Diese Firmen profitieren von der Steuerreform – und diese zahlen mehr

Zahlen der Basler Steuerverwaltung zeigen, wer von der Unternehmenssteuerreform III am meisten profitiert. Die grossen Pharma-Firmen sind es nicht.

Manche Firmen kriegen mit der USR III massive Steuerrabatte, einige müssten nach der Reform aber mehr Steuern zahlen.

(Bild: GAETAN BALLY)

Zahlen der Basler Steuerverwaltung zeigen, wer von der Unternehmenssteuerreform III am meisten profitiert. Die grossen Pharma-Firmen sind es nicht.

Unter dem Strich zahlen alle Firmen in der Schweiz mit der Unternehmenssteuerreform III vielleicht drei Milliarden weniger pro Jahr. So sicher weiss man das nicht. Was man aber jetzt schon weiss, ist, welche Firmen von der Reform profitieren. 

Manche können ihre Steuerrechnung drastisch senken, einige zahlen nach der Reform gar mehr. Zum Beispiel die Basler Pharma-Riesen, die bisher wegen Steuerprivilegien wenig Steuern zahlten. Die Privilegien muss die Schweiz abschaffen. Dafür soll es neue Instrumente geben, mit denen Firmen Steuern sparen können. 

Die Kantone müssen aber auch Gewinnsteuern senken, sobald die Privilegien aufgehoben sind. In Basel-Stadt sollen sie von 22 auf 13 Prozent sinken. Auch die ordentliche Kapitalsteuer soll von 5,25 auf 1 Promille gesenkt werden. Von den Satzsenkungen profitieren vor allem jene Firmen, die bisher ordentlich besteuert wurden.

Angenommen, die Reform kommt am 12. Februar durch und der Kanton Basel-Stadt setzt sein Massnahmenpaket wie geplant um, hätte das erhebliche Folgen für die Unternehmen. Welche Folgen, das zeigen folgende fünf Beispiele von Firmen, die zwar erfunden sind, aber so in der Realität vorkommen könnten.*

Die Pharma-Firma, die ihr Steuerprivileg verliert

Das Pharma-Unternehmen Tavela stellt hauptsächlich Medikamente zur Behandlung von Hautkrankheiten her. Zum Beispiel gegen Schuppenflechten und Hautkrebs. Die Firma hat ihren Hauptsitz seit 40 Jahren in Basel, wo sie rund 3500 Mitarbeiter beschäftigt.

Bisher durfte die Firma ein Steuerprivileg anwenden, weil sie den Status einer gemischten Gesellschaft hatte. So zahlte sie bis heute 11 Prozent Gewinnsteuern. Nach der Reform werden die Gewinne am Standort Basel ordentlich besteuert, neu zu 13 Prozent. Weil die Firma viele Patente besitzt, kann sie ihre Gewinnsteuern noch etwas senken.

Die Firma erwirtschaftet fast alle Gewinne mit Patenten. Sie muss diese Gewinne laut neuem Gesetz nur noch zu 10 Prozent versteuern. Wegen der Entlastungsbegrenzung, die in Basel-Stadt bei 40 Prozent liegt, sind die Abzüge aber begrenzt. Die Firma kann ihre Gewinnsteuerbelastung mithilfe der Patentbox von 13 auf 11 Prozent senken – zahlt also gleich viel Gewinnsteuern wie vor der Reform.

Bei der Kapitalsteuer genoss Tavela bisher auch ein Privileg. Bislang zahlte sie nur 0,5 Promille Steuern auf ihrem Kapital statt der ordentlichen 5,25 Promille. Dieses Privileg fällt ebenfalls weg. Die Kapitalsteuer beträgt neuerdings 1 Promille für alle Unternehmen. Also zahlt Tavela hier mehr Steuern nach der Reform.

Eigenkapital: 1 Milliarde/Gewinn: 300 Millionen

(Alle Angaben in Schweizer Franken)

 

Das Burger-Restaurant, das rote Zahlen schreibt

Drei Jung-Unternehmer gründeten das Restaurant Wutburger im St. Johann mit einem Startkapital von 100’000 Franken. Das Geschäft läuft noch nicht so gut, der Betrieb ist nach zwei Jahren im Defizit.

Gewinnsteuern müssen die Jung-Unternehmer deshalb keine zahlen, nur Kapitalsteuern. Sie profitieren von der Steuerreform nicht direkt. Sie sparen aber 425 Franken pro Jahr, wegen der Senkung der Kapitalsteuer von 5,25 auf 1 Promille.

Eigenkapital: 100’000/Gewinn: –

 

Der Beleuchtungs-Techniker, der hohe Rendite erzielt

Digilamp ist einer der grossen Profiteure der Reform. Die Firma gibt es seit 15 Jahren und sie installiert Beleuchtungstechnik in Büros. Als eines der ersten Unternehmen setzte Digilamp auf LED- und Smart-Grid-Technik. In Basel beschäftigt die Firma 40 Angestellte, die einen Gewinn von drei Millionen Franken erwirtschaften.

