Schweiz bleibt eine der schlimmsten Steueroasen

Die britische Organisation Oxfam hat eine Liste mit den schlimmsten Steueroasen der Welt vorgelegt. Die Schweiz belegt Rang vier, vor allem weil sie Hand dazu bietet, anderen Ländern das Steuersubstrat zu entziehen.

In der Schweiz lebt es sich paradiesisch für globale Multis – auf Kosten der Weltgemeinschaft rundherum.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die britische Organisation Oxfam hat eine Liste mit den schlimmsten Steueroasen der Welt vorgelegt. Die Schweiz belegt Rang vier, vor allem weil sie Hand dazu bietet, anderen Ländern das Steuersubstrat zu entziehen.

Immer wieder macht die britische Hilfsorganisation Oxfam darauf aufmerksam, wie extrem der Wohlstand auf der Welt verteilt ist. Die 62 reichsten Personen des Planeten besitzen gleich viel wie die 3,6 Milliarden ärmsten Menschen, errechnete Oxfam unlängst.

Jetzt zeigt die Organisation, wer dafür massgeblich mitverantwortlich ist: unter anderem die Schweiz. Sie steht an vierter Stelle und verpasst damit einen Podestplatz im Ranking der übelsten Steueroasen der Welt. Die vollständige Liste:

  1. Bermudas
  2. Cayman Islands
  3. Niederlande
  4. Schweiz
  5. Singapur
  6. Irland
  7. Luxembourg
  8. Curaçao
  9. Hong Kong
  10. Zypern
  11. Bahamas
  12. Jersey
  13. Barbados
  14. Mauritius
  15. Britische Jungferninseln

100 Milliarden Dollar Steuereinnahmen entgehen alleine den Entwicklungsländern pro Jahr, schätzt Oxfam. Das würde reichen, um 124 Millionen Kindern, die keinerlei Zugang zu Bildung haben, in die Schule zu schicken, hat die NGO berechnet. Darüber hinaus könnten dank Investitionen ins Gesundheitswesen 6 Millionen Kinder jährlich vor dem Tod bewahrt werden. 

Weltmeister im «Profit Shifting»

Die Schweiz sorgt auf verschiedene Weise dafür, dass Unternehmen ihre Gewinne in Entwicklungsländer nicht abliefern müssen. Sie bietet gemäss Oxfam ideale Voraussetzungen für sogenanntes «Profit Shifting», also das Verschieben von Gewinnen in steuergünstige Gefilde. Konzerne, die ihren Sitz in der Schweiz haben, saugen die Gewinne ihrer Ländertöchter etwa durch den Verkauf von Lizenzen oder die Vergabe interner Darlehen ab.

Durch die geplante Unternehmenssteuerreform III würden die Holdingprivilegien zwar aufgegeben, dafür kommen neue Instrumente, die Oxfam der Trickkiste für Steuervermeidung zurechnet, etwa die Patentbox, mit der sich Forschungsausgaben abziehen lassen.

Basel-Stadt bleibt für Steuertrickser attraktiv

Zudem soll der Steuersatz für Unternehmen radikal gesenkt werden. In Basel beispielsweise von 22 Prozent auf 11 bis 13 Prozent. So bleibt der Kanton für Konzerne und deren Praxis der Steuerminimierung attraktiv.

Global betrachtet sanken die Unternehmenssteuern in den letzten zehn Jahren von durchschnittlich 27,5 Prozent auf 23,6 Prozent. Die Löcher in den Staatshaushalten werden vorwiegend durch eine Erhöhung der unsozialen Mehrwertsteuer gestopft. In der Subsahara-Region macht die Mehrwertsteuer mittlerweile 67 Prozent der gesamten Steuererträge aus.

Das Oxfam-Ranking könnte nicht das einzige bleiben, das die Schweiz in ein schlechtes Licht rückt. Sowohl die G20 wie auch die EU wollen in den kommenden Monaten Schwarze Listen von Steueroasen veröffentlichen, die auch Sanktionen zur Folge haben könnten.

