Niemand will von den Aktien-Tricksereien gewusst haben

Nach der BKB wird auch die Tochter Bank Coop wegen Kursmanipulationen von der Finma gerügt. Die Bank wälzt die Schuld auf den ehemaligen CEO Andreas Waespi ab. Doch Vorwürfe muss sich auch der Verwaltungsrat gefallen lassen.

Der eine trickste mit dem Kurs, der andere schaute nicht hin: Andreas Waespi, früherer CEO der Bank Coop, und Verwaltungsratspräsident Ralph Lewin. (Bild: Keystone)

Nach der BKB wird auch die Tochter Bank Coop wegen Kursmanipulationen von der Finma gerügt. Die Bank wälzt die Schuld auf den ehemaligen CEO Andreas Waespi ab. Doch Vorwürfe muss sich auch der Verwaltungsrat gefallen lassen.

Der Basler Bankenplatz kommt nicht zur Ruhe. Nach wiederholten Fehlgriffen der Basler Kantonalbank (BKB) und den unlängst bekannt gewordenen Ermittlungen gegen die Privatbank Safra Sarasin herrscht nun Aufregung bei der Bank Coop. Die Finanzmarktaufsicht Finma rügt die BKB-Tochter wegen unzulässiger Stützkäufe der eigenen Inhaberaktie.

Zwischen 2009 und 2013 hat die Bank rund um Stichtage wie die Publikation von Monats- und Jahreszahlen sowie vor und während der Publikation Geschäftszahlen mit Zukäufen den eigenen Kurs gestützt. Mit ähnlichen, wenn auch geschickter kaschierten Schlaumeiereien hatte sich bereits das Mutterhaus vor einem Jahr eine Rüge der Finma eingefangen. Die BKB musste damals mit dem Handel mit dem eigenen Titel erzielte Gewinne über 2,6 Millionen Franken an den Bund überweisen. 

Dreijähriges Berufsverbot

Viel gravierender waren die Konsequenzen für Bankratspräsident Andreas Albrecht: Er musste seinen Posten räumen. Personelle Konsequenzen muss im Fall Bank Coop der damalige CEO Andreas Waespi tragen. Waespi wurde von der Finma als Hauptverantwortlicher identifiziert, gegen ihn wurde ein dreijähriges Berufsverbot verhängt. 

Nach Bekanntgabe des Entscheids hat Waespi sämtliche Ämter aufgegeben. Eigentlich sollte er neuer Direktionspräsident der Aargauer Kantonalbank werden, auch vom Präsidium von Swisscanto trennt er sich, wie er in einer Mitteilung verlauten lässt. Waespi kritisiert den Entscheid der Finma als «unverhältnismässig und auch nicht nachvollziehbar».

Waespi entspringt wie der in Basel geschasste Skandalbanker Hans Ringger und weitere frühere BKB-Grössen der ehemaligen Volksbank in Zürich. In seine Ägide bei der Bank Coop fällt ein peinlicher Versandfehler, als tausende Kontoauszüge falsch verschickt wurden.

Überraschender Rücktritt

Waespi war im Sommer überraschend als CEO der Bank Coop zurückgetreten und sogleich freigestellt worden. Inzwischen ist klar, weshalb: Seit März lief das Enforcement-Verfahren der Finma und die Bank kooperierte umfassend. Als sich die Anzeichen verdichteten, dass Waespi die Verantwortung dafür trägt, zog man in der Bank die Notbremse. 

In der Bank Coop selber geht man (wie die Finma) von einer Einzeltäterschaft aus. Demnach hat Waespi an allen Aufsichtsgremien vorbei eigenmächtig Käufe getätigt, um den sich seit Jahren im Sinkflug befindenden Aktienkurs zu stützen. «Der Verwaltungsrat hat keine Stützungskäufe in Auftrag gegeben», lautete die offizielle Auskunft von Sprecherin Natalie Waltmann.