Vor der Reform hatte Digilamp kein Steuerprivileg. Die Firma zahlte deswegen Gewinnsteuern zum ordentlichen Tarif von 22 Prozent. Nach der Reform liegt der Gewinnsteuersatz bei 13 Prozent. Digilamp zahlt also viel weniger Steuern.

Die Patentbox und zinsbereinigte Gewinnsteuer kann Digilamp nicht anwenden, weil die Firma keine Patente angemeldet hat und zu wenig Eigenkapital besitzt.

Weil in Basel-Stadt auch der ordentliche Kapitalsteuersatz sinkt, kommt die Firma nach der Reform auf fast die Hälfte ihrer Steuerbelastung.

Eigenkapital: 20 Millionen/Gewinn: 3 Millionen

 

Der Verpackungs-Spezialist, der in Basel einen Zweitsitz hat

Die Firma Packpan stellt Fliessband-Maschinen her, die Produkte verpacken. Zum Beispiel Maschinen, um Milch in Tetrapacks abzufüllen, oder Pillen in durchsichtige Hüllen einzupacken.

Packpan produziert die Maschinen in den USA, wo sich der Hauptsitz der Firma befindet. In Basel unterhält sie ihren Europasitz mit rund 25 Mitarbeitern. Von hier aus laufen Vertrieb und Handel. Die Firma hatte als Handelsgesellschaft bisher ein Steuerprivileg. Nun fällt das Privileg weg.

Die Firma kann die Patentbox und zinsbereinigte Gewinnsteuer nicht anwenden. Also zahlt sie nach der Reform mehr, weil sie von ihrer privilegierten Gewinnsteuerbelastung von 10 Prozent auf den ordentlichen Satz von 13 Prozent kommt.

Eigenkapital: 10 Millionen/Gewinn: 5 Millionen




 

 

Die Software-Entwickler, die mit einer Geo-App durchstarten

Angefangen hat GeoCron 2012 als Startup mit zwei Programmierern. Innerhalb von zwei Jahren hat die Basler Firma eine Software entwickelt, die anhand von Bildern exakte Geodaten auswertet. Die Software wird mittlerweile von grossen US-amerikanischen Playern verwendet, die GeoCron-Aktie legte im Jahr 2014 rasant zu.

2015 schrieb die Firma 1 Million Gewinn, den sie zum ordentlichen Steuersatz von 22 Prozent versteuerte. Neu muss die Firma nur noch 13 Prozent Gewinnsteuern zahlen – dazu kommt, dass GeoCron ihr Produkt als urheberrechtlich geschützte Software anmelden und somit die Patentbox anwenden kann.**

Dank der Patentbox spart die Firma 20’000 Franken an Gewinnsteuern. Zusammen mit der Senkung der Kapitalsteuern zahlt GeoCron 152’500 Franken weniger als vor der Reform.

Eigenkapital: 10 Millionen / Gewinn: 1 Millionen

 

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* Die Steuerverwaltung hat auf Anfrage der TagesWoche in fünf Beispielen anhand der Kennzahlen Eigenkapital und Gewinn ausgerechnet, wie sich die USR III auswirkt. Die Ausformulierung der Beispiele erfolgte durch die TagesWoche. Sie sind fiktiv und in keiner Weise an existierende Unternehmen angelehnt.
Die Berechnungen beziehen sich auf das Umsetzungskonzept, das Eva Herzog präsentierte. Sie will die 
Patentbox und zinsbereinigte Gewinnsteuer einführen sowie die Einnahmenausfälle auf 40 Prozent der effektiven Steuerbelastung begrenzen (Entlastungsbegrenzung). Die Inputförderung, die andere Kantone einführen, will Basel-Stadt nicht anwenden. Die Erhöhung der Kinderzulagen, die ebenfalls im Umsetzungskonzept steht, ist hier nicht einberechnet. Ebenso wurde einfachheitshalber darauf verzichtet, die Erhöhung der Dividendenteilbesteuerung zu berücksichtigen.
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** Als wahrscheinlich gilt, dass der Bundesrat die Patentbox via Verordnung so ausformuliert, dass auch urheberrechtlich geschützte Software abzugsfähig ist.

Konversation

  1. Warum is eigentlich Herrn Blocher mit seiner Volkspartei für die USR III.
    Er sollte vorsichtiger sein, die gesamte classe politique ist dafür, die uns gemäss Herrn Blocher nur bescheisst,anlügt und unfähig ist. Deshalb sollte er doch dagegen sein.
    Aber ich bin sicher, ich hab das wieder mal falsch verstanden.
    Oder sind es velleicht die Alternativen Fakten a la Trump?

