Fricktaler Bauern führen eigene Währung ein

Im Fricktal wechselt der Fördertaler bereits viele Hände. Die Währung ist nur eine der Ideen, mit denen innovative Landwirte für eine rosigere Zukunft ackern.

«Wir Bauern brauchen Innovation und professionelle Strukturen», sagt Hans Amsler, der Präsident des Fördervereins überbetriebliche Zusammenarbeit.

(Bild: Lucas Huber)

Im Fricktal wechselt der Fördertaler bereits viele Hände. Die Währung ist nur eine der Ideen, mit denen innovative Landwirte für eine rosigere Zukunft ackern.

Gemeinsam geht es leichter, heisst es. Daran scheinen sich auch die neun Fricktaler Landwirte zu erinnern, die sich zum Förderverein überbetriebliche Zusammenarbeit zusammengetan haben. Sie vertreten rund 20 Betriebe – Obstbauern, Winzer und Anbieter agrotouristischer Dienstleistungen.

Doch wenn es nach Heinz Oftinger geht, wächst der Verein nicht nur zünftig; er wird in naher Zukunft sogar zu einer Aktiengesellschaft umstrukturiert. Die Suche nach Investoren ist bereits in Gang. «Das Potenzial ist riesig», stellt Kommunikationsexperte und Berater Oftinger fest. Ihn haben die Landwirte zu Hilfe gerufen, denn dem Erfolgsmodell Förderverein ging ein ziemlicher Tiefschlag voraus.

Aus Fehlern gelernt

Vor bald vier Jahren nämlich hatten 25 Landwirte gemeinsam das «Projekt zur regionalen Förderung», kurz PRE, ins Leben gerufen. Das sind subventionierte Programme des Bundes. Der Name: PRE Gaumengold. Doch die Widerstände, die den Initianten aus den Amtstuben in Aarau und Bern entgegenschlugen, zwangen sie, die Reissleine zu ziehen.

Nachdem immer mehr Landwirte ausgestiegen waren, kündigten die Verbliebenen ihr Engagement und nahmen die Dinge in die eigene Hand. Oftinger, der als Präsident des Vereins «Attraktiver Standort Bözberg-West» mit Innovation vertraut ist, erinnert sich: «Die Zustände waren grotesk. Aber wir machten weiter, als würde uns niemand Steine in den Weg legen.»

Unter Oftingers Ägide ist im Frühjahr 2015 der Förderverein entstanden. Hinter dem etwas biederen Namen steckt ein innovatives Netzwerk für Standortförderung. Die Mitglieder greifen sich unter die Arme; es entstand ein Pool von Fachkräften, Experten und Maschinen, man entwickelt gemeinsam Produkte, kooperiert punkto Vertrieb und Verkauf und bildet sich gemeinsam weiter.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Das trägt Früchte. So hat zum Beispiel ein Newsletter- und Kundenbindungs-Workshop dazu geführt, dass einer der angeschlossenen Betriebe eigens eine Stelle für Marketing geschaffen hat. So etwas ist in der Landwirtschaft derart ungewöhnlich, dass Vereinspräsident Hans Amsler noch heute staunt, wenn er davon erzählt.

Die Erfolge geben den Fricktalern recht. Anstatt etwa auf Bundessubventionen für benötigte Hebebühnen für die Obsternte zu warten, haben sie sich zusammengetan und die Maschinen kurzerhand selbst angeschafft. Durch Koordination werden die Eventlokale auf den Höfen besser ausgelastet, vier Winzer keltern gerade einen gemeinsamen Wein, andere lancierten die erfolgreiche «Fricktaler Glacé». Zurzeit ist die Anschaffung eines gemeinsamen Verkaufswagens in Arbeit.

Und das ist noch nicht alles. Der Förderverein hat nämlich nicht nur einen Tauschring nach alter Väter Sitte aus der Taufe gehoben; er hat auch seine eigene Währung lanciert. So kommt es, dass zwischen Gipf-Oberfrick und Bözen immer öfter mit Fördertalern bezahlt wird. «Wir Bauern brauchen Innovation und professionelle Strukturen», sagt Vereinspräsident Amsler. Heinz Oftinger hat diese Strukturen mit Betriebsanalysen, Businessplänen, Ideen gebracht. Und mit einer offenen Haltung, die manchem Mitglied die Augen öffnete.

Konversation

Nächster Artikel