Die SBB spart bei Modernisierung unverhofft 35 Millionen

Die SBB hat beim Modernisieren des Rangierbahnhofs in Muttenz Millionen gespart: Statt der veranschlagten 195 Millionen Franken kostet die Erneuerung noch 160 Millionen Franken. Grund ist der schwache Euro.

Der Rangierbahnhof Muttenz profitiert vom tieferen Euro-Kurs. (Bild: DOMINIK PLUESS/Keystone)

Die SBB hat beim Modernisieren des Rangierbahnhofs in Muttenz Millionen gespart: Statt der veranschlagten 195 Millionen Franken kostet die Erneuerung noch 160 Millionen Franken. Grund ist der schwache Euro.

In den letzten dreieinhalb Jahren modernisierte die SBB den älteren Teil des Rangierbahnhofs in Muttenz (RB Basel I). Laut der SBB stammt ein grosser Teil der dabei neu installierten Stellwerk- und Sicherungsanlagen aus Deutschland.

Wie die SBB am Freitag mitteilte, seien die Verträge 2007 in Euro abgeschlossen worden. Damals lag dieser bei 1.60 Franken – inzwischen ist der Euro-Kurs jedoch stark gesunken. Dadurch kostet die Modernisierung des RB nicht mehr 195 Millionen Franken, sondern 160 Millionen.

Mehr Kapazität

Die Modernisierung hat den Rangierbahnhof gemäss SBB leistungsfähiger, leiser und sicherer gemacht. Ersetzt wurden drei Stellwerke und die Bremsanlagen, erneuert Schwellen, Schotter und Gleisunterbau. Verbessert wurde zudem der Grundwasserschutz. 59 Weichen und 25 Gleiskilometer Schiene wurden aus-, 38 Weichen und 24 Gleiskilometer Schiene neu eingebaut.

Im Rangierbahnhof werden die Wagen ankommender Güterzüge getrennt und nach Zielorten zu neuen Zügen formiert. Eine Rangierlok schiebt dazu die entkuppelten Wagen über den Ablaufberg, von wo sie in die Richtungsgleisgruppe rollen; im Gleisfächer dirigieren Weichenschaltungen die einzelnen Wagen in ihr Bestimmungsgleis. Abgebremst werden sie von Bremsanlagen in den Geleisen.

Mit der Modernisierung wurde die Leistungsfähigkeit des RB Basel gemäss SBB nun wesentlich erhöht. Mussten früher SBB-Mitarbeitende das Abbremsen vor Ort mit einem Regler steuern, misst das neue Rangierstellwerk die Laufeigenschaften der abrollenden Wagen und bremst sie individuell automatisch ab. Neu können so bis zu 2400 Güterwagen pro Tag statt der früheren 2000 durchgeschleust werden.

Wesentlich leiser

Das aus Balkengleisbremsen bestehende neue Bremssystem ist laut der SBB aber auch wesentlich leiser. Grund ist die Verwendung von Zapfen aus Sintermetall, die in die Gusselemente der Bremsbalken eingelassen sind. Diese «Silent Segments» wurden im RB Basel I erstmals über längere Zeit und bei unterschiedlichen Bedingungen getestet.

Dabei hätten die Bremsen je nach Abnutzung und Witterung den Lärm um mehr als die Hälfte reduziert. Deutlich verringert habe sich auch die Zahl der «Kreischereignisse». Nach diesen positiven Erfahrungen seien die Einlagen nun auch in die Balkengleisbremsen der Rangierbahnhöfe Basel II, Limmattal, Lausanne und Buchs SG eingebaut worden.

Auf 280 Metern Gesamtlänge wurden zudem vier Meter hohe Lärmschutzwände erstellt. Für den Grundwasserschutz wurden Sickergräben in der Richtungsgleisgruppe und eine separate Entwässerung des Ablaufbergs angelegt. Eine fachgerechte Wiederherstellung soll zudem den RB als Biotop für seltene Kleintiere oder auf trockenwarmes Klima ausgerichtete Pflanzen erhalten.

Wichtige Drehscheibe

Die Rangieranlagen in Muttenz sind eine wichtige Drehscheibe im schweizerischen und internationalen Güterverkehr. Der Rangierbahnhof in Muttenz stammt aus den 1930er-Jahren und dient dem Nord-Süd-Verkehr. In den 1970er-Jahren wurde der Rangierbahnhof Basel II für den Süd-Nord-Verkehr angefügt.

Konversation

Nächster Artikel