Deponiesanierung in Grenzach D: Schweizer Einsprachen abgeblitzt

Die Gemeinden Muttenz BL und Riehen BS sind mit ihren Einsprachen gegen die Pläne des BASF-Konzern zur Sanierung seines Teils der alten Deponie Kessler-Grube in Grenzach (D) abgeblitzt: Das Regierungspräsidium Freiburg hält die Pläne für zulässig.

Kesslergrube in Grenzach-Wyhlen: Hier wurden zwischen 1950 und 1976 Tausende Tonnen von hochgiftigen Chemieabfällen entsorgt.

(Bild: Matthias Strasser)

Die Gemeinden Muttenz BL und Riehen BS sind mit ihren Einsprachen gegen die Pläne des BASF-Konzern zur Sanierung seines Teils der alten Deponie Kessler-Grube in Grenzach (D) abgeblitzt: Das Regierungspräsidium Freiburg hält die Pläne für zulässig.

Das Landratsamt Lörrach hatte Ende 2014 den Sanierungsplan genehmigt, der eine Einkapselung des BASF-Grubenteils und eine hydraulische Sicherung vorsieht, und den Sofortvollzug angeordnet. Dagegen wurden diverse Einwände erhoben, unter anderem von der Standortgemeinde Grenzach-Wyhlen und den Nachbargemeinden Muttenz und Riehen.

Grenzach hatte die Plan-Perspektive von 50 Jahren als zu kurzsichtig kritisiert und den Totalaushub wie für den anderen Grubenteil gefordert, für den der Roche-Konzern verantwortlich ist: Dieser Teil wird bis 2021 vollständig dekontaminiert statt nur eingepackt. Auch Muttenz bestand auf dieser tiefergreifenden Sanierungsmethode.

Vis-à-vis Basler Trinkwasser

Muttenz vermisste zudem eine regionale Grundwassermodellierung – auf ihrem Gebiet auf der anderen Rheinseite fasst die Hardwasser AG Trinkwasser für die Region Basel. Die Kesslergrube liegt im Rheinschotter über Fels. So liegt ihre Sohle laut einem Baselbieter Gutachten von 2008 teils im vom Rhein beeinflussten Grundwasser.

Das Regierungspräsidium habe nun die Einwände «nochmals eingehend geprüft und bewertet», teilte es am Donnerstag mit. Auch die Verhältnismässigkeit der Sanierung wurde geprüft. Die Einkapselung werde als «geeignet angesehen» zur dauerhaften Abwehr von Gefahren. Mit der geltenden Rechtslage könne man keinen Totalaushub verlangen.

Das Bundesbodenschutzgesetz erlaube Sicherungsmassnahmen für Altlasten, wenn diese die Ausbreitung der Schadstoffe langfristig verhindern. Die Einkapselung sei «ein gängiges Verfahren, das bundesweit bereits an einer Reihe von Standorten erfolgreich eingesetzt worden» sei, hiess es weiter.

Dieser Entscheid im Widerspruchsverfahren ist noch nicht endgültig: Widersprecher können ihre Einwände aufrechterhalten, worauf das Amt förmliche Entscheide erlässt, gegen die sie dann Klage erheben können.

Gift läuft aus Grube aus

Die Kesslergrube muss saniert werden, weil im Abstrom davon giftige Substanzen festgestellt wurden, die das Grundwasser gefährden. Im BASF-Teil geht es um rund 28’000 Quadratmeter, worauf teils Gebäude sowie eine Kläranlage stehen und Leitungen liegen.

Konkret sind auf 815 Metern Länge der Einbau einer 21 bis 31 Meter tiefen unterirdischen Dichtwand von einem Meter Dicke sowie eine Oberflächenabdichtung geplant. Zudem soll einströmendes Grundwasser über Jahrzehnte abgepumpt und gereinigt werden. Die Sanierungskosten – zulasten der BASF – schätzte das Landratsamt auf rund 26 Mio. Euro.

Der Totalaushub allein des Roche-Teils der Kesslergrube wird auf rund 239 Millionen Euro geschätzt; Roche bezahlt das allein. In der Kesslergrube, die ab Ende der 50er-Jahre als Mischdeponie betrieben worden war, liegt unter anderem fester Chemiemüll der Hoffmann-La Roche und der BASF-Vorgängerin Ciba-Geigy.

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