Konversation

  1. Wo 100 Mia. Dollar oder Franken an Steuereinnahmen fehlen, muss mindestens 10x oder bis 30x soviel Vermögen oder Einnahmen vorhanden sein, wenn man sich so einen üblichen Steuersatz vorstellt: 1-3 Billionen Franken werden da schwarz „gemacht“.
    Ich nehme an, dass dies ein diskretes, aber wesentliches Kerngeschäft der Schweiz ist und auch begründet, warum hier die Finanzwirtschaft in allen Facetten so gehätschelt wird.
    Daneben scheint der Gewinn aus Arbeit tatsächlich eher „Peanuts“ zu sein. Das bedeutet, dass auch die Steuern daraus eher „Peanuts“ wären, wenn der andere Teil ordentlich versteuert würde.

    Wenn dieser im Schatten gedeihende Anteil der Wirtschaft derart gross ist, dann HAT die Schweiz IMMER NOCH ein Konkursrisiko analog Griechenland, wenn da eine grössere Struktur (etwa die USA oder die EU) da auf einen halbwegs reinen Tisch drängt.
    Das könnte zappenduster werden!

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    1. Wenn man da weiter denkt aktuell, könnte es ja schon aus ökonomischen und ökologischen Gründen sinnvoll sein, die Leutchen nicht mehr arbeiten zu lassen: Der ganzePendelerverkehr, der Aufwand für Infrastruktur für Wege, Arbeitsplätze etc. könnte so wegfallen.

      Also: Schützt die Schweiz, bleibt daheim!

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  2. Ich würde gerne mal von jemanden der sehr viel Geld hat oder eben reich ist, wissen warum man den Staat oder die Steuerbehörden oder wen auch immer bescheissen muss. Irgendwie kommt mir das wie eine psychische Krankheit vor. Irgendwie fehlen im Hirn ein paar Klappen oder Schrauben.
    Es scheint dass man ab einem bestimmten Level einen Tunnelblick bekommt und nichts anderes hat noch Platz als Gier.
    Es kann ja ok sein dass man viel Geld hat, aber warum muss man es auf illegale Weise noch vermehren? Brauchen kann man es ja nicht wirklich.
    Ist es Angst dass ich plötzlich nichts mehr habe, oder was ist die Motivation?
    Vielleicht ein Spiel ?
    Wer ist schlimmer der Geldmensch der mit seinem Benehmen wahrscheinlich tausende von Menschen in den Ruin, in die Armut und vielleicht irgendwann in den Tod treibt oder der Berufskiller der tötet ohne Gefühlsregung?

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    1. @ Hr. Stucki:
      Taler sind oft der Stellvertreter für anderes: Fehlende Liebe aus der Kindheit, Reaktion auf frühere Armut (nie wieder hungern!) oder auch ein gutes Mittel für Ansehen und Macht. Wer mit einem italienischen roten Flitzer vorfährt, beeindruckt manche Frau mehr als wenn er mit einem alten Velo kommen würde.
      Die Reichen bleiben auch gerne unter sich: Die Ärmeren können bei Gucci, Rado, Tissot, Maybach und anderen Edelmarken gar nicht mitreden.
      Andererseits, wo viel ist, ist von aussen die Eifersucht nicht weit: Der Dieb denkt, dass der Edle ja genug hat, also eine Rolex könnte man ihm ohne weiteres abnehmen.
      Dann gilt bei Geld halt das Gleiche wie bei fast allem: Man kann davon süchtig werden, wenn es einen entsprechenden hohen persönlichen Wert bekommt.

      Der Typus edler reicher Wohltäter (Bally, Escher, etc.) gelten heute eher als out.

      Ikea ist für mich eine Ausnahme: Wieviele Mütter würden am Mittwochnachmittag verzweifeln, wenn sie ihre Kinder nicht im Kinderparadies unten abgeben könnten an einem regnerischen Tag. Ausserdem ist der Kaffee bei Ikea auch noch gut zahlbar und schreiende tobende Kinder durchaus akzeptiert.

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  3. Wie sagte einst Dieter Hildebrandt:“ Das schlimmste was der Schweiz geschehen könnte, wäre wenn alle Kontoinhaber zu ihrem Geld ziehen würden“

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    1. Es könnte bald geschehen: Die letzte Latrine in den Zentren wird ja langsam für Fritzchen Cevapcici unbezahlbar.
      Und wer der Meinung ist, dass ein Haus anderthalb Millionen kosten könnte, spricht auch nicht mich und dich an, sondern jemand ganz anderen.

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