Ex-Diplomat Sidan neuer Ministerpräsident in Libyen

Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Wochen hat das libysche Parlament einen neuen Ministerpräsidenten bestimmt. Die Wahl fiel auf einen langjährigen Gegner des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi, auf den Ex-Diplomaten Ali Sidan.

Der ehemalige libysche Ministerpräsident Schagur (Archiv) (Bild: sda)

Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Wochen hat das libysche Parlament einen neuen Ministerpräsidenten bestimmt. Die Wahl fiel auf einen langjährigen Gegner des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi, auf den Ex-Diplomaten Ali Sidan.

Bei der Abstimmung des Parlaments entfielen 93 Stimmen auf Sidan, der bisherige Minister für Kommunalangelegenheiten, Mohammed al-Hrari, erhielt 85, wie der Vorsitzende der Kammer am Sonntag mitteilte. Vor einer Woche hatte das Parlament in Tripolis den bisherigen Regierungschef Mustafa Abu Schagur abgesetzt.

Sidan hat zwei Wochen Zeit, um sein Kabinett vorzustellen. In einer Rede vor dem Parlament sagte Sidan, der Aufbau einer professionellen Armee und Polizei habe für ihn „höchste Priorität“. Weiter soll Sidan nach der Ausarbeitung einer Verfassung im kommenden Jahr Libyen zu echten Parlamentswahlen führen.

Der 1950 geborene Sidan wurde in den 1970-er Jahren an die libysche Botschaft in Indien berufen, wo der heutige Parlamentspräsident, Mohammed al-Megarjef, damals als Missionschef tätig war. 1980 sagte sich Sidan von Gaddafi los, ging ins Exil und setzte sich von Genf aus für die Beachtung der Menschenrechte in Libyen ein.

Während des Arabischen Frühlings Anfang 2011 repräsentierte Sidan den oppositionellen libyschen Nationalen Übergangsrat in der westlichen Welt. Am 7. Juli 2012 wurde der Parteilose zum Abgeordneten gewählt, gab sein Mandat jedoch auf, um für den Posten des Regierungschefs kandidieren zu können.

Gaddafi hatte in dem nordafrikanischen Land mehr als vier Jahrzehnte lang uneingeschränkt geherrscht. Er wurde im Zuge eines Volksaufstandes, bei dem die Rebellen von einer internationalen Militärallianz massiv unterstützt wurden, gestürzt und am 20. Oktober 2011 auf der Flucht getötet.

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