Die TagesWoche sagt Adieu – das sagen unsere Leserinnen und Leser

Seit der Bekanntgabe vom Ende haben uns zahlreiche Nachrichten erreicht. Einige gehässig, viele kritisch, die grosse Mehrheit aber voller Mitgefühl und Trauer über diesen Schlussstrich.

In den Sozialen Medien kamen die solidarischen Bekundungen sowohl von Arbeitskollegen, Politikern als auch von Leserinnen und Lesern:

Georg Halter, ehemaliger «Schweiz aktuell»-Redaktor, und Mathieu von Rohr, ehemaliger BaZ-Journalist und heute stellvertretender Auslandchef von «Der Spiegel», winden uns ebenfalls ein Kränzchen:

Ronnie Grob, stellvertretender Chefredaktor des «Schweizer Monats», geht mit uns und unseren Nicht-Abonnenten härter ins Gericht:

Georg von Schnurbein, Professor für Stiftungsmanagement, sieht darin eines der grossen Probleme der heutigen Medienlandschaft:

Und auch einige unserer Kommentarschreiber sind über unseren plötzlichen Abgang betrübt.

Marcel Pfeiffer

Traurig und schade!! Ich bin sehr gespannt, was die ewigen KritikerInnen jetzt zu sagen bzw. zu schreiben haben. Von denen gab oder gibt es ja genügend (zu links, zu wenig links, zu sehr mittig etc.) Aber herrgott, was soll ich denn jetzt noch lesen? die BaZ mit dem neuen Sportchefredaktor? Die BZ Basel, die seit Jahren immer mehr nach rechts rückt? Antwort immerhin national: die WoZ!! Vielleicht bemüht sich die wieder, eine Basler Lokalredaktion zu implementieren, so wie es sie zu Zeiten von Roger Monnerat und Giaco Schiesser mal gab. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt oder beinahe:-)

Piet Westdijk

Auch wenn ich vom Verlauf her dies habe erwarten können, das Ende der Tageswoche, ist diese Nachricht, wie wenn ein guter Freund jetzt gestorben ist. Ich kann es nicht glauben, bin auch hässig, dass es passiert, bin schliesslich sehr sehr traurig, dass es Dich Tageswoche nicht mehr geben wird. Auch diese Kommunität, die Begegnungen zwischen den LeserbriefschreiberInnen, die Gefühle, die hin und her geflossen sind: Da gibt es keinen Ersatz, sie ist/war einzigartig. Danke vielmal an alle Mitarbeiterinnen, die uns mit ihren Artikeln erfreut wie herausgefordert haben, und natürlich den Leuten, die dies finanziert haben, herzlichen DANK!! Das Schöne ist aber, dass wir NICHT untergehen. Auf irgendeine Weise gibt es weiter Begegnungen, die an die Zeit der Kommunität erinnern werden.

Und zu guter Letzt erwies uns ein Leser, mit dem wir immer wieder Kommunikationsschwierigkeiten hatten, noch einmal die Ehre, um auf unser Ende anzustossen. Auch wenn bei ihm nicht die gleichen Gefühle vorherrschen wie bei uns, möchten wir Eric Weber wenigstens einmal in sieben Jahren das Wort erteilen:

Guten Tag zur linken Tageswoche, ich weine ihrem linken Hetzblatt keine Träne nach. Meine Zeilen sind als Leserbrief zu verstehen. Aber Sie haben nicht den Mut, meinen Leserbrief zu bringen.Während sieben Jahren haben Sie mir nie die Möglichkeit gegeben, meine Stellungsnahme Ihnen zu sagen. Sie haben rotz-frech über mich geschrieben. Dass Sie nun eingehen, was ich schon vor Jahren geschrieben habe, im Internet, trat nun ein. Nun muss ich gleich weiter Weiss-Wein trinken. Und ich stosse an, dass es Ihre Zeitung nicht mehr gibt. Das ist für mich wie ein Mega-Orgasmus. Ich freue mich über Ihren Niedergang. Jetzt müssen Sie alle zum RAV gehen. Ihre Zeitung lag überall rum. Im Müll. In Hotels. In Restaurants. Ich habe Ihre Zeitung immer mitgenommen und habe diese umgehend in den Müll geworfen. Dass niemand mehr Ihre Zeitung sehen kann.

