En Guete! Lust auf einen Insektenburger?

Mehlwurm im Salat, Käferlarven an der Pasta, Heuschrecken in der Suppe: Geht es nach Christian Bärtsch, gehören Insekten schon bald zum Standard auf Schweizer Tellern. In Liestal erklärte er, warum.

Schmecken nussig: Mehlwürmer.

(Bild: Lucas Huber)

Mehlwurm im Salat, Käferlarven an der Pasta, Heuschrecken in der Suppe: Geht es nach Christian Bärtsch, gehören Insekten schon bald zum Standard auf Schweizer Tellern. In Liestal erklärte er, warum.

Mehlwürmer schmecken nussig, Hausgrillen erinnern an Popcorn, Wanderheuschrecken knuspern im Mund. Und sogar eine Vielzahl jener, die zuvor noch verkündet hatten, die Finger von Insekten zu lassen, machte sich über die gerösteten Tierchen her. Christian Bärtsch schaffte es am Dienstagabend im Museum.BL in Liestal, Berührungsängste zu zerstreuen.

Dort erörterte der Mann, der Insekten auf Schweizer Tellern salonfähig machen will, im Rahmen der Referate-Reihe «Museumsbar» die Ziele seines Start-ups «Essento». Noch beschränkt sich dieses auf Informationsanlässe, Dinner-Events in privatem Rahmen und die Sensibilisierung der Bevölkerung. Denn die Schweizer Gesetzgebung sieht den Verzehr von Insekten nicht vor. «Noch nicht», präzisiert Bärtsch, «denn sie sind gesund und weitaus nachhaltiger als etwa Rindfleisch.»

Sie seien die besseren Eiweisslieferanten als Rinder, Hühnchen, Schweine. Reich an ungesättigten Fettsäuren, an Eisen, Vitaminen und Mineralien, seien sie ausserdem gesünder als Fleisch. Ihre Zucht ist nachhaltig: Es benötigt zehn Mal weniger Futter, um die gleiche Menge Insekten wie Rindfleisch zu produzieren, zehn Mal weniger CO2 wird dabei ausgestossen und 100 Mal weniger Wasser verbraucht. Rechnet Bärtsch vor, «ausserdem bieten Insekten eine grosse Geschmacksvielfalt».

Mentale Barrieren sind hoch

Trotzdem sind die mentalen Barrieren hierzulande hoch. Kulturell haben Insekten keinen Platz in Europa, auch wenn Aristoteles einst auf Heuschrecken geschworen haben soll und die alten Römer Mehlwürmer mit Wein mästeten. Umfragen belegen allerdings, dass Herr und Frau Schweizer eher Insekten verzehrten, wenn das Tier nicht mehr als solches erkennbar wäre. In den Niederlanden und Belgien gibt es bereits erste Insekten-Produkte in den Supermärkten. «Es ist eine Bewegung in Gang in Europa. Das ist keine Spinneridee.»



Christian Bärtsch erläutert die Vorteile von Insekten als Nahrung.

Christian Bärtsch erläutert die Vorteile von Insekten als Nahrung. (Bild: Lucas Huber)

Darum weibelt Bärtsch mit seinen Mitstreitern und lobbyiert mit Nachdruck – die Insektenburger, die sie im vergangenen Juni im Bundeshaus servierten, gingen weg wie warme Brötchen. Besonders CVP-Präsident Christophe Darbelley habe Geschmack am Burger gefunden, erzählte ein schmunzelnder Bärtsch, der davon ausgeht, dass die Lebensmittelverordnung per 2017 angepasst ist und Insekten dannzumal auch in der Schweiz als Lebensmittel verkauft werden können.

Aufbau einer CH-Produktion angestrebt

Das bedeutet, dass die Entwicklung entsprechender Lebensmittel bei Essento bereits auf Hochtouren läuft, das bestätigt Bärtsch auf Anfrage. Auch Gespräche mit Detailhändlern haben bereits stattgefunden. Sie seien sehr interessiert, so Bärtsch, alles Weitere sei noch nicht spruchreif. Das Ziel sei ausserdem, mit der Zeit eine Produktion in der Schweiz aufzubauen. Die gerösteten Mehlwürmer, Hausgrillen und Wanderheuschrecken, die er gestern servierte, stammen noch aus europäischer Produktion.

Auf den Tellern von zwei Milliarden Menschen finden sich laut Welternährungsorganisation FAO regelmässig Insekten. In Mexiko isst man Chapulines, geröstete, mit Knoblauch gewürzte Heuschrecken. In Simbabwe werden die Mopanewürmer als Snack verspeist, in Australien die Honigtopfameisen, und in Thailand gibt es über 10’000 Insektenbauern.

Selbst in Europa werden bereits heute Insekten verputzt, wenn auch unwissentlich und unfreiwillig: Gemäss Studien sind es sage und schreibe 500 Gramm im Leben eines Europäers – mit dem Verzehr von Früchten, Mehl, beim Velofahren. Und im «Noma» in Kopenhagen, zuletzt 2014 als bestes Restaurant der Welt gekürt, landen regelmässig Insekten auf dem Teller. Bärtsch: «Das Potenzial ist auch in der Schweiz riesig.» Was das Buffet in der Museumsbar beweist; die Faszination ist gross – und kaum einer der über 50 Besucher probierte nichts.

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Die Museumsbar ist eine Feierabend-Reihe, die in jeweils einer halben Stunde ein Thema beleuchtet, danach wird an der Bar des Museums.BL diskutiert. Der nächste Anlass findet am 5. April 2016 statt. Thema: Seidenproduktion in der Schweiz.

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