auch bei den Life Sciences, die Monica Gschwind nach eigenen Aussagen in Zukunft stärken will.

«Es braucht Jahrzehnte, um ein gutes Renommee aufzubauen, aber nur wenige Jahre, um es zu verlieren.»
Erich Nigg, Direktor Biozentrum

Erich Nigg, Direktor Biozentrum.

Erich Nigg ist Direktor des Biozentrums. Er findet es positiv, dass die Universität nun konkrete Zahlen bis zum Jahr 2021 hat. Wie die Sparmassnahmen bis dahin umgesetzt werden, müsse jetzt sorgfältig geprüft werden. Was die weitere Zukunft angeht, wünschte sich Nigg eine langfristige Planung über vier Jahre hinaus. «Eine Stop-and-go-Taktik ist für eine Universität nicht gut. Es braucht Jahrzehnte, um ein gutes Renomee aufzubauen, aber nur wenige Jahre, um es zu verlieren.»

Das Biozentrum hat diese Ausstrahlung, es beruft Spitzenforscher von ausgezeichneten amerikanischen Universitäten wie Harvard oder Columbia. Doch die Leuchttürme unter den Forschern sind schnell weg, sagt Nigg: «Und dann haben wir eine Uni, die ein bisschen weniger kostet, aber sehr viel weniger Ausstrahlung hat.»

Gretchenfrage: Wie viel Input für guten Output?

Es ist eine der Gretchenfragen jedes Staates, eine, die Ökonomen seit Jahrzehnten umtreibt – und ihre Geister scheidet: Wie viel Geld muss der Staat investieren, damit die Wirtschaft einen rechten Output generiert? Und wie fest kann man am Geldhahn drehen, bevor die Wirtschaft austrocknet? Nur: Die Universität ist nicht gleich Wirtschaft, sie ist etwas zwischen Staat und Wirtschaft. Wie nahe sie dem einen oder dem anderen sein soll, auch bei dieser Frage scheiden sich die Geister, zumindest in der Politik.

Wenn es nach der Baselbieter Bildungsdirektorin Gschwind geht, soll
die Universität näher zur Wirtschaft rücken: «Die Universität soll unabhängiger werden von den Kantonen, sie soll mehr Drittmittel generieren.»

Kann sie das?

Biozentrum-Direktor Erich Nigg sieht Grenzen. Die Universität Basel ist heute bereits Spitzenreiterin bei den Drittmitteln, keine andere Schweizer Universität bekommt mehr Gelder von externen Geldgebern wie Forschungsfonds, Stiftungen, Privaten. Das zeigen die Zahlen des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, welche die UniBasel aufbereitet hat. «Es ist durchaus möglich, dass die Universität noch etwas zulegt», sagt Nigg, «doch ich bezweifle, dass sie die ganzen Sparmassnahmen durch Drittmittel kompensieren kann.»

Wer zahlt, will mitreden

Man muss aber auch die Frage stellen: Will man überhaupt, dass Private die Uni finanzieren?

Einer, der diese Frage stellt, ist Georg Funk, physikalischer Chemiker am Kompetenzzentrum für Computerwissenschaften. «Die Gesellschaft sollte sich vielleicht einmal fragen, ob sie zweckfreie Forschung oder, plakativ gesagt, «Produktentwicklung» wünscht.» In der Wissenschaft gilt wie überall: Wer zahlt, will auch mitreden.  Private, die in Forschung investieren, haben in der Regel ein Ziel; sie wollen ein Medikament, eine Technologie auf den Markt bringen und daran verdienen. Je mehr Drittmittel man einholt, desto mehr kommt deshalb die Grundlagenforschung unter Druck. Also die Forschung, die um des Wissens willen forscht, ohne Hintergedanken.

«Man darf die Grundlagenforschung und die Auftragsforschung nicht vermischen, sonst gefährdet man die Spitzenstellung der Universität.»
Thomas Meier, CEO Santhera Pharmaceuticals

Dieses Risiko sehen auch Forscher, die selber Produkte für den Markt entwickeln, etwa Thomas Meier, CEO der Santhera Pharmaceuticals Holding in Liestal. Meier hat einst an der Universität Basel habilitiert und war Forschungsgruppenleiter am Biozentrum. Bis er, als erster Forscher am Biozentrum, ein Start-up mit dem Namen MyContract gründete. 2004 entstand daraus das Pharmaunternehmen Santhera, das Medikamente gegen neuromuskuläre und mitochondriale Erkrankungen entwickelt und vermarktet.

Ohne Grundlagenforschung keine Innovation

Thomas Meier, CEO Santhera Pharmaceuticals.

Obwohl Meier heute selber in die Privatwirtschaft forscht, sagt er: «Man darf die Grundlagenforschung und die Auftragsforschung nicht vermischen, sonst gefährdet man die Spitzenstellung der Universität.» Das ist seine persönliche Sicht. Dafür hat er mehrere Gründe: Mit der Grundlagenforschung holt man Spitzenwissenschaftler. Die grösste Währung sind die Publikationen in anerkannten Journals und die Einladungen an Kongresse. Doch bei Auftragsforschungen dürfen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse oft nicht publizieren, da die Auftraggeber sie geheimhalten möchten. Die Forscher können sich keinen Namen machen.

«Weniger Geld heisst mehr Arbeit für weniger Personal heisst weniger Zeit für die Drittmittelakquisition.»
Thomas Grob, Dekan Phil.-Hist. Fakultät

Kommt hinzu: Ohne Grundlagenforschung entstehen häufig gar keine Spin-offs wie das von Meier. «Wenn man frei forschen kann, kommt man besser auf innovative Ideen», sagt er. Das bringt der Wirtschaft durchaus etwas: Diese Spin-offs ziehen nämlich wiederum zahlungskräftige Firmen an, die Interesse an deren Erkenntnissen und Technologien haben. Zwar investieren sie dann vielleicht in die Start-ups und nicht in die Universität, stärken aber dennoch den Forschungs- und Wirtschaftsstandort. So dient die Universität indirekt als Wirtschaftsmotor, «doch staatliche Finanzierung ist dafür unverzichtbar», sagt Meier.

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Thomas Grob, Dekan der Historisch-Philosophischen Fakultät.

Thomas Grob ist Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät und Leiter des Fachbereichs Slavistik. Auch er macht sich Sorgen. «Wir haben jetzt schon ein enges Budget», sagt er. Weniger Geld heisse mehr Administrationsarbeit für weniger Professuren und Assistenten. «So bleibt weniger Zeit für andere Aufgaben, etwa die, Drittmittel zu generieren.»

Dabei hat auch die Philosophisch-Historische Fakultät bereits einen hohen Anteil an Drittmitteln. Gemäss Geschäftsführer Roberto Lazzari machten sie im Jahr 2014 42 Prozent des Gesamtbudgets* aus – das ist im Verhältnis etwa gleich viel wie in Bern (39 Prozent) und deutlich mehr als in Zürich (21 Prozent). Hauptquelle für Drittmittel ist für viele Fakultäten der Schweizerische Nationalfonds.

* Inklusive Fakultät für Psychologie (in Zürich und Bern sind die Fakultäten vereint).

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