An der Uni liegt ihre Zeitung auch noch aus. Keiner schaut sich Ihre Zeitung an. Ich werde alle Rest-Exemplare entsorgen. Schnell. Unverbindlich. Sauber. (…) Ihre Zeitung ist für mich Quatsch, weil es Ihre Zeitung einfach nicht braucht. Sie waren keine Bereicherung für Basel. Leben Sie wohl. Bitte kehren Sie aber niemals als Zeitung zurück.

Beste Wünsche dennoch, Sie hatten nie den Mut, fair über mich zu schreiben, Sie hatten immer nur böse über mich geschrieben, obwohl ich ein guter und anständiger Mensch bin. Linksradikal will man in Basel nicht, da will man nur grün oder national.

Eric Weber, Basel, Grossrat wieder ab 2020

PS: Ich weiss von was ich schreibe, war ich angestellt bei der grössten Tageszeitung Europas, bei Bild. Ich bin Ihnen wellen-längen voraus. Bitte drucken Sie meinen Leserbrief ab. Haben Sie den Mut dazu? Dann sind Sie doch noch eine gute Zeitung, weil Sie dann Meinungs-Vielheit zeigen. Evt. sind Ihre letzten Züge doch noch gut. Ich entschuldige mich bei Ihnen. Aber nie kam ein schönes Portrait über mich obwohl meine Freundin Louise Stebler von der PdA ist und wir vieles zusammen machen, wie in Kommunistischen illustrierten von 1920 lesen.

Konversation

  1. Auch ich gehöre zu denjenigen, die das jetzige Ende der TW schade finden – und zugleich seit Jahren kein Leser oder gar Abonnent sind! Anfangs war ich allerdings ein enthusiastischer Unterstützer – als Abonennt schon vor der Begründung, und mit regelmässiger Beteiligung an Online-Diskussionen.

    Allerdings hatte ich auch schon von Anfang an meine Zweifel daran, dass so ein Projekt jemals „mittelfristig selbsttragend“ werden könne – und leider leider habe ich damit Recht behalten! Nun, besonders schwierig war so eine Prognose ja wohl auch nicht. Im Gegenteil: Die Redaktion hätte wahre Wunder vollbringen müssen um ein solches Ziel zu erreichen!

    Das ist dann allerdings erst mal nicht passiert. Als Leser bekam ich den Eindruck dass da viel zu viel hinter den Kulissen gekämpft wurde: Man sah Abgänge von vielen der besten Leute, freiwillige und unfreiwillige. Und es wurde kritisiert dass zu viel Fokus auf der gedruckten Ausgabe liege und zu wenig auf Online – mit der Folge dass man sich dann offenbar bemühte, primär mal die Druckausgabe immer schlechter zu machen.

    So konnte das beim besten Willen nichts werden: Die besten Bemühungen von Einzelnen können das fehlende Zusammenstehen im Team niemals kompensieren – da geht unglaublich viel Kraft nutzlos verloren! Das tat mir dann mit der Zeit derart weh – ich konnte dem einfach nicht mehr zusehen und habe dann gelegentlich mein Abo gekündigt und auch online fast nie mehr vorbei geschaut.

    Nun lese ich allerdings in einigen Kommentaren hier dass in den letzen Jahren durchaus auch wieder ein gewisser qualitativer Aufstieg statt gefunden habe. Es kann also sein dass ich gerade im dümmsten Moment die Hoffnung verloren habe – am Tiefpunkt vor einem Neuaufstieg!? Ich werde es nicht mehr erfahren können! Aber ich bin trotz allem überzeugt dass sicher auch in den Jahren meiner „Abwesenheit“ von einigen noch sehr viel Herzblut investiert wurde.

    Die Lehre ist für mich ganz einfach die dass guter Journalismus heute nicht (mehr?) wirtschaftlich „rentieren“ kann. So wie es gute Grundlagenforschung oder auch ein guter Kunst- und sonstiger Kulturbetrieb nicht kann. Die Zeiten wo ein Zeitungsverleger sich eine goldene Nase verdienen konnte mit Werbung – und dann daneben eine Redaktion eine relative Freiheit geniessen konnte (weil das Geld ja ohnehin floss) sind wohl definitiv vorbei.

    Kurz: Es ist also dringender als je dass wieder grössere Beträge geschenkt oder gestiftet werden – anstatt nur „angelegt“ zur immer weiteren, oft nur noch dem Selbstzweck dienenden Vermehrung! Ja, es geschieht schon jetzt, aber es geschieht viel weniger als es könnte. Und es entstünde daraus ein allgemeiner kultureller Reichtum, der viel mehr Wert hat als einfach noch ein paar Milliarden mehr auf dem Konto.