Auch wenn der Verwaltungsrat nichts von den Stützkäufen gewusst haben soll, trägt er als Aufsichtsgremium die Verantwortung für das Treiben des CEOs. Personelle Konsequenzen würden gleichwohl keine gezogen, sagt Waltmann. Ralph Lewin, Verwaltungsratspräsident und ehemaliger Regierungsrat der SP, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. 

«Es gab keine ausreichende Kontrolle über den Handel in eigene Aktien.»
Finma-Sprecher Tobias Lux 

Dass der Verwaltungsrat seiner Kontrollpflicht nicht nachgekommen ist, bestätigt Finma-Sprecher Tobias Lux auf Anfrage: «Wir haben im Verfahren festgestellt, dass die Kontrollinstanzen der Bank keine ausreichende Kontrolle über den Handel in eigene Aktien ausgeübt haben.» Personelle Konsequenzen forderte die Finma keine, da «dieser Mangel nicht einzelnen Individuen zuzuordnen war».

Offen ist, ob es bei den Manipulationen Absprachen zwischen der BKB und ihrer Tochter gab. Die BKB weist auf Anfrage jede Verantwortung von sich. Auch die Bank Coop verneint Zusammenhänge. Die Finma sagt: «Absprachen zwischen den Banken waren keine Faktoren, die für unsere aufsichtsrechtliche Beurteilung entscheidend gewesen wären.»

Grosse Überschneidungen mit BKB

Allerdings bleibt es schwer vorstellbar, dass keine Kommunikation zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft in der Sache stattfand. Zumal die Überschneidungen in den Aufsichtsgremien beträchtlich sind. So beaufsichtigt SP-Grossrätin Christine Keller, Vize-Präsidentin der BKB, beide Banken. Auch der unter grossem öffentlichen Druck aus dem BKB-Bankrat zurückgetretene CVP-Nationalrat Markus Lehman sass lange Jahre in beiden Organen. Sein Mandat bei der Bank Coop lässt er auslaufen. 

Auch LDP-Mann Andreas Albrecht, der bei der BKB für das Frisieren des Kurses die Verantwortung übernahm, war bis zu seinem Rücktritt Verwaltungsrat der Tochtergesellschaft. Für die BKB, die sich in den letzten Monaten unter grossen Anstrengungen freigeschwommen hat, wäre eine direkte Verwicklung in die jüngste Affäre äusserst unangenehm.
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Mehr zum Thema: «Aufgrund der öffentlich zugänglichen Informationen ist die Massnahme der Finma angemessen», sagt Bankrechtsexpertin Monika Roth im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Und fragt sich, was die Aargauer Kantonalbank bei der Anstellung von Andreas Waespi wusste.

Konversation

  1. Natürlich konnte wieder niemand von den ganzen Skandalen wissen. BKB und Bank Coop betrügen ihre Anleger jahrelang, aber natürlich waren das nur Einzelfälle von bösen Bankern.

    Beispiel BKB: Da gabs ja noch keine Medien, welche bereits Anfangs 2012 auf die Kursstützungen hinwiesen… (http://www.cash.ch/news/alle-news/basler_kb_kauft_zur_kurspflege_eigene_titel_auf-1137175-448)
    Und wir haben auch nicht auf Reaktion darauf die ganze Geschichte ein halbes Jahr später bestätigt… (http://www.occupybasel.ch/massive-eigenkaufe-bei-der-bkb/1019)

    Aber dann kams halt wies kommen musste, irgendwann konnte auch die FINMA den Dreck unter dem Teppich nicht mehr übersehen. Auch nicht so schlimm, schlussendlich bezahlens ja schliesslich die Basler SteuerzahlerInnen.

    Das Traurige daran: Die Regierung kümmert das nicht und findet es nicht nötig, das neue Bankgesetz mit griffigen Regulierungen zu versehen. Und verschweigt ganze Vernehmlassungseingaben wie beispielsweise unsere weil sie wahrscheinlich nicht so einfach zu entgegnen gewesen wären wie die im Detail besprochenen aber schlussendlich wirkungslosen Plänkeleien der Parteien.

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