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  2. @Georg
    Tut das eigentlich gut die sog.Linken so zu hassen? Sie werden immer extremer.
    Das ist wirklich nur eine Frage, ich finde diesen Links/Rechts Hickhack so daneben, vor allem weil es sicherlich nie zu einem Ergebnis führt.
    Glauben Sie allen Ernstes daran dass die von Ihnen so verhätschelten Rechten soviel besser sind und/ oder es besser wissen?
    Ob Sie es nun wahrhaben wollen oder nicht. Jeder Mensch hat nun mal seine Meinung. Der Mensch der sich erdreisten kann die Wahrheit zu wissen, ist noch nicht geboren oder sind Sie der Auserkorene?

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  3. Vielen Dank für die Erläuterungen, Herr Blapp.

    Ich finde die tägliche Befriedigung, die mir mein Kerngeschäft vermittelt viel spannender, als ständig Rappen zu spalten. Das geht meinem Compagnon ganz ähnlich, weshalb wir uns vertrauensvoll in die Hände unseres Treuhänders begeben. Darüber hinaus fehlt uns die halbkriminelle Energie zugunsten einer hohen Moral. Somit erhöhen wir lieber alle Löhne und unterstützen die Gemeinden, vorallen in Basel-Land, die es gut gebrauchen können. Als Basel-Städter liegt mir etwas daran, für die gute Beziehung.

    Ich weiss, wir sind keine „normale“ Firma. Das höre ich ständig 😉

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  4. Herr Blapp, Danke! Ich bin froh um diese verständlichen Argumente. Mein Beitrag zur Abstimmung ist, möglichst vielen Bekannten zu erklären warum ich diese Vorlage ablehne. Nicht nein weil dagegen sondern NEIN weil die Vorlage überarbeitet werden muss.

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  5. Das mit dem Unternehmerlohn ist so halber richtig. Die AHV-Kasse sieht 126’000 CHF als akzeptablen Unternehmerlohn an. Den Rest des Gewinns können Sie als Super-Dividende ausschütten.

    Baselstadt ist ein ganz schlechtes Beispiel, weil der Kanton durch die USR III nicht Steuereinnahmen verliert. Genau wegen Basel und Genf machen wir die ganze Übung.
    Problematisch ist das für die Gemeinden mit wenig Holdings und intern. Firmen. Genau dort fehlen die Steuereinnahmen und es kommt nicht mehr rein.

    Kleine Firmen werden vermehrt Dividenden ausschütten, auch wenn sie vorher bedacht waren möglichst keinen Gewinn zu machen. Die Steuerersparnisse der Firmenbesitzer gründen vor allem darauf, dass auf den Firmengewinnen und den ausbezahlten Dividenden ALLE Sozialabgaben entfallen (AHV, IV, ALV, KTG). Es ist zudem unklar, ob die eingesparten Steuern als Dividende ausgeschüttet werden. Die Firmen können auch Investitionen tätigen, womit dann das Steuersubstrat direkt verloren geht.

    Prominente Politiker wie Christian Wanner (FDP) und Eveline Widmer Schlumpf (BDP) warnen ebenfalls vor den Folgen der jetzigen USR III Vorlage. Beide haben jahrelange Erfahrung und wissen wovon sie reden.

    Notwendige Änderungen:

    – Die Erhöhung der Dividenden-Teilbesteuerung auf mind. 70% – 80%.

    – Ebenfalls sollte das Steuerschlupfloch des fiktiven Zinsabzugs auf Eigenkapital gestrichen werden. Das ist genau so stossend wie der alte Zopf des fiktiven Eigenmietwerts für die Eigenheim-Besitzer. Zudem waren die Finanzierungskosten noch nie so tief wie heute. Achtung Falle: Der Zinssatz ist nirgendwo definiert. Wenn nun ein fiktiver Zins von 5% (analog Sollzinsen im OR) festgelegt wird, ist das dann doppelt so stossend, und führt zu massiven Steuerausfällen.

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  6. Ces
    Akzeptieren sies doch! Sie sind ein Chef von einer Privatunternehmung und damit machen sie sich für Linke grundsätzlich verdächtig. Einzig mit einem Job beim Staat oder einem NGO wären sie ein voll akzeptierter Mensch.

    So sind sie halt doch nur ein böses, ausbeuterisches Kapitalistenschwein! Und das gehört bekämpft.

    Es darf keine einzige Ausnahme von diesem Bild geben, egal wie viel Mühe sie sich machen!

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  7. Wahrlich, die Unternehmenssteuerreform III ist dank der von den bürgerlichen Parlamentariern beiderlei Geschlechts beigezogenen Firmen „pwc“, KPMG und „E+Y“ zum Steuerabzugsfestival ohne Mass und Vernunft geworden. Wie alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf heute im „Blick“ meint, ist das Ganze „aus der Balance“ geraten. Die Opfer sind die einzelnen Gemeinden und Kirchgemeinden, die Schulen, die Polizisten, die Krankenschwestern und -pfleger, die Alters- und Pflegeheime, der Mittelstand generell, die jungen Familien und die Senioren. Es ist eine unverschämte Umverteilung zugunsten des Kapitals, zuungunsten der Arbeit.

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