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  2. Ich danke dem TaWo-Team für das jahrelange, ein Stück weit experimentelle Engagement für eine neue Form des Journalismus. Eine, die im Gegensatz zur Konkurrenz nicht ständig die Regeln des Presserates ritzte oder brach. Seit dem letzten Relaunch waren die Artikel weniger, aber besser recherchiert geworden. Das hatte mich auch bewogen, wieder ein Online-Unterstützer-Abo zu lösen.

    Das Print-Produkt hat mich insofern nicht überzeugt, als dass man die Mehrheit der Artikel darin jeweis schon vorher online lesen konnte. Das Tages-(online) und Woche-(print)Konzept hat so nicht funktioniert, da sind sich fast alle meine Bekannten einig, mit denen ich über das Thema sprach. Für ein neues Produkt finde ich es wichtig, nur auf einen Kanal zu setzen. Online erreicht man viel mehr Personen.

    Schade fand ich jeweils, dass das politische Tagesgeschäft in der Region Basel so wenig Platz erhielt. Da würde ich mir bei einem neuen Produkt mehr davon wünschen. Generell waren die Themen sehr an die Personen einzelner RedaktorInnen gebunden. Die Stadtentwicklung war ein Thema, oder das, was die Gewerkschaften der TaWo-Redaktion gerade steckten. In der Kultur kam zwar die Kunst zu Wort, aber z.B. die grosse Basler Chorszene (ca. 60 Chöre) fand nie Platz. Natürlich muss sich ein Medium konzentrieren, aber die Themen erschienen manchmal beliebig.

    Wenn man als Inserent ein Inserat wollte, etwa auf der Suche nach politisch mehrheitsfähigen Anliegen, war die Auflage und die erreichte Zielgruppe im Verhältnis zu den Kosten ungünstiger als bei grösseren Tagesmedien. Ein neues Produkt muss für die InserentInnen klarere Konturen aufweisen.

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  3. Zu Allererst besten Dank für Eure Arbeit und Eure Leistung. Was mir an der TaWo gefallen hatte waren einige Grafiken und Zeichnungen, diese fand ich teilweise sehr gelungen.
    Andere wiederum sehr primitiv und billig. leider hattet Ihr inhaltlich auch nicht immer wirklich viel zu bieten. Oftmals einfach nur fast schon peinliche Unterstützung der Linksextremen – seien es Hausbesetzter oder irgendwelche Profiteure unserer Sozialsysteme. Ewiges Gemotze gegen Baschi Dürr und die böse Polizei, welche regelmässig Unschuldige drangsaliert, verprügelt und quält. Die Platt form stand leider, wie Eric Weber richtig vermerkt, nur Gleichgesinnten offen. Andersdenkende liess man leider gar nicht erst zu Wort kommen. Das sich suhlen im eigenen rotgrünen Gesülzt muss wohl besonders befriedigend sein- Dass es andere Meinungen gibt sah man nur und en Leserbriefen und Kommentaren.
    Ich wünsche den Noch-Angestellten aber beruflich alles Gute und viel Glück bei der Stellensuche und hoffe dass sich für viele das Blatt zum Guten wendet.
    Behaltet die Augen offen und akzeptiert, dass es auch andere Meinungen gibt. Es lohnt sich auch über den Tellerrand zu schauen und mal eine andere Position einzunehmen, denn die eigene Meinung und politische Ausrichtung ist nicht immer die Ultimative.

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  4. Danke, liebe Tageswoche. Sie haben immer wieder interessante Artikel über kleine Leute sowie kulturelle und gesellschaftliche Projekte gebracht, die nicht im Fokus der grossen Medienplayer, und des Mainstream waren. Auch wenn ab und zu Mal ein Ausrutscher dabei war, hat die Tageswoche uns Basel und die Region doch immer wieder von einer anderen und interessanten Seite gezeigt. Die Inhalte über Sport, und insbesondere über den FCB waren ebenfalls meistens bereichernd. Das Tippspiel Knack den Kiesel hat es mir erlaubt, immer wieder eines Neuen belehrt zu werden. Ich hätte nicht gedacht, dass man so oft ganz falsch tippen kann.
    Dass nicht genug Ertrag erwirtschaftet werde konnte, lag fast auf der Hand, sind in Konkurenz zum Mainstream Werbeeinnahmen doch eher sehr schwierig zu generieren. Alles Gute, und wir sind gespannt, ob der eine oder die andere bei anderen Medienprojekten wieder in Erscheinung treten wird.

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